Nino Schurter gewinnt Gold – Fumic mit Kettenriss Nino Schurter gewinnt Gold – Fumic mit Kettenriss Nino Schurter gewinnt Gold – Fumic mit Kettenriss

Rio 2016: Rennbericht Herren

Nino Schurter gewinnt Gold – Fumic mit Kettenriss

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 5 Jahren

Das Olympia-Rennen von Rio war eine Revanche für London: Nino Schurter (SUI) hat den Tschechen Jaroslav Kulhavy bezwungen und Gold geholt. Manuel Fumic im Pech: Er hat einen Kettenriss und wird 13.

EGO-Promotion,Armin M. Küstenbrück Die kurze Einführungsrunde war bei den Herren deutlich langsamer und härter für die Fahrer als bei den Damen, denn der sandige Untergrund war weich und tief.

Der Schweizer Weltmeister Nino Schurter hat sich für London 2012 – die bitterste Niederlage seiner Karriere, wie er selbst sagt – revanchiert und in Rio 2016 Gold geholt. Auf der nassen und teilweise rutschigen Strecke war es aber wieder Jaroslav Kulhavy (CZE), der sich mit Schurter ein spannendes Duell lieferte. Doch diesmal zog der großgewachsene Specialized-Pilot den Kürzeren, denn Schurter fuhr ein taktisch sehr kluges Rennen und ließ den Tschechen viel Führungsarbeit machen. Anders als in London, wo Schurter das Rennen zu kontrollieren versucht hatte und am Ende übersprintet wurde. In der vorletzten Runde griff Schurter dann gezielt an der steilsten Stelle des Kurses an und distanzierte Kulhavy, der am Ende mit 50 Sekunden Rückstand ins Ziel kam. Eine kurze Schrecksekunden hatte Schurter auch. Direkt nach seiner Attacke rutschte er in einer schmierigen Abfahrt kurz weg, setzte den rechten Fuß und konnte einen Sturz verhindern. „Ein Traum wurde wahr, ich kann es nicht glauben! Ich habe vier Jahre für diese Goldmedaille hart gearbeitet. Wenn ich zurückblicke, dann habe ich die Silbermedaille in London wahrscheinlich gebraucht, um hier zurückzukommen und so stark zu sein", sagte Schurter, der damit seine olympische Medaillensammlung komplettiert hat. Schurter holte Bronze in Peking, Silber in London und in Rio 2016 nun Gold.

EGO-Promotion,Armin M. Küstenbrück Schurter mit Kulhavy an seinem Hinterrad. Doch das Bild täuscht, denn Schurter ließ den Tschechen viel Führungsarbeit machen, ehe er in der vorletzten Runde seine Attacke setzte.

Stefan Loibl Anfangs der dritten Runde war Schurter zusammen mit Coloma vorne. Der Schweizer blickt sich um, weil von hinten Kulhavy zu den beiden aufschließen will.

Jaroslav Kulhavy dagegen akzeptiert, dass er heute seinen Meister in Schurter gefunden hat: „Obwohl ich mit Nino wieder an der Spitze war, war es ein anderes Rennen wie in London. Ich freue mich für uns zwei. Nino ist einfach der stärkste Fahrer dieses Jahr. Für mich war es ein sehr hartes Rennen, ich habe alles gegeben. Nach meiner Verletzung in dieser Saison bin ich sehr glücklich mit Silber.“

Die Bronzemedaille ging überraschend an Spanien: Carlos Coloma Nicolas fuhr lange Zeit gemeinsam mit dem Franzosen Maxime Marotte, konnte diesen aber im langen Anstieg der letzten Runde abschütteln und einen Vorsprung von zehn Sekunden ins Ziel retten (+ 1:23 Minuten). Der 34-Jährige war in London 2012 bereits Sechster gewesen. „Ich bin sehr glücklich, dass ich eine Medaille geholt habe, da ich wusste, dass es kompliziert wird und das Level sehr hoch ist in diesem Rennen. Es ist, als würde ein Traum wahr werden. Obwohl ich wusste, dass ich es drauf habe. Ich bin richtig stolz, nicht nur auf meine Leistung, sondern für ganz Spanien", sagte Carlos Coloma hinterher.

Stefan Loibl Carlos Coloma holt mit seiner Bronzmedaille das zweite Edelmetall für Spanien im Mountainbiken. 2004 hatte José Hermida Silber in Athen gewonnen.

EGO-Promotion,Armin M. Küstenbrück Bei den Herren sind alle Medaillengewinner jeseits der 30: Kulhavy mit Silber ist 31 Jahre, Goldjunge Schurter 30 Jahre alt und der Spanier Coloma mit 34 Jahren der älteste auf dem Podest.

