Leidet der Mountainbike-Sport unter dem E-Bike-Hype? Leidet der Mountainbike-Sport unter dem E-Bike-Hype? Leidet der Mountainbike-Sport unter dem E-Bike-Hype?

Die E-Bike-Welle

Leidet der Mountainbike-Sport unter dem E-Bike-Hype?

  • Laurin Lehner
 • Publiziert vor 3 Jahren

Die Verkaufszahlen von E-Mountainbikes steigen konstant. Viele Firmen verlagern darum die Budgets und investieren in E. Bremst dieser Trend uns Normalo-Biker aus, oder profitieren wir sogar davon?

Wer noch vor wenigen Jahren behauptet hätte, in jedem dritten verkauften Fahrrad stecke ein Akku, der galt nicht als Visionär, sondern als Spinner. Heute ist das anders. Geschätzt dreieinhalb Millionen E-Räder surren aktuell durch Deutschland. 2017 betrug der Marktanteil der E-Sparte am Gesamtmarkt laut des ZIVs (Zweirad Industrie Verband) bereits 19 Prozent. Tendenz steigend. Gut jedes fünfte 2017 verkaufte E-Rad ist ein E-Mountainbike, der Anteil betrug 21,5 Prozent.

Glaubt man Industrie-Insidern, dann ist ein Marktanteil der E-Bikes am Gesamtmarkt von 25 in naher Zukunft realistisch, langfristig gar von 35 Prozent. Doch was bedeutet das für uns Bio-Biker ohne E-Antrieb?

"Viele Entwicklungsabteilungen konzentrieren sich nun mehr auf das E-Bike", weiß Konstrukteur Bodo Probst: "Sie vermuten hier mehr Innovationspotenzial." E-Bike-Kritiker befürchten aber mehr als nur eine Innovationsflaute bei sportlichen Bikes. Nämlich den Untergang der Marathon-Race-Szene. Jüngstes Beispiel: der amtierende Deutsche Meister Markus Bauer. Der fand trotz Titel keinen Sponsor, sondern bekam stattdessen nur die Option zum E-MTB-Profi zu konvertieren. "Vielen Profis wird ein Ultimatum gestellt. Die E-MTB-Branche sucht händeringend nach angesagten Influencern", weiß Bike-Profi Rob Heran. Er sieht aber besonders ein Problem auf den Trails – gerade auf Wegen, auf denen Biker ohnehin nur geduldet werden. "Viele der Bedenken haben ihre Berechtigung", sagt Markus Greber, Projektleiter unseres EMTB-Magazins. Trotzdem sieht er auch Vorteile, von denen auch Biker ohne E-Antrieb profitieren können. "Mit dem E-MTB-Boom haben viele Tourismusgebiete begriffen, dass Biken längst nicht mehr nur eine Randsportart ist und investieren deshalb fleißig in Strecken", sagt Greber.

Nathan Hughes 720.000 E-Bikes sollen nach Angaben des Zweirad Industrie Verbands (ZIV) im Jahr 2017 verkauft worden sein. Gut jedes fünfte davon (21,5 Prozent) war ein E-MTB. Aber: Fast viereinhalbmal so viele normale Mountainbikes gingen über den Ladentisch.



MEINUNGEN


Schadet der E-Bike-Boom uns Normalo-Bikern?


Bodo Probst, Konstrukteur:
Ja, er wird den normalen Biker etwas ausbremsen. Doch das ist eine natürliche Entwicklung. Vergessen darf man nicht, dass viele der E-Mountainbiker in einem Alter sind, in dem sie das sportliche Bike ohnehin bald an den Nagel hängen werden. Fakt ist, dass die Entwicklungsabteilungen von E-Bikes bei vielen großen Firmen mittlerweile doppelt so groß sind wie die Abteilungen für sportliche Bikes. Das hemmt natürlich! Dabei ist das normale Bike noch nicht fertig entwickelt, wie viele meinen. Das E-Bike wird das normale Bike nie ersetzen!

Georg Grieshaber Bodo Probst, Konstrukteur



Markus Bauer, Deutscher Meister:
Dem Hobby-Mountainbiker schadet der E-Bike-Boom nicht. Die Marathon-Race-Szene leidet dagegen schon unter dem E-Trend. Zumindest in Deutschland. Anscheinend sind viele Bike-Hersteller gezwungen, ihr Budget umzuschichten. Statt ins Langstreckenformat zu investieren, pumpen sie das Geld nun ins E-Bike-Segment. Kurzum: Marathon-Racing ist der Verlierer. Leider! Auch das Interesse der Bike-Community hält sich in Grenzen. Bestes Beispiel: Beim Black Forest Ultra Bike Marathon in Kirchzarten starten 5000 Biker, doch geschätzt 4950 Starter interessieren sich nicht dafür, wer gewonnen hat.

David Schultheiß Markus Bauer, Deutscher Meister



Rob Heran, Profi-Biker, Evil:
Ich glaube ja – es schadet uns. Besonders kritisch sehe ich die Benutzung der Trails. Über Jahre haben wir Biker versucht, für legale Wege zu kämpfen. Zu sensibilisieren, wie man sich als Biker gegenüber Wanderern verhält. Nun kommen E-Biker, mit teilweise null MTB-Erfahrung und wenig Fingerspitzengefühl. Die Frequentierung steigt, und dank E-Power gelangen sie auf Trails, für die ihr Fahrkönnen nicht ausreicht. Mich würde es nicht wundern, wenn aufgrund des E-Bike-Booms Trail-Sperrungen folgen.

Sebastian Doerk Rob Heran, Profi-Biker, Evil



Christoph Listmann, Entwickler, Canyon:
Nein, generell schaden E-MTBs dem normalen Biker nicht. Ich persönlich sehe das Thema mittlerweile anders als noch vor wenigen Jahren. E-MTBs ermöglichen weniger fitten Freunden oder völligen Neueinsteigern, gemeinsam auf Tour zu gehen – der soziale Benefit ist Klasse! Der Fakt stimmt, dass die meisten Firmen aktuell viel Energie in die Sparte investieren. Der Grund liegt auf der Hand: In E-MTBs liegt gewaltiges Innovationspotenzial. Trotzdem wäre es unklug, ausschließlich darauf zu fokussieren. Für Canyon wird das sportliche MTB immer eine große Rolle spielen!

Privatfoto Christoph Listmann, Entwickler, Canyon



Henri Lesewitz, Bike-Reporter:
Ich kann zwar nicht verstehen, wieso man Motoren an Bikes baut, aber ich sehe das Thema inzwischen einigermaßen gelassen. Biken und E-MTB sind zwei grundverschiedene Dinge. Den Marathon-Sport werden E-Bikes nicht in die Knie zwingen. Das haben schon Downhill, Freeride und Enduro nicht geschafft. Die Bilanzen mancher Firmen mögen momentan einen E-Boom belegen. Wer sich auf den Trails umschaut, wird eine ungebremste Begeisterung für das klassische Biken feststellen. Und was Marathon angeht: Nie gab es so viele tolle Rennen und so viele Teilnehmer. Alles gut.

Igor Schifris Henri Lesewitz, BIKE Reporter



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Themen: E-BikeE-MTB


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