Specialized-Sram Enduro Series 2014: Ludwigs Diaries #2

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor 6 Jahren

Ludwig Döhl vom Cube Action Team berichtet, wieso er in Riva nach einem verpatzten Prolog nicht alles für einen Podiumsplatz gegeben hat.

Am vergangen Wochenende wurde mir die Gnade meiner späten Geburt im Jahr 1990 wieder mal richtig bewusst. Meine Generation ist mit Scheibenbremsen und Federgabeln groß geworden und wird dafür von manchen Urgesteinen als weichgespült bezeichnet. Aber mal ehrlich, Spaß können die Trails am Gardasee Anfang der 90er mit Starrgabel und Cantilever-Bremsen nicht gemacht haben. Selbst geübte Fahrer stoßen mit den modernsten Rössern des heutigen Enduro-Zirkus’ häufiger an ihre Grenzen als es ihnen lieb ist. Alles ist relativ. Während damals die Schotterabfahrt vom Tremalzo dem Gardasee aufgrund grandioser Aussicht zu seinem Ruhm verholfen hat, wird heute nach purem Trail-Erlebnis verlangt und auf technisch unanspruchsvolle Panoramafahrten gepfiffen.

Ludwig fühlte sich auf der Enduro-Strecke in Riva wohl.

Bei den Wettkampfstrecken zur Specialized Sram Enduro Series im Rahmen des BIKE Festivals Garda Trentino zeigte der Gardasee einmal mehr sein vernarbtes Gesicht. Spiegelglatte Steinplatten, lose Schotterkurven und "no fall zones" regierten den zweiten Stopp der Serie in Riva. Der Veranstalter Trail Solutions hat sich zwar sehr bemüht, den Teilnehmern neue, unbekannte Trails an den Hängen oberhalb Arcos zu präsentieren, um nicht ein zweites Mal nach 2013 die Pisten rund um die Area Busatte als Rennstrecke zu nutzen, aber die topographischen Gegebenheiten kann nunmal niemand ändern. Ich muss sagen, entgegen vieler Stimmen hat mir die neue Rennstrecke sehr gefallen, da im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger Risiko eingegangen wurde. Trotzdem, stürzen wollte im rauen, steinigen Gelände niemand und so war meine Devise, die Rennstrecken sicher und mit rundem Fahrstil zu bewältigen.

Sprinterqualitäten beim Prolog gefragt

Aber der Reihe nach – vor dem Rennen kommt immer der Prolog. Das Psychospiel vor dem eigentlichen Wettkampf habe ich diesmal richtig versaut. Auf der gleichen Strecke wie die Eliminator-Sprinter mussten wir uns mit Integralhelm und Fully abmühen. Wer bis dato dachte, Enduro- und Downhill-Piloten seien faule Schweine, die zwar regelmäßig ihr Leben riskieren, aber vom Leistungssport keine Ahnung haben, der sollte hier belehrt werden. Während Downhiller Johannes Fischbach Europas Sprinter-Elite beim City Eliminator kalt machte, hämmerte Michael Prokop im Rahmen unseres Enduro-Prologs nur eine Sekunde langsamer als Fischi übers Pflaster von Riva. Seine Zeit hätte im Eliminator-Finallauf für Platz Zwei gereicht. Ich verpatze meinen Lauf mit einem Sturz auf dem Radweg leider fatal und verlor 12 Sekunden auf die Führung. Vorerst hieß das, mit Platz 89 ins Bett zu gehen und sonntags die Kohlen aus dem Feuer zu holen.

Ludwig kämpfte beim Prolog mit der Asphaltdecke. Ein Sturz und schon startet man nur von Platz 89. Ride on!

Slip & Slide auf dem Racetrack

Doch neben den 12 Sekunden Zeitrückstand kristallisierte sich am Sonntag noch ein zweites Problem heraus: Regen. Die Kombination aus nassem Kalkstein und Wettkampf-Geschwindigkeit ließ das Rennen wieder einmal zu einer wahnsinnigen Rutschpartie werden. Ich entschied mich, total locker und flüssig zu fahren und nicht zu viel Druck zu machen, um keinen weiteren Sturz zu riskieren. Die glatten Steinplatten vom Vortag wurden noch rutschiger bei Regen und verlangten selbst bei den Top-Fahrern nach der Drei-Punkt-Fahrtechnik. Mit zwei Reifen und einem Fuß am Boden konnte mehr gemeistert werden als ich mir erdacht hatte. Punkte in der Style-Wertung holte so allerdings niemand. Von Platz 89 konnte ich mich über die fünf Stages noch auf einen 16. Rang retten, welcher mir noch einige Punkte in der Gesamtwertung einbrachte.

Hier sollten die Reifen haften – zum Wohle aller Beteiligten.

Dadurch, dass die Stages sehr kurz waren, konnte man superleicht Zeit verlieren, aber Zeit wiedergutmachen war bei einer Fahrzeit von zirka acht Minuten eher schwierig. Zufrieden war ich damit – besonders nach meinem zweiten Platz in Terlago – nicht. Gewonnen hat das Rennen mein französischer Teamkollege Nico Lau vor Ludo May (CH) und René Wildhaber (CH). Ohne meinen Patzer im Prolog wäre deutlich mehr drin gewesen, doch "Hätte, Wenn und Aber" bringen dich da nicht weiter. Also greif’ ich einfach beim nächsten Stopp der Serie in Samerberg Ende Mai wieder voll an, um meinen zweiten Rang in der Gesamtwertung auszubauen. Vielleicht kippt da ja auch mal die Wetterbilanz. Bisher hatten wir bei allen drei Rennen mit Regen zu kämpfen.

Slip Rock: Drei-Punkt-Technik bei Teamkamerad und Riva-Sieger Nico Lau.

Schlagwörter: Bike Festival Enduro Enduro World Series Race-Blog Rennen Riva


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