Bikepark-Check Serfaus-Fiss-Ladis (Tirol)

So gut ist der Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 3 Jahren

Der Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis gehörte immer zu den Lieblingen der FREERIDE. Wir waren im Rahmen des MTB-Festivals 2017 vor Ort und konnten dabei die Parkstrecken noch einmal unter die Lupe nehmen.

Qualität statt Quantität. Im Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis setzt man lieber auf schöne, statt auf zahlreiche Strecken. Eine gute Wahl, denn während die Bikeparks in Deutschland häufig mit einer großen Zahl von Trails glänzen wollen, baut man im Alpenraum, bedingt auch durch den viel größeren Höhenunterschied, lieber auf weniger, aber dafür längere Strecken. Der Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis stellt dabei keine Ausnahme dar. Vier Hauptrouten gibt es – bei einem Höhenunterschied von mehr als 400 Metern genug – mit zahlreichen Abzweigen und Nebenrouten. Praktisch übrigens: Die Hauptrouten treffen häufig wieder aufeinander und eröffnen so viele Möglichkeiten für großartige Kombinationen.

Blaue Strecken: Milky Way, Vuelta und Morning Glory


Los geht es mit der blauen Hauptstrecke, der wichtigsten Strecke für Einsteiger, dem 3000 Meter langen Milky Way. Der Name ist hier Programm: Sanft windet sich die Route in unzähligen Anliegern den Hang hinunter, Mutproben gibt es – wie bei einer blauen Strecke zu erwarten – keine. Die Steilkurven sind eher etwas flacher, um auch Anfänger nicht einzuschüchtern. Brechsand sorgt für stabile Bedingungen, die Bremsrillen werden wohl regelmäßig entfernt, teilweise wird sogar der lose Schotter von der Strecke gefegt, um Rutscher zu vermeiden. An vielen Stellen gibt es Möglichkeiten, ein wenig Airtime zu schnuppern. Alle Sprünge können jedoch immer auch gerollt werden.


Schon nach wenigen Metern zweigt im oberen Drittel die Alternativ-Strecke Vuelta vom Milky Way ab. Die Strecke ist lediglich 170 Meter lang. Anders als beim Milky Way geht es hier offensichtlich weniger um den Spaß als mehr um Techniktraining. Die engen Kurven sind nur mit geringer Geschwindigkeit zu durchfahren. Keine Piste für absolute Neulinge, sondern eher für sicherere Einstieger, die ein wenig an sich arbeiten wollen. Aus unserer Sicht die schwächste Strecke des Parks, ihr etwas geringer Spaßfaktor ist bei der kurzen Länge aber verzeihlich.

Schön dimensionierte Anlieger auf allen Strecken.


Die dritte blaue Strecke, die 750 Meter lange Morning Glory, bügelt alle Defizite der kurzen Vuelta aber wieder aus. Sie ist eine schöne Hybridstrecke zwischen blau und rot, die Sprünge können nach wie vor problemlos gerollt werden, die etwas höheren Anlieger ermöglichen aber höhere Geschwindigkeiten und erhöhen den Spaßfaktor auch gegenüber dem Milky Way deutlich. Im letzten Abschnitt steht auch eine breite Northshore-Kurve  (Holzkonstruktion) an: Hier lieber mit etwas mehr Speed fahren! Auch für Profis noch eine schöne Strecke zum Aufwärmen am Morgen, daher der Name. Unsere Empfehlung für alle außer absoluten Bike-Neulingen: Einrollen auf dem Milky Way, dann Transfer zur Morning Glory ab dem Beginn der Downhill-Strecke.

Rote Strecken: Strada del Sole, Supernatural, FREERIDE-Trail


So richtig witzig für erfahrenere Bike wird es jedoch erst auf den roten Strecken. Drei an der Zahl gibt es hier, die Hauptroute ist die mit gut 2800 Metern ebenfalls stattlich lange Strada del Sole. Ein Jumptrail vom allerfeinsten und eine klare Empfehlung für alle, die schon über eine gewisse Erfahrung verfügen. Trotzdem auch für hartgesottene Profis noch spannend. Besonders gelungen auch hier: Die Sprünge sind nahezu alle überollbare Tables, die jedoch so dimensioniert sind, dass auch erfahrene Biker mit viel Speed noch schön abziehen können und in den Genuss von jeder Menge Airtime kommen. Es gibt einige besondere Hindernisse, vor allem Drops und Doubles, die jedoch auch ohne Vorkenntnisse gut erkennbar sind und die von weniger Erfahrenen leicht umfahren werden können. Das größte Hindernis ist ein richtig fetter Drop, etwa auf der Hälfte der Strecke. Eine schöne Mutprobe, auch hier ist der Abzweig deutlich markiert. Achtung: Die Strada del Sole ist zwar schön schnell, aber an manchen Stellen auch etwas steil. Hier entstehen daher schnell Bremsrillen!

Insbesondere auf der Strada del Sole gibt es einige schöne Wallrides, die für Dauergrinsen sorgen. Nur oben herausspringen, das kann man leider nicht. 


