Specialized-Sram Enduro Series 2014: Ludwigs Diaries #1 Specialized-Sram Enduro Series 2014: Ludwigs Diaries #1 Specialized-Sram Enduro Series 2014: Ludwigs Diaries #1

Specialized-Sram Enduro Series 2014: Ludwigs Diaries #1

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor 7 Jahren

Ludwig Döhl, Zweiter beim Auftakt in Terlago, erklärt, warum die Reifenwahl manchmal zweitrangig ist und was Enduro mit Fußball gemeinsam hat.

Ist die Wiese weg, fahren wir im Dreck! Enduro goes Italy. Nach dem ersten Rennen der European Enduro Series in Punta Ala (Toskana) vergangenes Wochenende, lieferten sich die Rennfahrer ein zweites Stell-dich-ein diese Woche in Terlago, nur 40 km nördlich des Gardasees.

Die mir bisher noch weitgehend unbekannte Gegend um Terlago bietet einen starken Kontrast zu den ruppigen Trails am Gardasee. Während der Anreise stellte ich mich mental bereits auf die "rolling baby heads" und blank polierten Steinplatten, welche typisch für diesen Breitengrad wären, ein. Doch beim samstäglichen Training überraschten Trails vom Monte Terlago mit staubtrockenen Waldböden und flowigen Kurven.

Axel Brunst Start zur nächsten Sektion.

Während die Fahrer zu den Trails zum Training wuselten, sprossen die Racepits am örtlichen Fußballplatz gerade so aus dem Boden. Erste Stimmen wurden bereits am Samstag wieder laut, dass die Specialstages zu tretlastig seien und nicht den richtigen Charakter hätten, jedoch kann ich das nicht bestätigen. Das Meckern an den Strecken ist wohl eine für Enduro typische Angelegenheit, die zum Sport gehört wie die Schwalben zum Fußball. Wir befinden uns nun mal nicht im Downhillsport und deshalb sollte jeder, der sich eine Startnummer an den Lenker montiert, auch damit rechnen, dass man zwischen den zahlreichen Tiefenmetern ab und zu mal den Antriebsstrang zur Fortbewegung nutzen muss. Kurzum, die 44 Kilometer lange Runde mit 1500 Höhenmetern bot feinsten Trailgenuss auf den fünf Stages, der sich aber nach dem Prinzip "earn your turn" durch Muskelkraft verdient werden musste.

Muskelschau beim Prolog

Samstags heißt es, nach dem Training ist vor dem Prolog. Am späten Nachmittag trafen sich die rund 350 Starter knapp oberhalb vom Ortskern Terlago, um schon mal eine Duftnote für Sonntag zu setzen. Zuschauerfreundlich und spektakulär wand sich der Prolog erst über ein trockenes Bachbett, bevor er in einigen schnellen Kurven in der Altstadt endete. Auf der von Zuschauern gesäumten Strecke ließ der Tscheche und ehemalige 4-Cross-Weltmeister Michael Prokop die Muskeln am stärksten zucken und sicherte sich mit einem soliden Vorsprung von zwei Sekunden die Führung.

Axel Brunst Rasen wo andere Urlaub machen: ländliche Idylle am Monte Terlago.

Anneke Beerten vollzog das gleiche Kunststück in der Damenklasse. Ich selbst reihte mich zwischen einigen Italienern bei der ersten Muskelschau am Samstag auf Rang Sieben ein, was mich zuversichtlich seitens meiner Form stimmte. Neben der Tatsache, dass der Prolog schon voll in die Rennzeit eingeht, ist es auch immer ein kleines Psychospiel. Wer Samstags schon gute Beine hat, sitzt mit geschwellter Brust beim Abendessen und liegt selbstbewusst im Bett, jedoch weiß ich aus der Vergangenheit auch sehr gut, wie es ist, wenn man im Prolog wertvolle Sekunden liegen lässt. Dann beginnt man zu zweifeln, stellt das Wintertraining in Frage und überlegt vor dem Einschlafen, wie man die verloren Zeit wieder gut machen könnte.

Rennläufe eher Schadensbegrenzung

Sonntags morgens änderte Mutter Natur allerdings die Spielregeln etwas ab. Wo Samstags noch Staub, Trockenheit und Grip regierten, fanden sich am Renntag Wasserfälle, Pfützen und Rutschbahnen wieder. In der Nacht zum Sonntag setzte konstanter Regen ein, welcher auch während des Rennens anhalten sollte. Die Rennpisten waren teilweise so rutschig, dass die Reifenwahl schon wieder zweitrangig wurde. 50 Meter nach dem Start war das Profil des Reifens sowieso unter einer Schlammschicht verborgen und das Bike circa 2,5 Kilo schwerer. Vom präzisen Fahren konnte nicht mehr gesprochen werden, die meisten Rennläufe waren eher unter dem Aspekt Schadensbegrenzung zu betrachten.

Kurven wurden nur noch Pi-mal-Daumen angepeilt, das Material und die Strecke hielten jedoch immer wieder spontane Kursänderungen parat. Währen auf den Tretpassagen die Regentropfen behaglich auf den Integralhelm einprasseln, kochte es eine Etage tiefer in den Oberschenkeln oft vergebens, da das Hinterrad die Power einfach nicht auf den Boden übertragen wollte.

Enge Kiste an der Spitze

Normalerweise würde man erwarten, dass bei solch unberechenbaren Bedingungen die Zeiten auseinander klaffen, doch genau das Gegenteil war der Fall. Die italienische Trailrakete Marco Milivinti, seines Zeichen ehemaliger DH-Worldcupper, konnte sich als einziger mit 25 Sekunden Vorsprung, nach Prolog und fünf Stages, deutlich auf Platz eins absetzten. Währenddessen lagen Platz zwei bis fünf innerhalb nur einer Sekunde. Ohne jeglichen Zweifel sind knappe Zeitabstände immer ein Zeichen von hohem Wettkampfniveau.

Ich hatte wohl auch ein bisschen Glück, als ich mich mit 45/100 Sekunden Vorsprung vor Fabian Scholz (Focus Trail Team) auf Rang Zwei platzieren konnte, ebenfalls dicht gefolgt von Michael Prokop (Spezialized) und Petrik Brückner (Radon Flow Team) auf den Rängen vier und fünf. Bei den Damen regierte Anneke Beerten wie schon beim Prolog das Feld, vor einer vom Kettenriss geplagten Raphaela Richter und Birgit Braumann. Teamkollegin Laura Brethauer endete auf einem soliden sechsten Rang. Die Masters lieferten sich ein ähnlich dichtes Rennen wie in der Pro-Klasse. Die Podiumsplätze gingen hier an Benedikt Purner, Heutschi Remo (eine Sekunde Zeitabstand) und Guido Wachter.

Axel Brunst Schnelle Ladys im interview: Antje Kramer (links) und Stephanie Teltscher.

Während die Siegerehrung im immer noch strömenden Regen auf dem Marktplatz von Terlago abgehalten wurde, sammelte das Orgateam die Streckenabsperrung schon wieder ein, um sie bereits kommendes Wochenende im Rahmen des Bike Festivals in Riva wieder zu verwenden. An dieser Stelle noch ein Lob an die perfekt organisierte Veranstaltung in Terlago.

Bilderstrecke: Auftakt der Specialized-Sram Enduro Series 2014 in Terlago

Ludwigs Enudro Diaries #1: Terlago

9 Bilder
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