Specialized Sram Enduro Series 2014: Ludwigs Diaries #11

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor 6 Jahren

Die Rennsaison 2014 ist fast zu Ende. Beim Finale der Specialized Sram Enduro Series 2014 in Leogang ließen es Ludwig Döhl und Co. aber noch einmal richtig krachen. Lest hier seinen Blog.

Ein Cup-Finale der besonderen Art: Angefangen hat der Charme dieses Wochenendes bereits Freitagmittag. Zirka 50 Kilometer von meiner Heimat Kelheim/Niederbayern entfernt, verabschiedete sich der Mitteltopf der Auspuffanlage meines sonst so zuverlässigen VW-Busses. Der erste Stopp galt also einer Reparaturaktion meines Auspuffs. "Mac Gyver" Döhl bastelte mit Hilfe von Kabelbindern, Cola-Dosen und alten Fahrradschläuchen den Mitteltopf wieder an die dafür vorgesehene Stelle, um sich zirka 30 Minuten später auf den weiteren Weg nach Leogang aufzumachen.

Nach dreiwöchiger Pause wurde mal wieder eine Startnummer an den Lenker montiert und die Beine im Laktat getränkt. Beim Finallauf der diesjährigen Specialized Sram Enduro Series in Leogang hatte ich die Ehre, mit der Nummer 2 – repräsentativ für meinen Rang in der Gesamtwertung – zu starten. Rang eins war rein rechnerisch fast nicht mehr zu erreichen, da sich Fabian Scholz im Laufe der Saison eigentlich keine Patzer geleistet hatte, aber auf den Rängen hinter mir hatten die Kollegen Markus Reiser, Petrik Brückner und André Wagenknecht das Messer zwischen den Zähnen, um mir den zweiten Rang streitig zu machen.

Fabian Scholz und ich gingen als letzte Fahrer aus dem Favoritenkreis auf die Strecke.

Leogang war ein würdiger Austragungsort für das Finale der Specialized Sram Enduro Series. Die Etappen boten große Vielfalt, von astreinen CC-Pisten über Bikepark-Geballer, bis hin zu alpinen Herausforderungen. Dabei wurden nicht ausschließlich die Trails in Leogang gerockt, sondern auch die Pisten rund um Saalbach-Hinterglemm.

Der vielleicht längste Wurzelteppich der Welt

Stage eins war ein reines Tretmassaker: Zehn Minuten quälte man sich hier über den wohl längsten Wurzelteppich der Welt, verlor nahezu keine Höhenmeter und war deshalb auf einen straffen Kettenzug angewiesen. Das Ziel von Stage eins war übersäht von reglosen Körpern völlig erschöpfter Sportler, die am Boden kauernd nach Luft schnappten. Mein CC-Background half mir hier, nicht zu viel Zeit zu verlieren und vor allem Kräfte zu sparen. So konnte ich relativ gelassen in die nächsten Herausforderungen gehen.

Brille weg und treten, Stage 1 war hart für die Oberschenkel.

Nach dem Abfahren der X-line in Saalbach stand der berüchtigte Bergstadltrail auf dem Programm. Berüchtigt, weil er neben seinem ausdauernden Charakter auch höchst alpines Gelände mit extremen Schlüsselstellen bietet. Manchmal war dieser Trail etwas schlecht abgesichert, wer auf Stage drei stürzte, unterzog sich nach langer Flugphase oft einem schmerzhaften Aufprall im Geröll. Nicht ganz ungefährlich die Sache.

Der Rest des Rennens spielte sich im Bikepark Leogang ab. Hier waren starke Unterarme und gute Kurvenskills gefordert. Bei mir lief alles eigentlich ziemlich gut, bis ich mich auf Stage vier an einem nicht abgeflatterten Abzweig verfahren habe und so zirka 25 Sekunden verlor. Sehr ärgerlich, aber letztendlich hat es doch noch für den fünften Platz in der Tageswertung gereicht.

Volle Konzentration und dann trotzdem falsch abgebogen. Irren ist menschlich!

Für einen Freund freuen und das Beste zum Schluss: die Sektdusche

Eigentlich will man als Sportler immer ganz oben auf dem Podest stehen, aber da Tobias Reiser das erste Mal das Podest an höchster Stelle stürmte, freute ich mich sogar etwas für ihn. Nachdem Tobi und ich uns schon lange Jahre im Cross Country gebattelt haben und seit zwei Jahren regelmäßig Rennen und Trainingslager miteinander bestreiten, freute ich mich nicht für einen Konkurrenten, sondern für einen Freund. Wichtiger als die Tagesplatzierung war aber, den zweiten Rang in der Gesamtwertung zu verteidigen. Was mir exzellent gelang. Zwar verdrängte Markus Reiser Petrik Brückner vom dritten Rang, er kam aber nicht an meine Punkte ran.

Mit knappen 35 Minuten Fahrzeit und einer Gesamtzeit des Rennens von über fünf Stunden (55 km) setzte das letzte Rennen dieser Serie in Leogang nochmals einen Maßstab in Richtung Ausdauer. Zahlreiche Wurzelteppiche, Anliegerkurven und Spitzkehren ließen aber auch die Technik nicht zu kurz kommen - ein guter Trailmix.

Siegerehrung der Gesamtwertung der Specialized Sram Enduro Series.

Rückblickend auf eine richtig geile Saison, welche fast ausschließlich in Regen und Matsch bestritten wurde, war es mir eine Ehre, mit Fabian Scholz, Markus Reiser, Petrik Brückner und meinem Teamkollegen "Bubba Knecht" die Siegerehrung dieser Rennserie zu zelebrieren. Es gibt doch nichts Besseres als eine ausgiebige Sektdusche unter Freunden zum Abschluss der Saison. Ganz abgeschlossen hat aber noch niemand, diese Woche folgt das Finale der European Enduro Series in Treuchtlingen, danach das Finale der Enduro World Series in Finale Ligure und die deutschen Meisterschaften in Schöneck .

Ride on, Ludwig


Alle Ergebnisse der Specialized Sram Enduro Series gibt's hier

Schlagwörter: Döhl Enduro Enduro World Series Finale Ligure Race-Blog Rennen Specialized-Sram Enduro Series Tagebuch


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