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Val di Sole XCO 2018 Val di Sole XCO 2018

XCO MTB Worldcup 2018 #4 Val di Sole: Rennbericht

Sieg für Schurter und Włoszczowska

Adrian Kaether am 09.07.2018

Das Cross-Country Rennen in Val di Sole war an Dramatik kaum zu überbieten. Bei den Herren setzte Kerschbaumer Schurter mächtig unter Druck, bei den Damen siegte Maja Włoszczowska überraschend.

Nino Schurter ist im Moment der eindeutige King of Cross-Country. In Val di Sole fehlten ihm nur noch fünf Siege um selbst mit dem Rekord von Julien Absalon gleichzuziehen – das will schon etwas heißen. Doch seit diesem Jahr hat sich etwas geändert. Der ehrgeizige Schweizer gerät in jedem Rennen unter Druck. Sam Gaze in Stellenbosch, Stéphane Tempier in Albstadt, dann Sprintfinish mit Anton Cooper in Nové Město und jetzt, in Val di Sole?

Mathieu van der Poel gegen Nino Schurter?

Nach dem Short Track Race am Freitagabend war Mathieu van der Poel wieder in die Favoritenrolle gerückt. Der junge Belgier gab eine starke Vorstellung und setzte sich nach zwei Dritteln des Rennens an die Spitze und machte ordentlich Druck, so dass die Konkurrenz – Nino Schurter inklusive – ihm nicht mehr folgen konnte. Schurter landete aber immerhin auf dem zweiten Platz und sicherte sich damit ebenfalls die Startposition in der ersten Reihe am Sonntag und wichtige Punkte für die Gesamtwertung.

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Der Start der Herren. Vorne in Rot-Weiß Mathie van der Poel.

Der Start des Hauptrennens am Sonntag verlief ruhig, Schurter und Van der Poel an der Spitze, auch Henrique Avancini, Teamkollege von Manuel Fumic im Cannondale-Team, fand sich weit vorne wieder und konnte zunächst mit den Favoriten mithalten. Im eigenen Land waren auch Luca Braidot und Gerhard Kerschbaumer schnell unterwegs, doch nach dem Startloop folgte dann schon die große Neuigkeit an der Spitze.

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Henrique Avancini hatte allen Grund zu feiern. Er ist der erste Brasilianer überhaupt, der in einem Worldcup auf dem Podium landen konnte.


Schurter mit neuer Strategie

Taktikwechsel bei Nino Schurter. Statt abzuwarten und erst in den letzten Runden die Konkurrenz abzuhängen, entschied sich der Schweizer in Val di Sole für einen schnellen Start und dann eine schnelle Pace, die die Gegner gleich abschütteln sollte. Der Plan ging zunächst nicht auf, die Konkurrenz blieb dran, doch ab der fünften Runde blutete die Verfolgergruppe rapide aus. Van der Poel führte auf Platz zwei die Jagd nach Schurter an, aber plötzlich drängte ein Anderer ganz nach vorne und nahm es im Alleingang mit dem Olympiasieger auf.

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Die italienischen Fans trieben Kerschbaumer bis zum Äußersten.

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Nino Schurter geriet mächtig unter Druck. Da half auch das schicke Retro-Bike für das 60-jährige Scott Jubiläum wenig.

Gerhard Kerschbaumer aus Italien konnte, angetrieben von den Fans beim Heimweltcup, immer mehr Boden auf Schurter gutmachen und schloss am Ende sogar ganz zu ihm auf. Bejubelt durch die Zuschauer gingen die beiden Kontrahenten in die letzte Runde, erst im letzten Anstieg setzte Schurter zur Attacke an und ging knapp vor Kerschbaumer in den letzten Downhill.


Heimweltcup: Kerschbaumer setzt Schurter unter Druck

Wahnsinn, welches Risiko Gerhard Kerschbaumer hier nun einging. Doch es war alles kalkuliert. Wie vom Teufel verfolgt raste er über die Strecke und war sogar im Downhill fast so schnell wie Nino Schurter selbst. Doch der Schweizer war einfach schneller. Ein paar kurze Zwischensprints, schon waren die letzten Kurven in Sicht. Schurter bog auf die Zielgerade ein, der Plan war aufgegangen. Kerschbaumer lag zwanzig Meter zurück, nicht mehr in Schlagweite für ein Sprintfinish. Nino Schurter bleibt ein weiteres Mal ungeschlagen. Vier Siege fehlen ihm jetzt noch zum Rekord von Julien Absalon, dem Schurter damit wieder einen Schritt näher kommt.

