Erzgebirgs-Bike-Marathon: Heftig umkämpfter Sieg Erzgebirgs-Bike-Marathon: Heftig umkämpfter Sieg Erzgebirgs-Bike-Marathon: Heftig umkämpfter Sieg

Rennbericht: Henri Lesewitz beim EBM 2015

Erzgebirgs-Bike-Marathon: Heftig umkämpfter Sieg

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 6 Jahren

Der Erzgebirgs-Bike-Marathon in Seiffen ist der älteste Marathon Deutschlands. Während viele der 1200 Starter ums Ankommen kämpften, ging es an der Spitze so knapp zu wie noch nie zuvor.

Noch mehr Mountainbiker als Nussknacker? In Seiffen? Das lässt nur einen Schluss zu: Es muss der erste Augustsonntag sein. DER Sonntag! Erzgebirgs-Bike-Marathon also, kurz EBM, oder – im astreinen Regional-Slang – "Ähy Bäy Ähm".

Erzgebirgs-Bike-Marathon EBM 2015

12 Bilder

Der Erzgebirgs-Bike-Marathon in Seiffen ist der älteste Marathon Deutschlands. Das Kult-Rennen wurde 2015 zum 23. Mal ausgetragen. Während viele der 1200 Starter ums Ankommen kämpften, ging es an der Spitze so knapp zu wie noch nie zuvor. BIKE-Reporter Henri Lesewitz war dabei.

Mehr als 1200 Starter kamen zur 23. Auflage von Deutschlands ältestem Mountainbike-Marathon ins sächsische Holzschnitzer-Paradies. Das Organisations-Team um EBM-Gründer Albrecht Dietze hatte wieder viel Wert darauf gelegt, einen familiären Veranstaltungs-Charakter zu zelebrieren. Auf eine Zeitmessung mit Transponder wurde verzichtet. Stattdessen erfolgte die Zuordnung der Startboxen nach Leistungsklassen, wobei auch auf die Wünsche der einzelnen Fahrer Rücksicht genommen wird, so gut es geht.

Tückisch für 100-km-Fahrer: hohes Anfangstempo

Wer auf eine Top-Platzierung fahren will, steht vorne. Wer auf Ankommen fährt, reiht sich hinten ein. Das System hat sich bewährt. Um Staus und Kuddelmuddel zu vermeiden, selektiert die 12 Kilometer lange Einführungsrunde die ganz Schnellen von den nicht ganz so Schnellen. Der rund 30 Kilometer lange Rundkurs wird ein-, zwei-, oder dreimal gefahren (Short = 40 Kilometer, Middle = 70 Kilometer, Long = 100 Kilometer), was dem Rennen noch zuätzliche Würze gibt. Denn alle Kategorien starten zusammen. Das Anfangstempo ist entsprechend hoch, was natürlich auch die Langstrecken-Fahrer ansteckt, die einen allzu forschen Start dann spätestens in der dritten Runde bitter büßen müssen. Die 100-Kilometer-Distanz hat zwar "nur" knapp 2500 Höhenmeter, was bei Alpen-Marathons meist schon die mitteren Runden aufbieten. Doch das permanente Auf und Ab auf Trails und Schotterwegen lässt den Fahrern in Seiffen keine einzige Minute zum Verschnaufen, weswegen der EBM zu den härtesten Marathons überhaupt zählt.

Dietrich Kammer Große Welle: 1200 Fahrer peitschen zu AC/DC-Sound los.

