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Erster Test: Trek E-Mountainbike Powerfly+ FS

Powerfly+ FS: Das neue E-MTB von Trek

Stefan Loibl am 12.02.2015

Die Amerikaner wissen, wie man Fullys baut. Mit dem Powerfly+ FS überträgt Trek all seine Erfahrung in ein E-Mountainbike. Wir stellen das 120-Millimeter-Fully vor und haben es bereits getestet.

Dass Trek schnelle und effiziente vollgefederte Mountainbikes bauen kann, haben die US-Amerikaner in den vergangenen Jahren mit dem Fuel EX, dem Remedy oder dem Slash bewiesen. Erst auf der vergangenen Eurobike hat Trek mit der Re:aktiv-Dämpfer-Technologie seine Vorreiter-Rolle untermauert. Gleichzeitig hat Trek seine neue E-Mountainbike-Linie Powerfly+ FS vorgestellt (BIKE berichtete). Anders als Fuel EX, Remedy & Co. wurde das Powerfly+ aber nicht in den USA entwickelt, sondern ausschließlich in Europa. Macht Sinn, denn mit den E-Fullys zielt Trek auf den europäischen Markt, der in Sachen sportlicher Elektro-Mobilität auf zwei Rädern der größte weltweit ist.

Trek Powerfly+ FS: Die Besonderheiten

Am Hinterbau orientiert sich Trek an seiner Fully-Palette. Das Powerfly+ FS ist ein sogenannter "Full Floater". Dabei sitzt der Dämpfer zwischen zwei beweglichen Aufnahmen. Das soll Antriebseinflüsse, die beim Pedalieren entstehen, möglichst eliminieren und den Hinterbau gleichzeitig sensibel für kleine Schläge machen. 120 Millimeter Federweg spendiert Trek den Powerfly+ FS mit dem Rock Shox Monarch-Dämpfer, der in allen drei Modellen zum Einsatz kommt. Der untere Drehpunkt sollte nicht zu weit hinten und möglichst weit unten platziert sein. Das schafft Trek, indem sie die Abdeckung für den Bosch-Mittelmotor schlanker und kleiner gemacht haben. Weiterer Vorteil dieser schlankeren Motor-Abdeckung: Die Kettenstreben fallen für eine 27,5-Zoll-Fully mit E-Antrieb relativ kurz aus. 470 Millimeter messen sie genau.

trek powerfly+ drehpunkte

Trek hat sich die wichtigsten Konkurrez-Bikes genau angesehen. Die vorderen beiden für die Kinematik entscheidenden Punkte kann Trek nur so anordnen, da sie die Motor-Abdeckung kleiner und schlanker gemacht haben.

 

Herzstück im Powerfly+ FS: Der Bosch-Motor

Die schlankere Motor-Abdeckung ist aber nur ein Detail. Zudem wurde die Kabelführung in die Abdeckung integriert und eine kleine Führung integriert, die die Kette vorm Abspringen abhält. Ein anderes Trek-exklusives Detail ist das massive Alu-Schutzschild (Motor Armour) an der Unterseite des Motors, der den Elektro-Antrieb vor Schäden und Stößen beim Aufsetzen schützt.

Fotostrecke: Trek Powerfly+ FS zum Durchklicken

Nettes Gimmick: An der Vorderseite des Schutzschilds steht eine Nase vor, die man als Flaschenöffner nutzen kann. In den beiden Modellen Powerfly+ FS 9 und 7 steckt der starke Performance-Motor von Bosch samt dem 400 Wh-Akku. In der Einsteiger-Version, dem Powerfly+ FS 5 befindet sich der Active-Motor von Bosch mit etwas weniger Drehmoment. Aber auch der 400 Wh-Akku, also der große. Zusätzlich sind alle Modelle "Lightning ready". D. h. Kabel für eine zusätzliche Beleuchtung sind bereits im Rahmeninneren verlegt und werden über den Akku gespeist.

Die drei Modelle des Trek Powerfly+ FS

Mit drei Modellen bedient Trek den E-Mountainbiker, der auf ein Fully nicht verzichten will. Der Alu-Rahmen ist bei allen drei Bikes derselbe. Das Topmodell mit Rock Shox Revelation-Gabel und Reverb-Teleskopstütze kostet 4499 Euro. Dafür bekommt man 1x11-Gänge mit einer Sram X1-Schaltung und die zuverlässigen Shimano XT-Stopper. So kommt das Powerfly+ FS 9 auf 20,9 Kilo.

trek powerfly+ fs 9

Giftgrün und vielseitig: Das Powerfly+ FS 9 ist serienmäßig mit Variostütze ausgestattet und wiegt 20,9 Kilo.

