Cross-Country-Worldcup 2017 #3 Vallnord: Rennbericht

Klare Siege für Belomoina & Schurter

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 3 Jahren

Auf fast 2000 Metern wurde die Luft dünn beim Cross-Country-Worldcup in Vallnord (AND). Die Siege im Herren und Damenrennen fielen klar aus, doch die zweiten Plätze blieben hart umkämpft.

Auf 2000 Metern wird die Luft dünn. Selbst wer das nur vom Wandern kennt, weiß das. Aber ein Worldcup-Rennen auf 2000 Metern über Meereshöhe? Das ist eine ganz andere Nummer. Taktische Fehler werden hier hart bestraft, wer sich am Anfang übernimmt, hat fast keine Chance, wieder in sein Tempo zu finden. Dazu kamen auf dem Kurs im Skigebiet La Massana extreme Steilstücke. Der Gipfel des Laktatexzesses ist der „Red-Zone“ Climb, eine fiese Forststraße mit strammen 21 Prozent Steigung. Da kann einem die Luft schon mal ausgehen.

Batty und Dahle-Flesja wieder in Form


Nach einem sehr schnellen Start sortierte sich das Feld der Damen auffallend schnell. Schon nach etwa einer halben Runde hatten sich die Positionen gefestigt und es wurde nur noch um einzelne Plätze gefochten. Wieder ganz vorne mit dabei war Cross-Country-Legende Gunn-Rita Dahle Flesjaa. Die 44-jährige Norwegerin hatte zu Beginn der Saison mit Formschwierigkeiten und technischen Defekten zu kämpfen. In Vallnord passte aber wieder alles. Die ersten Runden fuhr sie auf Platz zwei, während ihr Annika Langvad am Hinterrad klebte, dann tauschten die beiden die Plätze und Langvad übernahm die Verfolgerrolle der Erstplatzierten.

Emily Batty (links) war in Vallnord wieder in Form und fuhr auf Platz fünf. Jolanda Neff dagegen machte die Höhenluft und vielleicht auch ihr Rücken wieder zu schaffen.


Besser lief es auch wieder für die Kanadierin Emily Batty. Auch sie konnte in den ersten Rennen keine guten Ergebnisse einfahren, doch in Vallnord wurde sie immer stärker, je länger das Rennen sich zog. Bald saß sie auf Rang vier, verfolgt von Linda Indergand, und arbeitete sich Sekunde um Sekunde an Gunn-Rita Dahle Flesjaa auf Rang drei heran. Doch in der vorletzten Runde dann ein Fahrfehler: Batty verlor die Kontrolle und stürzte leicht. Kein großes Drama, doch Indergand war vorbei und Batty hatte ihren Rhythmus verloren. Dennoch: Platz fünf ist ein gutes Ergebnis in einer sonst eher durchwachsenen Saison.

Pauline Ferrand-Prevot zeigte sich in Vallnord auch wieder im Aufwind. Zwar wurde es am Ende nur Platz 15, doch zu Beginn konnte sie die Pace der Führenden mitgehen.

Yana Belomoina fährt in eigener Liga


Vallnord und Yana Belomoina haben eine gute gemeinsame Geschichte. Ende 2015, als Pauline Ferrand-Prevot hier Weltmeisterin wurde, holte die junge Ukrainerin überraschend den dritten Platz. Doch eigentlich kein Wunder, denn der Kurs passt zu Belomoina als wäre er extra für die Kletterspezialistin gebaut worden. Die nicht sehr langen, aber steilen Anstiege liegen ihr ebenso wie die technischen Abfahrten. Dieses Jahr hatte sie sich, anders als viele andere, nicht mit einem Höhentraining für das Rennen vorbereitet. Doch nach ihrem Sieg beim zweiten Worldcup des Jahres in Albstadt konnte sie das nicht aufhalten.

Unfassbar! Nach ihrem ersten Worldcup-Sieg überhaupt in Albstadt, holte Yana Belomoina in Vallnord gleich ihren zweiten Sieg. Und das mit 1:40 Minuten Vorsprung.


Vom Start weg war sie vorne mit dabei, schon in der ersten Runde suchte sie sich ausgerechnet den fiesesten Anstieg der Strecke, das 21-Prozent-Monster, aus, um die Führung an sich zu reißen. Wie von der Tarantel gestochen schoss sie plötzlich den Berg hinauf, vorbei an Annika Langvad und dann auch an der bis dahin in Führung liegenden Gunn-Rita Dahle Flesjaa. Doch die erwartete Strafe blieb aus. Trotz des fehlenden Höhentrainings war bei Yana Belomoina kein Leistungseinbruch zu verzeichen. Fast das gesamte Rennen über hielt sie ihre Anfangspace und nahm ihren Verfolgerinnen Runde um Runde zehn bis 25 Sekunden ab. Mit fast einer 1:40 Minuten Vorsprung erreichte sie das Ziel vor Annika Langvad auf Platz zwei, Gunn-Rita Dahle Flesjaa auf Platz drei, Linda Indergand auf Platz vier und Emily Batty auf Platz fünf. Helen Grobert wurde am Ende Zehnte, Adelheid Morath konnte mit einem 13. Platz nicht ganz an die guten Ergebnisse der ersten Worldcups anknüfpen.

