Rocky Mountain Sherpa: Ein Bike für alle Fälle? Rocky Mountain Sherpa: Ein Bike für alle Fälle? Rocky Mountain Sherpa: Ein Bike für alle Fälle?

Rocky Mountain Sherpa 27,5+

Rocky Mountain Sherpa: Ein Bike für alle Fälle?

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 7 Jahren

Wer ein Serien-Mountainbike für richtige Abenteuer suchte, musste sich bis jetzt fast immer selbst eines aufbauen. Doch Rocky Mountain bringt nun seine Interpretation: Das Sherpa im Format 27,5+.

Auf Schmugglerpfaden von Garmisch an den Gardasee, von Nepal nach Tibet, quer durch Arizona oder durch die Rockies. Das Rocky Mountain Sherpa beschreibt eine ganz eigenwillige Gattung von Mountainbikes: „Bikepacking“ nennen diese Sparte die Amis, Abenteuer-Biken heißt es hierzulande. Das Rocky Mountain Sherpa will das Bikepacking-Bike schlechthin sein. Dafür kommt das Fully ab Mai 2015 mit einem eher ungewöhnlichen Konzept auf den Markt. Doch der Abenteuer-Grundsatz bleibt dabei erhalten, denn einen Worldcup kann man im Sattel des Sherpa wohl nicht gewinnen. Doch wer tagelang ohne Backup, Sicherungsleine und nur mit einem GPS ausgerüstet durch die wildesten Regionen dieser Welt biken möchte, für den ist ein Bike wie das Rocky Mountain Sherpa genau richig.

Margus Riga So muss Bikepacking sein: Wildnis, Selbstversorger und ein Mountainbike, das Packesel und Sportgerät gleichzeitig ist.

Das Rocky Mountain Sherpa folgt einem eigenwilligen Konzept

29-Zoll-Carbonrahmen mit breiterem Hinterbau, 27,5+-Zoll-Reifen, 120 Milimeter Federweg vorne und ungewöhnliche 95 Millimeter hinten: So kommt das Rocky Mountain Sherpa daher. Und für alle die das kleine + überlesen haben, hier nochmal: 27,5+. Das entspricht 2,8 Zoll breiten Reifen, die auf eine breitere, 27,5-Zoll-Felge aufgezogen werden und so etwa den Reifenumfang von 29 Zoll erreichen. Sie rangieren also zwischen normalen Mountainbike- und Fatbikereifen. Klingt alles reichlich zusammengewürfelt.

Das neue Abenteuer-Bike von Rocky Mountain: Das Sherpa.

Doch unstimmige Konzepte ist man von Rocky Mountain nicht wirklich gewohnt. Und auch beim Sherpa ist das nicht anzunehmen. Mehrere Jahre sind in die Entwicklung des Bikepacking-Carbonesels eingeflossen. Schon auf dem letztjährigen Sea Otter-Festival wurde ein Konzept des Sherpa präsentiert. Mit offenbar guter Resonanz. Laut eigenen Angaben hat Rocky Mountain eng mit Manitou und WTB zusammengearbeitet, um den besonderen Anforderungen des 27,5+-Formats gerecht zu werden.

27,5+: Schon wieder eine neue Reifengröße?

26 Zoll hat die Industrie bereits fast komplett vom Markt genommen und durch 27,5 Zoll ersetzt. 29 Zoll ist schon lange etabliert und Fatbikes sind gerade im Trend. Aber warum jetzt schon wieder eine neue Reifengröße? BIKE hat bereits in BIKE 11/2014 über die vor und Nachteile von Plus-Größen berichtet. Rocky Mountain selbst sagt: „Wir entwickeln ein Bike nicht einfach um eine Reifengröße, sondern wir benutzen die Reifengröße als Werkzeug, damit sich die Bikes so verhalten, wie sie es am Ende tun.“

Rocky Mountain Gut zu sehen: Die eigens fürs Sherpa entwickelte Manitou Magnum-Federgabel und der 2,8 Zoll breite Reifen.

