Van der Poel überlegen, Sprintfinish im Damenrennen Van der Poel überlegen, Sprintfinish im Damenrennen Van der Poel überlegen, Sprintfinish im Damenrennen

UCI MTB XCO Worldcup #5 Val di Sole: Rennbericht

Van der Poel überlegen, Sprintfinish im Damenrennen

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor einem Jahr

Die Cross-Country-Rennen beim Worldcup in Val di Sole waren spannend bis zur letzten Minute. Bei den Damen entschied ein Sprintfinish, bei den Herren die Kraft van der Poels in der letzten Runde.

Val di Sole ist keiner der absoluten Klassiker im Worldcup wie etwa Albstadt oder Monte-Sainte-Anne. Und doch ist die Strecke in Italien im Moment auf dem besten Weg dahin. Vor einigen Jahren der erste Worldcupsieg überhaupt von Annika Langvad, letztes Jahr der Überraschungssieg von Maja Wloszczowska. Auch dieses Jahr enttäuschte Val di Sole nicht und lieferte spannende Rennaction bis zum Schluss.

Yana Belomoina konnte ihre Kletterfähigkeiten ausspielen und holte sich Rang drei.

Ferrand-Prevot einsam an der Spitze – Ist das Rennen schon nach Runde zwei entschieden?

Dabei sah es gerade im Damenrennen zunächst einmal überhaupt nicht danach aus. Jolanda Neff und Pauline Ferrand-Prevot erwischten beide einen guten Start und gingen zusammen in die ersten Runden. Neff konnte auf den Abfahrten immer wieder punkten, doch es wurde schnell deutlich, dass sie gegen die Übermacht von Pauline Ferrand-Prevot auf Dauer chancenlos sein würde.

Der Start im Damenrennen. Schon jetzt sind Pauline Ferrand-Prevot (ganz rechts vorne) und Jolanda Neff (Mitte, weißer Helm) ganz vorne.

Einige Attacken parierte Neff noch und versuchte das Tempo der Französin mitzugehen, dann musste sie die Canyon-Athletin ziehen lassen. Pauline Ferrand-Prevot drehte nun also einsam an der Spitze ihre Runden, während sich hinten im Feld einige Positionen änderten. Yana Belomoina fuhr immer weiter nach vorne, Rebecca McConell konsolidierte ihre Position auf Rang sieben, Chloe Woodruff und Anne Tauber schlossen sich dem Vorwärtsdrang von Yana Belomoina an, auch wenn sie am Ende gegen die kletterstarke Ukrainerin das Nachsehen hatten.

Nachdem sie sich vom Feld und ihren Verfolgerinnen losgerissen hatte, musste Pauline Ferrand-Prevot den Löwenanteil des Rennens allein bestreiten.

Rissveds schließt zu Neff auf – Neff schöpft neue Kraft

Viel entscheidender war aber der Rückkehr von Jenny Rissveds an die Spitze. Die weiterhin amtierende Olympiasiegerin hatte nach dem guten Rennen in Les Gets vor drei Wochen wohl weiter Kraft geschöpft, fädelte sich beim Start geschickt durch das Feld nach vorne und konnte ihr gleichmäßig schnelles Anfangstempo auch über eine lange Strecke halten. Nach und nach schloss sie nun zu Jolanda Neff auf Rang zwei auf und im Parallelflug gelang es den beiden auch die Lücke zu Pauline Ferrand-Prevot wieder etwas zu schließen, sodass Neff mit einer starken Attacke in der letzten Runde wieder zur Führenden aufschließen konnte.

Nach einer heißen Anfangsphase kämpfte Jolanda Neff in der Mitte des Rennens darum, einen kühlen Kopf zu behalten. Sie fand aber in ihren Rhythmus zurück und konnte Ferrand-Prevot doch noch gefährlich werden.

Jenny Rissveds und Jolanda Neff im Verfolgermodus. Zusammen konnten die beiden den Vorsprung der Französin so weit einschrumpfen, das Neff am Ende wieder der Anschluss gelang.

Ferrand-Prevot gegen Neff im Sprintfinish

Ein Sprintfinish konnte die Französin nun nicht mehr verhindern, dazu fehlte ihr schon sichtlich die Kraft. Also drosselten die beiden das Tempo und warteten ab. Auf der vorletzten Geraden ging Ferrand-Prevot als erste in die letzte Kurve und gab schon ab dem Scheitelpunkt im Sprint alles. Jolanda Neff versuchte ihre Konkurrentin noch auf den letzten Metern zu überholen, doch vergeblich. Dieser Sieg geht nach Frankreich, vielleicht hat Neff ja beim Heimweltcup in der nächsten Woche mehr Glück.

Hier wieder zusammen unterwegs - Jolanda Neff (vorne im Bild) und Pauline Ferrand-Prevot bei der Anfahrt auf das Sprintfinish.

