Merida Big.Nine Team 2017 Merida Big.Nine Team 2017

Neuheiten 2016: Merida Big.Nine, Big.Seven & Big.Trail

MTB Neuheiten: Merida stellt 3 neue Hardtails vor

Stefan Loibl am 22.05.2016

Merida hat die Worldcup-Bühne in Albstadt genutzt und drei Hardtails präsentiert. Das Big.Nine als Race-Bike des Teams, die 27,5-Zoll-Variante davon und das Big.Trail: ein AM-Hardtail im Plus-Format.

Auf José Hermidas Instagram-Account konnte man in den vergangenen Monaten immer wieder Fotos eines abgeklebten Hardtails sehen. Auch Gunn-Rita Dahle Flesja bestritt die letzten Rennen auf einem Bike im Erlkönig-Look (BIKE berichtete). Nun hat Merida die Worldcup-Bühne in Albstadt genutzt und das neue Arbeitsgerät des Multivan Merida Biking Teams vorgestellt: das neue Big.Nine. Das Race-Hardtail in 29 Zoll war schon in die Jahre gekommen. Ein weiterer Grund, warum es Zeit war für ein neues Big.Nine, sind die bevorstehenden Olympischen Spiele in Rio im August. Denn für den Kurs in Brasilien favorisieren José Hermida und Gunn-Rita Dahle Fesja ein Hardtail. 

Race-Hardtails haben bei Merida eine lange Tradition

Geschichte Merida MTB Hardtails

Die Geschichte der Carbon-Hardtails bei Merida von 2004 bis 2013

Wie wichtig im Hause Merida die Hardtail-Palette ist, zeigen die Meilensteine, mit denen sich der Fahrrad-Riese in dieser Mountainbike-Kategorie brüsten kann. Aber von vorne: Bereits im Jahr 2004 brachte Merida sein erstes Race-Hardtail im Kohlefaser-Kleid heraus, das „Carbon FLX“. Damit holte ein der Spanier José Hermida auf Anhieb die Silbermedaille bei Olympia in Athen. Weiter ging es 2009 mit einem Paukenschlag: das „0.Nine“ war das erste Hardtail mit einem Rahmengewicht unter 900 Gramm – damals noch in 26 Zoll. Mit diesem Merida-Bike, der noch in Semi-Monocoque-Bauweise entstand, krönte sich Herimda zum Mountainbike-Weltmeister 2010. Im Jahr 2011 folgte das erste 29er von Merida, das „Big.Nine“. Das 29-Zoll-Hardtail war in seiner ersten Saison eines der besten „Riesenräder“ am Markt (siehe Test Merida Big.Nine Team 2015). Der Rahmen wog 1100 Gramm. Zwei Jahre später schoben die Taiwanesen die 27,5-Zoll-Variante – das „Big.Seven“ – hinterher. Warum? Weil 26-Zoll-Fan Hermida nicht auf Anhieb mit dem 29er zurechtkam.

Big.Nine-Rahmen nur 900 Gramm in Größe M

Mit dem brandneuen Big.Nine schließt Merida beim Rahmengewicht an 26-Zoll-Bestmarken an. Gerade einmal 900 Gramm soll der 29er-Rahmen in Größe M wiegen. Obendrauf kommen noch Kleinteile wie Sattelstützenklemme (10 g), Kettenstrebenschutz (6 g) oder die neue Steckachse von DT Swiss, bei der man den Hebel (28 g) abnehmen kann. Der hochwertige Carbonrahmen („CF5“), der aus insgesamt 400 einzelnen Prepreg-Stücken besteht, setzt auf hochwertigste Fasern und ein ausgeklügeltes Layup. Zudem kommt er komplett ohne Umwerferaufnahme aus. D.h. bei den Topmodellen des Big.Nine und Big.Seven kommen ausschließlich Einfach-Antriebe zum Einsatz. Der etwas einfachere Kohlefaser-Rahmen, den Merida „CF3“ tauft, wiegt etwa 250 Gramm mehr und hat eine Low Direct Mount-Aufnahme an Bord. Auch der integrierte Steuersatz spart beim CF5 ein paar Gramm. 

Merida Big.Nine Team 2017

Der neue Big.Nine-Rahmen mit der „Smart Entry“-Kabelführung. Über Inserts in Steuerrohr, Tretlager und den Ausgängen werden die Leitungen geklemmt.

Merida Big.Nine Team 2017

Die neue Komfort-Sattelstütze hat Merida speziell für seine Race-Hardtails entwickelt. Sie wird auch bei den günstigeren Alu-Modellen zum Einsatz kommen.