Die Begründung für das neue Plus-Format ist also laut Rocky Mountain ganz einfach: sie passt am besten zum Bike. Um Kinderkrankheiten vorzubeugen hat Rocky Mountain sowohl Reifen also auch Felgen des Sherpa mit WTB entwickelt. Das Ergebnis soll ein traktionsstarkes, verhältnismäßig leichtes Bike sein, das man trotz viel Gepäck noch mit niedrigem Luftdruck fahren kann, das aber gleichzeitig auch gut rollt und überrollt. Aber Rocky Mountain bemüht sich auch gleich um Beschwichtigung:

„Das Sherpa ist das erste 27,5+-Fully, was aber noch lange nicht heißt, dass wir mit den neuen ,skinnyfat'- Laufrädern auf den nächsten Zug aufspringen wollen. 27,5+-Laufräder sind weder 27,5er noch 29er und sind somit auch kein Ersatz für andere Laufradgrößen. Unsere ,normalen' Bikes gehen nirgendwohin – kein Grund zur Aufregung,“ heißt es in der Pressemitteilung von Rocky Mountain.

Rocky Mountain Das Rocky Mountain Sherpa soll so viel Gepäck tragen können wie seine Namensgeber täglich in die Basecamps des Himalaya schleppen.

Eigenes Manitou Fahrwerk für das Sherpa

Doch nicht nur die Reifen sind beim Bikepacking wegen des vielen Gepäcks anderen Belastungen ausgesetzt. Auch das Fahrwerk muss anders reagieren. Denn wer einfach den Luftdruck in den Kammern erhöht, büßt häufig an Ansprechverhalten ein. Es musste also ein neues Fahrwerk für das Sherpa her. Das hat Rocky Mountain in Zusammenarbeit mit Manitou entwickelt. Das Ergebnis ist die etwas ungewöhnliche Kombination von 120/95 Millimetern Federweg. Doch das Fahrwerk soll trotz der weichen Reifen sensibel ansprechen und viele Reserven bieten. Wir sind auf die ersten Fahrtests Ende April gespannt, wie dieser Spagat gelungen ist.

Margus Riga Auch der Fahrspaß darf natürlich nicht zu kurz kommen.

Eher günstige Ausstattung

Abgesehen vom Carbonrahmen und den eigens entwickelten Felgen, Reifen und Federelementen ist das Sherpa aber eher günstig ausgestattet. Solide, aber einfache Shimano M506-Bremsen mit 180er-Scheiben sorgen für die nötige Verzögerung, geschaltet wird hinten mit dem guten Shimano XT Shadow+-Schaltwerk, das aber vorne nur von einem Deore-Umwerfer gestützt wird. Die Kurbel kommt aus dem unteren Raceface-Regal, ebenso wie Lenker, Vorbau und Tretlager. Funktionalität und Langlebigkeit zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis scheint hier die Maxime von Rocky Mountain zu sein.

Der Preis für das Gesamtpaket wird bei 4499 US Dollar liegen, Preise in Euro sind noch nicht bekannt.

Margus Riga Das Rocky Mountain Sherpa in Action: bei der Fahrt über den berühmten Black Canyon-Trail in Arizona.

Fazit zum Rocky Mountain Sherpa:

Das Rocky Mountain Sherpa will ein Abenteuer-Bike für die abgelegentsten Regionen dieser Welt schlechthin sein und greift den Markt mit einem ungewöhnlichen Konzept an. Eigens entwickelte Manitou-Federelemente und 27,5+-Reifen sollen dafür sorgen, dass es jede Herausforderung meistert. Die aufrechte Sitzposition und die Geometrie sollen viele Tage im Sattel ohne großes Ermüden möglich machen, aber gleichzeitig den verspielten Charakter des Bikes unterstützen. Soweit das Versprechen von Rocky Mountain. Wir sind gespannt, wie es sich im ersten Fahrtest schlägt.

Rocky Mountain Bikepacking oder Abenteuer-Biken ist und bleibt eine Nische. Aber vielleicht ist das ungewöhnliche Konzept des Sherpa ja tatsächlich der Schlüssel für ein solches Spezial-Mountainbike.

Themen: AbenteuerBikepackingFullysOutdoorPlus-FormatRocky MountainSherpa


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