Sabine Spitz: „Ich bin froh, dass ich gestartet bin.“ Sabine Spitz: „Ich bin froh, dass ich gestartet bin.“ Sabine Spitz: „Ich bin froh, dass ich gestartet bin.“

Rio 2016: Interview Sabine Spitz

Sabine Spitz: „Ich bin froh, dass ich gestartet bin.“

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 4 Jahren

Nach dem Drama um Sabine Spitz mit ihrem lädierten Knie stand die deutsche Vorzeige-Mountainbikerin nun doch am Start. Das sagte Spitz im Ziel zu ihrem 19. Platz und ihrem letzten großen Rennen.

Die Saison 2016 sollte die herausragende Karriere von Sabine Spitz würdig abschließen. Am besten mit einer weiteren Medaille bei einem der beiden großen Rennen. Doch es kam alles anders. Stattdessen wurde es ein verflixtes Abschiedsjahr mit viel Verletzungspech. Bereits im Frühjahr, kurz vor ihrem Heimrennen in Bad Säckingen, hatte sich Spitz das Kreuzband gerissen. Sie entschied sich, das linke Knie nicht operieren zu lassen, sondern setzte auf eine konservative Behandlung und kräftigte das verletzte Knie.

Es folgten ein achter Rang beim Bundesliga-Auftakt und ein fünfter Platz beim Worldcup-Auftakt in Cairns und der vierte Rang beim Heim-Worlcup in Albstadt. Bei der WM in Nove Mesto kam dann viel Pech dazu: Auf dem dritten Platz liegend holte sich Spitz in der letzten Runde einen Platten am Hinterrad und verlor dadurch die Bronzemedaille.

Mit den technischen Passagen kam Spitz trotz Minimaltraining gut zurecht.

Kurz darauf holte Spitz in ihrer Abschiedssaison dann zum 13. Mal den Deutschen Meistertitel im Cross Country. Beim Training für den Worldcup in Mont-Sainte-Anne stürzte Spitz dann gut zwei Wochen vor Olympia und zog sich eine tiefe Schnittwunde im linken Knie zu. Laut Trainer und Ehemann Ralf Schäuble war Spitz mit dem Lenker an einem Baum hängen geblieben. „Eigentlich ein harmloser Sturz, wie er beim Mountainbiken immer wieder vorkommt“, sagte Schäuble.

Beim Worldcup-Rennen in Mont-Sainte-Anne hatte Spitz damit auch keine Probleme. Erst beim Training in der Folgewoche verschlechterte sich der Zustand plötzlich rapide. Spitz und Schäuble beschlossen, am 12. August direkt ins Olympische Dorf zu reisen, um das stark geschwollene Knie von den deutschen Ärzten behandeln zu lassen. Direkt nach der ersten Untersuchung wurde Spitz dort sofort operiert. Etwa vier Quadratzentimeter abgestorbenes Gewebe mussten entfernt werden. Die Wunde wurde genäht.

Um die relativ frische Wundnaht zu entlasten, war das linke Knie von Spitz wieder mit Kinesio-Tape abgeklebt.

Das erste Training verpasste Spitz, erst zwei Tage vor dem Rennen konnte sie kurz die wichtigsten Passagen abfahren. Doch am Donnerstag sahen sich die Ärzte das Knie noch einmal an und wollten Spitz erneut operieren. Damit hätte Spitz ihren fünften Start bei Olympia abschreiben können. Spitz und Schäuble haben sich dann auf eigenes Risiko über die Empfehlung der Ärzte hinweggesetzt. So konnte Spitz nun am Ende doch am Start stehen. Doch man merkte ihr das fehlende Training und die ausgefallene Vorbelastung an. Aber sie fuhr das Rennen in Rio zu Ende und sagte hinterher:

„Es wäre utopisch gewesen, bei der Vorgeschichte noch an eine Medaille zu denken!“


Wann fiel die entgültige Entscheidung, an den Start zu gehen?
Sabine Spitz: Selbst gestern morgen war es noch kippelig, ob’s klappt oder nicht. Ralf und ich haben dann einfach gesagt, dass wir es probieren. Wenn es nicht gegangen wäre, wäre ich während des Rennens ausgestiegen.


