Snow Bike Festival 2017 Rennbericht

Mitgefahren: Snow Bike Festival in Gstaad

  • Markus Bauer
 • Publiziert vor 4 Jahren

Kreidler-Pilot Markus Bauer wählte für seinen Saisonstart 2017 das Snow Bike Festival in Gstaad. Für ihn eine neue Erfahrung, die Suche nach dem richtigen Bike und erste UCI-Punkte im Schnee.

Es ist Januar und bis auf ein paar vereinzelte Cyclocross-Rennen eher ruhig im Offroad-Kalender der Radfahrer. Wenn da nicht Herman Coertze wäre. Der südafrikanische Besitzer des „Meerendal Wine Estate“ (als Etappenort des legendären Cape Epic bekannt) hat etwas für den Mountainbike-Sport übrig und einen Sinn für verrückte Ideen: so rief er das erste UCI klassierte MTB-Etappenrennen im Schnee ins Leben. Gstaad, eine eher verschlafenes Örtchen in den Schweizer Bergen, konnte als Austragungsort gewonnen werden. Wie üblich starten nicht nur Profi-Sportler bei einem solchen Event. So ergibt sich eine lustige, 110 Mann/Frau starke Truppe begeisterter Biker aus 20 Ländern.

Für die Profis – und dahinter steckt auch ein Stück weit meine Motivation – geht es bereits im Januar um wertvolle Weltranglisten-Punkte. Nach meinem Beckenbruch beim Worldcup in Cairns 2016 und dem Ausfall der kompletten Saison fehlen mir die Punkte natürlich. Und daran muss sich etwas ändern. Denn ohne UCI-Punkte startet man bei Cross-Country-Rennen von ganz hinten und hat somit geringere Chancen auf ein Top-Resultat. Ein wenig aufgeregt war ich dann in der Vorwoche trotz des eher lockeren Charakters des Events. Wie ist meine Form mitten im Winter? Welche Konkurrenz ist da? Welches Rad soll ich nehmen: Fatbike, Plus-Bike, normales Mountainbike? Wie kalt wird es? Alles berechtigte Fragen und egal wen man gefragt hat, kaum einer konnte einem eine belastbare Auskunft geben.

Der Prolog: Mit dem Plus-Bike durch tiefen Schnee

Der Prolog sollte Aufschluss geben. Im letzten Moment entschied ich mich, das Plus-Bike mit 3,0 Zoll breiten Reifen zu verwenden. Der Rundkurs war aufgrund der vielen Starter schon sehr weich geworden und extrem schwer zu befahren. Selbst ein ausgesprochener Cyclocross-Spezialist wie Sascha Weber hatte große Probleme, sich auf dem Rad zu halten. obwohl das Fahren im tiefen Schnee dem Fahren im Sand glich. Insgesamt 5-6 mehr oder weniger schlimme Abgänge vom Rad hatte ich und demensprechend chancenlos musste ich mich mit Rang neun begnügen. Nachdem ich mich mit einem Saunagang aufgewärmt hatte, dachte ich: „Alles halb so wild, warten eh noch drei ,echte' Etappen mit einigen Höhenmetern.“ Und so war ich mir dann auch sicher, es mit dem „normalen“ Mountainbike zu probieren. Die traumhaften Bedingungen mit Sonne und -10 Grad Celsius sollten die Pisten hart und griffig machen. Und der Nachteil beim Rollwiderstand mit den größeren Reifen war doch immens.

Markus Bauer nutzte das Rennen, um erste UCI-Punkte im Jahr 2017 zu sammeln.

Eine perfekte Organisation, wie man sie von Etappenrennen in Südafrika kennt.

Wie ich es von der ein oder anderen südafrikanischen Veranstaltung gewohnt war, versammelte sich die komplette Meute jeden Abend zum gemeinsamen Abendessen, der Siegerehrung und dem Briefing für den kommenden Tag in der Tennishalle der Stadt. Hervorheben muss man sicher die geniale mediale Aufbereitung der Veranstaltung. Nicht nur die besten Bilder des Tages, auch kurze Videoclips des Renntags konnten wir zum Abschluss bestaunen.

1. Etappe: Taktisch klug auf Platz zwei

Huihuihui, die erste Etappe begann mit einer vier Kilometer neutralisierten Startphase. Gar nicht mal so warm bei -10 Grad im Schatten der Berge. Aber kaum war der Startschuss gefallen, versuchten Sascha und ich das Feld so schnell wie möglich auseinander zu reißen. Wir gingen nach etwa 15 Kilometern mit 40 Sekunden Vorsprung auf Nicola Rohrbach in den sieben Kilometer langen Anstieg rauf zum Eggli-Gipfel. Nicola holte uns einen Kilometer vor dem Pass ein und dampfte sofort weiter. Keine Chance für mich. Sascha hat es noch versucht, wohl aber ein wenig überzogen. Die erste Kurve bergab hat er dann sofort nicht bekommen und einen „Batman-Salto“ gedreht. Auf den letzten, zwei flachen Kilometern zum Ziel haben wir uns dann ein bisschen belauert und ich konnte schlussendlich den zweiten Rang im Sprint holen. Florian Chenaux wurde Dritter, Sascha Vierter. Die Abstände waren allerdings sehr knapp. Am Abend haben wir uns am südafrikanischen Meerendal-Rotwein erfreut und gerätselt, ob der Pistenbulli den heutigen Downhill wohl für die morgige Etappe wieder festplanieren würde. Der war nämlich sehr aufgewühlt und wir wussten, dass wir da morgen hoch müssen.

