Das neue Scott Genius: Ein Bike – zwei Laufradgrößen Das neue Scott Genius: Ein Bike – zwei Laufradgrößen Das neue Scott Genius: Ein Bike – zwei Laufradgrößen

Scott Genius 2018: Die neue Generation

Das neue Scott Genius: Ein Bike – zwei Laufradgrößen

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 4 Jahren

Mit dem neuen Genius für 2018 bringt Scott ein superleichtes All Mountain, das gleichermaßen 27,5- und 29-Zoll-Laufräder schluckt. Der Rahmen ähnelt dem Spark und wiegt rekordverdächtige 2249 Gramm.

Viel Ähnlichkeit zum Spark und eine ausgedünnte, aber vielseitige Flotte: So präsentiert sich das neue Genius von Scott für das Modelljahr 2018 , das die Schweizer vor wenigen Tagen im Aostatal erstmals enthüllt haben. Um der ganzen Plus- und Reifenbreiten-Diskussion ein Ende zu setzen, versieht Scott zukünftig keines seiner Bikes mehr mit dem Plus-Zusatz. Breite Reifen bis 2,8 Zoll sind bei den 27,5-Zoll-Bikes aber im kompletten Scott-Programm die Regel. "Schmale 27,5-Zoll-Reifen wird es bei uns nur noch bei einigen Aspect-Modellen geben, sonst nirgends", sagt Entwicklungsleiter Rene Krattinger. Im neuen Genius mit seinen 150 Millimetern Federweg hat der Käufer bei allen Modellen die Wahl, ob er 27,5er-Pneus in 2,8 Zoll Breite oder 29x2,6 Zoll fahren will. Insgesamt wurde die Genius-Palette also deutlich ausgedünnt. Während im aktuellen Modelljahr zehn Genius-Modelle und vier Plus-Varianten erhältlich sind, werden es im Modelljahr 2018 noch sieben sein, plus ein oder zwei Contessa-Bikes.

Markus Greber Vorhang auf für das neue Scott Genius! Die Ähnlichkeit zum im Vorjahr vorgestellten Spark kann das 150-mm-Bike nicht verleugnen.

Die Geschichte des Scott Genius

31. August 2003: An diesem Tag schlug die große Stunde von Thomas Frischknecht und das Scott Genius kam erstmals zu großen Ehren. Denn was viele nicht wissen: Frischknecht fuhr 2003 in Lugano mit einem Genius zu seinem ersten Marathon-Weltmeistertitel. Wenige Wochen zuvor hatte Scott das Genius erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, 2004 sollte es in die Läden rollen. Die erste Generation des Genius RC, mit der Frischi unterwegs war, hatte eine 100-mm-Gabel und am Dämpfer 90 Millimeter Hub. 2009 kam dann die zweite Generation des Genius, erstmals mit voluminösem Equalizer 2-Dämpfer und 150 Millimeter Federweg. Im Jahr 2013 läutete das Genius wieder eine neue Ära ein: Als erstes All Mountain-Fully mit 27,5-Zoll-Laufrädern. Der Dämpfer wanderte zudem unter das Oberrohr. 2016 legte Scott das Genius schließlich erstmals als Plus-Version auf. Auch die neueste Evolutionsstufe des Genius bleibt (trotz Fox 36 im Tuned-Modell) ein klassisches All Mountain, also ein Tourenfully für Einsteiger und Profis. Aber eben kein Enduro.

Hersteller Vom ersten Scott Genius im Modelljahr 2004 bis Genius 700 im Jahr 2013 hat sich viel getan.

Hersteller Seit 2016 bietet Scott das Genius als Plus-Version an. In das neue Genius passen zwar auch Reifen bis 2,8 Zoll Breite, den Namenszusatz „Plus“ trägt es aber nicht mehr.

