Downhill-WC: von Fort William nach Leogang Downhill-WC: von Fort William nach Leogang Downhill-WC: von Fort William nach Leogang

UCI Downhill Worldcup 2017 #3 Leogang: Vorschau

Downhill-WC: von Fort William nach Leogang

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 4 Jahren

Ein grandioser Sieg von Greg Minnaar, ein heftiger Sturz bei Rachel Atherton, kleine gegen große Laufräder, Gwin gegen Hart und Bruni. Alles Wichtige zum DH-Worldcup in Leogang in unserer Vorschau.

Nach dem Worldcup in Lourdes vor einigen Wochen und in Fort William am letzten Wochenende liegen bereits zwei von sieben Downhill-Stationen der Saison 2017 hinter uns, der dritte steht mit Saalfelden-Leogang am kommenden Wochenende bereits unmittelbar bevor. Turbulenzen bestimmten bisher das Renngeschehen. In Frankreich wurden die letzten 15 Fahrer des Männer-Rennens von einer massiven Sturmfront erwischt, die jegliche Chancen auf einen Podiumsplatz zunichte machte. In Fort William stand mit dem frisch angelegten, aber völlig aufgeweichten Trail im Wald eine der schwierigsten Sektionen der Worldcup-Strecken der letzten Jahre ins Haus, die auch vor den Topfahrern nicht Halt machte.

Red Bull Content Pool Im Schlamm Fort Williams verloren viele die Kontrolle.


Sogar Schlamm-Spezialist Danny Hart flog über den Lenker und Rachel Atherton kugelte sich bei einem heftigen Crash im Training die Schulter aus. An einem Drop in ein Wurzelstück verlor sie die Kontrolle, das Vorderrad rutschte weg, Rachel flog über den Lenker, versuchte sich mit ausgestreckten Armen abzufangen und landete heftig auf der linken Schulter. Sofort ist die Weltmeisterin wieder auf den Beinen, nur Sekundenbruchteile später hat sie offensichtlich schon erkannt, was Sache ist: Einen Zuschauer neben der Strecke fordert sie auf, kräftig an ihrem Arm zu ziehen. Zunächst ist der Mann (verständlicherweise) verzagt. „Bist du sicher", fragt er. Sie: „Du musst jetzt richtig verdammt heftig ziehen.“ Kurz darauf ist das Schultergelenk wieder an Ort und Stelle, die GoPro hat alles aufgezeichnet. Eine Schulter direkt an der Strecke wieder eingerenkt, dazu gehört eine ordentliche Portion Willens- und Charakterstärke. Man kann vor Rachel Atherton nur den Hut ziehen.

Greg Minnaar führt in der Gesamtwertung


Der Star dieser Saison ist aber bisher der Südafrikaner Greg Minnaar. Obwohl schon 35 Jahre alt, fuhr er in Lourdes in der Qualifikation auf Platz 6, nur 1,4 Sekunden hinter dem schnellsten Qualifier, seinem Teamkollegen Loris Vergier. Auch im Rennen schlug er sich trotz des Regens noch verhältnismäßig gut. In Fort William drehte er richtig auf. Sieg in der Qualifikation, dann im Rennen wieder heftig einsetzender Regen. Aber Fort William und Greg Minnaar, das passte irgendwie trotzdem. Sauber nahm er die oberen Kurven und Steinfelder, durch den Wald fuhr er ohne hängenzubleiben, im unteren Teil der Strecke konnte er seine Fitness voll ausspielen. Die Fans jubelten, Greg Minnaar fuhr zu Worlcup-Sieg Nummer 20 und seinen siebten Erfolg in Fort William ein: der dritte Sieg in Folge.

Wie lebt es sich so, als der erfolgreichste Downhiller aller Zeiten?


Und dann ist da natürlich noch die Diskussion um die 29-Zoll-Laufräder, die jetzt nach und nach im Downhill-Worldcup Einzug halten. Vor allem für die großen Fahrer wie etwa Greg Minnaar eine echte Innovation. „Wir haben sehr hart gearbeitet, um das Bike fertig zu bekommen, aber ich denke es passt echt zu mir. Wenn ich jetzt zurückschaue auf all die Jahre meiner Rennkarriere, dann meine ich fast, ich bin immer ein Bike in der falschen Größe gefahren. Das Bike, das ich jetzt habe, das passt mir einfach wie angegossen. Ich fühle mich viel sicherer in technischen Passagen, in Innenkurven und in Abschnitten, wo es richtig rumpelt. Für mich ist das definitiv eine Komfort-Frage.“

Red Bull Content Pool „King of Fort William“. Das ist Minnaar auf jeden Fall.


