UCI MTB Downhill-Worldcup 2019 Leogang: Rennbericht

Nina Hoffmann auf Rang zwei! Sieg für Hannah und Bruni

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor einem Jahr

Für 2019 wurde die schnelle Strecke von Leogang deutlich technischer gestaltet. Im Herrenrennen blieb es spannend bis zum Schluss, bei den Damen konnte Nina Hoffmann bis auf Platz zwei vorfahren.

Leogang war nie die technischste Strecke im Worldcup-Zirkus. Immer mehr häuften sich im letzten Jahr die Beschwerden der Fahrer, der Engländer Phil Atwill setzte dem Ganzen dann die Krone auf und startete im Training auf einem Slopestyle-Hardtail . Das war wohl zu viel für die Veranstalter. Frei nach dem Motto „Euch zeigen wir es!“ wurde deswegen für dieses Jahr die Strecke in großen Teilen neu abgesteckt. Unrhythmische Off-Camber-Sektionen am Anfang und ein neuer Wurzelabschnitt in der Mitte waren das Resultat und sorgten dieses Jahr in Leogang für einen deutlich erhöhten technischen Anspruch.


Vielleicht einer der Gründe, warum das Downhill-Rennen in Leogang die bisher spannendste Renn-Action in diesem Jahr ablieferte. Schmal war der Grat zwischen sehr schnell und zu schnell. Die trockene und staubige Strecke brachte im Finale mehr als einen Fahrer unsanft zum Stehen. Bei den Damen konnte die Neuseeländerin Kate Weatherly ihr Glück kaum fassen, als nach einem schnellen Run ihrerseits immer mehr Fahrerinnen das Nachsehen hatten.

Kate Weatherly auf Rang drei


Europameisterin Camille Balanche war chancenlos, Emilie Siegenthaler verlor in einem Sturz viel Zeit, Veronika Widmann war ebenfalls zu langsam und die deutsche Enduromeisterin Raphaela Richter, qualifizierte sich zwar für das Finale, konnte Weatherly aber ebenfalls nur wenig entgegensetzten. Trotzdem: Platz sechs ist ein verdammt gutes Ergebnis für die junge Deutsche.

Kate Weatherly konnte ihr Glück kaum fassen, als es am Ende sogar für Rang drei reichte.


Erst Marine Cabirou aus Frankreich war deutlich schneller als Kate Weatherly doch ein Fehler in einer der letzten Kurven machte auch ihre Chancen zunichte. Nina Hoffmann startete aufgrund einer sehr guten Qualifikation dieses Mal als Drittletzte und anders als ihre französische Konkurrentin erlaubte sich die Deutsche Meisterin keine Patzer. Sie schoss über die Strecke, durch Off-Camber, Baumstümpfe, Sprünge und Wurzeln und in den Zielbereich. Auf dem letzten Sprung ließ sie alle Vorsicht fahren und sprang noch deutlich weiter als die Konkurrenz, doch alles ging gut. Sie saß im Hot Seat.

Pechvogel: Rachel Atherton überriss sich in einer der ersten Kurven und ging über den Lenker. Zum Glück blieb sie unverletzt.

Sturz für Atherton, Hannah fehlerlos – Nina Hoffmann auf Rang zwei


Fehlten nur noch Rachel Atherton und Tracey Hannah. Doch gerade bei der britischen Favoritin wollte es in Leogang nicht so richtig laufen. Schon kurz nach dem Start kam sie sichtlich zerschlagen wieder in Sicht, sie hatte in einer der ersten Kurven die Front verloren und war über den Lenker gegangen. Tracey Hannah leistete sich dagegen keine Fehler und holte einen verdienten Sieg – es ist erst ihr erster Worldcup-Sieg gegen Rachel Atherton. Nina Hoffmann kann damit außerdem ihr Ergebnis von Fort William noch weiter verbessern und fährt mit Rang zwei ihr wiederum bestes Worldcup-Ergebnis überhaupt ein. Herzlichen Glückwunsch!

Tracey Hannah im Vollgas-Modus. Es ist das erste Mal, dass die Australierin Rachel Atherton im direkten Vergleich schlagen konnte.

Das Podium der Damen: Marine Cabirou, Nina Hoffmann, Tracey Hannah, Kate Weatherly und Veronika Widmann (v. links).


Übrigens: Nachdem Vali Höll ihr erstes Rennen im Junioren-Worldcup in Fort William gegen Anna Newkirk verloren hatte, war die Österreicherin beim Heim-Worldcup in Leogang wieder voll da. Trotz der kurzen Strecke, die traditionell eher für geringe Abstände zwischen den Fahrerinnen sorgt, schenkte Höll ihrer Konkurrenz über 18 Sekunden ein und hätte mit ihrer Zeit von 3:49,363 sogar Platz drei im Feld der Damen-Elite belegt.