Wandelbares Bike: Flipchip und Twinloc am Genius

Über einen Flipchip an der oberen Dämpferaufnahme kann man die Geometrie im Nu anpassen. Hat man die passenden Laufräder zur Hand, dauert der Boxenstopp keine fünf Minuten. Ob man im Shop zum Genius 700 oder 900 greift, ist also grundsätzlich egal. Der Chip sorgt dafür, dass man mit den großen Rundlingen eine Tretlagerhöhe von 346 Millimeter (mit 27,5 Zoll in der Einstellung "High" 340 mm) erreicht und der Lenkwinkel um 0,6 Grad auf 65,0 Grad abgeflacht wird. Der Sitzwinkel ist im 29er-Setup zwar um ein halbes Grad flacher, aber mit 74,8 Grad immer noch sehr kletterfreundlich.
Eine Konstante beim Genius war und bleibt die Twinloc-Fernbedienung, mit dem sich Federgabel und Dämpfer des All Mountains mit einem Klick an die Fahrsituation anpassen lassen. Wie gemacht für das Genius ist der "Traction"-Modus, die mittlere Stufe, bei der ein Ventil die Luftkammer im Dämpfer verkleinert, ihn auf 110 mm strafft und gleichzeitig die Geometrie kletterfreundlich anhebt. Die Anlenkung des Dämpfers verläuft versteckt im Rahmeninneren. Vor allem in technischen Uphills und kurzen Gegenanstiegen im Trail haben wir gerne auf diesen Modus zurückgegriffen.
Die Tuned-Version des Genius war bei der Präsentation im Aostatal Maxxis Recon-Reifen ausgestattet, in 27,5 Zoll in 2,8 Zoll Breite und auf den 29er-Laufrädern in 2,6 Zoll Breite. Auf den 30 Millimeter breiten DT-Swiss-Laufrädern mit Boost-Naben sind die 63 (27,5) bzw. 62 mm breit. Maximal kann man im neuen Genius 27,5er-Reifen mit einer Außenweite von 65 mm fahren.

Markus Greber Der Flipchip in der oberen Dämpferaufnahme zum Anpassen der Geometrie macht's möglich, Laufräder in 27,5 und 29 Zoll zu fahren. Außer den Laufradwechsel und das Drehen des Chips muss man nichts machen.

Stefan Loibl Die Reifenbreite von vier aktuellen MTB-Reifen im Überblick: Der 2,8er Nobby Nic auf einer 40-mm-Felge würde nicht ins Genius passen. Die anderen drei Modelle, die auf einer 30 Millimeter breiten Felgen montiert sind, unterscheiden sich nur minimal.

Der Rahmen des neuen Scott Genius im Detail

Bei der Rahmenkonstruktion vertrauen die Schweizer auf viele Details, die sich beim Spark seit vergangenem Jahr bewährt haben. Der Dämpfer sitzt auf dem Kopf stehend tief überm Tretlager, abgestützt durch die breite Trunnion-Aufnahme. Dadurch läuft der Großteil der Kräfte im Tretlagerbereich auf, der sowieso auf eine hohe Steifigkeit ausgelegt ist. Alleine 15 Lagen in unterschiedlichster Ausrichtung verwendet Scott an der unteren Dämpferaufnahme. Beim alten Genius saß der Dämpfer unterm Oberrohr, weshalb man den Bereich drumherum in ein dickes Kohlefaserkleid packen musste, um die gewünschten Steifigkeitswerte zu erreichen. Das erübrigt sich beim neuen Genius und macht sich beim Gewicht bemerkbar. Auch der kürzere Dämpfer wirkt sich in Sachen Steifigkeit positiv aus.

Screenshot In Sachen Kinematik und Federkennlinie geht das neue Genius neue Wege: Wie das Spark soll es zu Beginn des Federwegs sensibel ansprechen, im mittleren Bereich linear arbeiten und gegen Ende eine deutliche Progression als Schutz vor Durchschlägen bieten.

