Rennbericht Marathon-EM Singen 2015

Marathon-EM: Spitz und Kulhavy holen die Titel

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 6 Jahren

Mit 43 Jahren nutzt Sabine Spitz ihren Heimvorteil und kürt sich in Singen zur Marathon-Europameisterin. Bei den Herren lässt Jaroslav Kulhavy nichts anbrennen, Sascha Weber holt überraschend Siber.

Sabine Spitz hat sich beim Rothaus Hegau Bike-Marathon zum zweiten Mal den Titel der Marathon-Europameisterin geholt. In einem engen Rennen bezwang sie in Singen die beiden Schweizerinnen Jolanda Neff und Esther Süss. Bei den Herren holte sich der Tscheche Jaroslav Kulhavy Gold vor dem überraschend starken Deutschen Sascha Weber  und Alban Lakata aus Österreich.

Anfangs waren noch alle Favoritinnen in einer großen Gruppe zusammen.

Sonne, trocken, warm: Spitz'sches Wetter

Die Bedingungen waren wie gemacht für Sabine Spitz. Die 43-Jährige war froh über das sonnige Wetter und die warmen Temperaturen. Gepaart mit einer guten Vorbereitungsphase war Spitz zu jeder Zeit auf der Höhe des Geschehens. In der lange Zeit achtköpfigen Spitzengruppe zeigten sich vor allem die Britin Sally Bigham (Topeak-Ergon) und Esther Süss (Wheeler-iXS) aus der Schweiz aktiv.

Kein wirklicher Sprint: Sabine Spitze hatte auf dem letzten Kilometer einen kleinen Vorsprung herausgefahren, der bis ins Ziel reichte.

Mitfavoritin Gunn-Rita Dahle Flesjå hatte schon früh Probleme und als es nach rund 55 Kilometer in einen längeren und sehr steilen Asphalt-Anstieg hineinging, verlor sie den Kontakt. So blieb ein Trio an der Spitze, das die Verfolgerinnen zwar noch einmal erreichten, doch die Kräfteverhältnisse waren letztlich bereits klar.

Bessere Streckenkenntnis entscheidet

Die Entscheidung über Gold, Silber und Bronze fiel nur 200 Meter vor dem Ziel: Dort holte sich Sabine Spitz den entscheidenden Vorteil, als sie eine Linie über ein Bankett und durchs Gras wählte, während Jolanda Neff die Kurve ausfuhr. Die Weltranglisten-Erste aus der Schweiz ist zwar die bessere Sprinterin, doch die Anfahrt zum Ziel in Singen ist zu kurvig und eng, als dass die Neff noch eine Chance gehabt hätte. „Nach der ersten Runde sind wir noch außen rum gefahren, aber ich habe gesehen, dass die Linie auch gefahren wird. Dadurch bin vorbei gekommen“, sagte Spitz im Ziel. Die knapp unterlegene Jolanda Neff nannte es  „ein wenig schade“, dass es nicht zum Titel gereicht hat. „Aber keine Frage, Sabine war da clever und sie ist auch stark gefahren. Sie hat verdient gewonnen“, gratulierte die 22-Jährige. „Es war mein erstes Marathon-Rennen und ich bin noch nie ein so langes Rennen gefahren. Aber ich hatte keine Probleme, es war echt cool“, bilanzierte Neff, die am Tag zuvor schon ein Cross-Country-Rennen in Solothurn gewonnen hatte.

Sabine Spitz holt sich wenige Meter vor Jolanda Neff den EM-Titel 2015 in Singen.