Vali Höll machte in Leogang keine Gefangenen. Beim Heim-Weltcup wäre sie auch in der Elite auf Platz drei hinter Nina Hoffmann gelandet.

Charlie Harrison legt vor – Loïc Bruni mit Bestzeit


Im Rennen der Männer konnte Charlie Harrison aus den USA die erste, echt konkurrenzfähige Zeit des Tages in den Staub brennen. Lange saß er im Hotseat, auch Größen wie Luca Shaw, Remi Thirion, Mark Wallace und Eddie Masters konnten ihn nicht entthronen. Dann stand Loïc Bruni im Startgate und der Franzose enttäuschte nicht. Ein fast fehlerloser Run folgte, der Weltmeister raste mit über drei Sekunden Vorsprung auf Harrison durch das Ziel. Eine echt konkurrenzfähige Zeit so früh im Rennen.

Gwin weiter nicht in Bestform


Gwin war der nächste schnelle Fahrer und wie erwartet konnte der Intense-Fahrer seinen jüngeren Landsmann Harrison ebenfalls schlagen, doch an Loïc Brunis Zeit reichte er nicht heran. Über zweieihnalb Sekunden Rückstand im Ziel zeigen, dass Aaron Gwin im Moment doch noch nicht so richtig in Form ist. Ist es das neue Bike? Der geschwollene Knöchel? Egal, immerhin im Vergleich zu Maribor und Fort William ein Schritt in die richtige Richtung und für Platz fünf sollte es immerhin trotzdem genügen. Nur Platz zwei hinter Loïc Bruni würde Gwin nicht lange halten können, so viel war klar.

Für Aaron Gwin geht es wieder Richtung Spitze. Bislang muss er sich aber mit Platz fünf begnüngen.


Die Vorahnung sollte sich schon bald bestätigen. Danny Hart war auf der rutschigen Strecke ebenfalls schnell und konnte Aaron Gwin mit einer knappen halben Sekunde Vorsprung schlagen, Amaury Pierron verpasste die Zeit des Amerikaners nur knapp – er war zu vorsichtig in den ersten Kurven gewesen. An Loïc Bruni reichten beide aber nicht ansatzweise heran.

Immer schnell. Troy Brosnan gewinnt zwar nicht häufig, auf dem Podium steht der Australier aber fast immer.

Bruni gegen Brosnan, Minnaar und Vergier


So blieben nur noch der Australier Troy Brosnan, Downhill-Legende Greg Minnaar und Young-Gun Loris Vergier im Startgate zurück. Brosnan ging als Erster auf die Strecke und nun wurde es gefährlich für Loïc Bruni. Immer wieder wechselte die Führung, am Ende hatte Brosnan aber knapp das Nachsehen und reihte sich auf Platz Zwei ein. Loris Vergier nahm das Messer noch mehr zwischen die Zähne und die aggressive Fahrweise des Franzosen zahlte sich aus. In jedem Split war er etwas schneller als Bruni, auch die gefährliche 90-Grad Rechtskurve vor dem Ziel nahm er sicher und die Fans jubelten schon, da rutschte Vergier in einer unauffälligen Schikane vor dem Ziel das Hinterrad weg.

Greg Minnaar. Im Staub spielt der Südafrikaner seine überlegene Erfahrung aus.


Sofort war Vergier wieder auf den Beinen, doch es nützte nichts. Über sechs Sekunden kostete der Fehler in dieser High-Speed Passage und Vergier konnte nur noch Platz 19 für sich beanspruchen. Bei dem Sieger der Qualifkation, Greg Minnaar, wurde es noch einmal denkbar knapp für Bruni. Der Südafrikaner spielte seine Erfahrung in den tückisch-staubigen Bedingungen in Leogang voll aus und konnte auf der ganzen Linie überzeugen. Nur in der engen Rechtskurve kurz vor dem Ziel war er etwas zu hart auf der Bremse wie er selbst sagt. Ein kleiner Fehler, der ihn bei einem Rückstand von nur 0,3 Sekunden am Ende wohl den Worldcupsieg Nummer 22 kostete.

Loic Bruni feiert seinen Sieg. Es ist schon der zweite in dieser Saison.


Alle Ergebnisse zum Rennen in Leogang findet ihr auch auf der Website der UCI . Die Wiederholung des Rennens ist noch auf redbull.tv zu sehen.

Themen: DownhillLeogangLoic BruniNina HoffmannRachel AthertonUCI WorldcupValentina HöllWorldcup 2019


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