Im Vergleich zum alten Genius hat sich die Federkennlinie des virtuellen Viergelenkers radikal geändert. Dafür ähnelt sie dem Spark, was nicht verwundert bei der Ähnlichkeit des Bikes. Das Fox Nude EVOL-Federbein spricht sensibel an und bietet gegen Ende des Federwegs viel Progression. Wer lieber eine linearere Kennlinie bevorzugt, kann den einen Spacer, der sich im Standard-Setup des Fox-Dämpfers befindet, entnehmen. Erfreulich ist, wie wenig Bewegungen der Dämpfer beim Treten macht. Selbst im Wiegetritt bleibt das Fox-Federbein extrem ruhig. Antriebseinflüsse spürt man keine. Bei der Produktion des Carbon-Rahmens greift Scott auf dieselbe, aufwändige Fertigungsmethode und teuerste Carbon-Fasern zurück wie beim Spark. Der Genius-Rahmen besteht aus 900 Einzelteilen und Matten! Am Ende entsteht ein superleichtes Do-it-all-Bike, dessen Carbon-Rahmen inklusive Dämpfer gerade einmal 2249 Gramm wiegt. In der All-Mountain-Liga eine echte Benchmark!

Markus Greber Scott integriert nicht nur die Twinloc-Fernbedienung in den Schraubgriff, sondern auch den Remote für die Fox Transfer-Variostütze. 

Markus Greber Der massive Tretlagerbereich ist das steife Herzstück des Bikes, das den Dämpfer breit abstützt und als Anbindung für die Kettenstreben dient. 

Markus Greber Auf der 400-Höhenmeter-Testrunde im Aostatal konnten wir das Genius erst mit 27,5-Zoll-Laufrädern und später mit 29ern testen.

Geometrie

Im Vergleich zum alten Genius hat sich bei der Geometrie einiges getan, dabei folgt Scott dem marktüblichen Trend. Ein flacherer Lenkwinkel, kürzere Kettenstreben (436 mm) und ein längerer Reach sollen das Bike für immer technischere Trails wappnen, ohne ihm die Verspieltheit und Agilität zu nehmen. Ein supersteiler Sitzwinkel zeigt, für welchen Einsatzbereich Scott das Genius baut. Selbst steilste Rampen und Trails soll man mit dem leichten All Mountain aus eigener Muskelkraft bezwingen können, ohne dass die Front zu früh steigt.

Hersteller Die Geometrie-Daten des neuen Scott Genius im Überblick. Bei jeder Rahmengröße jeweils mit Low-Einstellung des Flipchips bei 29-Zoll-Laufrädern und in der Low-Position für 27,5 Zoll.

Markus Greber Nur in der Tuned-Version kommt die Fox 36 zum Einsatz. Warum? Rein aus optischen Gründen, da Fox nur die 36er in dem knalligen Orange anbietet, das sich im Genius-Rahmen wiederfindet. 

Markus Greber Statt herkömmlichem Vorbau und Lenker lenkt man am Genius 700 Ultimate und am Genius 900/700 Tuned mit dem neuen Synros Hixon iC. Die Lenker/Vorbau-Einheit hat eine virtuelle Vorbaulänge von 50 mm, ist 290 Gramm leicht und 760 mm breit. Durch die 12 mm Rise, 6° Upsweep und 9° Backsweep sind die Kontaktpunkte für die Hände an derselben Stelle wie mit einem Syncros FL1.5 Lenker und Vorbau.

Markus Greber Auch der neue Direct-Mount-Mudguard von Sycros macht sich gut am Genius Tuned. Den 14 Euro teuren Spritzschutz gibt's für die Fox-Federgabeln 34 und 36 auch im Aftermarket. 

Hersteller Das Genius 700 Ultimate markiert das obere Ende der Modellfamilie und soll mit Sram XX1 Eagle, Fox Kashima-Fahrwerk, Variostütze und DT Swiss XMC 1200-Carbonlaufrädern unter 12 Kilo wiegen. Ein Preis ist uns noch nicht bekannt.

Hersteller Das Genius 940 aus Alu macht einen guten Eindruck und kommt mit Schwalbe Nobbx Nic Addix-Reifen, der neuen Sram GX Eagle, Shimano MT500-Bremsen und einem Fox Performance-Fahrwerk. 

Einen ersten Fahrbericht zum neuen Scott Genius – mit beiden Laufradgrößen im direkten Vergleich – gibt's in BIKE 8/17, ab 4. Juli am Kiosk.

Themen: 27.5 Zoll29 ZollAll MountainBIKE 8/2017CarbonGenius 930LeichtbauNeuheiten 2018Scott Genius


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