Start in der Altstadt von Gstaad

Für das grandiose Panorama hatte Bauer in diesem Moment wohl keinen Blick.

2. Etappe: Abgang in den Tiefschnee

„Nutzt ja nichts, für alle gleich“, dachten wir uns und waren wieder mit den Mountainbikes am Start, obwohl ein Bike-Wechsel zwischen den Etappen möglich gewesen wäre. Der Aufstieg war dann kein Problem, zumindest nicht was den Grip anging. Florian Chenaux erwischte einen „Sahnetag“ und fuhr uns anderen bergauf kräftig aus den Schuhen. Eine Minute hatte der Gute nach knapp 500 Höhenmetern dann Vorsprung. Was dann folgte, war speziell. Es ging mit vollem Speed die Skipiste runter. Aber nicht mit Skiern, sondern auf den Bikes. Direkt nach 300 Metern passierte es mir dann auch. Ein Loch war platt gewalzt und nicht zu erkennen. Meine Gabel tauchte bis zur Hälfte in den Schnee und ich machte einen grandiosen Abgang. Zum Glück bin ich in den Tiefschnee geflogen und mein Rad war ganz. Also so schnell wie möglich wieder aufs Rad und weiter. Die hängende Piste war alles andere als einfach zu meistern. Fuß raus und im Drift um die Kurven, unten dann mit Vollschuss und 60 Klamotten ins „Landrover Finisher Village“ auf die zweite Schleife mit weiteren 20 Kilometern. Es formierte sich eine Verfolgergruppe mit vier Fahrern. Allerdings herrschte kaum Harmonie und so konnten wir den Abstand zu Chenaux kaum reduzieren. Er gewann mit 48 Sekunden Vorsprung. Ich konnte erneut den Sprint für mich entscheiden. Rang zwei erobert und den dritten Rang in der Gesamtwertung gesichert, gut gelaufen!

Temperaturen mit zweistelligen Minusgraden forderten die Fahrer beim Snow Bike Festival.

In den Anstiegen konnte man die meiste Zeit gutmachen.

Sprint Eliminator-Nachtrennen

Weil drei Etappen plus Prolog noch nicht genug sind, organisierten die Veranstalter am Samstagabend noch einen Sprint-Wettkampf. Alle durften mitmachen und sich auf der mit Hindernissen, Sprüngen und Tiefschnee-Passagen gut angelegten Strecke in 4er-Heats messen. Jeweils die ersten beiden kamen ins Finale. Bis ins Finale habe ich mich durchgekämpft, um dort auf echtes Kaliber zu treffen. Jeroen van Eck, der fliegende Holländer und Europameister im Sprint 2015, stand neben mir. In den Runden zuvor hatte ich mich immer besser gefühlt und hatte ein bisschen Selbstvertrauen gesammelt, Van Eck schlagen zu können.

Markus Bauer kämpft sich durch den Parcous des Nachtsprints.

So kam es auch. Ich konnte den Start für mich entscheiden und danach sicher durch den Parcours zirkeln oder auch mal zu Fuß rennen. Nach zwei zweiten Plätzen also der Sieg beim Nachtsprint. Tolle Stimmung war geboten und ein Sieg tut immer gut. Allerdings hatten meine Mitkonkurrenten im Gesamtklassement verzichtet und ihre Kräfte gespart. „Hoffentlich rächt sich das morgen nicht“, dachte ich noch beim Bettgehen.

Trotz aller Positionskämpfe kam der Spaß nicht zu kurz.

3. Etappe: Kopf runter und Vollgas aufs Podest

Auf der finalen Etappe wollte ich nochmals alles versuchen, den in der Gesamtwertung vor mir liegenden Florian Chenaux noch abzufangen. Exakt eine Minute musste ich gutmachen. Nicola Rohrbach preschte direkt los wie die Feuerwehr und ich war der einzige, der mitgehen konnte und wollte. In den letzten fünf Minuten des Startanstiegs wurde es aber auch mir zu viel. Ich musste Rohrbach ziehen lassen und mich auf die zweite Gruppe konzentrieren. Chenaux und Sascha Weber waren dabei und es ging schlussendlich um die Platzierungen 2-4 der Gesamtwertung. Wie befürchtet fehlten mir zum Schluss ein paar Körner und Sascha wollte es noch einmal wissen. Kurz vor der Kuppe des zweiten Anstiegs attackierte er und konnte eine Lücke reißen. Die zehn Kilometer bis ins Ziel, hauptsächlich wellig, wusste ich nun: „Wenn Sascha mehr als 50 Sekunden herausfährt, ist mein Podiumsplatz futsch.“ Sechs Kilometer vor Ziel bekam ich 40 Sekunden zugerufen, um danach den Kopf nicht mehr aus den Armen zu nehmen. All in! 48 Sekunden Rückstand waren es im Ziel und ich konnte Rang drei mit knappem Vorsprung verteidigen. Hui, das war knapp.

Die schnellsten drei Herren beim Snow Bike Festival 2017: Nicola Rohrbach (Mitte), Florian Chenaux (links) und Markus Bauer.

Kurzum mein Fazit: Wer eine neue Erfahrung auf dem Mountainbike sucht, egal ob Profi oder Amateur, der sollte sich den 18.-21. Januar 2018 im Kalender anstreichen. Das Snow Bike Festival ist definitiv eine Reise wert und verspricht vier Action-reiche, super geplante Tage mit schönstem Alpenpanorama. Ein Top-Event zum Saisonstart – in meinen Augen.

Schlagwörter: Etappenrennen Festival Gstaad Rennen Schnee Schweiz Winter


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