Legal Biken in Österreich: erste Reaktionen der Politik Legal Biken in Österreich: erste Reaktionen der Politik Legal Biken in Österreich: erste Reaktionen der Politik

Demonstration vor dem Parlament in Wien

Legal Biken in Österreich: erste Reaktionen der Politik

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 4 Jahren

Mountainbiken ist in Österreich grundsätzlich verboten. Nach einem Trutzmarsch der Upmove Community vor dem Parlament in Wien wurde nun ein erster Antrag zur Gesetzesänderung eingebracht.

Für uns in Deutschland eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Radfahren im Wald ist erlaubt. Selbst in dem in Bezug auf die Wegefreigabe rückständigsten Bundesland Deutschlands, Baden-Württemberg, erlaubt die 2-Meter-Regel ein Radfahren zumindest auf Forststraßen und breiten Waldwegen. In Österreich ist es dagegen grundsätzlich verboten. Skifahren und Wandern sind legal, doch wer mit dem Rad im Wald erwischt wird, dem drohen hohe Geldstrafen – egal wie breit die Wege sind.

Ein echter Missstand, erst recht in einem Land, das so vom Tourismus lebt wie Österreich. Zwar kann man auf speziellen Strecken auch hier gefahrenfrei biken, doch der Mountainbiker ist immer von der Gnade und Willkür der Behörden und der Waldeigentümer abhängig. Nur Strecken, die extra als Bike-Strecken ausgewiesen sind, dürfen befahren werden. Die Genehmigung kostet viel Geld und Zeit und funktioniert im touristischen Tirol zwar gut, im Osten Österreichs aber so gut wie überhaupt nicht.

Upmove Das grüne Tor zur Biker-Hölle: Auf dem Forstweg zum Muckenkogel nahm die Geschichte von Simon Tischhart ihren Lauf. Am Jahrestag versammelten sich mehr als 50 Biker zum Protestmarsch und schoben gemeinsam bergauf.

Problembewusstsein in der Politik

Die Politik reagierte lange Zeit überhaupt nicht auf das Problem. Stillschweigend wurde der Missstand unter den Tisch gekehrt, der Wintersport war ja sowieso wirtschaftlich von größerer Bedeutung. Außerdem war das Biken zwar nicht erlaubt, wurde aber geduldet. Das Problem schien also nicht wirklich eines zu sein.

Bis vor einigen Jahren mehrere Waldbesitzer und Pächter auf ihrem Recht beharrten und viele Mountainbiker zu hohen Geldstrafen und Unterlassungserklärungen gezwungen wurden. Der Fall Tischhart am Muckenkogel setzte ein Zeichen. Simon Tischhart zahlte die Geldstrafe nicht, sondern verschenkte seinen Besitz an Freunde und Familie und saß die Geldstrafe im Gefängnis ab. Die Öffentlichkeit war empört, doch nur für kurze Zeit. Geändert hat sich seitdem an der Gesetzeslage nichts.

Upmove Endlich das Mountainbiken legalisieren. Mit der Legalisierung auf Forststraßen geht man kleine Schritte.

Interessenverbände setzen sich für flächendeckende Legalisierung ein

Interessensverbände wie Upmove setzen sich seitdem für eine Legalisierung des Bikens in Österreich ein, in jüngster Zeit sind auch vermehrt verärgerte Stimmen aus den Tourismusverbänden zu hören. Die österreichische Politik sei rückständig gegenüber den Nachbarländern, der Wettbewerbsnachteil sei unzumutbar und würde die lokale Wirtschaft insbesondere in touristischen Regionen massiv gefährden.

Auch die Protestmärsche der Mountainbiker werden mittlerweile stärker wahrgenommen, vor allem, weil sie zunehmend auch an öffentlichen und vielbesuchten Plätzen stattfinden und nicht nur in den häufig sehr abgelegenen Problemzonen. So etwa der letzte „Trutzmarsch“ der Upmove Community vor dem Parlament in Wien, auf dessen Höhepunkt die Verhaftung des Mountainbikers Martin Koch nachgestellt wurde, der am 1. April 2017 in Loeben auf einer Forststraße verhaftet und im Folgenden zu einer Geldstrafe über 360 Euro verdonnert wurde. Die Absurdität der Kriminalisierung des Mountainbikens in Österreich wurde so mehr als deutlich.

Erste Reaktionen in der Politik

Der wiederholte Protest von Seiten der Interessensverbände des Tourismus und der Mountainbiker zeigt nun auch unter den Parlamentariern in Wien, die letzten Endes über eine Gesetzesänderung entscheiden müssen, endlich Wirkung. Zunächst soll es nur um eine Legalisierung des Radfahrens auf Forststraßen gehen, der Weg zur Entkriminalisierung des Mountainbikens soll kleinschrittig erfolgen, um Widerstände besser überwinden zu können.
Von den GRÜNEN liegt daher im Parlament nun endlich ein erster Antrag zur Gesetzesänderung vor. Er sieht vor, dass Radfahren auf Forstwegen grundsätzlich erlaubt sein soll, allerdings auf eigene Gefahr und mit Nachrang gegenüber allen anderen Waldbenutzern. ÖVP und FPÖ sind gegen die Gesetzesänderung, die GRÜNEN und die SPÖ dafür.

Georg Willi von den GRÜNEN sagte dazu: „In Tirol funktioniert das Miteinander im Konsens seit 20 Jahren sehr gut. Doch liegen die Eigentumsverhältnisse in der Steiermark, Ober- und Niederösterreich anders und solche Modelle wie in Tirol sind hier nur schwer umzusetzen. Wir denken aber, dass man eine einvernehmliche Lösung im Sinne aller Beteiligten erreichen kann, wenn die Eigentümer klar von der Haftung befreit werden.“

Auch Markus Vogl, Abgeordneter von der SPÖ, zeigte sich einer grundsätzlichen Legalisierung des Radfahrens auf Forststraßen zugeneigt. Auf die Nachfrage einer Journalistin, ob auch ausländische Radfahrer in Österreich belangt werden könnten, sagte er: „Das ist sehr unwahrscheinlich. In vielen touristischen Regionen gibt es ein gutes Angebot. Da es aber immer wieder zu Problemen kommt, muss eine Lösung her. Eine grundsätzliche Freigabe der Forststraße wäre ideal.“

Der aktuellste Stand der Dinge lässt sich am besten auf der Website von Upmove oder bei Facebook mitverfolgen.

Themen: 2-Meter-RegelLegalisierungÖsterreichUpmoveWien


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