Ein Worldcupsieg für Italien Ein Worldcupsieg für Italien Ein Worldcupsieg für Italien

XCO Worldcup 2018 #5 Vallnord: Rennbericht

Ein Worldcupsieg für Italien

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 3 Jahren

In der Höhenluft von Andorra ging es heiß her. Nino Schurter wurde klar geschlagen, im Rennen der Damen brach Gunn-Rita Dahle Flesjå ihre eigenen Rekorde und wies die Konkurrenz in die Schranken.

Der Cross-Country Worldcup in Vallnord (AND) hatte schon etwas Masochistisches an sich. Erst ein Short Track Race – 25 Minuten Vollgas – bei dem man für einen Sieg einfach über das Limit gehen muss. Und dann, keine zwei vollen Tage später, das Cross-Country-Hauptrennen. Eine brutale, kletterintensive Strecke und keine Möglichkeit zur Erholung, der Höhenluft in den Pyrenäen geschuldet.

Höhenluft – Strategie bringt Punkte


Strategie war also gefragt, wenn man hier nicht nach Luft schnappend in Runde drei aufgeben wollte. Und Strategie gewann am Ende auch das Rennen. Wie erwartet legte Jolanda Neff im Rennen der Damen einen schnellen Start hin und zeigte damit klare Kante: Sie war nicht nach Andorra gekommen, um mit einem Platz fünf wieder nach Hause zu fahren! Doch auch die Konkurrenz war stark und bald etablierte sich eine Verfolgergruppe: Tauber, Dahle Flesjå, Batty, Langvad und Włoszczowska nahmen die Verfolgung der schnellen Schweizerin auf, mit Alessandra Keller, der Siegerin des Short Track, leicht dahinter.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Ein weiteres starkes Rennen für Emily Batty. Bei ihr reichte es am Ende für Platz drei.

Ein schneller Start von Jolanda Neff


Die ersten beiden Runden verliefen ruhig, doch bald spürte Jolanda Neff ihre Chance gekommen. Schon zu Beginn des Rennens konnte sie in den Downhills der Konkurrenz immer wieder einige entscheidende Augenblicke abnehmen, jetzt setzte sie sich bewusst ab und brachte einige Sekunden zwischen sich und die Verfolgerinnen. Langvad war inzwischen zurückgefallen und auch Włoszczowska kämpfte sich eher hinterher, also blieb es an Anne Tauber, Gunn-Rita Dahle Flesjå und Emily Betty hängen, die flüchtige Schweizerin wieder einzufangen.


Wer würde den Move wagen? Am Ende war es ausgerechnet die Norwegerin Gunn-Rita Dahle Flesjå, die sich an das Hinterrad von Jolanda Neff hängte. In der Mitte des Rennens waren beide Kontrahentinnen auf Augenhöhe, mit einem leichten aber unveränderten Vorsprung von Neff. Doch die Erfahrung der Worldcup-Veteranin aus Norwegen zahlte sich doch aus. Sie kalkulierte perfekt und konnte so ganz genau abschätzen, wie schnell sie fahren konnte, ohne sich in der Höhenluft zu überfordern.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Die 46-jährige Norwegerin fuhr mit perfekt kalkuliertem Risiko. Das zahlte sich am Ende mächtig aus.

Neff gegen Dahle Flesjå: Jugend oder Erfahrung?


Das gab den entscheidenden Ausschlag. Und bald musste Jolanda Neff die Pace drosseln und bezahlte den Preis für den schnellen Start. In ihrem 119 (!) Worldcuprennen schloss Gunn-Rita Dahle Flesjå zur kaum mehr als halb so alten Jolanda Neff auf. Kurz belauerten sich beide, dann von neben der Strecke ein Kommando von Gunn-Ritas Ehepartner und Trainer. Wir haben’s nicht verstanden, wahrscheinlich war es norwegisch und sollte sicher etwas heißen, wie: "Du schaffst das!"


Dahle Flesjå ging jetzt zur Attacke über und konnte Neff tatsächlich schnell abschütteln. In den letzten beiden Runden brachte sie noch ganze 25 Sekunden zwischen sich und ihre Verfolgerin aus der Schweiz. Es ist der dreißigste Sieg in einem Worldcup für Gunn-Rita Dahle Flesjå, gut ein Viertel der Worldcups, in denen sie in den letzten 25 Jahren startete, hat sie gewonnen und sie ist damit die älteste Siegerin, die der Worldcup je gesehen hat. Ob dann der Plan noch steht, sich Ende der Saison aus dem Worldcup zurückzuziehen? Mal sehen…

Unbekannt,Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Worldcupsieg Nummer 30 für Gunn-Rita. Das muss ihr erstmal jemand nachmachen.