Die 7er-Version kommt mit demselben Motor von Bosch und Fox 32 Evolution-Gabel. Dadurch dass Trek auf die Variostütze verzichtet, wiegt das Bike trotz schwächerer Ausstattung genauso viel wie das Topmodell. Geschaltet wird auf 10 Gängen mit einer Shimano XT. Wie alle drei Modelle gibt es fünf verschiedene Rahmengrößen von 15,5 bis 21,5 Zoll. Das Powerfly+ FS 7 kostet im Laden 3699 Euro.

Trek powerfly+ fs 7

Das mittlere Modell des Trek Powerfly+ FS kostet 3699 Euro.

Das Einsteiger-Modell bietet Trek für 3299 Euro an mit dem Active-Antrieb von Bosch an. 10 Gänge der Shimano SLX, RST F1rst-Gabel und Shimano M395-Bremsen summieren sich auf ein Gewicht von 21,1 Kilo. Durch die geringe Überstandhöhe aller Bikes kann man in jeder Lage bequem und schnell absteigen.

Trek powerfly+ fs 5

Das Einsteiger-Modell des E-Fullys von Trek: Das Powerfly+ FS 5.

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Fahrbericht: Das Trek Powerfly+ FS 9 auf Tour

Auf feuchten Trails rund um Granada in der Sierra Nevada konnten wir das Topmodell des Trek E-Fullys bereits ausführlich testen. Mit seiner kompakten, relativ aufrechten Sitzposition erinnert das Bike an klassische All Mountains. Nur wenn man das Fully über einige Stufen heben muss, spürt man den Unterschied. Denn 21 Kilo lassen sich einfach nicht mal schnell irgendwo hochtragen. Auf unserer 40-Kilometer-Tour durch die spanischen Berge musste sich das E-Fully auf 1250 Höhenmetern rundum beweisen: steile Rampen mit losem Untergrund, Schotterpisten, leicht ansteigende Singletrails mit verblockten Stufen und technischen Singletrails auf matschigem Untergrund. Statt bergauf aus dem letzten Loch zu pfeifen, surrt fleißig der Motor, den ich meist in der Eco-Stufe (2 von 5) arbeiten ließ. Die Rampe zu Beginn der Tour hätte mich auf einem herkömmlichen Bike zu einem brachialen Kaltstart mit 180er-Puls gepeitscht. Stattdessen klicke ich zwei Unterstützungsstufen höher in den Sport-Modus (4 von 5) und zirkle über die betonierten Wasserrinnen als würde es eben dahingehen. Dass wir uns nicht falsch verstehen: Kräftig in die Pedale treten muss man trotzdem, aber statt gegen das Absteigen zu kämpfen kann man sich auf die richtige Linie konzentrieren. Doch diesen Zwischensprint quittiert die Akku-Anzeige mit einem Akkuschwund im Zeitraffer.

Fotostrecke: Erster Test des Trek E-Fullys Powerfly+

Auf schmalen Singletrails im kupierten Gelände fährt sich das Powerfly+ FS wie ein normales Bike. Das Fahrwerk liegt satt (nicht zuletzt wegen des stattlichen Gesamtgewichts), der Motor setzt punktgenau bei kurzen Zwischenantritten ein und das Handling ist agil und folgt zielgerichtet meinen Befehlen am Lenker. Nur wenn es richtig steil bergauf geht, spürt man, dass auf der Front sehr wenig Gewicht lastet. Denn das Vorderrad steigt relativ schnell oder neigt auf losem Untergrund zum Wegrutschen, wenn man nicht aktiv fährt. Bergab zögere ich anfangs noch, weil ich das Rad nicht kenne. Doch einige Kehren weiter spürt man, dass das E-Fully satt auf dem Trail liegt und jede Lenkbewegung mitmacht. Anlieger-Kurven, kleine Sprünge und Geholper über Felsblöcke: Die 120 Millimeter des E-Fullys lassen sich gut nutzen (bei 25 % SAG) und sprechen sensibel an. Doch auch bergab macht der Motor durchaus Sinn, denn so kann man aus engen Kurven mit einer halben Pedalumdrehung explosiv antreten. Der Extraschub hilft dabei, dass man schnell wieder auf Speed kommt nach dem Abbremsen.

Am Ende der Tour zittere ich, ob der Akku halten würde. Aber mit zwei Kilometern Rest-Reichweite im Sport-Modus erreichen wir nach 40 Kilometern und 1250 Höhenmetern unseren Ausgangspunkt. Nach so viel Kletterei hatte es sich gar nicht angefühlt. Meine Beine spüre ich trotzdem und Fahrspaß bergab hatte ich mit dem E-Fully auch. Trotz seiner 21 Kilo samt Pedale.

Stefan Loibl am 12.02.2015