Eigener Prüfstand und viel Arbeit für eine Komfort-Sattelstütze

Als zweites wichtiges Thema – neben dem Gewicht – stand der Sitzkomfort beim Entwickler-Team um Jürgen Falke ganz vorne im Lastenheft. Schlanke Sitzstreben, die leicht konvex geformt sind, sollen zusammen mit den Kettenstreben für Flex im Hinterbau sorgen. „Die Sitzstreben haben wir so dünn wie gerade nur möglich konstruiert“, erklärt Falke. Außerdem hat Merida Flachs-Fasern in Sitz- und Kettenstreben einlaminiert. Die sind „weicher“ wie Carbonfasern und sollen helfen, den Komfort zu verbessern. Doch Herzstück Big.Nine ist die eigens entwickelte Komfort-Sattelstütze. Beim Durchmesser rudert Merida von 27,2 mm auf 30,6 mm zurück, um das Hardtail mit gängigen Vario-Sattelstützen kompatibel zu machen. Um alles aus der Sattelstütze herauszuholen, wurde ein neuer Prüfstand entwickelt, mit dem sich die Flex-Werte von Hinterbau und Sattelstütze getrennt bestimmen lassen. Das geschieht dynamisch mit Beschleunigungssensoren. Das Resultat der Messungen floß in die neue Komfortstütze ein, die mit Knick im oberen Teil „wie wie Cobra-Kopf aussieht“. Sie erinnert an die Save 2-Stütze von Cannondale.

Test Sitzkomfort Merida

Der neue Laborprüfstand zur Messung des Sitzkomforts

Labortest Merida Komfort Sattelstütze

An der Sattelstütze misst ein Geschwindigkeitssensor die Ausschläge der Sattelstütze.

BB92 für steifere Tretlager-Anbindung

In Sachen Steifigkeit haben sich die Merida-Entwickler auf die Tretlagersteifigkeit fokussiert. Um eine möglichst breite Anbindung des Unterrohrs ins Tretlager zu realisieren, setzt Merida auf ein BB92-Tretlager von Shimano. Zusätzlich kommt am Hinterrad der neue Boost-Standard (148x12 mm) zum Einsatz, der mehr Reifenfreiheit garantiert ohne dass man große Kompromisse beim Kettenstreben-Design eingehen muss. Bei unseren ersten Testfahrten hinterließ das Big.Nine eine äußerst steifen, direkten Fahreindruck – so wie ihn die Profis schätzen.

Merida Big.Nine Team 2017

Dank BB92-Tretlager ist eine breite Anbindung des Unterrohrs ans Tretlager möglich. Die Verbreiterung des Hinterbaus durch Boost garantiert Reifenfreiheit.

Länger, flacher, kürzer: Geometrie des Big.Nine & Big.Seven

José Hermida wurde von Anfang an in die Entwicklung eingebunden. Der Spanier fuhr viele Alu-Prototypen, gab Feedback und brachte die Wünsche der Team-Fahrer ein. Das Ergebnis sind ein flacherer Lenkwinkel von 70,0 Grad beim 29er und 69 Grad beim 27,5-Zoll-Bike sowie kürzere Kettenstreben (433 mm bei 29'', 423 mm bei 27,5'') für mehr Agilität auf verwinkelten Worldcup-Kursen. Zudem wurde den Race-Hardtails von Merida ein längerer Reach und kürzere Vorbauten verpasst. Das soll den Fahrer besser integriert zwischen den Laufrädern platzieren. Wie schon beim 2015 vorgestellen Ninety bietet Merida sein neuestes Hardtail je nach Rahmenhöhe in verschiedenen Größen an ("Size Specific Wheeling"). Allerdings gibt es deutlich mehr Überschneidungen: Das Big.Seven beispielsweise wird in den Rahmengrößen XS, S, M und L angeboten, die 29-Zoll-Variante in S-XXL. So haben Fahrer, die Bikes zwischen 15 und 19 Zoll fahren die Wahl, ob 27,5 oder 29 Zoll. Doch nicht in allen Ländern wird es alle Größen in beiden Laufrad-Optionen geben, das entscheidet der jeweilige Importeur.

Merida Big.Nine Team 2017

In den Ketten- und Sitzstreben sind im Carbon Flachsfasern eingearbeitet, die den Flex erhöhen.

Aerodynamik beim Mountainbike?

Etwas verdutzt lauschten die Journalisten der Merida-Präsentation, als Jürgen Falke das Thema Aerodynamik ansprach. Aber was bei Rennrädern mittlerweile gang und gäbe ist, wird auch im Mountainbike-Zirkus immer wichtiger. So haben Big.Nine und Big.Seven ein Unterrohr, das in etwa dieselbe Form hat wie das "Scultura Disc"-Rennrad. Die Aerodynamik-Werte wurden per Computer-Simulation durchgerechnet und optimiert. Für Otto-Normal-Biker mag das übertrieben klingen, aber wenn die Profis bei Marathons mit 35 km/h über Schotterpisten knüppeln, zählt jedes Watt, das eingespart werden kann.

Test Merida Big Nine Team

Wir konnten das neue Merida Big.Nine Team mit der neuen Sram XX1 Eagle bereits ausgiebig fahren. Unter anderem beim Albstadt Classic-Marathon auf der 46-Kilometer-Runde.

Auch das Alu-Pendant von Big.Nine und Big.Seven bekommt einen komplett neuen Rahmen auf Basis der neuen Carbon-Hardtails. 

Spaß-Hardtail im Plus-Format: das Merida Big.Trail

Merida Big Trail AM Hardtail

Das neue Merida Big.Trail ist ein All-Mountain-Hardtail mit Plus-Reifen. Von dem Alu-Bike wird es drei Modelle geben.

Fotostrecke: Merida Big.Trail: AM-Hardtail im Plus-Format

Stefan Loibl am 22.05.2016