GT Sensor Carbon Pro GT Sensor Carbon Pro

GT Bikes: Trailbike Sensor und All Mountain/Enduro Force

GT Sensor und Force: neue Bikes für Trail bis Enduro

Peter Nilges am 06.07.2018

Die Marke GT zählt zu den Urgesteinen in der Bikebranche. In den letzten Jahren ist es in Deutschland jedoch relativ ruhig um die Marke geworden. Mit dem neuen Sensor und Force gibt GT wieder Gas.

GT Sensor Carbon Pro

Das Sensor Carbon Pro ist das Topmodell für 5499 Euro. Das 29er Trailbike verfügt über 130 Millimeter Federweg.

Seit über 25 Jahren hat GT bereits Fullys in seiner Produktpalette und kann auf einen sehr reichhaltigen Erfahrungsschatz zurück blicken. Fans der Marke können sich sicherlich noch an den RTS-, LTS-Hinterbau (Linkage Tuned Suspension) erinnern oder an die unkonventionelle i-Drive-Kinematik, mit der GT eigene Wege ging. Mit den beiden neuen Modellen Sensor und Force knüpft GT am LTS-Hinterbau an und setzt wieder auf einen konventionellen Viergelenker mit Horstlink.

GT Sensor Flipchip

Ein Flipchip ist bei beiden neuen Modellen integriert. Dadurch lässt sich der Lenkwinkel um 0,5 Grad anpassen.

Trailbike Sensor

130-Millimeter-Federweg, 29-Zoll-Laufräder und ein steifes Chassis beschreiben das neue GT Sensor am besten. Die Geometrie des neuen Trailbikes fällt modern und abfahrtslastig aus. Mit einem Lenkwinkel von 65,5 - 66 Grad (je nach Flipchip-Einstellung) und 435er Kettenstreben ist das Sensor auf Laufruhe und Highspeed bergab gepolt. Bei allen Carbon-Modellen kombiniert GT einen Carbon-Hauptrahmen mit Alu-Hinterbau. Durch die massive Wippe und die solide Lagerung der Hinterbaus macht das Sensor einen sehr soliden Eindruck. Um die Wartungsfreundlichkeit zu erhalten, aber trotzdem eine aufgeräumte Optik zu haben, verlaufen alle Leitungen in einer Vertiefung auf dem Unterrohr. In der Seitenansicht sind die Kabel nicht mehr sichtbar und dennoch schnell zu servicen. In Deutschland werden drei Carbon-Modelle von 2999 bis 5499 Euro erhältlich sein.

GT Force

160 Millimeter vorne und 150 Millimeter am Heck. Das neue Force rollt auf 27,5-Zöllern. In der Carbon Pro Version kostet es 5499 Euro.

All Mountain/Enduro Force

Beim neuen Force kombiniert GT eine 160er-Gabel mit einem 150er-Hinterbau, weshalb sich das Bike zwischen der All Mountain- und Enduro-Kategorie bewegt. Fox-36-Gabel und Float-DPX2-Dämpfer beim Topmodell sowie Schwalbe Magic Mary Reifen an Vorder- und Hinterrad tendieren jedoch eher ins Enduro-Segment. Teamfahrer Martin Maes (aktuell Zweitplatzierter in der EWS) fährt ebenfalls ein Force, wenngleich mit 170er Gabel und nochmals potenterem Fox-Float-X2-Dämpfer. Auch das Force verfügt über einen Viergelenk-Hinterbau und die gleichen Details wie der Sensor-Rahmen. Der größte Unterschied neben dem Federweg liegt in der Laufradgröße. Das Force rollt auf 27,5-Zöllern und besitzt einen Lenwinkel von 65-65,5 Grad. Die Kettenstreben fallen mit 435 Millimeter gleich lang wie beim 29er Sensor aus. Vom Force sind in Deutschland drei Modelle geplant: Zwei mit Carbon-Hauptrahmen für 4199 und 5499 Euro sowie ein Alu-Modell mit Stahlfederdämpfer für 2999 Euro. Fünf Rahmengrößen von XS bis XL wird es sowohl für das Sensor als auch Force geben.

GT Force Carbon Kabel

Bei beiden neuen GTs verlaufen alle Leitungen in einer Vertiefung auf dem Unterrohr. Das erleichtert den Service.