Wem die Brechsandpiste der Strada del Sole zu glatt ist, der findet in der Supernatural-Strecke eine Alternativroute. Kurz hinter der ikonischen Holz/Stahl-Brücke geht es los, in engen Kurven schwingt sich der Trail durch den Wald. Ab und zu muss aus engen Ecken heraus auch pedaliert werden. Wurzelstücke wurden hier gekonnt mit Anliegern, Wellen und kleinen Kanten, die zum Abziehen einladen, kombiniert. Eine schöne Abwechslung mit etwas natürlicherem Trail und trotzdem nicht zu anspruchsvoll.

Auf dem Supernatural erwartet einen eine gute Kombination aus Wurzeln, Anliegern und einigen Sprüngen.


Die dritte rote Route ist die 370 Meter lange FREERIDE -Strecke. Deswegen so benannt, weil die Leser unseres Schwestermagazins über die Hindernisse, die hier gebaut wurden, in einer Umfrage entschieden haben. Und sie haben eine gute Wahl getroffen. Ein großer Step-Up sorgt für Airtime, der Whale-Tail ist ein ungewöhnliches, aber gelungenes Hindernis mit Achterbahnfeeling. Der Riesen-Table als Finale bietet Möglichkeiten für fette Whips oder anspruchsvolle Tricks. Unsere Lieblingskombination der roten Strecken: Strada del Sole zu Supernatural zu Strada del Sole zu FREERIDE. Wer da nicht mit einem dicken Grinsen im Tal ankommt, der macht definitiv etwas falsch.

Schwarze Strecken: Downhill und Hill Bill


Für alle, die sich richtig fordern wollen, gibt es dann noch zwei längere schwarze Strecken: die etwa 1,5 Kilometer lange Downhill-Strecke und die gut 2,5 Kilometer lange Route Hill Bill. Positiv auch hier: Nicht nur schwarz gelabelt, sondern echt schwarz. Nur was für erfahrene Biker mit seriösem Gerät. Der Hill Bill ist vor allem eine anspruchsvolle Enduro-Piste. Der ikonische Drop vom Blockhaus am Anfang stimmt ein, dann folgen alternativ mittelbreite oder schmale North-Shore-Abschnitte. Ab der Brücke stürzt man sich dann in den wurzeldurchsetzten Wald, in dem einen die Strecke fast bis zur Talstation führt. Immer wieder sind Sprünge eingebaut, die aber mit ausreichend Geschwindigkeit befahren werden müssen, um die Landung auch wirklich zu erreichen. Diese Hindernisse können jedoch leicht umfahren werden.

Der ikonische Drop von der Hütte im Hill Bill ist so etwas wie das Markenzeichen des Bikeparks geworden. Sieht spektakulärer aus als er ist.


Die Downhill-Strecke ist im Prinzip ähnlich aufgebaut. Statt natürlichem Wurzeltrail gibt es hier jedoch noch deutlich mehr und deutlich höhere Anlieger, einige echte Mutproben und die Geschwindigkeit ist generell höher. Hauptfeind sind auch hier die Wurzeln, die Rockgardens sind dagegen eher zahm. Doch wer die Off-Camber-Passagen flüssig fahren will, der braucht gutes Material und etwas Fingerspitzengefühl. Für beide Tracks gilt: Schon im Trockenen auf jeden Fall anspruchsvoll. Wer im Nassen noch fahren will, sollte sich auf unvermeidliche Bodenproben gefasst machen.

Wer die schwarzen Trails in Angriff nehmen will, sollte eine gute Fahrechnik mitbringen. Insbesondere auf den Wurzeln ist das sehr gefragt.

Fazit zum Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis

Auf der Drop Batterie an der Talstation kann fleißig geübt werden. Von 20 Zentimetern bis etwa 2 Metern ist hier alles dabei.


Nach wie vor eine echte Empfehlung! Der Park deckt eine hohe Bandbreite ab, vom Einsteiger-Track Milky Way über die Spaßgranate Strada del Sole bis zu den anspruchsvollen Routen Hill Bill und Downhill. Den Streckenzustand haben wir als gut erlebt, die Strecken sind gut gebaut. Die Seilbahn ist schnell genug, erst bei sehr hohem Besucheraufkommen muss man länger anstehen. Ein umfangreicher Übungsparcour mit großen Tables, Doubles, Dropbatterie und Pumptrack runden das Bild ab. Der Eintrittspreis ist mit 36 Euro für die Tageskarte für Erwachsene nicht niedrig, aber noch vertretbar. Leihbikes sind allerdings mit über 92,50 Euro pro Tag für teils sehr unterschiedliches Material recht teuer. Dennoch: Der Besuch lohnt sich.

Gehört nicht direkt zum Bikepark, kann aber bei einem Besuch leicht angebunden werden. Der fast zehn Kilometer lange Frommestrail. Schwierigkeit laut Bikepark zwischen S1 und S3. Wir hatten leider keine Zeit, ihn zu fahren und können deswegen nichts dazu sagen.

Alle Infos und Preise auf der Website des Bikeparks Serfaus-Fiss-Ladis.

Schlagwörter: Bikepark Downhill Freeride Serfaus-Fiss-Ladis Tirol


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