Durch die Wüste auf einem Bike ohne Namen Durch die Wüste auf einem Bike ohne Namen Durch die Wüste auf einem Bike ohne Namen

Titan Desert 2016 Blog: Vorschau

Durch die Wüste auf einem Bike ohne Namen

  • Alexander Brempel Ballester
 • Publiziert vor 5 Jahren

Unser Cape Epic-Blog und Henri Lesewitz' Abenteuer-Odysseen haben unseren Leser Alexander angestachelt, beim Titan Desert mitzufahren. Er wird für BIKE vom Etappenrennen durch die Wüste bloggen.

Mit Peter O'Toole fing alles an. Bei einem Feierabend-Bier mit aufgeklapptem Laptop an einem Samstagabend beim durchforsten der unendlichen Weiten des World Wide Web suchten wir nach einem nett-brutalen Etappenrennen. Im Hintergrund flimmerte auf ZDF der berühmte Klassiker „Lawrence von Arabien“ mit dem eben genannten Peter O'Toole in der flammanten Hauptrolle. Diese Weite, riesige sich am Horizont aufbäumende Dünen, explodierende Zuggleise und die rasanten Verfolgungesjagden auf Kamelen. Wüste eben!

Ich bin Alexander, 26 Jahre und stelle mich dem Titan Desert 2016.

Jeder kennt zig Filme und Dokumentationen über diese desolateste und trockensten aller Klimazonen, aber nur die Wenigsten haben sie wirklich bereist. In solch einem Terrain einen Radmarathon zu fahren, am besten sogar sechs am Stück, und sich danach bei erfolgreicher Zieldurchfahrt auch noch Titan nennen zu dürfen – gepaart mit der Aussicht auf minimalen Singletrailanteil – ließen mich zu dem Entschluss kommen, mich selbst in die Wüste zu schicken.

Entschluss gefasst: das Titan Desert sollte es sein

Beim Thema Einschreibung sieht man schnell, dass so ein Rennen wie das Titan Desert logistich sehr aufwendig ist und mit deutlich hoheren Kosten verbunden ist als beispielweise eine BIKE Transalp . Das Bike wird in einem Radkarton, den man sich von Barcelona aus nach Hause schicken lässt, via Fähre mit einem wie einem Goldtransporter bewachten LKW nach Marokko überfuhrt. Die Teilnehmer fliegen zusammen mit den Presseleuten und den Mechanikern in extra gecharterten Linien-Maschinen von Madrid oder Barcelona am morgen vor dem Rennen Richtung Nordafrika. Das Rennen an sich teilt sich in zwei Hälften.

Sachen packen und nichts vergessen: Denn schnell mal besorgen kann man in der Wüste nichts.

Kostbares Gut: Im Titan Desert-Karton reist mein Bike per Fähre zum Start.

Die ersten beiden Etappen sind mit 110 und 133 Kilometern und jeweils 1850 bzw. 2340 Höhenmetern relativ bergig mit Abfahrten auf Schotterpisten mit Handball-großen Steinen. Gefolgt von vier Etappen in der Sahara-Wüste, wobei der Name allein schon eine Million Bilder aufs innere Auge projiziert. Dazwischen gibt es einen „Ruhetag“ mit einem laut Organisation 4-5 stündigen,ruppigen Ritt in einem altersschwachen Bus aus den Skigebieten im Hohen Atlas Richtung Wüstenausläufer. Etappe drei ist die sogennante „Etapa Marathon“, bei der die Teilnehmer das komplette Equipement für die Übernachtung und den nächsten Tag selbst mitschleppen müssen. Also doppelte Anzahl an Gels, Sitzcreme, Zahnbürste, Handy, Ladengeräte usw. Es gibt bei dieser Etappe ein großes Bierzelt im Beduinen-Style, in dem man auf der im Rucksack mitgeschleppten Luftmatratze im natürlich selbstransportierten Schlafsack die Nacht verbringt. Meiner ist knallorange, damit ich im Notfall etwas habe, um dem Rettungshelikopter zuzuwedeln, falls es mit der Navigation per GPS-Track in die Hose gehen sollte.

Beim Shopping: Hier habe ich meinen Schlafsack und die Isomatte gekauft.

Dieser Gedanke des Verlorengehens und jahrelang als verschollen gelten plagt mich seit ich an der Supermarkt-Kasse bewusst die knalligste Farbe für die Matratze ausgesucht habe. Trotz Peilsender, den man immer bei sich tragen muss, und obligatorischem Routing-fähigen GPS-Gerät kommt man um solche Gedanken bei einer Wüsten-Durchquerung nicht herum. Bei jedem anderen Rennen, das ich bisher gefahren bin, strampelt man im sicheren Gefühl, dass man mit seinem Not-10er in der Trikottasche auf dem ersten Asphaltstück ein Taxi Richtung Ziel nehmen kann. In den endlosen Weiten der Egg Cherbbi-Dünen kann mich wohl im Fall der Fälle nur eine Packung Marlboro oder meine Casio-Armbanduhr retten, die ich gegen einen Sitzplatz auf einem von Beduinen gelenkten Kamel eintauschen könnte.

Für spanische Mountainbiker ein Ritterschlag

Das Titan Desert ist in Spanien DER Etappenrennen-Klassiker schlechthin, den jeder, der was auf seine Waden-Power hält, schon mal gefahren ist. Vergleichbar mit der BIKE Transalp in Deutschland, Österreich und Italien. Das Rennen lockt wegen dem fehlenden UCI-Status und den erschwerten Rahmen-Bedinungen keine großen deutschen Marathon-Asse an. Die spanische Elite ist aber durchaus vertreten. Durch die hohen Kosten ist das Fahrerfeld sehr, sehr weit gefächert. Unter spanischen Geschäftsleuten ist eine Titan Desert-Finisher-Marmorplatte auf dem Nachttischschränkchen das Äquivalent zu einem Löwenfell vorm Kamin.

Das fünfte Teilstück – „Etappe Garmin“ gennant – kommt komplett ohne Beschilderung aus und wird nur nach GPS-Track gefahren, wobei man solange man die drei Feed Zones/Checkpoints in der richtigen Reihenfolge abfährt durchaus Umwege fahren kann, um im Idealfall Kilometer zu sparen. Um mir den letzten Schliff zu verpassen und mich so gut es geht an die langen Etappen zu gewöhnen, bin ich ein paar Touren um die 120 Kilometer in den letzten Wochen mit vollem Gepäck gefahren. Ich habe versucht in den letzten zwei Wochen so viel es geht unter möglichst ähnlichen Bedienungen zu trainieren, um ab dem 24. April wie Peter O'Toole über die Dünen zu fliegen.

Auf einer meiner Trainingstouren, bei denen ich mit schwerem Rucksack trainiert habe.


Bis die Tage,
Alexander

Gehört zur Artikelstrecke:

Blog Titan Desert 2016


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Themen: BlogEtappenrennenMarokkoRennenTagebuchTitan Desert


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