WM-Special SalzburgerLand - Favoriten-Talk

Interview Vali Höll: Höllisch schnell aufs Podium?

  • Christian Penning
 • Publiziert vor 4 Monaten

Die 18-jährige Vali Höll geht in Leogang mit klarem Heimvorteil an den Start. Die Lokalmatadorin vom Spielberghaus hoch über dem Nachbarort Saalbach will den Konkurrentinnen mächtig einheizen.

Mädchen in ihrem Alter präsentieren sich auf Instagram gerne sexy und verträumt – imitieren die Styles von Beyoncé, Kim Kardashian oder Ariana Grande. Valentina "Vali" Höll (18) ist anders. Auf dem Großteil der Bilder ihres Instagram-Accounts heizt sie mit Rennanzug und Vollvisierhelm über staubige Trails. In den vergangenen Jahren dominierte die Saalbacherin den Downhill-Worldcup bei den Juniorinnen fast nach Belieben. Damit zeigt sie, was möglich ist, wenn man auf einer Berghütte aufwächst und einen Vater hat, der im alpinen Vorgarten  höllisch coole Trails baut. Spätestens nach ihrer Siegesfahrt beim Worldcup 2019 in Lenzerheide, die selbst in der Elite-Klasse für Rang eins gereicht hätte, zählt sie 2020 in ihrer ersten Elite-Saison zum Kreis der WM-Favoritinnen.  Gut möglich, dass Vali nach dem Finale der Mountainbike-WM am 11. Oktober auf Instagram noch einige Tausend Follower mehr verbuchen kann.


Eine Weltmeisterschaft auf Deiner Hausstrecke – ist das ein Vorteil oder eher eine Belastung?
Auf jeden Fall ein Vorteil, weil meine ganze Familie dabei sein kann und ich mich in der heimischen Umgebung mega wohlfühle. Die Strecke entspricht meinem Fahrstil, sie ist sehr schnell, und man darf sich keine Fehler erlauben. Anscheinend wird ein neuer Streckenabschnitt für die WM gebaut, ich bin gespannt!


Du hast dieses Jahr deine Matura am Sportgymnasium gemacht– inwiefern hat das deine Vorbereitung beeinflusst?
Es war schon stressig, dennoch versuchte ich kein Training zu verpassen. Meine Mum unterstützte mich sehr beim Zeit-Management, schaute, dass ich mich vernünftig ernähre – aber auch, dass ich mal runterkomme. Ich musste immer an die Schule denken und Sachen erledigen, das erzeugte mentale Unruhe. Als Bike-Pro hätte ich es da leichter. Aber wie gesagt, ich bin froh, dass mich meine Mama so fördert!


Welche Fahrerinnen sind Deine härtesten Konkurrentinnen?
Klingt blöd, aber ich will gar keine Konkurrentinnen haben. Klar, ich will am Ende des Tages ganz oben stehen, aber nicht, weil ich meine Gegnerinnen geschlagen habe, sondern weil ich meine Bestleistung abgeliefert habe. Rachel Atherton ist mein größtes Idol, sie ist unglaublich ehrgeizig. Was sie schon abgeliefert hat, ist einfach nur bewundernswert.


Welchen Anteil hat der von Deinem Vater angelegte Höllen-Trail am Spielberghaus an Deinen Erfolgen?
Ich habe quasi auf dem Höllen-Trail Fahrradfahren gelernt. Dass die Family hinter mir steht, mich bei allem unterstützt, mich aber nicht unter Druck setzt, ist sehr hilfreich. Leider komme ich nicht mehr oft dazu, mit meiner Familie biken zu gehen. Aber vielleicht schaffen wir es irgendwann einmal, alle zusammen für einen Sommerurlaub nach Whistler zu fliegen.


Was würde passieren, wenn Du den WM-Titel holst?
Haha, daran denke ich gar nicht! Wirklich. Auch vor meinen Erfolgen bei den Juniorinnen habe ich nie daran gedacht, was passieren wird. So oder so wird es eine mega Afterparty geben.


Die Konkurrenz



ALLROUND-TALENT | NINA HOFFMANN (23)

Sie ist die deutsche Medaillenhoffnung. Mit einem dritten Platz in Fort William und Rang zwei in Leogang katapultierte sich die ehemalige Speerwerferin und derzeitige Psychologie-Studentin aus Thüringen 2019 in den Kreis der WM-Favoritinnen: "Zum Mountainbiken bin ich erst 2014 gekommen. Rang zwei in Leogang letzte Saison ist ein gutes Omen, allerdings wird die Konkurrenz bei der WM sicher härter. Die neuen technischen Passagen der Strecke liegen mir richtig gut."



EVERGREEN | AARON GWIN (32)

Er zählt zu den erfolgreichsten Downhill-Profis aller Zeiten. Bereits fünf Mal gewann er die Worldcup-Gesamtwertung. Auch wenn große Erfolge 2019 ausblieben, muss man Gwin für die Podestplätze auf der Rechnung haben: "Leogang ist immer für eine Überraschung gut. Beim Worldcup 2014 platzte mir der Reifen kurz nach dem Start. 2015 riss die Kette – ich gewann trotzdem. 2020 wäre es an der Zeit, dass mir in Leogang ein perfekter Lauf gelingt."

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