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Marathon-EM Singen: Kampf ums blaue Trikot

  • BIKE Magazin
 • Publiziert vor 6 Jahren

Die Favoriten-Liste für die Marathon-EM in Singen ist lang: Titelverteidiger Sauser, Kulhavy, Lakata und Hynek bei den Herren. Neff, Dahle Flesjå und Sabine Spitz werden um den Damen-Titel kämpfen.

Damen: Sabine Spitz peilt EM-Medaille an

Das Publikum im beim Rothaus Hegau Bike-Marathon in Singen darf sich am kommenden Sonntag über ein hochkarätig besetztes Teilnehmer-Feld bei der Maraton-EM freuen. Nachdem bei den Damen auch noch die Cross-Country-Weltranglisten-Erste Jolanda Neff (Stöckli Pro Team) und Ex-Europameisterin Esther Süss (Wheeler-iXS) gemeldet haben, wird es auf jeden Fall hochkarätige Fahrerinnen geben, die am Sonntag ohne Medaille bleiben werden.

Marius Maasewerd Ester Süss aus der Schweiz holte sich 2013 in Singen den EM-Titel.

Gunn-Rita-Dahle-Flesjå (Multivan-Merida) rechnet auf den 80 Kilometern mit einem „taktischen Rennen“ und hofft – das klingt für eine neunfache Weltmeisterin bescheiden – „um ein Top-Drei-Ergebnis kämpfen zu können“. Sie sagt weiter: „Ich kann nicht mehr erwarten. Natürlich, wenn man an der Startlinie steht, hat man immer die Chance zu gewinnen. An einem guten Tag kann ich auch um den Sieg kämpfen“, umschreibt die Norwegerin ihre Chancen.

Armin M. Küstenbrück Die Norwegerin Gunn-Rita Dahle-Flesjå hofft in Singen auf eine Medaille, lässt sich aber nicht in die Favoriten-Rolle drängen.

Sabine Spitz war 2013 bei der EM in Singen schon Dritte und hat sich mit ihren zehnmal Medaillen bei Europameisterschaften auch dieses Mal eine Medaille zum Ziel gesetzt. „Meine Vorbereitung auf die Marathon-EM lief weitgehend gut. Dazu gehörten auch die Cross-Country Rennen im April, um mich wieder an das Wettkampf-Tempo zu gewöhnen. Speziell beim ersten Rennen gelang das besser als erwartet. Deshalb denke ich, dass die Form passen müsste für die EM“, zeigt sie sich zuversichtlich. Die dreifache Olympia-Medaillengewinnerin rechnet mit einem spannenden Rennen, „speziell auf einem Kurs wie im Hegau, der neben den vielen kurzen Anstiegen auch durch lange, flache Passagen geprägt ist, die oft sehr dem Wind ausgesetzt sind. Bisher war ich in Singen nicht so vom Glück verfolgt. Ich hoffe, dass ich das am kommenden Sonntag ändern kann.“

Marius Maasewerd Schlammige Bedingungen und Kälte mag Sabine Spitz eigentlich nicht. Allerdings könnte das Wetter am Sonntag in Singen genau so sein.

Sally Bigham gelang das Kunststück, vier Mal hintereinander Zweite bei der Marathon-EM zu werden. Logisch, dass sie nach ihrem ersten internationalen Titel strebt. Daher wundert es auch nicht, dass sie am vergangenen Wochenende auf den Start bei den Britischen Meisterschaften verzichtete. Hintergrund ist ein Infekt. „Ich bin nicht an den Start gegangen, weil ich bei der EM hundert prozentig fit sein will“, sagt die Topeak-Ergon-Fahrerin.

Esther Süss hat sich lange Zeit gelassen, ehe sie sich entschloss für die EM zu melden. Die Schweizerin hat 2013 in Singen den Titel geholt, wird aber auch am Samstag noch in Solothurn bei einem Cross Country-Rennen am Start stehen.

Armin M. Küstenbrück Jolanda Neff dominiert derzeit im Cross Country. Ob sie auch auf der längeren Distanz das Maß der Dinge bei den Damen ist, zeigt sich am Sonntag.

Herren: Titelverteidiger Christoph Sauser gilt es zu schlagen

Wenn man vor dem 98 Kilometer langen Rennen der Herren die Starterliste ansieht, kann man erkennen, dass die Taktik im Kampf um das blaue EM-Jersey eine noch größere Rolle spielen wird als bei den Damen. Team-Taktik vor allem. Specialized Racing hat mit Olympiasieger Jaroslav Kulhavy und Titelverteidiger Christoph Sauser zwei absolute Asse im Ärmel, die sich bis zu einem bestimmten Punkt auch gegenseitig unterstützen werden. Kulhavy könnte man auf diesem Kurs vielleicht als Topfavorit bezeichnen, doch da der Tscheche das Rennen eher als „Vorbereitung auf den Weltcup“ nutzt und von „90 Prozent“ Leistungsfähigkeit spricht, reduzieren sich seine Titel-Chancen.