Das aus der Frage nach den Laufrädern so eine große Sache gemacht wird, kann Greg jedoch nicht verstehen: „Es ist überraschend, wie so eine kleine Veränderung am Bike zu so viel Rumgeweine führen kann. Ich verstehe das einfach nicht. Keiner hat rumgeweint, als wir von 26 Zoll zu 27,5 Zoll Räder gewechselt haben. Also ich weiß wirklich nicht, warum sie jetzt damit angefangen haben.“ Anders als beim Wechsel auf 27,5 Zoll wird es aber in Zukunft im Downhill-Worldcup wahrscheinlich einfach beide Radgrößen geben, was die Rennen nur noch spannender machen sollte. Denn auch wenn Greg Minnaar am Ende auf 29 Zoll den Sieg davongetragen hat, so waren doch Aaron Gwin und Marcelo Gutierrez auf dem gewohnten Laufradmaß keineswegs chancenlos. Der Vorteil, den die großen Laufräder im Downhill bringen, scheint also selbst auf sehr 29 Zoll-freundlichen Strecken wie Fort William eher gering zu sein. So wird am Ende die persönliche Präferenz der Fahrer entscheiden.

Wer gewinnt in Leogang?

Red Bull Content Pool Leogang hat ein bisschen was von allem. Schnelle, sprunglastige Abschnitte, einige fiese Wurzeln, Drops, Anlieger und und und...


Der nächste Worldcup in Leogang dürfte also wieder ein spannendes Rennen werden. Greg Minnaar führt im Moment die Gesamtwertung des Worldcups an, hat aber nur zwei Punkte Vorsprung auf Marcelo Gutierrez Villegas vom Giant Factory Racing Team. Nicht mal eine Haaresbreite, bei bisher 290 beziehungsweise 292 Punkten. Jack Moir liegt nach seinem überragenden zweiten Platz in Fort William mit wiederum nur 23 Punkten Abstand auf Platz drei. Greg Minnaar gewann hier 2012 die Weltmeisterschaft. Wie man in Leogang zum Sieg fährt, weiß der Südafrikaner also. Noch eine bessere Historie in Leogang hat aber Worldcup-Champion Aaron Gwin. 2015 gewann der Amerikaner in einem unvergesslichen Rennen, als ihm die Kette schon beim Sprint aus dem Startgate riss. Auch 2016 konnte er seinen Sieg hier wiederholen, bevor Danny Hart die restlichen Worldcups des Jahres gewann. Es ist also eigentlich Aaron Gwin, der als Favorit in das Rennen in Österreich geht.

Red Bull Content Pool Loris Vergier konnte in Leogang überzeugen. Wird er der nächste Downhill-Superstar?


Rechnen sollte man aber auch noch mit einigen anderen. Remi Thirion scheint sich auf den neuen Laufrädern ebenfalls extrem wohl zu fühlen, wie man in Fort William gesehen hat. Loic Bruni und Danny Hart sind Ex-Weltmeister und Weltmeister und trotzdem in dieser Saison noch ohne Podium geblieben. Sie werden alles daran setzen, das möglichst schnell zu ändern. Das Troy Brosnan am Ende auf dem Podium steht, ist bei seiner Geschichte in Leogang ebefalls sehr wahrscheinlich. Auch Kona-Pilot Connor Fearon schlug sich in Fort William wacker und fuhr sein bisher bestes Worldcup-Ergebnis in Leogang ein.

Red Bull Content Pool Tracey Hannah wurde 2016 in Leogang Vierte. Jetzt hat sie allerdings gerade wieder einen Worldcup gewonnen, die Form stimmt also.


Bei den Damen ist mit der von Teammanager Dan Brown in Aussicht gestellten Rückkehr von Weltmeisterin Rachel Atherton eigentlich noch nicht zu rechnen. In diesem Fall dürften Tracey Hannah, Myriam Nicole, Manon Carpenter und Tahnee Seagrave um den Sieg in Österreich kämpfen. Alle vier haben ihre Stärken, die sie in Leogang in einen Sieg übesetzen könnten: Tracey Hannah ist ein Allround-Talent und bringt eine extreme Fitness an den Start, Myriam Nicole punktet häufig auf schnellen, sprunglastigen Strecken, Manon Carpenter und Tahnee Seagrave werden auf den Wurzeln im oberen Abschnitt wahrscheinlich am schnellsten sein. Letztere ist außerdem noch die mit Abstand beste Fahrerin auf fetten Sprüngen. Erst das Rennen kann hier also Klarheit bringen.


Das Rennen wird wie immer live auf Red Bull TV übertragen. Diesmal auch wahlweise mit deutschem Kommentar von Sportkommentator Christopher Ryan und Bike-Legende Tibor Simai. Die Frauen starten um 13:00 Uhr, die Männer um 15:00 Uhr. Auch hinfahren lohnt sich. Neben dem Worldcup gibt es auch noch das Slopestyle Gold Event 26 Trix und zahlreiche Trial-Shows, unter anderem von Trial-Star Tom Oehler zu bestaunen.

Themen: 29 ZollAaron GwinDownhillGreg MinnaarLeogangRachel AthertonUCI WorldcupVorschau


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