Aber der Rat der Ärzte war ein anderer, oder?
Letztendlich müssen sich Ärzte immer absichern. Ich musste daher unterschreiben, dass ich das Risiko selbst trage, weil ich entgegen der Empfehlungen der Ärzte starte. Aber wenn man hier die Strecke sieht, muss man als Mountainbiker ja auch eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen. Außerdem ist es ja so: Wenn man fünf Ärzte fragt, bekommt man fünf unterschiedliche Meinungen. Letztendlich musste ich es selbst abwägen. Aber ich habe mit meinem Osteopathen einen sehr guten Berater an der Hand, der mich seid Sydney, also sprich seit 16 Jahren kennt, der meinen Körper kennt und der es sehr, sehr gut einschätzen kann, inwieweit man das vertreten kann oder eben nicht.


Wie wichtig war es für Dich, an den Start zu gehen?
Ich bin froh, dass ich gestartet bin. Mir hat es sehr viel bedeutet, dieses Rennen zu fahren. Denn nur so war es eine olympische Teilnahme.


Wie lief das Rennen?
​Ich habe nur von Runde zu Runde gedacht und versucht, meinen Rhythmus zu fahren. Es hat geklappt, ich bin ins Ziel gekommen und habe Spaß gehabt. Die Medaille war längst abgehakt. Ein versöhnlicher Abschluss.


Aber hast du insgeheim noch auf eine Medaillenchance gehofft?
Da muss man ganz klar sagen, dass ich seit dem 12. August kein Training absolviert habe. Nur Reha, Kühlen, Bein hochlagern und ein bisschen mit Elektrostimulation versucht, die Muskeln zu erhalten. Aber an Ausdauertraining, geschweige denn Intensitätstraining war überhaupt nicht zu denken. Es wäre verwegen gewesen, die Hoffnung zu haben, unter diesen Voraussetzungen um eine Medaille zu fahren. Dafür ist die Weltspitze zu breit, zumal die anderen seit Mont-Sainte-Anne ihr Training ganz regulär bestreiten konnten. Da muss man schon realistisch bleiben.


Hat Dich das Knie im Rennen behindert? Hattest du Schmerzen?
Das Knie hat gut gehalten, ich hatte keine Probleme. Mir haben jetzt einfach die acht, neun Tage Training gefehlt. Ich war ja nur am Donnerstag für eine Runde auf der Strecke. Im Vorfeld hatte ich moniert, dass wir zu wenig Trainingszeiten auf dem Kurs haben. Jetzt war ich in der ganzen Zeit nur einmal auf dem Kurs (lacht). Ich kann daher zufrieden sein, wie ich mit den technischen Anforderungen zurecht gekommen bin.


Du bist es gewohnt, vorne um den Sieg zu kämpfen. Mit welcher Einstellung bist du dann diesmal ins Rennen gegangen?
Ich habe mir gesagt: Es ist klar, dass nach vorne nichts geht, dann genieße ich es eben. Die Strecke macht ja Spaß. Sie ist zwar anspruchsvoll, aber hat auch ihren Spaßfaktor.


Wärst du so auch gestartet, wenn es nicht Olympia gewesen wäre?
(lacht) Ich wäre sicherlich beim Schwarzwälder Tälercup an den Start gegangen.

Nach dem Rennen ging es für Sabine Spitz zurück ins Olympische Dorf und dort direkt zur Untersuchung in die Hände der Ärzte. Der Rückflug nach Deutschland ist für Montag geplant.

Sabine Spitz handelte sich am Ende neun Minuten Rückstand ein, aber beendete ihr fünftes Olympia-Rennen in Rio.

Themen: Cross CountryDamenInterviewOlympia-MTB-RioRennenSabine Spitz


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