Pendrel und Absalon holen den Gesamtsieg im XCO 2016 Pendrel und Absalon holen den Gesamtsieg im XCO 2016 Pendrel und Absalon holen den Gesamtsieg im XCO 2016

XCO Worldcup #6 in Vallnord (AND): Rennbericht vom Finale

Pendrel und Absalon holen den Gesamtsieg im XCO 2016

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 5 Jahren

Beim Finale des XCO-Worldcups in Vallnord wurde es noch einmal spannend. Jolanda Neff holte ihren ersten Sieg auf dem Fully, Absalon gewann vor Cink und Rodrigez Guede im Männerrennen.

Cross-Country-Rennen auf fast 2000 Metern. Wem schon einmal auf einer Hochalpentour die Puste ausgegangen ist, der kann sich ungefähr vorstellen, was beim Cross-Country-Worldcup in Andorra mit Steigungen bis zu 21 Prozent auf die Athleten zukam. Doch Absalon, Neff und Co. ließen sich weder von der Höhe noch von der Steigung oder den technischen Abfahrten bei Puls 180 entmutigen und boten ein Rennen der Superlative, jede Menge Spannung und Gänsehaut-Feeling inklusive.

Kampf um den Gesamtsieg im Damenrennen

Red Bull Content Pool Gunn-Rita Dahle Flesja ist eine Macht. Seit mehr als 20 Jahren gewinnt die Norwegerin Worldcups, auch in Vallnord stand sie wieder auf dem Treppchen.

Im Rennen der Damen war von Anfang an alles offen. Überlegen hatte Catharine Pendrel das letzte Worldcup-Rennen in Mont Sainte-Anne gewonnen, damit lag für sie der Gesamtsieg mit nur etwa 50 Punkten Rückstand auf Annika Langvad durchaus in Reichweite. Die frischgebackene Olympiasiegerin Jenny Rissveds hatte sich wegen der vielen Pressetermine nach ihrem Sieg bei Olympia nur mäßig vorbereiten können. Ein Fragezeichen schwebte auch über Jolanda Neff, die offensichtlich in letzter Zeit vermehrt mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte. Mit Gunn-Rita Dahle Flesja war dagegen offensichtlich wieder zu rechnen, schon in Mont Sainte-Anne hatte sie wieder eine starke Performance abgeliefert. Auch Maja Wlosczowska war in Rio offensichtlich in guter Form.

Die Worldcup-Verteraninnen Catharine Pendrel und Gunn-Rita Dahle Flesja führten das Feld nach dem Start an, während Jolanda Neff sich für ihre Verhältnisse etwas zurückhielt. Sie lag zu Beginn auf Platz drei, mit einigen Metern Abstand auf Gunn-Rita Dahle Flesja. Offensichtlich eine Vorsichtsmaßnahme, denn oft schon hatte sich Jolanda Neff mit einem schnellen Start in großer Höhe übernommen. In Andorra setzte sie jedoch ihren Kopf ein und drosselte ihre Startpace geringfügig, was sich später noch auszahlen sollte.

Gunn-Rita Dahle Flesja gegen Jolanda Neff

Red Bull Content Pool Jolanda Neff hat mit dem Fully wohl endlich ihre Rückenprobleme in den Griff bekommen und steht jetzt wieder ganz oben auf dem Treppchen.

Ein kleiner Fehler in der Abfahrt seitens Catharine Pendrels und schon klebte Jolanda Neff wieder an ihrem Hinterrad. Auch im folgenden konnte sich die Kanadierin nicht gegen die junge Schweizerin behaupten und musste sie ziehen lassen. So nahm Neff die Verfolgung von Dahle Flesja auf, die sich bereits in den ersten Runden etwas abgesetzt hatte. Die Norwegerin fuhr ein starkes Rennen und hatte in Runde fünf von sechs noch immer mehr als 30 Sekunden Vorsprung auf Jolanda Neff. Letztere gab aber alles und kämpfte sich Meter für Meter näher an die Führende heran, bis am Ende von Runde fünf der Hammer fiel.

Scott Jenny Rissveds wurde in Andorra Vierte.

Gunn-Rita Dahle Flesja war sich ihrer Situation als Gejagte bewusst und hatte bis in die Mitte von Runde fünf das Tempo ebenfalls forciert, um den Abstand zu Neff aufrecht zu erhalten. Doch die Kraft reichte ihr nicht, in weniger als einer halben Runde verlor sie ihren gesamten Vorsprung, kurze Zeit später musste auch sie Jolanda Neff ziehen lassen. Die Schweizerin fuhr damit ihren ersten Sieg seit dem Worldcup #3 in La Bresse ein, ihren ersten Sieg auf einem Fully überhaupt. Das machte ihr auch sichtlich zu schaffen. Noch im Interview einige Minuten nach dem Ende des Rennens war sie völlig außer Atem, die Siegergeste bei der Zieldurchfahrt hatte sie kaum eine halbe Sekunde aufrecht erhalten können.

Trotzdem wird man Jolanda Neff wohl jetzt häufiger auf dem Fully sehen, denn das Bike verlangt der Schweizerin zwar mehr Kraft in den Oberschenkeln ab, entlastet aber dafür ihren Rücken, wie sie später im Interview sagte. Damit hat sie selbst offiziell die Gerüchte bestätigt, die ihren Leistungsabfall auf ihre Rückenprobleme zurückführten.