Die stille Heldin. Linda Indergand bleibt im Moment häufig außerhalb des Rampenlichts. Fakt ist aber: Sie steht im Moment fast in jedem Rennen auf dem Worldcup-Podium und glänzt mit Verlässlichkeit.

Das Podium der Damen: Linda Indergand, Annika Langvad, Yana Belomoina, Gunn-Rita Dahle Flesja und Emily Batty (von links).

Taktischer Wechsel im Männerrennen


Noch in Albstadt war Favorit Nino Schurter mit einer anderen Taktik gestartet: Lieber etwas langsamer anfangen, um Leistungseinbrüche wegen Überlastung zu vermeiden. Doch statt sich zu schonen, musste Nino Schurter in der Folge immer härter ans Gas gehen, während Mathieu van der Poel und Mathias Flückiger unaufhörlich an seinem Hinterrad klebten und erst durch Stürze wirklich den Anschluss verloren.

Mathias Flückiger in einem der Rockgardens der Strecke.


Diesen Fehler wolle Nino Schurter in Vallnord auf keinen Fall machen. So gönnte er sich nur eine minimale Eingewöhnungszeit und forcierte, im Rennen angekommen, sofort das Tempo. Sicherlich eine Strategie, die die Verfolger zwingen sollte, in der Höhenluft über ihr Limit zu gehen und damit eine weitere Verfolgung unmöglich machte. Und Schurters Plan ging auf. Bald hatte er sich vom Rest des Feldes abgesetzt und bis ins Ziel konnte er sein eigenes Tempo halten und den Sieg sicher nach Hause fahren. Zwar schrumpfte sein Vorsprung am Ende ein wenig, doch gewonnen ist eben einfach gewonnen.

Kampf um Platz zwei


Um Platz zwei tobte dagegen ein heftiger Kampf. In einer dichten Traube nahmen viele Topfahrer die Verfolgung auf. David Valero Serrano vorneweg, Mathias Flückiger, Jordan Sarrou und Valeros Teamkollege Rodriguez Guede in der ersten Verfolgergruppe. Mit nur wenigen Sekunden Abstand eine zweite Gruppe mit Maxime Marotte, Florian Vogel, dem Bronze-Gewinner von Rio, Nicolas Coloma, Stephane Tempier und Specialized-Newcomer Sam Gaze.

Die Kandidaten im Kampf um Platz zwei: Jordan Sarrou, Mathias Flückiger und Sam Gaze (von rechts)


Nach und nach dünnten sich die Gruppen jedoch immer mehr aus. Hier ein technischer Defekt, dort ein Problem mit der Höhenluft oder der Kondition. So blieben am Ende nur noch Jordan Sarrou und Mathias Flückiger übrig, begleitet von einem überraschenden Dritten im Bunde – Sam Gaze. Der junge Neuseeländer hatte sich durch die Verfolgergruppen bis ganz nach vorne durchgekämpft und klebte jetzt an Sarrous Hinterrad. Erst als Sarrou und Flückiger in der letzten Runde das Tempo forcierten, um ein jetzt schon unabwendbares Sprint-Finish vielleicht doch noch vorher zu entscheiden, musste Gaze etwas zurückstecken.

Ein klarer Sieg für Nino Schurter. Vielleicht auch taktisch der richtige Weg.


In den letzten Kurven dann ein Überholmanöver von Jordan Sarrou, der auf seinem BH-Hardtail an Flückiger vorbeiging, doch in der vorletzten Kurve dann der Konter von Flückiger, der ungewöhnlich früh zum Sprintfinish ansetzte, Sarrou damit überrumpelte und Platz zwei an sich riss. Platz drei ging damit an Sarrou, Platz vier an Sam Gaze – das beste Worldcup-Ergebnis seiner Karriere. Platz fünf holte sich Florian Vogel, der damit zum ersten Mal seit längerem wieder ein gutes Ergebnis im Worldcup einfahren konnte. Manuel Fumic wurde direkt am Start durch einen Kettenriss ausgebremst und wurde am Ende 32.

Alle Ergebnisse finden sie auf der Website der UCI , die Wiederholung der Rennen gibt es auf Redbull TV zu sehen.

Schlagwörter: andorra Cross Country Nino Schurter Rennbericht UCI Worldcup vallnord Yana Belomoina


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