WM-Special SalzburgerLand - Historie

WM-Tradition

  • Christian Penning
 • Publiziert vor 4 Monaten

Die Mountainbike-WM in Saalfelden Leogang ist bereits die fünfte Radsport-Weltmeisterschaft innerhalb von 18 Jahren im SalzburgerLand. Die Begeisterung für große Bike-Events kennt keine Grenzen.

"Wir haben insgesamt 43.500 Zuschauer gezählt – und das bei einem Sommer-Event in Österreich. Da staunten sogar die Organisatoren der alpinen Ski-Weltcups", zog der WM-Organisator nach den Mountainbike-Weltmeisterschaften 2012 in Saalfelden Leogang sein enorm erfolgreiches Fazit. 750 Fahrerinnen und Fahrer sowie 350 Journalisten sorgten 2012 für die größte Mountainbike-Veranstaltung weltweit.

Die Latte für die WM 2020 liegt also hoch. Doch die Organisatoren haben bereits die Weichen gestellt, um noch eins draufzulegen. In diesem Jahr finden die Weltmeisterschaften im Cross Country und Downhill allerdings getrennt statt.

Bei den Cross-Country-Wettbewerben in Saalfelden Leogang 2012 holte sich Nino Schurter vier Wochen nach seiner Olympia-Silbermedaille den WM-Titel. Der anspruchsvolle Kurs ist gespickt mit Wurzeln. Gunn-Rita Dahle Flesjå, Weltmeisterin 2002 in Kaprun, schaffte es zehn Jahre später auf Rang zwei. Auf der Downhill-Strecke meisterte der Südafrikaner Greg Minnaar die schnelle Strecke mit ihren bis zu 20 Meter weiten Sprüngen am besten und stand am Ende ebenso wie die Französin Morgane Charre ganz oben auf dem Podest. Als Sechster in der Worldcup-Gesamtwertung 2019 zählt Minnaar auch 2020 wieder zum Kreis der Favoriten.

Ein Showdown auf höchstem Niveau war 2002 auch die WM in Kaprun. Mit einem Budget von drei Millionen veranstaltete Kaprun die bis dahin finanziell aufwändigste WM aller Zeiten. 17 Kameras und zwei TV-Hubschrauber lieferten spannende Fernsehbilder. Das damalige Cross-Country-Rennen ging als größte Wasserschlacht der Mountainbike-WM-Geschichte in die Annalen ein. Ab sechs Uhr morgens sendete das Radio Flutwarnungen. Es schüttete wie aus Kübeln. Bei den Frauen war es Gunn-Rita Dahle Felsjå, die mit den Extrembedingungen am besten zurechtkam und gewann. Mit einem Kraftakt schaffte es Sabine Spitz aus Deutschland auf Rang drei. Wegen des schweren, matschigen Terrains wurde das Rennen der Männer zu einer Art Duathlon aus Laufen und Biken. Hier holte der Kanadier Toland Green Gold vor Filip Meirhaege aus Belgien und dem Schweizer Thomas Frischknecht. Vierter: Lado Fumic aus Deutschland.

Ganz anders waren die Bedingungen bei den Downhill-Finalläufen einen Tag zuvor am Maiskogel. Die Strecke war knochentrocken und verdammt schnell. Im Zielraum herrschte eine Stimmung wie im Fußballstadion. Fast 30000 Zuschauer säumten die Strecke. Schon früh ging der Brite Steve Peat in Führung und nahm auf dem "Hotseat" Platz. Ein Favorit nach dem anderen kam ins Ziel. Doch die schnellsten Biker der Welt kämpften nur um Rang zwei – bis der Franzose Nicolas "ET" Vouilloz das Starthaus verließ. Mit einer halben Sekunde Vorsprung flog der Außerirdische, wie er auch genannt wurde, ins Ziel und feierte seinen zehnten WM-Titel. Danach wechselte er in den Rallye-Sport. Auch das zweite WM-Gold ging an Frankreich. Anne-Caroline Chausson ließ sich von der aufgedrehten Missy Giove nicht aus der Ruhe bringen und gewann mit klarem Vorsprung.


2002 / WM Kaprun


Ein Mega-Spektakel. Mit der Siegesfahrt und dem Allzeitrekord von Downhiller Nicolas Vouilloz.

Schon 2002 hat das SalzburgerLand Maßstäbe in puncto Bike-Begeisterung gesetzt. Eine unvergessliche Bestmarke setzte der Franzose Nicolas "ET" Vouilloz mit seinem Sieg im Downhill-Finale: Er holte seinen zehnten WM-Titel. Ebenfalls rekordverdächtig: Die WM 2020 ist die dritte Mountainbike-WM im SalzburgerLand innerhalb von 18 Jahren.

2002 / Cross Country


Schlammpartie. Härter als beim Cross Country in Kaprun geht's kaum.

Tiefstes Geläuf, das den Fahrern regelrecht die Kraft aus den Beinen gezogen hat und sintflutartige Regenfälle machten die Cross-Country-Wettbewerbe 2002 in Kaprun zu legendären Kämpfen im Matsch. Dabei sah selbst die absolute Weltelite der Biker nicht mehr wirklich souverän aus im Sattel.

2012 / Downhill-WM Leogang


Seit seinem Downhill-WM-Titel sind Greg Minnaar und die Speedsterstrecke beste Freunde.

"Es ist kein Geheimnis: Leogang ist eine Bikepark-Strecke – der WM Kurs hat dennoch genügend Passagen, die für puren, erdigen Downhill-Sport stehen. Die Zuschauermassen im Zielbereich haben mich enorm motiviert – die entscheidende Basis für mein erfolgreiches WM-Triple ein Jahr später in Südafrika."

2012 / Cross Country


Nino Schurter auf dem Weg zur Mountainbike-Legende.

Nino Schurters zweiter Weltmeistertitel 2012 in Saalfelden Leogang war schwer verdient. Besondere Kennzeichen des Kurses: viele Wurzelpassagen, steile Abfahrten und technisch anspruchsvolle Drops. 2020 peilt der Schweizer seinen neunten WM-Titel an – Ende Juni in Albstadt auf der Fränkischen Alb.


2006 / RENNRAD-WM SALZBURG


Paolo Bettini wird Weltmeister und ist selbst als Italiener fasziniert von der Radbegeisterung.

"300.000 Besucher bei der Straßen-WM 2006 – selbst als Weltmeister einer radsportverrückten Nation wie Italien ziehe ich meinen Hut. Das Publikum war fantastisch. Die Schlussrunde war an Spannung kaum zu überbieten. Erst am letzten Berg konnte ich mich etwas lösen, wurde aber von der Verfolgergruppe sechs Kilometer vor dem Ziel wieder gestellt. Die Entscheidung fiel erst im Sprint mit Erik Zabel und Alejandro Valverde auf der Zielgeraden."

2015 / IRONMAN 70.3 WM


Gänsehaut-Feeling auf der Triathlon-Halbdistanz bei Sieger Jan Frodeno in Zell am See/Kaprun.

"Das Publikum in Zell am See war sensationell. Ich dachte, die Ziellinie wäre den Deutschen vorbehalten. Doch Zell am See war Gänsehaut-Feeling pur. Die Stimmung war einmalig, eine großartige Atmosphäre. Für mich war der abschließende Lauf ein einziges Problem. Zuvor hatte ich auf dem Rennrad alles gegeben, wäre mit einem Krampf fast vom Rad gefallen. Ohne die frenetischen Anfeuerungen hätte ich das wohl kaum gepackt. Danke Zell am See!"

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