Cape Epic,Sportzpics,Karin Schermbrucker Will in seiner letzten Rennsaison auch den Marathon-EM-Titel holen: Christoph Sauser.

Topeak-Ergon schickt drei Top-Fahrer ins Rennen: von Alban Lakata, der 2013 in Singen Europameister wurde. Der Osttiroler wirkt zuversichtlich. „Mit meiner Form geht es stetig bergauf. Nach dem Cape Epic war ich wie immer ziemlich kaputt, aber langsam kommt der erwartete Formschub von diesem zähen Rennen. In Singen hab ich schon einige Male gewinnen dürfen. Wäre cool, wenn ich dort einen dritten EM-Titel zu meinen Palmarès hinzufügen könnte“, sagt Lakata, warnt aber gleichzeitig: „Es wird nicht einfach werden, sich auf diesem nicht gerade selektiven Kurs und diesem starken Teilnehmerfeld durchzusetzen“. Sein Team-Kollege Kristian Hynek hat vergangenen Samstag den BIKE-Marathon in Riva gewonnen. Mit Robert Mennen hat das Team aus Koblenz noch einen dritten Trumpf im Ärmel. Ob der Deutschen Meister von 2013 gegen Kulhavy oder Sauser bestehen kann, bleibt erst mal fraglich, aber Mennen hat schon häufiger alle überrascht. „Ich sehe mich für die Marathon-EM gut gerüstet. Sie ist ein Höhepunkt in meinem diesjährigen Kalender. Der letzte Marathon in Lassaic und auch der vierte Platz am Samstag in Houffalize hat mir Motivation gegeben, auf dem richtigen Weg zu sein und mich von den bisherigen Etappenrennen gut erholt zu haben“, erklärt Mennen, der in Houffalize in Führung liegend einen Defekt erlitt. Er hat sich im Höhentrainingslager in Livigno gezielt vorbereitet und mag das wellige Gelände im Hegau. „Wir hoffen natürlich im Team unsere Mannschaftsstärke ausspielen zu können, aber ich werde auf eigene Kappe fahren.“

Marius Maasewerd Alban Lakata profitierte 2013 von einem Kettenklemmer von Christoph Sauser und holte sich den EM-Titel in Singen.

Das Team Bulls bringt ebenfalls drei Kandidaten an den Start, die zum erweiterten Kreis der Medaillen-Kandidaten zählen. Karl Platt – 2008 in Singen Deutscher Marathon-Meister – verweist auf die taktische Komponente: „Wir werden schon schauen, dass wir als Team agieren. Urs Huber, Tim Böhme und ich werden sicher nicht gegeneinander fahren. Wir werden uns eine Taktik überlegen und schauen, wie jeder drauf ist. Alleine wegfahren, das bringt hier nichts. Auch wenn Simon Stiebjahn attackiert, dem trauen sie auch nicht mehr“, erklärt Platt. Er verweist noch auf den Olympiasieger: „Jaroslav Kulhavy, das ist ein spezieller Fall. Wenn der wegkommt, dann zieht er es durch, sofern er so stark ist wie beim Cape Epic.“

Armin M. Küstenbrück Jaroslav Kulhavy hatte beim Cape Epic eine super Form. Ihn muss man auf der Liste haben – auch wenn er nur von 90 Prozent Leistungsvermögen spricht.

Lokalmatador Tim Böhme äußert sich etwas skeptisch. „Mir fehlt die Wettkampfhärte, ich muss mich überraschen lassen.“ Die Schulter-Verletzung vom Cape Epic, die ihn zur Aufgabe und zu einer Trainingspause zwang, hat ihm  die Möglichkeit zu vorbereitenden Wettkämpfen geraubt. „Ich merke auch, dass mir das Cape Epic als Rundfahrt in meinem Aufbau fehlt. Eigentlich fühle ich mich nicht schlecht in Form, aber ohne Wettkampf weiß man nie, was es wert ist. Ich habe im Grunde in einem Tal der Ahnungslosen trainiert“, meint der Singener, der inzwischen in Frankfurt lebt.

Armin M. Küstenbrück Lokalmatador Tim Böhme weiß nach seiner Verletzung nicht genau, wo er steht.

Dem Team Centurion-Vaude gebührt die Außenseiter-Rolle – zumindest was die Medaillen angeht. Jochen Käß lag auch schon bei Weltmeisterschaften in Reichweite von Edelmetall, aber gereicht hat es für den dreifachen Deutschen Marathon-Meister noch nie. Er betont, dass er als Semi-Profi gegen Vollprofis fährt: „Wir werden uns nicht vorher auf einen Kapitän festlegen, sondern schauen, wem es nach einer Runde noch gut geht“, erklärt Käß, der in der Vorbereitung mit einem Infekt zu kämpfen hatte. Team-Kollege Markus Kaufmann hat sich nach seinem Schlüsselbeinbruch Ende Februar wieder gut in Form gebracht. Was die beiden Deutschen im Verbund mit ihren österreichischen Team-Partnern Daniel Geismayr und Hermann Pernsteiner ausrichten können, bleibt abzuwarten.

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