Red Bull Content Pool Catharine Pendrel sicherte sich mit Platz drei in Vallnord den Gesamtsieg im XCO 2016.

Catharine Pendrel ist Worldcup-Siegerin 2016

Zufrieden kann auch Gunn-Rita Dahle Flesja sein. Zwar konnte sie die Führungsposition nicht halten, doch den zweiten Platz konnte sie bis ins Ziel verteidigen. Ihr bestes Ergebnis seit langem. Catharine Pendrel wurde Dritte und sicherte sich damit auch den Gesamtsieg vor Annika Langvad, die nach einem durchwachsenen Rennen nur Dreizehnte wurde. Vierte wurde Jenny Rissveds, Fünfte Maja Wlosczowska.

Unbekannt,Red Bull Content Pool Ondrej Cink fuhr in Vallnord wieder ein sehr starkes Rennen und konnte am Ende auf Platz zwei fahren.

Emily Batty hatte sich im Training eine Prellung im Rippenbereich zugezogen, die sie beim Atmen behinderte. Platz zwölf sicherte ihr aber trotzdem nach einer konstant guten Saison Platz drei im Gesamtranking hinter Catharine Pendrel und Annika Langvad. Der vierte Gesamtrang ging an Jenny Rissveds mit nur zehn Punkten Rückstand auf Batty, Fünfte wurde Gunn-Rita Dahle Flesja mit wiederum nur sechs Punkten Rückstand auf Rissveds.

Coloma und Cink mit gutem Start

Im Rennen der Männer erwischten Ondrej Cink und der Gewinner der olympischen Bronzemedaille 2016, Carlos Coloma Nicolás, den besten Start. Zusammen führten sie das Feld an, während die Favoriten Schurter und Absalon etwas weiter zurückblieben. Auch sie wollten wahrscheinlich nicht das Risiko eingehen, sich in der Höhenluft zu Beginn des Rennens zu überfordern. Während jedoch Carlos Coloma trotz des Supports der zahlreichen spanischen Fans bald etwas zurückstecken musste, konnte Ondrej Cink das hohe Tempo weiter konstant halten. Eine Überraschung?

Red Bull Content Pool Mit dem Plattfuß von Schurter war Julien Absalon nicht mehr zu schlagen.

Nicht unbedingt, denn dem Tschechen scheint die Strecke extrem zu liegen. Mit gerade einmal 22 Jahren wurde er hier 2013 schon einmal Dritter, auch bei der Weltmeisterschaft in Vallnord im letzten Jahr konnte er glänzen. Zudem ist er gut in Form, wie sein eindrucksvoller vierter Platz bei der WM in Nove Mesto unter Beweis stellte. Bis in Runde vier hinein konnte Cink, verfolgt vom Duo Schurter-Absalon seinen Vorsprung konstant halten. Erst dann musste er sich den beiden Titanen des Sports langsam geschlagen geben, klebte aber noch in Runde fünf an Schurters Hinterrad, während die Verfolgergruppe aus Tempier, Marotte und Fontana nur 20 Sekunden Rückstand hatte.

Schurter mit plattem Reifen

Cink wäre wohl weiter zurückgefallen, doch plötzlich, ausgerechnet im heftigsten Uphill der Strecke, der "Red Zone", musste Nino Schurter mit einem platten Hinterreifen das Tempo drosseln. So konnte Ondrej Cink wieder vorbeiziehen und sich mit frischer Motivation auf Platz zwei hinter Julien Absalon einreihen. Den Franzosen konnte er zwar nicht schlagen, doch trotz seiner hohen Startpace gelang es ihm, seinen Vorsprung vor der Verfolgergruppe zu verteidigen und den zweiten Platz sicher nach Hause zu fahren.

Eine extrem starke zweite Rennhälfte fuhr auch der Spanier Pablo Rodriguez Guede, der sich aus den hinteren Reihen der Top 10 in den Runden sechs und sieben ins Ziel bis auf Platz drei vorkämpfte seine Platzierung aber noch im letzten Moment gegen Maxime Marotte auf Platz vier verteidigen musste. Für den jungen Spanier ist es aber sein bei weitem bestes Worldcup-Ergebnis überhaupt. Stephane Tempier rundete die Top-Five ab, hatte im Rennen aber mehrere technische Defekte, wie zum Beispiel ein gebrochenes Pedal. Sonst wäre auch für ihn in diesem Rennen noch wesentlich mehr möglich gewesen.

Zufrieden kann dagegen Manuel Fumic sein. Zwar verpasste er wegen eines kleinen Fahrfehlers knapp Platz sechs, auch Platz sieben ist aber sein bestes Ergebnis in dieser sehr durchwachsenen Saison. Der Sieger des Gesamtrankings heißt damit Julien Absalon, Platz zwei geht an Nino Schurter, Platz drei an Maxime Marotte. Victor Koretzky und Mathias Flückiger runden die besten Fünf ab.

Scott Vallnord war das letzte Worldcup-Rennen von Rennlegende José Antonio Hermida. Nino Schurter war so ergriffen, dass selbst er als Vollblutrennfahrer auf die bessere Position verzichtete um Hermida als Allererster zu seinem letzten Finish zu gratulieren.

Themen: andorraCross CountryGunn-Rita Dahle FlesjåJolanda NeffJulien AbsalonNino SchurterRacevallnordWorldcup


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