Platz drei ging an Jenny Rissveds, Yana Belomoina und Anne Tauber besetzten die übrigen Plätze des Podiums. Stärkste Deutsche war Elisabeth Brandau auf Rang 21, der in Val di Sole in der letzten Runde etwas die Kraft ausging. Sie ist damit aber in guter Gesellschaft, denn auch Weltmeisterin Kate Courtney fühlte sich in Val di Sole nicht gut und holte nur Platz 17. Annika Langvad landete im ersten Rennen nach ihrer langen Verletzungspause auf Rang 30.

Sieg! Eine Radlänge Vorsprung hat Pauline Ferrand-Prevot am Ende. Knapp aber zumindest in diesem Bild doch deutlich, das Ergebnis.

Das Podium der Damen: Yana Belomoina, Jolanda Neff, Pauline Ferrand-Prevot, Jenny Rissveds und Anne Tauber.

Herrenrennen: Van der Poel zeigt Topform

Sechs Runden Val di Sole bei Renngeschwindigkeit sind für Normalsterbliche eigentlich absolut unvorstellbar. Umso unglaublicher wirkt das, was Mathieu van der Poel in diesem letzten Worldcup im letzten langen Anstieg gelungen ist, doch man sollte vielleicht besser vom Start her berichten.

Immer zusammen: Die Spitzengruppe bei den Herren brach bis zum Schluss kaum auseinander. Vorne Mathias Flückiger, dahinter Schurter, am Ende van der Poel.

Das Feld sortierte sich am Anfang zumindest an der Spitze schnell in eine feste Ordnung. Denn während ein Crash das letzte Drittel des Feldes stark durcheinanderwirbelte, kristallisierte sich vorne schon in der zweiten Runde eine klare Führungsgruppe heraus. Mathieu van der Poel, Nino Schurter und Mathias Flückiger. Ausgerechnet die drei Fahrer, die in diesem Jahr schon einen Worldcup gewinnen konnten im Trio vorneweg.

Verfolgergruppe chancenlos: Braidot und Kerschbaumer durch Defekte ausgebremst

Kein Wunder, dass die Verfolgergruppe aus Henrique Avancini, Stephane Tempier, Gerhard Kerschbaumer sowie Luca und Daniele Braidot da schlechte Karten hatte. Denn das Aufschließen zur Führungsgruppe wurde völlig unmöglich, erst recht ab dem letzten Renndrittel in dem vorne immer mal wieder einer der Fahrer zur Attacke überging. Gerhard Kerschbaumer wurde dann auch noch durch einen Platten ausgebremst, Daniele Braidot verlor die Kette, da war an Aufschließen nicht zu denken.

Vollgas durch die Felsen. An Ausruhen und Kraft sparen denkt in der Spitzengruppe der Herren niemand. 

Die drei Spitzenfahrer würden es also unter sich ausmachen, so viel war klar. Es dauerte aber bis zur letzten Runde, bis ein erfolgreicher Angriff von van der Poel die drei Spitzenfahrer auseinanderriss. Und was für ein Angriff das war: Es war als hätte van der Poel den Nachbrenner gezündet. Wie in einem Short-Track Rennen schoss der Niederländer plötzlich im Wiegetritt den steilen Anstieg hinauf.

Van der Poel im Vollgas-Modus auf dem Weg zum Ziel.

Van der Poel mit Hammerattacke in der letzten Runde – Gute Ergebnisse für Fumic, Egger und Schwarzbauer

Flückiger versuchte zu parieren, Schurter wurde schneller klar, dass er da nichts würde tun können. Allein in einem Anstieg schenkte van der Poel Schurter zwanzig Sekunden ein, Mathias Flückiger fiel immerhin auch um elf Sekunden zurück. Ein Abstand der sich bis ins Ziel um weitere sieben Sekunden vergrößerte als Van der Poel die Pace nur ein kleinwenig drosselte um keine Fehler so kurz vor dem Ziel zu provozieren. Was für ein Sieg! Rang zwei geht damit an Mathias Flückiger, Rang drei an Nino Schurter vor Henrique Avancini und Luca Braidot. Ein starkes Rennen fuhren auch die Deutschen Fahrer: Manuel Fumic kämpfte sich von der Mitte des Feldes bis auf Rang elf vor, Georg Egger und Luca Schwarzbauer landeten auf den Rängen 21 und 22.

Alle Ergebnisse zum Worldcup in Val di Sole finden sie auf der Website der UCI . Das Replay ist weiterhin auf Redbull.tv zu sehen.

Was ein Sieg für Mathieu van der Poel. Der Niederländer ließ die Konkurrenz im letzten Anstieg stehen, als handele es sich um den Jugendkader von Hintertupfingen.

Heute unterlegen. Mathias Flückiger gratuliert Mathieu van der Poel.

Der frischgebackene Europameister lässt sich feiern.

Schlagwörter: Cross Country Jolanda Neff Mathieu van der Poel Val di Sole Worldcup Worldcup 2019


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