Ein paar Meter weiter gab eine strahlende Siegerin Auskunft. „Singen war für mich der erste Höhepunkt der Saison und dass es mit dem Titel ausgeht, das hätte natürlich besser nicht laufen können“, sagte Sabine Spitz. „Es war irgendwann klar, dass es auf einen Sprint hinauslaufen würde. Wir hatten schon einen Abstand, aber Gunn-Rita und Sally sind dann auf der Fläche wieder heran gefahren. Ich war drei Kilometer vor dem Ziel überrascht, wer da wieder da war. Ich dachte, oje. Ich habe in den Kurven dann versucht, immer eine gute Linie zu fahren, um keine Positionen zu verschenken.“ Als Erste bog Spitz in die letzte Kurve ein und ließ sich auf den letzten 50 Metern von Neff ihren zweiten EM-Titel in der Marathon-Disziplin und damit ihre zwölfte Medaille bei Europameisterschaften nicht mehr streitig machen.

Das Podium bei den Damen: In der Mitte im blauen Europameisterinnen-Trikot Sabine Spitz.

Esther Süss wurde mit sechs Sekunden Rückstand Dritte. Die Schweizerin, die 2013 in Singen gewonnen hatte, nahm auf dem letzten Kilometer nicht das volle Risiko. Sie war zuvor genau in dieser Passage gestürzt. „Ich wollte da nichts mehr riskieren. Ich bin über die Bronze-Medaille total happy, nachdem ich ursprünglich ja gar nicht fahren wollte. Die Beine waren prima, trotz dem Cross-Country-Rennen gestern“, erklärte die 41-Jährige.

Ergebnisse Damen: Die besten 13 Frauen bei der Marathon-EM 2015 in Singen.

Herren: Kulhavy dominiert, Weber erwischt richtige Gruppe

Karl Platt, der bei der Marathon-EM keinen guten Tag erwischte und vorzeitig ausstieg, hatte im Vorfeld ein mögliches Drehbuch in den Raum gestellt, das an diesem Sonntag in Singen tatsächlich Realität wurde.

Dass es eine frühe Fluchtgruppe geben würde, die auch bis ins Ziel durchkommt, das traute Platt nur Jaroslav Kulhavy (Specialized Racing) zu. Und genauso kam es auch. Es war der Tscheche, der sich in einer matschigen Singletrail-Passage an die Spitze setzte, sein Landsmann Kristian Hynek (Topeak-Ergon) folgte und auch Sascha Weber (Orbea-SMP) vertraute auf seine Rennfahrer-Intuition. „Ich wusste, da muss ich dabei sein. Ich meine, bei einer EM geht es um Medaillen, was sollst du da warten“, sagte Außenseiter Weber im Ziel. So entstand eine dreiköpfige Spitzengruppe, die mehr und mehr Vorsprung herausfahren konnte. Nach den ersten 49 Kilometern fiel eine erste Entscheidung. Kristian Hynek hatte Probleme mit seinem Klick-Pedal. „Ich bin immer wieder rausgerutscht und ein paar Mal fast gestürzt“, sagte er später dazu. Er hielt an, versuchte das Pedalzu säubern und verlor dadurch den Kontakt. Er wechselte anschließend sogar das Pedal und hatte dadurch keine Chance mehr.

Kulhavy „wie ein Moped“

Der amtierende Marathon-Weltmeister Jaroslav Kulhavy vermisste anschließend in der Führungsgruppe seinen Landsmann Hynek. „Wir haben uns abgewechselt in der Führung. So war es auf der zweiten Runde natürlich schwieriger. Aber ich war zuversichtlich, weil ich gute Beine hatte und weil ich in den vielen Flachpassagen einfach stark bin“, erklärte Kulhavy.

Das zwischenzeitliche Trio an der Spitze: Jaroslav Kulhavy (links), Sascha Weber dahinter und Kristian Hynek.