Fumic mit Kettenriss in der ersten Runde

Manuel Fumic kam in der Einführungsrunde gut weg, doch dann hatte der Deutsche wieder einmal Pech. Ihm riss die Kette in der ersten Hälfte der ersten Runde. „Ich habe keinen Schaltfehler gemacht, hatte den richtigen Gang drin. Dann habe ich einmal draufgetreten und es hat Peng gemacht", sagte Fumic, der aber von dort zum Glück nicht weit zur Tech Zone hatte. Trotzdem warf ihn der Kettenriss auf Platz 44 zurück und er fand sich am Ende des Feldes wieder. Mit ordentlich Wut im Bauch kämpfte sich der 34-Jährige durchs Feld nach vorne. Am Ende wurde es ein 13. Platz mit 4:11 Minuten Rückstand auf den Sieger. Nicht das, was sich Fumic vorgenommen hatte, aber mit seiner Leistung war er zufrieden: „Die Beine waren da. Ich habe alles gegeben. Ich habe mehr Körner gelassen beim Überholen als die Jungs vorne, die sauber ihre Linie fahren konnten. Aber mehr wie Platz 13 war eben heute nicht drin." Eine Saison zum Abhaken für Fumic, die er eigentlich mit einem guten Resultat bei Olympia retten wollte.

EGO-Promotion,Armin M. Küstenbrück Manuel Fumic vor seinem Kettenriss, da lag er noch voll auf Kurs.

EGO-Promotion,Armin M. Küstenbrück In dieser technischen Uphill-Passage riss Fumic in der ersten Runde die Kette.

EGO-Promotion,Armin M. Küstenbrück Platz 13, nicht das Ergebnis, dass sich Fumic vorgestellt hatte und das mit seiner Leistung eigentlich drin war.

Für Moritz Milatz, den zweiten Deutschen im MTB-Rennen der Herren, sprang bei seiner dritten Olympia-Teilnahme ein 28. Platz heraus. Auch nicht das, was sich der Deutsche Vize-Meister erwartet hatte, zumal er für seine Verhältnisse einen sehr guten Start erwischte. Milatz lag bis zur Hälfte des Rennens auf einem guten 17. Rang. "Bis es einen Schlag tat, von einer Sekunde auf die andere", wie der Freiburger selbst sagt. Ab diesem Zeitpunkt brachte Milatz nicht mehr die Leistung aufs Pedal, die er gewohnt ist zu treten. „Normal bin ich einer, der hinten raus eher aufholt. Aber es hat einfach nicht gepasst heute. Ich konnte einfach nicht die Reserven aufbauen, die ich in der zweiten Hälfte gebraucht hätte", sagte Milatz hinterher. Die Folge: Der Kreidler-Pilot wurde nach hinten durchgereicht. Aber er kämpfte bis zum Schluss und hat bis zur Ziellinie alles gegeben. Die Gründe sieht Milatz in der schwierigen Woche: "Am Dienstag die Magen- und Rückenprobleme, da bin ich nur im Bett gelegen, habe mich schlecht gefühlt. Mittwoch war wieder ganz ok und dann Donnerstag der Sturz und Freitag habe ich den ganzen Tag mit Röntgen und so verbracht. Ich bin froh, dass ich starten konnte, trotz der ganzen Umstände."

EGO-Promotion,Armin M. Küstenbrück Kämpfte sich zwischenzeitlich auf Platz 17 nach vorne: Moritz Milatz. Am rechten Knie sind die Folgen seinen Trainingssturzes vom Donnerstag zu sehen.

EGO-Promotion,Armin M. Küstenbrück Abgekämpft erreichte Milatz nach sieben harten Runden als 28. das Ziel bei Olympia in Rio.

Stefan Loibl Die Ergebnisse vom olympischen MTB-Rennen von Rio 2016 im Überblick.

Stefan Loibl Peter Sagan ist direkt nach dem Start nach vorne geschossen wie in einem Sprintfinale bei der Tour de France. Dann bremsten den Straßen-Weltmeister aber zwei Platten aus. Am Ende wurde er nur 35.

Julien Absalon beendet seine vierten Spiele auf Platz acht

Eigentlich hatten ja viele keinen Zwei-, sondern einen Dreikampf um den Sieg erwartet. Doch der zweifache Olympiasieger Julien Absalon, der den letzten Worldcup in Mont-Sainte-Anne gewonnen hatte, konnte diesmal nicht in den Kampf um die Medaillen eingreifen. Der 36-jährige Weltranglistenführende hielt sich nach dem Start erst einmal zurück, aber so kennt man das von ihm ja. In der zweiten Runde machte sich der Franzose dann auf den Weg nach vorne, doch bei Platz acht war Schluss. „Meine Beine waren nicht wirklich gut. Ich habe den Start verschlafen, der war wirklich schlecht heute. Danach war ich nicht in der Lage, Gas zu geben. Ich habe heute sehr gelitten. Mehr war heute nicht drin“, sagte Absalon. Dabei hatte Absalon im Training sichtlich Spaß gehabt auf der Strecke mit seinem BMC-Fully, was er auch bestätigte: „Gestern und am Freitag war alles perfekt gelaufen, deshalb kann ich mir das nicht erklären.“ Aber der Franzose, der mit Pauline Prevot-Ferrand liiert ist, hat in seiner Karriere schon so viel gewonnen, dass er nach dem achten Platz in seinem vierten olympischen MTB-Rennen im Ziel lachend sagt: „Aber ok. Ich war vier Mal bei Olympia dabei und habe zwei Mal gewonnen, also 50 Prozent. Da kann ich nicht meckern.“

Stefan Loibl Doppel-Olympiasieger Julien Absalon schaut sich die Medaillen-Zeremonie an. Rio waren seine letzten Olympischen Spiele. Aber der Franzose blieb hinter seinen Erwartungen. Er wurde Achter.

Themen: Cross CountryOlympia-MTB-RioRennen


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