Singletrail Schnitzeljagd 2015: Enduro-Event in Sölden

Trailjagd im Ötztal

  • Josh Welz
 • Publiziert vor 6 Jahren

300 hungrige Enduro-Piloten waren am Wochenende zur Singletrail Schnitzeljagd ins Ötztal gekommen, um sich am Trail-Büffet rund um Sölden satt zu fressen. Besonderer Leckerbissen: die neue Teäre Line.

Zielsetzung: Das Whistler der Alpen

Sölden mausert sich immer mehr zum El Dorado für Trailhungrige. Spannendes Geläuf gibt es am Fuße der Ötztaler Dreitausender in Hülle und Fülle, und die Region ist Mountainbikern aufgeschlossen. Tourismus-Verantwortliche, Hoteliers und Bergbahnen ziehen an einem Strang. Das gemeinsame Ziel: Über die nächsten Jahre will man zu einer der Top-10-Mountainbike-Destinationen werden. Weltweit wohlgemerkt. Konkreter: „Wir wollen das Whistler der Alpen“ sein, sagt Ötztal Tourismus-Chef Oliver Schwarz. Dazu hat die Region ein stattliches Budget locker gemacht. Das Streckenkonzept wird von der Agentur Trail Solutions erarbeitet, seit letztem Jahr ist Agentur-Chef Georg Grogger am tüfteln. Jüngstes Prunkstück der Region: Die gerade eröffnete Teäre Line, ein sechs Kilometer langer Flowtrail, der in 130 Kehren und Kurven fast 800 Tiefenmeter vernichtet. Die von Freerider Joscha Forstreuter geshapte Teäre Line soll nur der Anfang einer ganzen Phalanx neuer Trails rund um Sölden werden.

Wider dem tierischen Ernst

Doch auch ohne die Teäre Line hat sich Sölden in den letzten Jahren einen guten Ruf unter Mountainbikern erworben. Sicher nicht ganz unbeteiligt daran ist die Singletrail Schnitzeljagd, ein von Mountainbike-Urgestein Holger Meyer und Partnerin Karen Eller entworfener Enduro-Event, der nicht den Kampf um Sekunden, sondern den Spaß im Team in den Vordergrund stellt. Als Holger und Karen 2008 die Schnitzeljagd ins Leben riefen, wollten sie sich bewusst von den üblichen Rennsport-Formaten abgrenzen: Statt bierernstem Wettkampf zählt die maximale Trail- und damit Spaßausbeute.

Trailjagd vor Traumkulisse: Die Ötztal-Trails bieten eine Menge Flow, aber auch reichlich technische Schwierigkeiten.

Über 130 Kurven hat die speziell für Biker angelegte Teäre Line in Sölden.

Hohe Gipfel, steile Abfahrten: Bei der Schnitzeljagd vernichtet man bis zu 4000 Höhenmeter – meist mit herrlichen Ausblicken. 

10:30 Uhr: Le Mans Start an der Gipfelstation des 3058 Meter hohen Gaislachkogel. Der einzige Moment, wo etwas Rennsport-Nervosität aufkommen kann.

Le Mans Start: Bikes und Piloten warten in separaten Arealen auf den Startschuss. 

Nach dem Start: Fast 900 Höhenmeter steilsten Schotter geht es vom Gaislachkogel hinab zur Mittelstation. Wer es knattern lässt, lebt mit der Sturzgefahr. Wer zu viel bremst, steht später im Stau vor den Checkpoints. 

Vor dem Start: An der Talstation der Gaislachgogelbahn werden die Startunterlagen ausgehändigt. Das Benutzen der Bergbahnen ist beim Rennen explizit vorgesehen. Aber: Je weniger Gondelfahrten, desto schneller ist man in der Regel.

Strategie-Meeting: Den Schnitzelpass erhalten die Teilnehmer erst kurz vor dem Rennen. Dann kommt es auf die beste Routenwahl an. Christian Morgenroth und Flo Dumperth (links) gewannen die Männerwertung, Andi Nösel und Mirko Wenzel wurden Zweite bei den Mixed-Teams. 