So blieb ihm nur der Deutsche Sascha Weber als Anhängsel. Der zählte für die meisten gar nicht zu den Favoriten, aber als etatmäßiger Cyclocross- und Straßenfahrer brachte der Saarländer alles mit, was man auf diesem welligen Kurs in der Vulkan-Landschaft benötigt. „Ende erste und Anfang zweite Runde konnte ich Jaroslav noch ein wenig helfen, aber dann nicht mehr. Die letzten 15 Kilometer hatte ich Krämpfe, ich war auch nicht optimal verpflegt“, sagte Weber. Voller Respekt gegenüber dem neuen Europameister fügte er hinzu: „Der ist auf der Fläche gefahren wie ein Moped – unglaublich.“ Weber schaffte es aber an Kulhavy dran zu bleiben und der Vorsprung der beiden wuchs auf zwischenzeitlich 3:15 Minuten. Einen Kilometer vor dem Ziel setzte sich Kulhavy leicht ab und holte sich sechs Sekunden vor Weber den letzten Titel, der ihm noch in seiner Sammlung fehlte. Der 30-Jährige ist der einzige Mountainbiker, der sowohl auf der Marathon-Distanz als auch in der olympischen Cross-Country-Disziplin alle Titel geholt hat, die es gibt. „Das war der letzte, der mir noch gefehlt hat“, sagte Kulhavy grinsend im Ziel.

„Wie ein Moped“ drückte Jaroslav Kulhavy über die Flachstücke in Singen. Am Ende siegte er vor Sascha Weber, der am längsten mithalten konnte.

Sascha Weber konnte seinen Parforce-Ritt zu EM-Silber gar nicht so recht einordnen: „Jaroslav war stärker, aber ich kann das nicht einschätzen. Ich wusste, ich habe mich gut vorbereitet, aber ich wusste ja nicht wie stark die anderen sind. Ich bin hier ganz entspannt angereist. Jetzt ist es Silber geworden, das war ein geiles Erlebnis und ich bin happy.“ MTB-Bundestrainer Peter Schaupp hatte schon nach 15 Kilometern spekuliert: „Sascha hat sich ernsthaft vorbereitet, der kann das. Ich bin überzeugt, dass er dran bleiben kann.“ Der Experte sollte Recht behalten.

Lakata und Mennen vom Team-Kollegen eingebremst

Im Kampf um Bronze setzte sich schließlich Topeak-Ergon-Fahrer Alban Lakata durch (+2:05). Der Österreicher glaubt, dass von der Leistungsfähigkeit mehr drin gewesen wäre. „Dass wir den Zug verpasst haben, das hat mich die ganze Zeit geärgert. Ich hatte super Beine. Aber nachdem Kristian vorne war, konnten Robert und ich ja hinten schlecht Druck machen. Erst zum Schluss haben wir das dann getan“, sagte Lakata.

Aus einer neunköpfigen Verfolgergruppe setzte sich Lakata am letzten steilen Anstieg ab und sicherte sich so die Bronze-Medaille. Robert Mennen, der erst einmal abreißen lassen musste, gelang es anschließend noch an Jiri Novak und Tiago Ferreira vorbei zu gehen und sogar Druck auf seinen Teamkollegen Lakata auszuüben. „Ich wusste, ich muss ganz schnell an denen vorbei, damit ich die nicht wieder zu Alban hinführe. Jetzt ist es für mich die Holzmedaille. Schade – aber ich bin froh, dass die Form so gut war und ich am Schluss sogar noch einen draufsetzen konnte. Ich war noch nie so nah an einer internationalen Medaille dran“, sagte Mennen, der mit 2:17 Minuten Rückstand ins Ziel kam.

Drittbester Deutscher wurde Centurion-Vaude-Fahrer Markus Kaufmann aus Meckenbeuren auf Rang 14 (+6:35). Titelverteidiger Christoph Sauser (Specialized Racing) lag in der Verfolgergruppe, als er mit einem Defekt aus dem Rennen um die Medaillen ausschied.

Ergebnisse Marathon-EM Singen: Die besten 15 Herren in der Übersicht.

Gehört zur Artikelstrecke:

Marathon-EM Singen 2015


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Schlagwörter: Jaroslav Kulhavy Marathon MTB-EM Rennbericht Rennen Sabine Spitz singen


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