Neuheiten 2017: Rocky Mountain Pipeline

Neues von Rocky Mountain: Plus-Fully Pipeline [Update]

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 5 Jahren

In Sexten hat Rocky Mountain ein neues Bike für 2017 vorgestellt: das Pipeline – ein All Mountain im Plus-Format. Wir waren vor Ort und sind das Pipeline 770 MSL gefahren.

Erst Ende April hatte Rocky Mountain zur Präsentation eines neuen Bikes nach Sexten geladen, doch schon vorher fand man auf der Website der Traditionsmarke einen Ausblick auf die 2017er-Kollektion. Pipeline soll das neue All Mountain im Plus-Format heißen, das für aggressives Trailbiken auf den technischen North Shore-Trails in British Columbia gebaut wurde. Erste Details wurden zum neuen Rocky Mountain Pipeline auch verraten: 150 mm Federweg vorne und 130 mm Hub am Heck, Carbon-Hauptrahmen gepaart mit einem Alu-Hinterbau und bis zu 27,5x3,25 Zoll breite Reifen zeichnen das Pipeline aus. Die Kinematik wurde nur auf Einfach-Antriebe optimiert, die Züge sind innenverlegt und selbstverständlich kommt eine absenkbare Sattelstütze mit integrierter Zugführung zum Einsatz.

Das Rocky Mountain Pipeline 750 MSL: das Topmodell des neuen Plus-All Mountains.

Zwei Modelle des Rocky Mountain Pipeline

Zwei Modelle des Rocky Mountain Pipeline stehen zur Auswahl: das Pipeline 770 MSL als Topmodell und das Pipeline 750 MSL. Auch die Geometrie-Verstellung mittels „Ride-9“-System wird das Plus-Fully haben.

Die Geometrie des Rocky Mountain Pipeline im Überblick.

Das orange Bike aus dem Video, das Wade Simmons fährt: das Rocky Mountain Pipeline 750 MSL.

Update: Erster Fahreindruck und weitere Details

Das neue Bike basiert weitesgehend auf dem Instinct, wobei sicher auch ein wenig Sherpa im Pipeline steckt. „Das Instinct ist der bessere Allrounder, hat einen etwas breiteren Einsatzbereich und ist für Zweifach-Antriebe ausgelegt“, sagt Produktmanager Stefan Götz. Aber für wen ist das Pipeline dann das richtige Bike? „Für technisches Gelände und aggressives Trailriding“, antwortet Götz und hat dabei Bilder von North Shore-Pfaden, rumpligen Lago-Trails und verblockten Alpen-Downhills vor Augen. Aber die Abfahrtseigenschaften nur den Plus-Reifen zuzuschreiben, lässt man bei Rocky Mountain nicht zählen. Zum ersten ist da natürlich die Geometrie mit 443 mm kurzen Kettenstreben (kürzer als beim Altitude) und einem Lenkwinkel von 67,2 Grad in der flachsten Einstellung. Mit der Ride-9-Verstellung lässt sich der Lenkwinkel auf 68,8 Grad aufsteilen. Doch mit den zwei verzahnten, auf zwei Achsen verstellbaren Chip-Einsätzen lässt sich weit mehr einstellen. Aus insgesamt neun Einstellungsmöglichkeiten kann man je nach Geometrie-Vorliebe, Fahrergewicht und persönlichem Fahrstil das Pipeline ein Stück weit "tunen".

Das Ride-9-System von Rocky Mountain: Zwei verzahnte Chip-Einsätze erlauben neun unterschiedliche Einstellungen. Dabei verändern sich Geometrie und Federwegrate. Ob sportlich mit steileren Winkeln oder progressiv für aggressive Fahrer – das alles lässt sich in wenigen Minuten umschrauben.

Auf technischen Trails fühlt sich das neue Rocky Mountain Pipeline wohl – wie hier mit Wade Simmons auf den North Shore-Pfaden.