Technische Herausforderungen

Sportliche Herausforderungen warten auf der Trailjagd gleichwohl: Die schmalen Pfade winden sich oft in engen Kehren an den steilen Hängen der Ötztaler Alpen hinab. Bis zu 1500 Höhen- und 4000 Tiefenmeter waren auch diesmal wieder abzuspulen – je nach Routenwahl. Und hier liegt die Krux: Bei der Singletrail Schnitzeljagd zählen neben gutem Fahrkönnen und starken Beinen auch Ortskenntnis und Orientierung. Zwar entscheidet am Ende die schnellste Gesamtzeit. Voraussetzung, überhaupt im Ranking zu erscheinen, ist aber ein vollständiger Schnitzelpass. Heißt: Rund um Sölden herum sind vier Missionsstationen und sechs Checkpoints verteilt. Jeder Teilnehmer erhält vor dem Start seinen "Schnitzelpass", in dem er die Stempel für alle Checkpoints und Stationen sammeln muss. Eine vorgeschriebene Route gibt es nicht, jedes Team kann sich anhand einer Karte selbst überlegen, wie es die Stationen und Checkpoints am geschicktesten verbindet, auch die Bergbahnen dürfen dazu benutzt werden. An jeder Missionsstation wartet dann eine Aufgabe, die man als Team gemeinsam lösen muss.

Schnitzeljagd-Gründer und Dauermoderator: Holger Meyer veranstaltete 2008 die erste Schnitzeljagd – mit 60 Teilnehmer. Heute begleitet er 300 Piloten durchs Programm. Von morgens 10 Uhr bis abends 10 Uhr sieht man ihn nur selten ohne Mikro. 

Missionsprüfung Reifen-Zielwerfen: Zur Stallwiesalm muss man einen kernigen Schotteranstieg hochkurbeln. 630 Höhenmeter – der einzige nennenstwerte Anstieg bei der Schnitzeljagd. Dennoch sammelt man am Ende bis zu 1400 Höhenmeter. 

Ein bisschen Spaß muss sein: Auf der malerischen Almhütte Gampe Thaya war Trittfrequenz gefragt. Für die Geschicklichkeitsprüfung gab es einen Stempel im Schnitzelpass.

Renn-Stress? Ach wo! Das Gros der Teilnehmer schielt nicht auf die Platzierung. Übergeordnetes Ziel: maximale Trailausbeute, maximaler Spaß. Da gönnt man sich auch mal ein Mittagspäuschen.  

Checkpoint: Orientierung und Ortskenntnis sind wichtiger als Topspeed. Wer die sechs Checkpoints und vier Missionsprüfungen effizient verbindet, kann viel Zeit gut machen.

Trail-Feuerwerk: Wurzeln, Spitzkehren, Felsen, Flowtrail – das Ötztal bietet das ganze Repertoire.

Das Konzept hat sich als Erfolg erwiesen. Gingen im Premierenjahr 2008 rund 60 Fahrer an den Start, war es im achten Jahr eine Frage von wenigen Wochen, bis die rund 300 Startplätze an Zweier- und Dreier-Teams vergeben waren. Diese fanden sich am Samstag um 10:30 Uhr zum spektakulären Le Mans Start auf den 3048 Meter hohen Gaislachkogel ein. In einer wilden Hatz ging es von dort über Schotter bis zur 900 Meter tiefer liegenden Mittelstation – und von hier in das weit verzweigte Trailnetz hoch über Sölden. Nach 2:46 Stunden waren die ersten Schnitzeljäger im Ziel, 6:50 brauchten die Letzten – und hatten am Ende vielleicht sogar den meisten Spaß.

Family Affairs: Vali Höll, Österreichs Downhill-Nachwuchs-Hoffnung, ging im Team mit Vater Walter und BIKE-Chefredakteur Josh Welz an den Start. Die 14-Jährige war jüngste Teilnehmerin. Am Ende reichte es zu Platz drei in der Mixed-Wertung.

Alles gegeben: Flo Dumperth (links) und Christian Morgenroth wollten unbedingt den Vorjahres-Erfolg wiederholen – und kamen 13 Minuten vor den Zweitplatzierten ins Ziel.

2:46 Stunden brauchten die Schnellsten: Also Belohnung gab es für Christian Morgenroth und Flo Dumperth das Goldene Riesenschnitzel.

Themen: ÖtztalSchnitzeljagdSngletrailSölden


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