Überraschung im Männerrennen: Schurter attackiert von Anfang an


Überraschungen gab es im Rennen der Männer ebenfalls reichlich. Beim Start war noch alles wie gehabt: Mathieu van der Poel vorneweg, Schurter und alle Favoriten hinterher. Aber schon im ersten der vielen fiesen Anstiege ging Schurter zur Attacke über und siebte damit schon gleich zu Beginn des Rennens mächtig aus. In der zweiten von acht wahnsinnigen Runden hatte sich das Feld bereits deutlich gestreckt, Schurter vorne, van der Poel, Sarrou und der Short Track Sieger Henrique Avancini nahmen die Verfolgung auf während der Rest des Feldes schnell außer Schlagweite blieb.

Gerhard Kerschbaumer lässt sich nicht abschütteln

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Die Verfolgergruppe mit van der Poel, Avancini und Sarrou.


Doch einer blieb dran an Nino Schurter. Gerhard Kerschbaumer ging schon die erste Attacke des Schweizers mit und ließ sich auch von den vielen kleinen Zwischensprints kaum wirklich abschütteln. In Runde vier war er immer noch da, in Runde sechs auch noch, spätestens jetzt musste sich Schurter Sorgen machen. Schließlich war Kerschbaumer ihm schon eine Woche zuvor in Val di Sole gefährlich nahe gekommen. Zeit zum Nachdenken blieb dem Olympiasieger jedoch keine, schon riss Kerschbaumer das Katz-und-Maus-Spiel einfach an sich und ging im langen ersten Anstieg von Runde sieben prompt in Führung.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Henrique Avancini hat den Durchbruch geschafft. Ein Podium in Val di Sole, ein Sieg beim XCC in Vallnord und dann wieder eine Podiumsplatzierung im Hauptrennen.


Schurter konnte nach dem Downhill wieder aufschließen doch im nächsten Anstieg zog Kerschbaumer schon wieder davon und schoss die unglaublichen Rampen des Worldcup-Kurses in Vallnord so schnell hinauf, dass man beinahe denken könnte, er sei gerade erst aus dem Startgate gesprintet. Fünf Sekunden betrug der Abstand zu Schurter, dann sieben, dann schloss Schurter wieder auf, im ersten Anstieg der siebten Runde wieder das gleiche Spiel. Und diesmal nahm Kerschbaumer Schurter über zehn Sekunden im Anstieg ab, ein Schlag von dem sich der Schweizer nicht mehr erholte.

Ein klarer Sieg – gegen Schurter


Es schien fast unglaublich, doch Kerschbaumer hatte sein Selbstbewusstsein gefunden und machte selbst in der letzten Runde noch mächtig Druck, die Attacke von Schurter dagegen blieb aus. Souverän fuhr Gerhard Kerschbaumer den Sieg nach Hause und ließ auch am Ende nicht nach, mehr als 70 Sekunden Vorsprung auf Nino Schurter im Ziel sprechen eine klare Sprache. Ein wahrhaft verdienter Sieg.

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Zum Ende des Rennens hin ging Kerschbaumer ganz souverän zur Attacke über. 


Mathieu van der Poel holte Platz drei, mit wiederum fast einer Minute Rückstand auf Schurter. Das Duell um Platz vier zwischen Jordan Sarrou und Henrique Avancini gewann am Ende Avancini und der Brasilianer holte damit noch einige wichtige Punkte für das Cannondale-Team, nachdem Manuel Fumic im Rennen wegen technischer Probleme mit der Gangschaltung ausscheiden musste. Kerschbaumer ist damit der neue Star am Cross-Country Himmel und seine Kletterfähigkeiten sind, das muss man einfach so sagen, phänomenal! Sicher werden sie ihm auch zugutekommen, beim nächsten Worldcup vom 11. – 12. August in Mont-Sainte-Anne (CAN).

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Nino Schurter musste sich ganz eindeutig geschlagen geben. 

Bartek Wolinski,Red Bull Content Pool Das Podium der Herren: Henrique Avancini, Nino Schurter, Gerhard Kerschbaumer, Mathieu van der Poel und Jordan Sarrou.


Alle Ergebnisse zum Worldcup in Vallnord finden Sie auf der Website der UCI, das Replay gibt es noch auf Redbull.tv zu sehen.

Themen: Cross CountryGunn-Rita Dahle FlesjåNino SchurtervallnordWorldcup 2018


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