Rocky Mountain Element: Mehr Federweg = mehr Spaß? Rocky Mountain Element: Mehr Federweg = mehr Spaß? Rocky Mountain Element: Mehr Federweg = mehr Spaß?

Neuheiten 2022: Rocky Mountain Element

Rocky Mountain Element: Mehr Federweg = mehr Spaß?

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor 23 Tagen

Das Rocky Mountain Element wird 2022 mit neuer Federgabel trail-lastiger denn je. Ist der Vorreiter des Down-Country-Trends so noch fit genug für den Marathon?

Bevor wir in die technischen Details zum neuen Rocky Mountain Element eintauchen, drehen wir kurz die Zeit zurück. Auf den Eurobike Media Days 2016 in Kirchberg präsentierte Rocky Mountain sein letztes Element und löste damit eine wahre Lawine aus. Denn die Kanadier waren damals Vorreiter eines Trends, der sich mittlerweile unter dem Namen " Down Country " in den Produktkatalogen der Hersteller etabliert hat.

Ein klassisches Marathon-Bike wie das Element mit einer Federgabel mit 120 Millimetern Federweg und Teleskopstütze auszuliefern, war so revolutionär, dass sich die klassische Marathon-Kundschaft fast vor den Kopf gestoßen fühlte. Vom Stilbruch und Übergewicht war damals die Rede, obwohl Rocky Mountain damals auch noch ein konventionelles Marathon-Element mit 100 Millimetern Federweg und starrer Stütze im Programm hatte.

Während Rennfahrer und Journalisten teilweise hitzig mit den zuständigen Produktmanagern diskutierten, entschied der Markt selbst über den Erfolg des neuen Down-Country-Konzepts. Die aufgeborten Marathon-Bikes schlugen ein wie die sprichwörtliche Bombe. Cannondale, Specialized, Cube , eigentlich jeder namhafte Hersteller zog binnen Jahresfrist mit einem entsprechendem Modell nach.

Im August 2021 gewann Nino Schurter die Cross-Country-Weltmeisterschaft auf dem Spark RC, einem Bike mit 120 Millimeter Federweg, Teleskopstütze und 2,4er Reifen . Und bestätigte damit, was wir beim Federgabel-Test in BIKE 4/21 schon vermuteten: Die Ära der klassischen 100-Millimeter-Racefullys ist endgültig vorüber! Und was kommt jetzt?

Markus Greber Schon der Vorgänger war ein Vorreiter. Als einer der ersten Hersteller pumpte Rocky Mountain sein Racefully Element Ende 2016 auf 120 Millimeter auf. im Modelljahr 2022 werden es sogar noch zehn Millimeter mehr Federweg an der Gabel sein.

Jetzt kommt's dicke: 130 Millimeter Federweg an der Gabel

Und auch das neue Rocky Mountain Element kommt 2022 als möglicher Trendsetter in den Markt. Eine klassische 100-mm-Version des Ur-Marathon-Bikes gibt es ab 2022 gar nicht mehr. Und anstelle der im Down-Country-Konzept üblichen 120er-Federgabeln steckt im Steuerrohr des neuen Elements jetzt eine Fox 34 (keine Stepcast!) – und die hat 130 Millimeter Federweg.

Das ist gar nicht mal übertrieben, sondern wirkt eher wie eine logische Konsequenz der aktuellen Entwicklung. Denn wenn CC-Racer mit 120er-Gabeln Worldcups gewinnen, müssen die Down-Country-Bikes, um im Singletrail überlegen zu bleiben, ja eine Schippe drauf legen.

Die Geometrie des 2022er-Element erfährt einen ebenso radikalen Umbruch. War das Element zuletzt für sein verspieltes Handling bekannt, schlägt der Nachfolger in eine ganz andere Kerbe. Ein 65,5 Grad flacher Lenkwinkel, ein Reach von 480 Millimeter in Größe L und ein Radstand von 1231 Millimetern (ebenfalls in Größe L) sollten ein laufruhiges Fahrgefühl mit viel Sicherheit bei hohem Tempo vermitteln.