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Im letzten Downhill gab Kerschbaumer alles.


Drama im Damenrennen

Im Rennen der Damen ließ die Dramatik nicht erst bis in die letzten Runden auf sich warten. Im engen Sprint während des Startloops gerieten ausgerechnet einige der Top-Favoritinnen aneinander. Mehrere Fahrerinnen verhakten sich, als die Strecke enger wurde. Was folgte, war eine üble Massenkarambolage, die Annika Langvad ebenso heftig zu Fall brachte wie die Top-Fahrerinnen Linda Indergand, Anne Tauber und auch Annie Last. Und während Tauber und Last nur weit nach hinten geworfen wurden, war es das vorzeitige Rennende für Indergand und Langvad. Bei der Schweizerin brach der Rahmen, Langvad verletzte sich heftig am Handgelenk und musste aufgeben. Gebrochen ist aber zum Glück nichts, wie erste ärztliche Untersuchungen ergaben.

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Emily Batty fuhr ein starkes Rennen und konnte bis auf die letzten Meter mit Maja Wloszczowska mithalten.

So war ein Duell zwischen Jolanda Neff und Pauline Ferrand-Prévot eigentlich vorprogrammiert und es sah auch zunächst ganz danach aus. Neff und Ferrand-Prévot tasteten sich in den ersten Runden gegenseitig ab, dahinter folgte Emily Batty, die ebenfalls einen guten Start erwischte und auch die Cross-Country Legende Gunn-Rita Dahle Flesjå neben der jungen Schweizerin Alessandra Keller. Bald bildete sich eine Führungsgruppe aus den genannten, Alessandra Keller erwischte keinen guten Tag und musste abreißen lassen, dafür konnte Maja Włoszczowska aufschließen und setzte sich bald, zur Überraschung der Zuschauer, sogar an die Spitze des Rennens.


Maja Włoszczowska domminiert die letzte Rennhälfte

Und dann, schon im letzten Anstieg der vorletzten Runde die erste Attacke: Ausgerechnet Włoszczowska gab die Pace vor und versuchte wegzuziehen und jetzt standen bei allen Fahrerinnen der Führungsgruppe die Zeichen auf Angriff. Doch keiner gelang es, die anderen abzuhängen. Włoszczowska führte vor Neff und Batty, Ferrand-Prévot und Dahle Flesjå folgten mit nur wenigen Metern Abstand. Und Włoszczowska konnte die Pace halten. Über fast eineinhalb Runden gab sie Vollgas, bald musste sich die Konkurrenz doch zurückfallen lassen, Batty hatte noch etwas Energie übrig und versuchte im letzten Anstieg noch einmal aufzuschließen, doch vergebens: Maja Włoszczowska fuhr den Sieg sicher nach Hause und holte ihren ersten Worldcupsieg seit 2012. Ein tolles Ergebnis.

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Pauline Ferrand-Prévot (vorne) erledigte die meiste Führungsarbeit, insbesonder in der ersten Rennhälfte.

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Unfassbar. Klar, für ein Podium muss man mit Maja Wloszczowska immer rechnen, aber einen Sieg hätten ihr wohl nur wenige zugetraut.

Auch für die anderen Damen zahlte sich das Rennen aus. Batty holte einen starken Platz zwei, Jolanda Neff landete auf Platz drei, Pauline Ferrand-Prévot und Gunn-Rita Dahle Flesjå komplettierten das Podium. Einer gebrochenen Rippe zum Trotz fuhr Elisabeth Brandau ein gutes Rennen und ergatterte sogar Platz Acht, nachdem sie sich im Zielsprint der jungen Amerikanerin Kate Courtney geschlagen geben musste. Dennoch ein sehr gute Ergebnis. Glücklos blieb dagegen Sabine Spitz. Nach einem guten Start konnte sie sich problemlos in der Top 20 halten, blieb dann aber am Eingang in einen fiesen Downhill am Hinterrad von Julie Bresset hängen, überschlug sich und landete hart auf den Steinen. Schmerzhaft, aber zumindest ist nach erste ärztlichen Untersuchungen nichts gebrochen. Sie musste sich dennoch aus dem Rennen zurückziehen.

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Worldcupsieg Nummer vier, der erste seit 2012. Maja Wloszczowska hat allen Grund zu feiern.

Alle Ergebnisse zum Worldcup in Val di Sole finden Sie auf der Website der UCI, die Rennen sind in der Wiederholung noch auf Redbull.tv zu sehen.

Adrian Kaether am 09.07.2018

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