Pole Machine Pole Machine

Neu: Pole Machine Super-Enduro

Pole Machine: neues 29er-Bike mit 160 mm

Adrian Kaether am 24.11.2017

160 Millimeter Hub am Heck, bis zu 180 Millimeter an der Front und eine völlig neue Fertigungstechnik – Pole aus Finnland unterstreicht mit dem neuen Machine: Langhubige 29er-Bikes liegen im Trend.

29 Zoll Laufräder, massive 180 Millimeter Federweg an der Front, 160 Millimeter am Hinterbau, flache Geometrie mit supersteilem Sitzwinkel und langem Radstand. Der Rahmen des neuen Pole Machine wirkt höchstens auf den allerersten Blick konventionell. Das neue Bike der Vollgasspezialisten aus Finnland hört auf den in mehrerer Hinsicht gelungenen Namen „Machine“ und soll die ultimative Waffe für alle Biker sein, die den Berg noch ohne Lift und Shuttle erklimmen wollen. 100 Prozent gefertigt in Finnland. Nicht weniger verspricht Chefentwickler Leo Kokkonen für seine neueste Kreation.


Leichter, effizienter und schneller als die Konkurrenz?


Schon das Pole Evolink zeigte im BIKE-Test, dass es die Finnen wirklich ernst meinen, wenn sie von neuartig, innovativ und Downhill-Performance trotz Uphill-Qualitäten sprechen. Extrem laufruhig und fehlerverzeihend stürmte das Pole bergab und zeigte sich dennoch bergauf nach einer kurzen Eingewöhnungsphase recht kletterfreudig. Nur in langsamen Kurven musste man ein wenig Druck auf das Vorderrad geben. Doch daran gewöhnten sich unsere Tester schnell. Das „Machine“ soll diese Qualitäten auf das nächste Level heben.

Pole Machine

In engen Kurven wird man das neue Pole Machine mit seiner extremen Geometrie sicher mit Nachdruck dirigieren müssen.


Das Herzstück des „Machine“: der neue Rahmen


Und der Ansatz klingt tatsächlich vielversprechend. Denn speziell für das „Machine“ entwickelte Pole eine neue Fertigungstechnik, die zusammen mit der progressiven Geometrie den Spagat zwischen Race-Downhiller bergab und Tourenbike bergauf möglich machen soll. Der Rahmen wird CNC-gefräst, engl. CNC-"machine"d. Das ist an sich nichts Innovatives oder Neues. Doch die Finnen fräsen natürlich nicht den kompletten Rahmen aus einem Block, sondern setzen das vordere und hintere Rahmendreieck aus jeweils drei Einzelteilen zusammen, die mit einem speziellen Kleber zusammengefügt werden, der zu diesem Zweck schon länger in der Auto- und Flugzeugindustrie zum Einsatz kommt.

Pole Machine

Der Machine-Rahmen wirkt extrem und ist es auch. Steiler Sitzwinkel, flacher Lenkwinkel, asymmetrischer Hinterbau.


Für diese neue Fertigungsmethode bringen die Finnen gleich mehrere Argumente: Erstens könne man so die Wandstärke in allen Bereichen des Rahmens speziell abstimmen und noch wesentlich präziser umsetzen als im Hydroforming-Prozess, mit dem Aluminiumrahmen normalerweise hergestellt werden. Zweitens wird die Qualitätskontrolle so verbessert, da man alle Einzelteile auf die perfekte Wandstärke überprüfen kann, sobald sie aus der CNC-Fräse kommen.

Pole Machine

Vollgas durch die Kurve.


Außerdem kommt für das „Machine“ hochwertiges 7075 Aluminium zum Einsatz, das einen geringeren Aluminium-Anteil in der Legierung aufweist, dafür aber höhere Anteile an Kupfer, Magnesium und Zink enthält. Es soll 1,7-mal so fest sein wie normales 6061 Aluminium (hier ein kleiner Vergleich der beiden Werkstoffe). Das alles soll einen Rahmen möglich machen, der gleichzeitig leichter und steifer ist als ein konventioneller Alu-Rahmen. Und da die CNC-Fräsen in Finnland stehen, ist der Rahmen natürlich auch 100 Prozent „made in Finnland“. Sozusagen die saubere Alternative zu dem erst kürzlich wegen Gewissensbissen auf Eis gelegten Carbon-Projekt.


