Downhill Worldcup #1 2017 in Lourdes (FRA): Rennbericht

Wer ist denn Alexandre Fayolle?

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 4 Jahren

Nach der EWS in Tasmanien und Rotorua hat sich Petrus auch beim Worldcup #1 in Lourdes heftig eingemischt. Die Damen blieben trocken, die Top 10 der Männer erwischte ein Tief mit voller Breitseite.

Der Worldcup in Lourdes sollte die Worldcup Saison 2017 mit einem Duell der Extreme eröffnen. 29 Zoll gegen 27,5 Zoll, Danny Hart gegen Aaron Gwin. Und er sollte Antworten liefern. Kann Rachel Atherton 2017 wieder geschlagen werden? Wird Danny Hart an seine Siegessträhne vom letzten Jahr anknüpfen können? Wie schlagen sich die Santa Cruz Neulinge Luca Shaw und Loris Vergier mit neuem Team und auf neuen Laufrädern? Kann Greg Minnaar die 20 Worldcup Siege vollmachen, jetzt endlich mit einem Bike und Laufrädern die zu seinen 1,90 Meter Körpergröße passen?


Die Qualifikationsrunde sah ganz nach einem Rennen aus, das diese Erwartungen erfüllen würde. Bei den Männern lagen die Zeiten extrem dicht zusammen, die Top 20 trennten am Ende keine sieben Sekunden. Dazu alle Favoriten in Lauerstellung die Hälfte der ersten sechs Plätze besetzt vom Santa Cruz Syndicate auf 29 Zoll Bikes mit Loris Vergier auf der Pole-Position, Luca Shaw auf drei und Greg Minnaar auf sechs. Dazwischen Loic Bruni auf Platz zwei, Danny Hart und Aaron Gwin auf den Plätzen vier und fünf. Bei den Damen war es Tahnee Seagrave tatsächlich gelungen Rachel Atherton um wenigstens 1,33 Sekunden zu schlagen, es folgte Manon Carpenter auf Platz drei, Tracey Hannah auf Platz vier und Myriam Nicole auf Platz fünf.

Viel Wind im Rennen der Damen


Aber der Renntag folgt seinen eigenen Gesetzen. Schon vor dem Beginn des Damen-Finales blies der Wind kräftig und böig über den exponierten Hang in den Ausläufern der Pyrenäen. Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometer pro Stunde drohten die Blätter von den Bäumen zu reißen und machten die wenigen Sprünge im oberen Teil der Strecke zu einer echten Herausforderung. Die Kanadierin Miranda Miller unterbot die bereits sehr schnelle Zeit der ehemaligen Weltmeisterin Morgane Charre um gut sieben Sekunden. Doch die schnellen Fünf, Myriam Nicole, Manon Carpenter, Tracey Hannah, Rachel Atherton und Tahnee Seagrave, würden das Podium wieder unter sich aufteilen.

Manon Carpenter war in der Qualifikation schon schnell, im Rennen noch nicht ganz an der Pace der anderen Damen. Für ihr erstes Worldcup Rennen auf einem neuen Bike aber eine reife Leistung, die hoffen lässt.


Myriam Nicole folgte als nächste und sprengte die Dreieinhalb-Minuten-Marke um gut zwei Sekunden, die Austalierin Tracey Hannah war in den staubigen Bedingungen aber eindeutig besser aufgehoben und legte eine Zeit von 3.24.009 hin. Fast fünf Sekunden schneller als die Siegerin der Qualifikationsrunde, Tahnee Seagrave und damit schon eine echte Kandidatin für den Rennsieg in Lourdes. Manon Carpenter hingegen konnte ihre Zeit aus dem Qualifying nur wenig verbessern und landete mit einer Zeit von 3.30.021 deutlich außerhalb der von Hannah vorgegebenen Benchmark, doch Rachel Atherton bewies wieder einmal, warum sie als die wohl talentierteste Downhill-Fahrerin aller Zeiten gilt.

Rachel Atherton bleibt ungeschlagen


Kaum eine Blöße gab sich die Britin, schoß trotz des Windes über die Sprünge im oberen Streckenabschnitt, nahm die steile und steinige Angstpassage, genannt "the Wall" flüssig und ohne Bewegung oder Zeit zu verlieren und ließ sich auch durch die Wurzeln im unteren Teil der Strecke nicht aus der Ruhe bringen. Bei 3.21.430 blieb die Uhr stehen. Da konnte auch Tahnee Seagrave nicht mehr viel ausrichten, die ihre eigene Zeit aus der Qualifikation zwar ebenfalls um fast fünf Sekunden unterbot, doch an Rachel Athertons Klasse nicht heranreichte.


Rachel Atherton bleibt also auch dieses Jahr zunächst an der Spitze, doch die Konkurrenz schläft nicht. Drei Sekunden Vorsprung sind zwar mehr als nur eine Haaresbreite, aber im Downhill durchaus kein unüberwindbarer Vorsprung. Tracey Hannah blieb in den letzten Jahren konstant schnell und fiel im Rennen fast nie unter Platz vier, Tahnee Seagrave hat nun schon die zweite Qualifikation gegen Rachel Atherton gewonnen und Manon Carpenter kann mit einer gewissen Gewöhnung an ihr neues Bike vielleicht auch noch einige entscheidende Sekunden herausfahren. Es bleibt also abzuwarten, ob auch der Worldcup in Fort William am 4. Juni noch so günstig für Rachel Atherton ausgehen wird.

Das Podium der Damen: Myriam Nicole, Tracey Hannah, Rachel Atherton, Tahnee Seagrave, Manon Carpenter (von links).

