Roll & Rock Enduro in Schöneck: Ludwigs Diaries #9

  • Christoph Listmann
 • Publiziert vor 6 Jahren

Enduro-Racer Ludwig Döhl hat das Siegen nicht verlernt – auch oder gerade wenn er ohne Streckentraining auf Sicht fahren muss wie beim Roll & Rock-Rennen in Schöneck.

Im ganzen Enduro-Hype trotz ein kleiner Verein im sächsischen Vogtland der Marketingmacht der etablierten Rennserien und bringt mit einem ganz besonderen Format seit drei Jahren etwas Würze in den Wettkampfzirkus. Beim Roll & Rock in Schöneck wird der Wettkampf im Gegensatz zu den üblichen Rennserien auf Sicht, also ohne Streckentraining, bestritten. Dieses Format der Rennfahrerei stellt die Sinne der Fahrer auf eine besondere Probe. Niemand kann hier am Vorabend nochmal die Helmkamera Videos auswendig lernen und Bremspunkte am Bildschirm studieren. Beim Fahren auf Sicht muss man sich vollkommen auf seine Skills verlassen, den Blick weit vorausschweifend in die nächsten Kurven werfen und dem Finger am Bremshebel stets auf Bereitschaft halten.


Wenig Spaß: natürlich bewässerte Strecken bei 15 Grad

Regenschauer pünktlich zum Start sorgen für extreme Streckenbedingungen.


Die extrem abwechslungsreiche Streckenführung reichte von einer reinen PS-Show in der Fußgängerzone von Schöneck, bis zum neurogenen Training mit wenig Muskeleinsatz dafür umso mehr Gefühl an der Skisprungschanze im Klingental. Fünf Wertungsprüfungen und ein Finale in der Bikewelt Schöneck verlangten den Teilnehmern bei schmuddeligen Bedingungen einiges ab. Immer wieder wurden die Strecken bei Temperaturen um die 15 Grad natürlich bewässert um ja nicht zu viel Grip aufzubauen. So verabschiedeten sich auf den fünf Wertungsprüfungen vor dem Finale einige schnelle Fahrer in rutschigen Kurven von ihrer Favoritenrolle und gaben sich voll und ganz dem Studium der Bodenbeschaffenheiten hin.

Vorjahreszweiter Wilfred van der Harted brach sich bei einem missglückten Kurvenmanöver auf Stage zwei den Daumen. Titelverteidiger Petrick Brückner bohrte seinen Oberkörper  auf Stage drei Richtung Erdmittelpunkt und kassierte so einige Bonus-Sekunden auf seinem Transponder. Meine Fahrten verliefen auch nicht immer nach Plan, jedoch blieb ich immer auf dem Bike und fuhr ruhig und unauffällig durch die ersten fünf Stages. Einmal mehr wurde mein gezügeltes Verhalten auf der Rennstrecke mit der vorzeitigen Führung belohnt.

Im Banne der Nacht wird dem Finale entgegengefiebert.


Finale: Die Letzten werden die Ersten sein


Eine weitere Besonderheit beim Rennen in Schöneck ist das Finale, welches als Nachtetappe mit Helmlampe und Flutlicht bestritten wird. Nach den ersten fünf Wertungsprüfungen wird eine Vorläufige Rangliste erstellt und auf den Einbruch der Dunkelheit gewartet. Getreu dem Motto „Die Letzten werden die Ersten sein“ wird also in verkehrter Reihenfolge das Finale mit einer Livezeitmessung bestritten. Beim Überqueren der Ziellinie muss also kein Transponder mehr ausgelesen werden sondern die trotz der Kälte zahlreich erschienenen Zuschauer und Fahrer wissen sofort das Ergebnis und können sich direkt in die Party schmeißen. Da ich aus den letzten beiden Jahren wusste, dass man nie genug Licht an Helm und Lenker montieren kann, habe ich mir drei Scheinwerfer montiert um nichts dem Zufall zu überlassen. Beim Warmfahren holte mich dann der Zufall doch ein. Ein Akku hatte wohl die Sommerpause und den kalten Nachmittag im Auto nicht überstanden und so flimmerten die Lichter leider nicht ganz so hell wie erhofft, aber dennoch ausreichend.


Die Nacht der langen Messer: Drei Sekunden Vorsprung verteidigt

Ludwig voll fokusiert auf dem Weg zum Sieg.

Als ich mich um 22 Uhr nach ausgiebiger Wartezeit als letzter den Bikepark Schöneck hinabstützte um meinen knapp drei sekündigen Vorsprung zu verteidigen, brodelte die Stimmung im Zielbereich bereits. Mit wenig Sicht und noch weniger Grip auf den nassen Wurzel und Wiesen feuerte ich hoch konzentriert die Strecke runter. Im Ziel angekommen sächselte der Sprecher gleich was von Bestzeit und Tagessieger ins Mikrofon, viele Leute jubelten und die Anspannung fiel nach einem langen Tag endlich von mir ab. Zweiter wurde Manuel Schatz vor dem dritt platziertem Daniel van Kossak. Den Feierabend nach getanem Rennen und der Siegerehrung  genossen wir einem wohl verdientem Bier auf der Riders Party.

Ich freue mich jetzt schon wenn der Vogtlandbike e.V. Mitte Oktober zur deutschen Meisterschaft einlädt um auf würdigem Terrain den ersten offiziellen deutschen Meister des BDR zu küren.

Ride on,

Ludwig

Gehört zur Artikelstrecke:

Ludwigs Enduro Diaries: Tagebuch aus der Enduro-Rennszene


  • Ludwig Döhls Enduro-Race-Blog
    Ludwigs Enduro Diaries: Blog aus der Enduro-Rennszene

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  • Specialized-Sram Enduro Series 2014: Ludwigs Diaries #1

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  • Specialized-Sram Enduro Series 2014: Ludwigs Diaries #2

    09.05.2014

  • Specialized-Sram Enduro Series 2014: Ludwigs Diaries #3

    27.05.2014

  • Enduro World Series 2014: Ludwigs Diaries #4

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  • SS Enduro Series Willingen: Ludwigs Diaries #5

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  • Roll & Rock Enduro in Schöneck: Ludwigs Diaries #9

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Themen: DöhlEnduroLudwigs DiariesRace-BlogRennenRock & Roll SchöneckTagebuch


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