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Die Sparte Leistungssport bei Swiss Cycling soll separiert werden

BIKE Magazin am 18.03.2007

An der Swiss Cycling-Delegiertenversammlung wurde der Startschuss für die Neuorganisation des Leistungssports gegeben. Die finanzielle Situation des Radverbands bleibt angespannt – Solidaritätszahlungen aus dem Clubs sind dennoch tabu.

Swiss Cycling-Präsident Melchior Ehrler.

Erstaunlich lammfromm ist die 140. Delegiertenversammlung von Swiss Cycling Mitte März in Luterbach über die Bühne gegangen. Obschon die Verbandsführung zu alten Untugenden zurückgekehrt ist (massiv erhöhte Verschuldung und ein erneut markanter Rückgang bei den Sponsorengeldern und Verbandsmitgliedern), scheinen sich die Delegierten mit dem Missstand abgefunden zu haben oder «glänzten» mit Abwesenheit. Nur 107 Stimmberechtigte lauschten den Ausführungen von Verbandspräsident Melchior Ehrler und seinem Stab. Zum Vergleich: An der ausserordentlichen DV im Dezember 2000, als sich die Situation ähnlich desolat präsentierte, hatten sich in Lyss noch 200 Stimmberechtigte für die Geschicke der Swiss Cycling-Führung interessiert. So gut wie kein Interesse an der DV bekundeten Repräsentaten des Bikesports.

Mit dem neuerlichen Defizit von 257000 Franken wächst die Gesamtschuld des Schweizer Veloverbandes nach drei positiven Jahren wieder auf deutlich über eine Million Franken an (1181000). Die gesamten Anstrengungen von Ehlers Vorgängern, Fritz Bösch und Fränk Hofer, sind somit nicht nur in finanzieller Hinsicht wieder Makulatur. Die Sponsoreneinnahmen sanken im vergangenen Jahr um weitere 293000 Franken, die Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen um 118000 Franken. «Wir haben im finanziellen Bereich Transparenz geschafft und können nun klar aufschlüsseln, in welche Bereiche die Finanzen abfliessen», erklärte Ehrler. Eine Aussage, der die demissionierende Finanzchefin Marianne Kern gleich mit ihrem ersten Satz widersprach: «Wir haben bereits vor dem Amtsantritt Ehrlers mit transparenten Budgets und Rechnungen, die nach Sparten aufgeschlüsselt sind, gearbeitet.» Die Kernfrage aus dem Publikum an Kern, die Geschäftsprüfungskommission und die Kontrollstelle BDO Visura, ob Swiss Cycling mit den vorgelegten neuen Strukturen überleben könne, blieb unbeantwortet. Auch die tatsächlichen Hintergründe, weshalb das Gros der Vorstandsmitglieder vor Ablauf der ordentlichen Wahldauer demissioniert hat.

Neuorganisation des Leistungssports

Man konnte sich dem Eindruck nicht erwehren, als ob die Swiss-Cycling-Verantwortlichen bereits am Ziehen der Reissleine des Not-Fallschirms sind. Der Versammlung wurde nämlich beantragt, eine neue «Organisation für den Leistungssport» in die Wege leiten zu dürfen. Bis zur ausserordentlichen Delegiertenversammlung am 7. Juni in Ittingen sollen Strukturen, Rechtsform und das Verhältnis zu Swiss Cycling der neuen Organisation, die dem Vernehmen nach eine Stiftung werden soll, den Delegierten vorgelegt werden. Ein taktisch kluges Vorgehen von Ehrler. Ein vergleichbares Ansinnen hatte bereits sein Vorgänger Hofer. Er wollte die trägen Kantonalverbände auflösen und vier regionale Leistungszentren gründen, scheiterte jedoch am undiplomatischen Vorgehen. Ehrler dagegen holte zuerst die scharfen Verbandskritiker in die Kommission, deren Führung der neue Geschäftsführer Viktor Andermatt und der technische Direktor von Swiss Cycling, Roland Richner, übernehmen. Ehrler nahm damit einer allfälligen Opposition den Wind aus dem Segeln. Der Antrag wurde an der DV denn auch nahezu diskussionslos angenommen.

Die Delegierten schienen sich dem Ernst der finanziellen Situation bewusst. Denn die Zahlen, die Andermatt präsentierte, waren alarmierend. Trotz aller Sparbemühungen muss Swiss Cycling bis Mitte Jahr eine Finanzquelle in Höhe von 150000 Franken erschliessen, um die Liquidität zu sichern. Längerfristig müssten per annum sogar 380000 Franken mehr in die Kassen den Schweizer Veloverbandes fliessen, um seinen Fortbestand zu gewährleisten. Auf die neugewählten Vorstandmitglieder Martin Bundi (Finanzen), Doris Turin, Alain Bovay, Mattia Galli, Johannes Gisin und Christian Zucol wartet eine anspruchsvolle Arbeit. Swiss Olympic wird nicht ewig die Bank und der Hauptsponsor von Swiss Cycling bleiben wollen. Selbst wenn Swiss Cycling mit 30 Medaillengewinnen an europäischen und internationalen Wettkämpfen, davon 14 goldene, zu den erfolgreichsten hiesigen Sportverbänden zählt.

An der DV kein Thema waren – trotz der vorgängigen Querelen – der von Vorstandmitglied René Walker und Andermatt gegründete Gönnerclub. Und das, obschon Andermatt in der laufenden Rechnung bereits mit 60000 Franken Gönnerbeiträgen kalkuliert. Tabu waren auch Zuschüsse aus den rund 500 Veloclubs und 20 Kantonalverbänden. Mit einer einmaligen Solidarütätszahlung von 2000 Franken liessen sich die Swiss Cycling Schulden, die derzeit bei Swiss Olympic zu sieben Prozent verzinst werden müssen, auf einen Schlag tilgen. Aber wieso einfach, wenns kompliziert auch geht.

Link zum Thema:

www.swiss-cycling.ch

BIKE Magazin am 18.03.2007
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