Der Hinterbau des Pipeline ist auf Schluckfreudigkeit getrimmt und soll einen gemütlich-komfortablen Fahreindruck vermitteln und Wurzeln, Steine, Hindernissen aufsaugen und schlucken, als würde man lediglich über eine Schotterstraße rollen. Auf den ersten Blick scheint die 150er-Gabel dem Hinterbau, der maximal 130 Millimeter freigibt, überlegen zu sein. Doch nach unserer ersten Testrunde können wir sagen: Das passt! Der Federweg am Heck fühlt sich im Sattel nach mehr an und passt beim 770 MSL zur Fox 34, die zahlenmäßig zwei Zentimeter mehr Hub zu bieten hat als das Fox DPS Factory-Federbein. In Sachen Kinematik fokussierten sich die kanadischen Entwickler darauf, die Antriebseinflüsse beim Pedalieren so gering wie möglich zu halten. Laut Götz sollen die Anti-Sqaut-Werte besser sein als beim Trailbike Thunderbolt. Ein wenig Pedalrückschlag spürten wir bei unserer Testfahrt allerdings schon noch. Doch da kommt der neue Fox-Dämpfer ins Spiel: Denn beim DPS Factory-Federbein versteift sich der Hinterbau im "Medium"-Modus spürbar – in der "Firm"-Einstellung kann man mittlerweile sogar von einem gefühlten Lockout sprechen.

Die Ausstattung des Pipeline 770 MSL mit 1x11 Shimano XT-Gruppe, Race Face Turbine-Kurbel (28 Zähne) und Fox-Fahrwerk. Preis: 5600 Euro.

Um up-to-date zu sein, setzt Rocky Mountain im Pipeline auf den Boost-Standard. Auf den 35 Millimeter breiten Felgen, auf denen beide Pipeline-Modelle anrollen, lassen die serienmäßig verbauten 2,8 Zoll-Schlappen von Maxxis breit daherkommen. Wem das nicht reicht, der kann auf Plus-Reifen bis 2,35 Zoll aufrüsten. Doch wir finden, dass die Maxxis Rekon in 27,5x2,8 Zoll ein guter Mittelweg in Sachen Gewicht, Grip und Rollwiderstand sind. Da das Pipeline vorzüglich über rumpelige Trails geritten werden will, wurde es nur für Einfach-Antriebe entwickelt. Bei gemäßigtem Tempo im technischen Gelände sollte die Bandbreite auch ausreichen.

Wie auf Schienen über verschneite Wurzelteppiche

Bei unserem Testride in Sexten schneit es heftig, die Trails sind naß und von Altschneefeldern durchzogen. Im schlammigen Uphill zum Kreuzbergpass hinauf zählen Uphill-Qualitäten. Wir fahren ein Pipeline 770 MSL in Größe M, das knapp 12,5 Kilo mit Pedalen auf die Waage bringt. Durch die aufgeweichten Schneeflecken spielen die Plus-Reifen ihre Stärken aus, der Vortrieb und Grip bei gemäßigtem Tempo imponiert. Am Kreuzbergpass links ab und zwei steile Schotterkehren später stehen wir am Trail-Einstieg. Dort warten feuchte Wurzelgeflechte mit Schneeauflage. Schnell gewöhnt man sich an das gutmütige Handling und das Plus an Grip, das die 2,8er-Maxxis-Pneus offerieren. Vorne bügelt die 34er-Fox die Hinternisse weg, die sich der steifen Boost-Gabel in den Weg stellen. Deutlich softer und linearer kommt der Hinterbau daher. Die zwei Zentimeter weniger Hub im Vergleich zur Gabel fallen nicht negativ auf. Auf der groben Schotterpiste weiter unten provozieren wir das Pipeline, wollen es ausbrechen lassen. Doch die komfortablen Plus-Reifen machen das fast unmöglich. Ein kurzes Tippen an der Bremse lässt das Pipeline ankern. Über kleine Hinternisse lässt sich das Pipeline einfach drüberlupfen, auch Wheelies sind dank der kurzen Kettenstreben eine Leichtigkeit.

Das Pipeline auf den noch verschneiten Trails rund im Sexten. Wir konnten das Bike bereits fahren. Einen ausführlichen Test gibt's in BIKE 7/16.

Für wen ist das Pipeline das richtige Bike?

Augrund seiner Gutmütigkeit und weil es so einfach zu beherrschen ist, würden wir es Anfängern empfehlen. Doch die werden die Preise abschrecken. Denn vom neuen Pipeline schickt Rocky Mountain nur zwei Modelle ins Rennen: eins für 4000 Euro und das andere für 5600 Euro. Da es im Vergleich zum Instinct einen etwas schmaleren Einsatzbereich (wegen des Einfach-Antriebs) hat, kann man es Trail-Piloten ans Herz legen, die Wert auf Komfort, Grip und einen schluckfreudigen Hinterbau legen. Biker, die meiste Zeit auf anspruchsvollen Trails unterwegs sind, denn eine Schotter-Fräse zum Strecke machen ist das Pipeline wahrlich nicht.

Wurzelstufen bergauf nimmt das Pipeline mit einer Leichtigkeit.

Schlagwörter: All Mountain Neuheiten 2016 Pipeline Plus-Format Rocky Mountain


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