Erster Fahrbericht:

GT Sensor

Durch den flachen Lenkwinkel  von 65,5 Grad mag das Sensor schnelle Trails am liebsten.

BIKE konnte die beiden neuen GT-Bikes bereits exklusiv fahren: Trotz eines langen Reachs von 470 Millimetern in Größe L sitzt man durch den steilen Sitzwinkel keinesfalls zu gestreckt auf dem Sensor. Beim Klettern lastet viel Druck auf dem Vorderrad, weshalb auch steile Anstiege kein Problem darstellen. Sowohl der Hauptrahmen als auch der Hinterbau fühlen sich extrem steif und präzise an. Der Hinterbau arbeitet sehr aktiv, neigt im Wiegetritt aber zu leichten Pumpbewegungen ohne Dämpferplattform. Durch den flachen Lenkwinkel mag das Sensor schnelle und steile Passagen am liebsten und verleiht ein hohes Maß an Souveränität. In engen Kehren und beim Anheben des Vorderrades ist jedoch etwas mehr Einsatz gefordert. In der Top-Ausstattung kommt das Sensor mit einem Rock Shox-Fahrwerk. Pike und Deluxe arbeiten solide und machen den Federweg gut nutzbar.

GT Force

All Mountain bis Enduro. Das neue Force besitzt einen breiten Einsatzbereich, so lange es überwiegend bergab geht.

Auch beim Force fällt sofort die gefühlt hohe Rahmensteifigkeit auf. Analog zum Sensor kommt ebenfalls ein steiler Sitzwinkel mit flachem Lenkwinkel zum Einsatz. Durch das Plus an Federweg neigt auch der Force-Hinterbau im Wiegetritt zum leichten Pumpen. Die Plattform am DPX2-Dämpfer schafft Abhilfe. Im Gegensatz zum Sensor besitzt der Force-Hinterbau deutlich mehr Progression, weshalb wir beim empfohlenen SAG Mühe hatten, den vollen Federweg zu nutzen. Durch die hohe Übersetzung des Hinterbaus liegt der Dämpferdruck bereits bei einem 70-Kilo-Fahrer relativ hoch (220 PSI). Für etwas mehr Bodenfreiheit in steinigen Passagen macht es Sinn den Flipchip zu benutzen. Der Effekt ist spürbar, platziert den Fahrer etwas weiter nach vorne und verhindert ungewolltes Aufsetzen. Auch das Force liegt eher auf der laufruhigen Seiten und verlangt nach Geschwindigkeit. Richtig verspielt fährt sich das Force trotz 27,5er-Laufräder nicht.

Interview mit Patrick Kaye, Senior Productmanager GT:

BIKE: Mit den I-Drive-Hinterbauten ist GT immer sehr eigenständige Wege gegangen und hat sich stark von der Masse unterschieden. Warum kehrt ihr mit den neuen Modellen zurück zum klassischen Viergelenker?

Patrick Kaye: Die Ansprüche der Fahrer und der Riding-Style hat sich über die Jahre verändert. Außerdem waren unsere Hinterbausysteme nicht immer leicht zu verstehen. Sie haben fabelhaft funktioniert, aber sicherlich auch manche Kunden abgeschreckt.

BIKE: Das Sensor rollt auf 29ern, das Force auf 27,5er-Laufrädern. Warum folgt ihr nicht dem aktuellen Trend nach Longtravel 29ern und stellt auch das Force auf größere Räder?

PK: Wir sind davon überzeugt, dass man mit 27,5ern eine breitere Masse an Fahrern erreichen kann, als mit auf EWS-Kurse maßgeschneiderte 29er. Aber selbstverständlich experimentieren auch wir mit unterschiedlichen Laufradgrößen herum.

BIKE: Das Force ist näher ans Sanction gerückt. Was bedeutet das für das Sanction?

PK: Das Sanction ist nach wie vor ein sehr potentes Bike und macht auf anspruchsvollen Kursen und im Bikepark eine Menge Spaß. Wie bereits erwähnt, beobachten wir natürlich auch den Markt und schauen, ob sich 29er in dem Federwegsbereich wirklich durchsetzen können.

Peter Nilges am 06.07.2018