Rio 2016: 1. Training auf der MTB-Strecke

Training: Beschnuppern, Stürze & eine GoPro-Fahrt

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 4 Jahren

Heute durften die Mountainbiker erstmals auf den MTB-Kurs in Deodoro. Wir waren bei Moritz Milatz und Manuel Fumic dabei, haben Peter Sagan seine Runden drehen sehen und vor allem eins: geschwitzt.

Mann, war das heiß heute auf der MTB-Strecke in Deodoro. Obwohl in Brasilien gerade Winter ist und die Einheimischen bei lauschigen 20 Grad abends bereits die Isolationsjacken überziehen, kletterte das Thermometer heute bis auf 34 Grad. Staubig, schnell und in bestem Zustand präsentierte sich der künstlich angelegte, 4,85 Kilometer lange Kurs in Deodoro, das knapp 40 Kilometer von der Copacabana entfernt liegt. Ab 10 Uhr durften die Damen ihr Training starten, danach folgte eine gemischte Session, ehe die Herren ab 13:30 Uhr die Strecke für 1,5 Stunden fürs sich alleine beanspruchten.

Die olympische MTB-Strecke vom höchsten Punkt aus gesehen.

Im Vergleich zum Testrennen im Herbst 2015 haben die Streckenbauer nur Nuancen verändert. Hier einen Rockgarden ein wenig umgestaltet, dort eine Kurve mehr in den Anstieg geschaufelt. Nur ein flacherer Rockgarden kurz vor dem Ziel ist komplett neu dazugekommen. So drehten die Athleten fleißig Runde für Runde, um sich Linien einzuprägen und den Körper auf die Belastungen einzustimmen. Passen mussten Sabine Spitz und Jenny Rissveds. Der deutschen Medaillenhoffnung macht noch immer ihr Knie zu schaffen. „Es wird zwar jeden Tag besser, aber es dauert einfach. Heute wurde Sabine nochmal Blut abgenommen, morgen wird sie nochmal gründlich untersucht", sagte Lebensgefährte und Trainer Ralf Schäuble. Ein Start am Samstag beim Rennen ist leider immer noch nicht sicher. Allerdings läuft der 44-Jährigen langsam die Zeit davon. Dass sie am Donnerstag trainiert, ist sehr unwahrscheinlich. Dann bleibt ihr nur noch der Freitag, um sich die Strecke anzusehen. BDR-Technik-Trainer René Schmidt montierte sich für eine Runde die GoPro an den Lenker, um Spitz wenigstens ein Video von der Strecke zu liefern. Jenny Rissveds hingegen stürzte am Mittwoch etwas heftiger und war heute beim Training nicht auf der Strecke.

BDR-Technik-Trainer René Schmidt justiert die GoPro. Die aufgezeichnete Runde kann sich Sabine Spitz dann am Laptop anschauen.

Heiße Angelegenheit: das erste Training in Deodoro fand bei 34 Grad statt.

Milatz greift zum Hardtail, Fumic fährt Fully

Das deutsche Trio um Helen Grobert, Moritz Milatz und Manuel Fumic drehte die ersten Runden mit Technik-Trainer René Schmidt. Nach dem Training zeigten sich alle zufrieden. Moritz Milatz drehte fünf Runden, zwei davon zügig – eine mit dem Hardtail und eine mit seinem neuen Kreidler-Fully. Das Ergebnis des Freiburgers: Zeit und Puls waren mit beiden Bikes fast identisch, aber auf dem Hardtail hatte er das bessere Gefühl. Deshalb wird Milatz am Sonntag mit dem ein Kilo leichteren Hardtail starten. „In den Rockgardens muss man die Linie treffen. Wenn man einen Stein erwischt, holt man sich schnell einen Platten", so Milatz beim Ausfahren auf der Rolle. Seine Taktik für Sonntag ist simpel: „Da ich im hinteren Drittel starte, muss ich von Beginn an Vollgas losfahren. Da gibt's kein großes Taktieren“, so der 34-Jährige. Milatz will am Donnerstag nochmal ordentlich auf der Strecke trainieren, dann Freitag die Beine hochlegen.

Moritz Milatz fuhr fünf Runden im Training, davon zwei zügige.

Milatz im längsten Anstieg der gesamten Runde

Hardtail oder…

…Fully? Milatz hat beides getestet und sich fürs ein Kilo leichtere Hardtail entschieden.

Milatz beim Ausfahren auf der Rolle. Hinten die Ersatzbikes von Fumic (grünes Cannondale Scalpe-Si) und Grobert (Ghost Lector).

Anders geht es Manuel Fumic an. Die Frage nach dem Bike stellt sich bei ihm nicht, da er nur zwei Fullys dabei hat. Fumic ist acht Runden gefahren, ein „normaler Trainingstag, das wollte ich so“, wie er sagt. Die Strecke taugt ihm: „Ich glaube es gibt niemandem, dem sie nicht gefällt. Daumen hoch! Es ist ein sehr fairer Kurs, der Spaß macht, aber fordernd ist.“ Allerdings gebe es keinen natürlichen Rhythmus. Er rechnet damit, dass es am Sonntag ein sehr taktisches Rennen wird, in dem sich kleine Gruppen bilden werden, zwischen denen man hin- und herspringen kann. „Auch mit einem größeren Rückstand von 30 bis 45 Sekunden in der ersten Hälfte des Rennens ist noch nichts verloren. Teilweise ist die Strecke auch windanfällig“, erklärt Fumic. Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen wird Fumic am Donnerstag nur auf der Rolle fahren und erst am Samstagvormittag nochmal auf der Strecke trainieren.

Mani beim Ausfahren nach acht Runden auf dem Kurs

Peter Sagan stürzt am Ende

Über den Start von Straßen-Weltmeister Peter Sagan freut sich Fumic. Es zeige erstens, dass Sagan echter Mountainbiker ist und zweitens wertet er das Rennen auf. Aber mit den vorderen Plätzen werde der Slowake nichts zu tun haben. Das sieht auf Weltmeister Nino Schurter so, der ihm maximal eine Top 10-Platzierung zutraut. Sagan drehte heute Runde um Runde, erst am Hinterrad von Specialized-Teamkollege Jaroslav Kulhavy, dann folgte er eine Runde Julien Absalon. Sagan nutzte die Zeit, um sich an sein Specialized Epic zu gewöhnen und den Kurs besser kennenzulernen. Denn im Testrennen 2015 stand er nicht am Start. Gegen Ende des Trainings ging Sagan dann noch über den Lenker. Aber es scheint so, als wäre nichts Schlimmeres passiert.

Peter Sagan suchte sich schnelle Hinterräder beim Training. Erst folgte er Jaroslav Kulhavy, dann für eine Runde Julien Absalon.

Stürzte am Ende des Trainings: Peter Sagan auf dem Specialized Epic in der speziellen Torch Edition, die bei 22 Grad die Farbe wechselt – von orange zu gelb. 

Themen: Cross CountryDeodoroManuel FumicMoritz MilatzOlympia-MTB-RioPeter SaganTraining


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