DH Worldcup #7 La Bresse 2018 DH Worldcup #7 La Bresse 2018

UCI MTB DH Worldcup 2018 #7 La Bresse: Rennbericht

Sensation in La Bresse: Maes stiehlt den Worldcup-Sieg

Adrian Kaether am 27.08.2018

Der Downhill-Worldcup in La Bresse war eins der größten Highlights des Jahres. Das Wetter war zwar mäßig, dafür konnte einer überzeugen, dem es niemand zugetraut hatte: Enduro-Racer Martin Maes.

La Bresse sollte eigentlich ein ganz normales Worldcup-Finale werden. Wobei „normal“ ohnehin ein schwieriges Wort im Zusammenhang mit dem Downhill-Worldcup ist, aber sei es drum. Siegt vielleicht mit Pierron oder Vergier ein Franzose, oder endlich einmal von Luca Shaw? Bei den Damen stand das Duell Atherton gegen Seagrave auf dem Plan. Aber schon die Qualifikation brachte alles gehörig durcheinander. Bei den Damen war Seagrave ganze acht Sekunden schneller als Atherton, bei den Männern gewann ausgerechnet Gee Atherton. Der Brite kämpft seit Jahren mit langwierigen Verletzungen und versuchte schon lange, an die Spitze des Sports zurückzukehren. Bisher aber vergeblich, so dass fast niemand ein Comeback für möglich hielt. 

DH Worldcup #7 La Bresse 2018

Das Wetter zeigte sich in La Bresse ziemlich durchwachsen.


Maes mit phänomenalem Run


Für das Rennen am Samstag war dann auch noch ständiger Regen vorhergesagt, nur um das Ganze noch etwas komplizierter zu machen. Schon einer der ersten Fahrer am Berg war Martin Maes. Der Belgier fährt eigentlich in der Enduro-Königsklasse, der EWS, und hat dort gerade vor einer guten Woche den Sieg in Whistler geholt. Schon vor einigen Monaten war er endgültig aus einer Verletzungspause zurückgekehrt und liefert sich seitdem heftige Gefechte mit Sam Hill um den Titel in der Enduro-Rennserie. Auf dem Downhill-Bike saß er aber bisher selten, nur einmal dieses Jahr in Fort William, als er Rang zehn holte.

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Valentina Höll fuhr ein phänomenales Rennen. Ihre Zeit hätte dieses Mal in der Elite sogar für Platz drei gereicht! Da dürften Atherton und Co. für die nächsten Jahre ganz schön das Zittern kriegen.


Würde er wieder überzeugen können? Sein zehnter Platz beim Worldcup in Fort William war eigentlich ein kleines Wunder, das als kaum reproduzierbar galt. Egal. Martin Maes interessierte das alles überhaupt nicht. Er schoss über die glitschige Strecke, als wenn es kein Morgen gäbe und seine Racer-Konkurrenten sowie die Kommentatoren zollten ihm großen Respekt: Ein wirklich starker Run!

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Martin Maes checkt die Strecke im Training aus. Schon da muss er irgendetwas sehr richtig gemacht haben.


Atherton und Thirion verfehlen Maes' Zeit


Martin Maes sollte also für eine längere Zeit im Hot Seat sitzen, doch wie lang genau, das ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Remi Thirion war der nächste schnelle Fahrer, doch der Local musste sich trotz eines guten Laufs mit fast vier Sekunden Rückstand geschlagen geben. Auch im Fall von Gee Atherton hatte die Qualifikation nicht zu viel versprochen. Ein Wahnsinns-Run, trotzdem verlor Atherton im unteren Teil der Strecke auf wenigen Metern fast zwei Sekunden. Er konnte damit die Zeit von Maes ebenfalls nicht einmal ankratzen.

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Respekt! Ein starker Run von Maes.

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Die französischen Fans sorgen trotz Mistwetter für ordentlich Stimmung.


Reihenweise landeten die Fahrer nun im Dreck. Greg Minnaar, Eddie Masters und Luca Shaw – um nur einige wenige zu nennen. Aber auch diejenigen, die auf dem Bike blieben, hatten absolut keine Chance gegen Maes. Wenige waren im oberen Teil der Strecke etwas schneller, doch unten verloren selbst Größen wie Loris Vergier in zwei Sektoren mehr als zwei Sekunden. Eine Welt im Downhill-Worldcup! Unglaublich, was Maes hier geleistet haben muss. Vielleicht ein Fall von zu wenig Risikobereitschaft bei den anderen Fahrern? Auch das nicht: Selbst Minnaar oder Shaw waren vor ihren Stürzen nicht schneller.