Pole Machine: vorerst nur in „Raw“


Bei Pole ist man so stolz auf die neue Fertigungstechnik, dass die ab sofort vorbestellbaren Bikes erst einmal nur in „Raw“ ausgeliefert werden. Keine Farbe und kein Lack sollen die technoide Schönheit der CNC-gefrästen Rahmen kaschieren und jede Imperfektion in der Fertigung und besonders das Fehlen solcher Makel hervorheben. Dass der Rahmen mit der Zeit ein wenig oxidieren wird, ist so vorgesehen und soll dem neuen Flaggschiff der Pole-Palette seinen ganz eigenen, individuellen Look verleihen.

Pole Machine

Hier wird das Pole Machine glänzen. Im Komplettbike ist eine Guide RSC montiert, aber bei 180/160 Millimetern Federweg im 29er wird man sie außer vor Kurven wohl kaum brauchen.


Asymmetrischer Hinterbau, extrem flache Geometrie und viel Reifenfreiheit


Aber auch abgesehen von der Fertigungsmethode selbst ist der Rahmen auf der Höhe der Zeit: Ein stark asymmetrischer Hinterbau ermöglicht ein langes Sitzrohr und damit den Einsatz besonders langer Vario-Sattelstützen. Ganze drei Flaschenhalter können am Rahmen montiert werden, damit der Fahrer auch ohne Rucksack nicht austrocknet. Der Dämpfer wird umgedreht verbaut, das soll besonders viel Überstandshöhe gewährleisten, damit man bei der Downhill-Hatz auch ja nicht am Rahmen hängenbleibt. Die Züge werden der Einfachheit halber außen verlegt, Stealth-Variostützen können natürlich trotzdem verwendet werden. Die Reifenfreiheit ist großzügig: Bis zu drei Zoll breite Pneus passen ins Heck, an der Front je nach Gabel. Doch man soll selbst mit breiten 2,5-Zoll-Reifen keine Probleme bei Matsch bekommen.


Die Geometrie ist so extrem, wie sie auf den Bildern wirkt. Der Lenkwinkel ist mit 63,9 Grad so flach wie bei ausgewachsenen Downhill-Bikes von vor ein paar Jahren, der Reach fällt mit 510 Millimeter in Rahmengröße L und 480 Millimeter bei Rahmengröße M extrem lang aus. Der Sitzwinkel beträgt 78 Grad (!), die Kettenstreben messen stattliche 445 Millimeter. Das Tretlager wurde um 20 Millimeter abgesenkt, der Radstand beträgt mächtige 1305 Millimeter in Rahmengröße M und 1335 Millimeter in Rahmengröße L. Pole verspricht dennoch, dass das „Machine“ einfacher zu fahren sein soll als das Evolink. Ob das der Wirklichkeit entspricht, muss wohl ein erster Test zeigen.

Schon im Video ist zu sehen, dass das Machine nach einer aktiven Fahrweise verlangt. Dann scheint es aber auch fette Felspassagen wegzubügeln, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.


Pole Machine: ab sofort bestellbar


Das „Machine“ ist ab sofort vorbestellbar, die Massenproduktion wird aber erst Anfang 2018 anlaufen. Die Auslieferung der vorbestellen Bikes ist für März 2018 geplant. Bisher ist das „Machine“ nur als Rahmenset (3450 Euro) oder als hochwertiges Komplettbike mit X01 Eagle Gruppe, Rockshox-Fahrwerk aus Lyrik RCT3 und Super Deluxe RCT-Dämpfer sowie EX1501 Laufrädern von DT Swiss erhältlich (6950 Euro). Das Gewicht des Komplettbikes liegt uns noch nicht vor, doch der Rahmen soll mit Dämpfer in Größe M 3,2 Kilogramm wiegen. Das wäre lediglich rund 300 Gramm mehr als ein vergleichbarer Carbonrahmen (z.B. Rocky Mountain Slayer: 2560 Gramm ohne Dämpfer), das Komplettbike sollte dann zwischen 14 und 15 Kilo wiegen.


Hier alle Links zur Website des Herstellers, zur Geometrie, zur Ausstattung des Komplettbikes und zur Verkaufsplattform.

Adrian Kaether am 24.11.2017