Aus dem einstigen Racefully wird also ein moderner Trail-Flitzer, der im Modelljahr 2022 nicht nur das alte Element beerben soll, sondern auch das Rocky Mountain Thunderbolt vollkommen ersetzen muss. Es wird 2022 kein Thunderbolt – und damit kaum mehr ein Trailbike mit 27,5-Zoll-Laufrädern – mehr geben. Denn das Element wird nur in der Rahmengröße XS noch auf den kleinen Laufrädern rollen. Ansonsten werden standesgemäße 29-Zöller verbaut.

Bei einem genauen Blick auf die Geometrie dürften Marathon-Biker und CC-Racer mit einem Gedanken spielen. Bei einem derart flachen Lenkwinkel lässt sich auch eine 120er-Gabel problemlos verbauen, um Gewicht zu sparen. Tuning könnte jetzt also zum ersten Mal auch in Form von Downsizing passieren.

Ludwig Döhl Formschön, elegant und gemacht für lange Tage auf Singletrails: Das neue Rocky Mountain Element lässt den kanadischen Spirit überall dort aufkommen, wo seine Reifen den Untergrund berühren. 9700 Euro muss man für dieses Modell mit 10,9 Kilo ohne Pedale hinblättern. Die günstigste Version aus Alu gibt es für immer noch stolze 4200 Euro.

Ludwig Döhl Mit der 130-mm-Gabel verblüfft Rocky Mountain erneut. Wobei: Wenn schon die Rennfahrer 120er-Gabeln fahren, können es für den Trail- und Toureneinsatz doch auch etwas mehr sein, oder? Höchstwahrscheinlich werden sich die 130er-Gabeln im Down-Country-Segment durchsetzen. Bleibt das Konzept damit so erfolgreich wie zuletzt?

Ludwig Döhl Darf nicht fehlen: Die Teleskop-Sattelstütze war einst bestimmendes Merkmal der Down-Country-Bikes. Mittlerweile ist sie auch im Cross-Country- und Marathon-Einsatz zum Standard geworden.

Filigrane Formsprache, entschlackte Technik, gutes Gewicht

Der Rahmen in Größe L bringt laut Fotobeweis vom Hersteller 2400 Gramm inklusive Dämpfer auf die Waage. Kein rekordverdächtiger Wert, aber immerhin einer, der sich sehen lassen kann. Das abgebildete Komplett-Bike kommt bei einem stolzen Preis von 9700 Euro auf 10,9 Kilo (ohne Pedale) und verspricht so einen leichtfüßigen Antritt.

Möglich werden die guten Gewichte durch eine filigrane Formsprache und die Entschlackung der Technik. So wird aus dem alten Ride-9-System zur Federwegs- und Geometrieverstellung ein Ride-4-System mit vier unterschiedlichen Anpassungsmöglichkeiten. Die einteiligen Sitzstreben und die doppelte Abstützung der Lager am Horst-Link sollen trotz niedrigem Gewicht für eine gute Steifigkeit sorgen.

Die beiden Flaschenhalter platziert Rocky in einer Reihe am Unterrohr – wie zuletzt auch Cube beim AMS . Zwei Flaschen lassen sich so übereinander montieren. Die Option auf eine stehende Flaschenposition am Sitzrohr gibt es nicht. Ab Dezember 2021 sollen die ersten Modelle im Handel erhältlich sein. Uns wurde allerdings schon früher ein fahrbares Modell des neuen Trendsetters für einen ersten Test versprochen.

Ludwig Döhl Die filigrane Formsprache setzt sich auch am schlanken Oberrohr durch.

Ludwig Döhl Anders als bei der Konkurrenz: Rocky Mountain ersetzt das Horst-Link-Lager nicht durch flexible Kettenstreben, sondern bleibt beim klassischen Viergelenker-Hinterbau. Anders als beim Vorgänger: Für mehr Steifigkeit und weniger Verschleiß ist der Lagersitz an der Kettenstrebe wieder beidseitig abgestützt.

Ludwig Döhl Spart Gewicht und erhöht die Steifigkeit: Die linke und die rechte Sitzstrebe sind über eine Brücke vor dem Sitzrohr verbunden.

