Rio 2016: 2. Training auf der MTB-Strecke

Sabine Spitz: Das Knie hält!

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 4 Jahren

Endlich gute Nachrichten von Sabine Spitz: Die deutsche Medaillen-Hoffnung konnte heute erstmals auf der MTB-Strecke trainieren. Ob sie am Samstag starten kann, entscheidet sich morgen.

Ein Lichtblick für Sabine Spitz . Heute konnte Deutschlands Medaillenhoffnung erstmals auf der MTB-Strecke in Deodoro trainieren. Mit schwarzem Kinesio-Tape und einem Knieling schützte sie das linke Knie, als sie heute gegen 11:30 Uhrzeit mit Trainer Ralf Schäuble auf die Strecke ging. Das war gestern noch nicht so vorherzusehen. Tags zuvor kurbelte Spitz noch einbeinig auf der Rolle auf dem Balkon ihres Zimmers im Olympischen Dorf. Aber die Entzündungparameter (vor allem der CRP-Wert) im Blut waren bei der letzten Laboruntersuchung deutlich zurückgegangen.

Zusammen mit BDR-Technik-Trainer René Schmidt schaute sich Spitz die technischen Abfahrten und Rockgarden-Passagen an. Hinterher war sie zufrieden, auch Schmidt lobte die 44-Jährige. Nur den Sprung an einer der höchsten Stellen des Kurses hatten sie aufgrund des starken Windes ausgelassen. Genau die starken Böen, die heute über den Grat bliesen, wurden nämlich einigen Fahrern zum Verhängnis. So wurde das Leichtgewicht Irina Kalentjeva regelrecht weggeblasen und stürzte. Auch Moritz Milatz erwischte eine Windböe und holte sich einen Schnitt am Knie, leichte Prellungen und ein paar Schürfwunden. Spitz zeigte sich nach dem Training zuversichtlich: „Wir haben uns heute auf der Strecke eher aufs Technische konzentriert. Morgen will ich sicher nochmal auf die Strecke und meine Vorbelastung fahren. Rein vom Physischen her sollte es kein Problem sein, am Samstag an den Start zu gehen.“

Am zweiten Trainingstag in Deodoro war es nicht mehr so heiß wie gestern, dafür machte der böige Wind einigen Fahrern Probleme.

Nach dem Training auf der Olympia-Strecke kühlte Spitz ihr linkes Knie sofort wieder. 

„Noch nicht 100-prozentig entschieden“

Trotzdem ist noch nicht gesichert, ob Spitz am Samstag bei ihren fünften Olympischen Spielen an den Start gehen kann. Denn das Feedback der Ärzte müsse man noch abwarten. Dazu wird es am Donnerstagabend nochmal einen Laborwert geben. „Danach eventuell eine Diskussion, je nachdem wie die Werte ausfallen. Letztendlich muss ich vielleicht auch auf eigenes Risiko den Start erwirken. Denn ich bin fokussiert auf den Start, dafür habe ich ein Jahr lang hart gearbeitet“, sagt Spitz.

Sieben Tage konnte Sabine Spitz nun nicht nach Plan trainieren. Schmerzen hatte sie zwar auch in den vergangenen Tagen keine. Limitierend war aber, dass sich durch die Entzündung viel Wasser und Eiweiß im Knie eingelagert hatte und es deshalb sehr geschwollen war. „Dem haben wir durch Lymphdrainagen und mit radikaler Osteo-Therapie entgegengewirkt", erzählt Spitz. Spitz ist eine Kämpferin, zudem sehr erfahren und kennt ihren Körper sehr genau. Dementsprechend hat Spitz in den letzten Tagen im Olympischen Dorf alle Möglichkeiten genutzt. Zwei verschiedene Antibiotika habe sie genommen und das Knie viel gekühlt. Zwischendurch Krafttraining, auch mit Elektro-Muskelstimulation hat Spitz gearbeitet, um einen Muskelreiz zu setzen. Dazu hat sie allgemeine Kräftigungsübungen gemacht und ist gestern noch einbeinig auf der Rolle gefahren. „Ich habe nie den Fokus außer Augen verloren, dass es doch noch klappt, am Samstag zu starten. Das war wichtig", erklärt Spitz.

Aber schlecht geschlafen und sich Gedanken gemacht, ob es letztendlich klappt, hat sich die 44-Jährige schon. Und die zwei Physiotherapie-Einheiten pro Tag waren keine Streicheleinheiten, wie sie betont. „Zwischendurch dachte ich, ok, so müssen sich also Wehen anfühlen.“ Muss das jetzt sein? Hätten wir lieber den Worldcup in Mont-Sainte-Anne doch lieber ausgelassen. Hätte, wäre, wenn – aber an der aktuellen Situation lasse sich nunmal nichts ändern.

Doch ein kleines Drama ist die Sache mit Spitz' Knie schon. Statt sich mit der deutschen Mannschaft ruhig und konzentriert in der Nähe von Petropolis auf das wichtigste Rennen des Jahres vorzubereiten, musste sich Spitz einer Knie-Operation unterziehen, die von den deutschen Ärzten im Olympischen Dorf durchgeführt wurde. Gesehen vom Olympischen Dorf hat sie in den Tagen danach aber nicht viel. Es ging mit dem Shuttle zur Mensa und wieder zurück zum deutschen Block. „Meine Tage waren gut ausgefüllt, langweilig war es mir nie", sagt Spitz.

Bereits zum fünften Mal heftet sich Sabine Spitz eine olympische Startnummer an den Lenker. Drei Mal holte sie sich eine Medaille. 

Clavicula-Kurbel, Carbon-Laufräder und Anbauteile von Tune und Schmolke: das Olympia-Bike von Sabine Spitz.

Nun hoffen alle, dass es mit dem Start am Samstag doch noch klappt. Denn das Olympia-Rennen in Rio sollte der letzte Höhepunkt in ihrer hochdekorierten Karriere werden. Denn zum Ende der Saison hat Spitz ihren Rücktritt im Cross Country erklärt. Und die größte – einzig realistische – deutsche Medaillen-Hoffnung ist Spitz im Mountainbike-Lager auch. Zumal ihr der künstliche Kurs von Rio gut liegt.

Schlagwörter: Cross Country Olympia-MTB-Rio Sabine Spitz Training


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