Punkt 9 Uhr hetzte die Meute zu AC/DC-Sound los. Als die Welle dann in den berühmt-berüchtigten Teer-Steilanstieg "Alp de Wettin" brandete, kochte die Stimmung fast über. Die Rampe zur Wettiner Höhe – eigentlich der gefürchtete Schluss-Anstieg, seit ein paar Jahren aber auch die Verbindung von der Einführungsrunde zur eigentlichen Rennstrecke – war von Zuschauermassen gesäumt. Aus Boxen dröhnten basslastige Aufputsch-Hits. Der Moderator, für den extra eine brückenähnliche Bühne über die Strecke gebaut wurde, peitsche die Stimmung bis zum Gehtnichtmehr voran. Pures Gänsehaut-Feeling für die Fahrer. Auch der Abfahrts-Schocker am Seiffener Grund war wie jedes Jahr ein Zuschauer-Magnet. Die etwa 200 Meter lange Passage war derart anspruchsvoll, dass nebenan ein eigener "Chickenway" ausgeschildert war, der aufgrund seiner Steilheit ausschließlich zu Fuß absolviert werden durfte. Wovon zahlreiche Fahrer dankbar Gebrauch machten.

Sekundensache: Dramatischer Kampf um den Sieg

Während das Gros der Starter vor allem gegen den inneren Schweinehund kämpfte, lieferten sich die Spitzenfahrer ein gnadenloses Rennen um die Podiumsplätze. Die drei Erstplatzierten trennten nach mehr als 100 Kilometern nur wenige Sekunden. Sieger Peter Hermann (Team Firebike-Drössiger) sprintete nach genau 4:00 Stunden durchs Ziel. Sebastian Stark (TBR-Werner), genannt "der ewige Zweite",  kam fünf Sekunden später. Weitere elf Sekunden danach preschte Christian Kreuchler (R2-Bike.com MTB Racing) über die Ziellinie. Was für ein irres Finale! Der engste Zieleinlauf in der EBM-Geschichte. Die schnellste Frau war Ex-Olympia-Teilnehmerin Regina Marunde (Team Fi’zi:k) mit einer Zeit von 5:06 Stunden.

Dietrich Kammer Was für ein Duell! Sieger Peter Hermann mit Sebastian Stark (Platz 2 / Mitte) und Christian Kreuchler, dem Dritten.


Fazit: Deutschlands ältester Marathon präsentierte sich auch bei seiner 23. Austragung als Herzblut-Veranstaltung. Ein perfekt organisiertes Rennen mit extrem abwechslungsreicher, knackiger Strecke. Und einem Rahmenprogramm, das auch der mitgereisten Familie unterhaltsame Stunden bietet. Macher wie Teilnehmer spielen das Thema Marathon auf der ganz großen Tastatur des Soul. Entspannt Vollgas, könnte man sagen. Die geschnitzten Finisher-Medaillen, die Erinnerungs-Urkunde in Form eines BIKE-Magazin-Titelblatts sowie die Top-100-Aheadset-Kappen sind ohnehin einmalig.

Henri Lesewitz Traditionell: Die geschnitzte Finisher-Medaille und die kultige Top-100-Aheadset-Kappe, die nur an die einhundert schnellsten 100-Kilometer-Fahrer verliehen wird.

"Wir überlegen ja öfter mal, ob wir nach all den Jahren mal am Konzept schrauben sollen. Eine große Schleife zum Beispiel, statt drei Runden. Aber das Feedback der Leute ist jedes Jahr so super, dass es Quatsch wäre, am Modus grundsätzlich was zu ändern", so Rennchef Albrecht Dietze nach dem Rennen. Ähy Bäy Ähm bleibt Ähy Bäy Ähm. Gut so! Alle Infos zum Erzgebirgs-Bike-Marathon sowie Ergebnisse unter: www.ebm100.de

Dana Quosig Der Macher: Albrecht Dietze (Mitte), hat den EBM 1993 zusammen mit seinem Papa aus der Taufe gehoben, nachdem sie sich beim Grand Raid Cristalp in der Schweiz mit dem Langstrecken-Virus infiziert haben. Tino Zieger (re.) ist seit den Anfangsjahren dabei. Kumpel Henri Lesewitz (li.), inzwischen BIKE-Reporter, startete beim EBM 1994 auf der Kurzdistanz.

Themen: ErzgebirgeHenri LesewitzMarathonRennbericht


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