Finale der Männer


Er kann es einfach nicht lassen. Bei jedem downhill-orientierten Rennen in diesem Jahr hat Petrus die Finger im Spiel gehabt und Wohl und Wehe der Topfahrer in der Waagschale rotieren lassen. Bei der Enduro World Series in Rotorua ebenso wie bei der EWS in Tasmanien . Und nun fallen in Lourdes bei der Siegerehrung der Damen die ersten Tropfen, der Himmel zieht sich zu, der Wind frischt noch weiter auf. Kein gutes Zeichen für das Rennen der Männer. Kommentar Tahnee Seagrave: "Das Finale der Männer wird jetzt echt spannend". Ein wahres Wort gelassen ausgesprochen.

Mark Wallace kam ebenso noch in den Genuss einer trockene Strecke, am Ende reichte es für Platz zwei.


Doch was folgen würde, konnte auch Tahnee Seagrave wirklich nicht ahnen. Lediglich Platz 52 mit fast 13 Sekunden Rückstand hatte Alexandre Fayolle, Teamkollege von Mick und Tracey Hannah im Polygon UR Team, in der Qualifikationsrunde geholt. Und dreizehn Sekunden Rückstand sind im Downhill-Racing, insbesondere bei den Männern wirklich Welten. Doch im Finale packte Fayolle den Turbo aus. Angetrieben von den französischen Fans und begünstigt durch seinen frühen Startplatz raste Fayolle mit High-Speed über eine so gut wie komplett trockene Strecke. Eher mit Staub, als mit nassen Steinen und Wurzeln hatte er zu kämpfen, der Regen hatte noch gar nicht richtig eingesetzt.


Und wie auch die schnellen Damen vor ihm, konnte Fayolle seine Zeit aus der Qualifikation noch einmal deutlich verbessern. Doch nicht um eine Sekunde, auch nicht um drei oder fünf Sekunden. Sondern um ganze 13 Sekunden. Und bei allen die mitgedacht hatten, gingen spätestens jetzt die Alarmglocken in den Dauerbetrieb über. Eine Zeit von 2.52.684 war Loris Vergier in der Qualifikation gefahren und hatte sich damit die Pole-Position geholt. 2.52.758 war nun die Zeit von Alexandre Fayolle und die Wolken wurden schwärzer und schwärzer und der Regen zog einen immer dichteren Schleier über die Strecke.

Fayolles Zeit hält stand

Marcelo Gutierrez Villegaz fuhr auf der noch trockenen Strecke auf Platz drei.


Nach und nach folgten immer schnellere Fahrer, doch Zeiten von 2.56 Minuten blieben das höchste der Gefühle, denn die Bedingungen wurden langsam aber stetig schlechter. Mark Wallace auf seinem neuen Canyon Sender war einer der 2.56 Minuten Fahrer, ebenso Marcelo Gutierrez Villegaz und Connor Fearon. Spätestens bei den Top Zehn Fahrer brach jedoch die Hölle los. Der Himmel öffnete seine Schleusen, im oberen Bereich war die Strecke von Wolken verdeckt, das Startgatter war von der nächsten Kamera aus nur noch als Schemen im Nebel zu erahnen. Die Kurven wurden glitschig vom Regen, die Felsen in den Steinfeldern des oberen Streckenabschnitts glatt wie Eis.

Der Mann des Tages. Alexandre Fayolle fuhr von Platz 52 in der Qualifikation auf Platz eins im Rennen. Eine reife Leistung, auch wenn der Regen bei den Topfahrern gute Platzierungen verhinderte.


Schon beim ersten Split lagen auch die schnellsten Fahrer der Welt gut zehn Sekunden hinter Alexandre Fayolle zurück, da nützte es auch nichts mehr, dass die untere Hälfte der Strecke durch die Bäume vom Regen abgeschirmt noch recht lange trocken blieb. Für die Zuschauer blieb es trotzdem spannend bis zur letzten Sekunde. Denn auch die schnellsten Fahrer ließen sich nicht entmutigen und versuchten das unmögliche möglich zu machen. Spektakuläre Regenfahrten folgten. Greg Minnaar kam dabei noch am besten weg und legte auf seinem neuen Bike eine Zeit von 3.09.986 hin, ob das Minnaars Erfahrung oder dem neuen Bike geschuldet war, muss Spekulation bleiben.

Spektakuläre Runs im Regen


Aaron Gwin blieb chancenlos und Regenspezialist Danny Hart driftete zwar spektakulär über die Strecke, doch auch er verlor letzten Endes die Kontrolle und landete in den Büschen. Damit war das Rennen entschieden. Weder Luca Shaw, noch Loris Vergier oder Loic Bruni konnten im Regen noch in die Top 50 fahren. Insbesondere Loic Bruni gab jedoch alles, während die Fans völlig ausrasteten und ihn so für seinen Versuch immerhin mit entsprechendem Gejohle ehrten. Platz 71 war es am Ende, das Gras im Zielbereich war so nass, das Loic seitlich wegrutschte und erst einmal liegenblieb. Wohlverdient muss man sagen.

In der Qualifikation holte Loris Vergier mit seinem neuen 29er V10 den Sieg. Im Rennen verhinderte der Regen eine gute Platzierung.


Bleibt nur zu hoffen, dass der nächste Worldcup in Fort William am 4. Juni wenigstens für alle die gleichen Bedingungen bietet. Dann erst wird sich zeigen, mit wem man dieses Jahr im Worldcup rechnen muss und mit wem nicht.

Die drei schnellsten Herren. Mark Wallace, Alexandre Fayolle und Marcelo Gutierrez Villegaz (von links).


Hier finden sie die komplette Ergebnissliste der Männer und der Frauen auf der Website der UCI , die Wiederholung ist auf Red Bull TV zu sehen.

Schlagwörter: Downhill Greg Minnaar Loic Bruni Lourdes Rachel Atherton Worldcup


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