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Robert-Mennen-Blog: Marathon-EM 2015 Singen

Mennen berichtet: Holzmedaille bei Marathon-EM

  • Robert Mennen
 • Publiziert vor 6 Jahren

Robert Mennen war topfit und startete voller Selbstvertrauen in die Marathon-EM in Singen. Der Topeak-Ergon-Fahrer wusste, was er drauf hatte – und dass man Kulhavy nicht davonfahren lassen sollte.

Um die Europameisterschaft habe ich mir einen roten Kreis im Kalender gemacht. Als es im Winter um die Saisonplanung ging, habe ich mir die EM als Highlight rausgesucht und wollte in absoluter Top-Form am Start stehen. Deshalb habe ich als Vorbereitung auf die EM erstmals ein Höhentrainingslager absolviert. Gar nicht so einfach, im April einen geeigneten Ort in der Höhe zu finden, der in den Alpen liegt, schneefrei ist und dazu auch noch offene Hotels hat. Meine Wahl viel auf Livigno in Italien. Abseits der Straße wird noch Ski gefahren, während ich meine Kilometer auf der Straße sammle. Hoffentlich geht das mit den Sommerreifen auf dem Auto gut. Der berühmte Passo del Mortirolo ist auch noch gesperrt. Glück habe ich, richtiges Glück, denn von Regen oder Schnee bleibe ich weitestgehend verschont. Einen Tag nach meiner Abreise fällt ordentlich Schnee.

Zur EM rücke ich mit ordentlich Gepäck an: Herdplatte, elektrische Pfanne, Lebensmittel, normales Gepäck, drei Räder, Ersatzlaufräder, ... Eins der Räder wandert in Peters Hände. Es braucht einen Service. Zum ersten Mal in diesem Jahr bin ich auf dem Canyon-Hardtail unterwegs. Schade, wo mir das Lux so viel Freude bereitet. Aber auf der Strecke macht ein Fullsuspension-Bike für mich keinen Sinn. Ich probiere sogar hinten den Continental Speed King, einen Semi-Slick-Reifen. Auf den Wiesenabfahrten bei 65 km/h lässt seine Brems-Performance aber stark zu wünschen übrig, und in den Schotterkurven fühle ich mich unsicher. Wird mich mein Hinterrad beim Bremsen überholen – wo ist das Limit? Ich gehe kein Risiko ein und nehme den gewohnten Race King, dessen Rollwiderstand eh schon Klasse ist.

Heribert Mennen Zum ersten Mal in diesem Jahr auf dem Hardtail unterwegs: Robert Mennen bei der Marathon-EM in Singen.

Mit viel Selbstvertrauen ins EM-Rennwochenende

Trotz meiner Ambitionen bin ich überhaupt nicht nervös. Die letzten Rennen haben mir Selbstvertrauen gegeben; jetzt kann ich nur noch hoffen. Samstagmorgen schaut der Platz vor der Stadtverwaltung noch leer aus, mittags hat das Skyder-Organisationsteam ganze Arbeit geleistet: Zielbogen, Absperrungen, Tische, Bänke, Getränkewagen, Esswagen, etc. ...

Nichts will ich dem Zufall überlassen, daher koche ich am Tag vorm Rennen lieber selber. Bloß nichts anbrennen lassen – ob sonst wohl der Feuermelder anschlägt? Es ist immer wieder schön, auf dem Zimmerboden zu kochen! Die anderen vom Team sind auch gesplittet. Alban Lakata und Sally Bigham essen im mehrfach getesteten Restaurant (wo ich mich nach meinem Essen auch noch dazugeselle), Kristian Hynek ist zusammen mit anderen tschechischen Fahrern woanders, und unsere Betreuer grillen am Team-Stand.

Der Renntag fängt entspannt an. Ohne Wecker stehe ich um 7 Uhr auf. So lange kann man nicht oft bei Marathons ausschlafen. Gegen 9 Uhr höre ich ein Summen aus dem Nachbarzimmer. Eine Dame scheint sich wohl auf ihrer Rolle im Zimmer warmzufahren.

Sportograf Jetzt die Holzmedaille schnell abhaken und auf das nächste Renn-Highlight konzentrieren.

Wenn die Team-Strategie im Weg steht

Der Startschuss fällt. Hektisch geht es los. Auf einem der wenigen, kurzen Singletrails nach zehn Kilometern passiert es: Ein Fahrer kommt auf dem schlammigen Boden im Anstieg zu Fall. Alban hängt genauso wie ich fest, während vorne Kulhavy, Kristian und Weber entfliehen. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Eine rennentscheidende Situation. Jeder weiß, dass mit Kulhavy auf dieser Strecke nicht zu spaßen ist. Wenn der Tscheche in der Ebene Gas gibt, müssen hinten alle an einem Strang ziehen.

Uns sind nun aus taktischen Gründen wegen Kristian die Hände gebunden. Wenn wir nun mit Vollgas auf die Verfolgung der Führungsgruppe gehen würden, könnten unsere Konkurrenten im Windschatten mitziehen. Also erst mal abwarten. Von den anderen will auch keiner wirklich Führungsarbeit leisten. Zumindest lassen wir den Abstand nicht ins Unendliche wachsen. Kristian fällt später aufgrund technischer Probleme zurück. Für uns heißt das: Feuer frei. Aber der Zug ist abgefahren. Uns bleibt nur noch der Kampf um Bronze und die Hoffnung, dass den beiden da vorne überraschenderweise doch noch die Puste ausgeht.

Doch sie ziehen durch. Am letzten steileren Anstieg dreht Alban den Gashahn auf. Attacke! Ich kann mein Tempo nicht steigern und sehe mich schon als Verlierer unserer zum Schluss auf vier Mann dezimierten Gruppe. Als es wieder flacher wird, wittere ich jedoch meine Chance. Während die anderen zwei für ihren Versuch, Alban zu folgen, bezahlen, kann ich mich an ihnen vorbei und auf Albans Verfolgung machen. Da fährt Bronze, keine zehn Sekunden vor mir. Ich weiß, jetzt noch mal alles geben, gleich ist es vorbei. Doch es nützt nichts, Alban kann mich auf Distanz halten. Holzmedaille!

Sportograf Das Herren-Podium: Robert Mennen steht als Vierter ganz links, auf dem Treppchen Sascha Weber, Sieger Jaroslav Kulhavy und Alban Lakata (von links).

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