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Martin Maes auf den letzten, rutschigen Graskurven, die am Ende das Rennen entscheiden sollten.


„Verdammt Mann! Du könntest das wirklich gewinnen“


Und so ging es weiter. Maes saß im Hot Seat und konnte, flankiert von seinen bisher stärksten Konkurrenten Thirion und Atherton, mit ansehen, wie sich nach und nach die gesamte Downhill-Elite an seiner Zeit die Zähne ausbiss. Schlammspezialist Danny Hart konnte nichts ausrichten, Gwin rutschte mit seinem neuen 29er-Bike an einer untypisch flachen Stelle weg. Loic Bruni war erst schneller, verlor dann aber wieder im letzten Sektor mehrere Sekunden. Brook MacDonald war schnell und spektakulär. Aber nicht schnell genug. Als vorletzter Fahrer erreichte er das Ziel und verkündete dem ehemaligen Teamkollegen nur noch ungläubig: „Verdammt Mann! Du könntest das wirklich gewinnen.“

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Brook MacDonalds Matschreifen graben sich tief in den Untergrund.


Damit verblieb nur noch Amaury Pierron im Startgate. Der junge Franzose gab alles. Ein leichter Vorsprung in der Sprung-Sektion, im flachen Mittelteil wuchs der Vorsprung, dann schrumpfte er wieder in den letzten Sektionen. Absolut auf Augenhöhe mit Maes schoss Pierron auf die letzten Kurven zu und verlor plötzlich den Halt. Er rutschte bei Highspeed im Gras aus der Kurve. Das Rennen war gelaufen und Martin Maes war der neue Sieger von La Bresse! Absolut unglaublich. Selbst wenn Nino Schurter in einer Last-Minute Entscheidung am Samstag auf ein Scott Gambler gestiegen wäre und den Sieg im Downhill geholt hätte, die Sensation hätte nicht größer sein können.

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Amaury Pierron war der einzige Fahrer, der Maes hätte gefährlich werden können. Doch er stürzte in einer der letzten Kurven, wie man hier schon an der dreckigen linken Hand sehen kann.


Atherton siegt über Seagrave und schreibt Geschichte


Das eigentlich spannende Duell der Damen geriet dabei völlig in den Hintergrund. Rachel Atherton und Tahnée Seagrave würden im Rennen Kopf an Kopf gehen und nicht nur über den Tagessieg, sondern auch über den Gesamtsieg in der Worldcup-Serie entscheiden. In der Qualifikation hatte Seagrave die Nase noch deutlich vorne gehabt, im Rennlauf begegneten sie sich dann auf Augenhöhe.

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Tahnée Seagrave konnte auf den Sprüngen und im oberen Streckenabschnitt punkten.


Schon der erste Sektor von Athertons Run zeigte, die beiden würden wahrscheinlich wieder in ihrer eigenen Liga fahren. Atherton leistete sich keine Fehler und fand einen guten Mittelweg zwischen Risikofreudigkeit und Zurückhaltung, sie wurde mit einer Wahnsinnszeit belohnt. 2:51,4 Minuten, mehr als zehn Sekunden schneller als die im Hot Seat sitzende Myriam Nicole.

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Rachel Atherton leistete sich einfach keine echten Fehler. Da war für die Konkurrenz nichts zu machen.


Aber auch Tahnée Seagrave konnte sich sehen lassen. Im ersten Sektor war sie leicht schneller als Rachel Atherton, auf den Sprüngen ging sie teilweise etwas zu weit – das kostete sie jedoch kaum Zeit. Im Flachstück verlor sie den leichten Vorsprung wieder, bis zum Ziel war es ein ewiges Hin- und Her, doch die Zeitmessung lügt nicht. 2:52,059 Minuten standen am Ende auf der Anzeigetafel, ein knapper Sieg für Rachel Atherton, die damit Geschichte schreibt. Sie ist die erste Frau, die sechs Worldcup-Gesamtwertungen gewonnen hat, seit es Mountainbikes gibt. Selbst die legendäre Anne-Caroline Chausson bringt es „nur“ auf fünf.

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Rachel Atherton schreibt Geschichte: Sechs Gesamtweltcup-Siege! Das hat noch niemand geschafft.


Alle Ergebnisse zum UCI MTB Worldcup in La Bresse findet ihr auf der Website der UCI. Die Wiederholungen gibt es noch auf Redbull.tv zu sehen.

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Martin Maes hat allen Grund zum Feiern. Die Downhiller im eigenen Feld geschlagen. Besser wird es nicht. Auch ein großer moralischer Sieg für die von offizieller Seite noch immer vernachlässigte Disziplin Enduro.

Adrian Kaether am 27.08.2018