Ludwig Döhl Das bekannte Ride-9-System an der Dämpferaufhängung wird auf vier Möglichkeiten begrenzt. Gewindeösen, um Flaschenhalter zu montieren, gibt es fünf Stück auf dem Unterrohr. Man kann also zwei Flaschenhalter übereinander anbringen.

Ludwig Döhl Gehört zum guten Ton: komplett innen verlegte Bowdenzüge und hintere Bremsleitung.

Ludwig Döhl Für eine einfache Wartung sind jedoch Führungen im Rahmen so eingearbeitet, dass man selbst am Übergang der Leitungen vom Hauptrahmen in den Hinterbau nicht fummeln muss.

Ludwig Döhl Did you know? Rocky Mountain wird 2022 40 Jahre alt! Klar, dass zu diesem Anlass das Steuerrohr-Emblem besonders prunkvoll daherkommt.

Geometrie des neuen Rocky Mountain Element 2022

Alle Geometrieangaben basieren auf der neutralen Position des Ride-4-Systems.

Größe

XS

S

M

L

XL

Oberrohr (horizontal)

541

576

603

631

663

Lenkwinkel

65,3°

65,5°

65,5°

65,5°

65,5°

Steuerrohr

90

105

115

125

135

Sitzwinkel

76,1°

76,5°

76,5°

76,5°

76,5°

Kettenstrebe

425

435

435

435

435

Tretlageabsenkung

21

40

40

40

40

Reach

403

430

455

480

510

Stack

545

569

578

587

596

Überstandshöhe

771

812

810

809

807

Radstand

1127

1173

1202

1231

1265

Laufradgröße

27,5

29

29

29

29

Rocky Mountain Element 2022: Modelle

Leider gibt es noch keine Bilder zu allen neuen Element-Modellen, aber es wird neben den drei Carbon-Bikes auch zwei Element-Modelle mit Aluminium-Rahmen geben. Außerdem kann man das Carbon-Rahmenset für 3500 Euro kaufen. Den Aluminium-Rahmen gibt es nicht einzeln, sondern nur als Komplett-Bike.

Das Topmodell: Element Carbon 90 für 9700 Euro

Für 9700 Euro wechselt dieses Rocky Mountain-Bike den Besitzer. Das Fox-Factory-Fahrwerk und die Carbon-Felgen (von Race Face, aber mit Rocky-Mountain-Label) mit 26 Millimetern Maulweite gehören bei dem Preis zum guten Ton. Auch die komplette Shimano XTR-Ausstattung kann sich sehen lassen. 10,9 Kilogramm ohne Pedale bringt das 29-Zoll-Bike so auf die Waage.

Ludwig Döhl Formschön, elegant und gemacht für lange Tage auf Singletrails: Das neue Rocky Mountain Element lässt den kanadischen Spirit überall dort aufkommen, wo seine Reifen den Untergrund berühren. 9700 Euro muss man für dieses Modell mit 10,9 Kilo ohne Pedale hinblättern. Die günstigste Version aus Alu gibt es für immer noch stolze 4200 Euro.

Element Carbon 70 für 6600 Euro

Für 3000 Euro weniger als das Topmodell liefert Rocky Mountain immerhin noch eine komplette 1x12-Shimano-XT-Schaltung und hochwertige Aluminium-Felgen von WTB. Beim Fox-Performance-Elite-Fahrwerk muss man auf die Kashima-Beschichtung verzichten.

Margus Riga Die Ausstattung dieses Bikes entspricht nicht dem Element Carbon 70 aber die Farbversion wird so bei allen Carbon- und Alu-Modellen erhältlich sein.

Element Carbon 50 für 5200 Euro

Das günstigste Carbon-Modell kommt ebenfalls mit einer kompletten Shimano-XT-Schaltung und -Bremsanlage. Allerdings gibt es hier nur ein Fox-Performance-Fahrwerk.

Die Alu-Version: Element Alloy 50 für 4200 Euro

Die Aluminium-Version ist für 4200 Euro mit einem Shimano-XT/SLX-Schaltungsmix ausgestattet. Die Shimano-SLX-Bremsen haben wie bei den höherpreisigen Modellen nur zwei Bremskolben, um Gewicht zu sparen. Auch hier kommen hochwertige Aluminium-Felgen von WTB zum Einsatz.

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