Red Bull Rampage 2018 Red Bull Rampage 2018

Red Bull Rampage 2018: Bericht & Videos

Zum Nachmachen nicht empfohlen!

Adrian Kaether am 30.10.2018

Die Red Bull Rampage ist das krasseste Event, das es auf zwei Rädern je gegeben hat. Und weil Videos da mehr sagen als Worte, hier unsere Highlights und die Ergebnisse des Events 2018.

Einundzwanzig … zweiundzwanzig … dreiundzwanzig. Quälend langsam ziehen sich die Sekunden dahin. Fast ein halbes Dutzend Wimpernschläge nach dem Absprung landet Adolf Silva wieder. Nur ein kleiner, blauer Punkt auf einem riesigen Step-Down aus rotem Sand. Distanz zwischen Absprung und Landung etwa vierzig Meter und dabei über zehn Meter in die Tiefe. Irgendwie wird die Red Bull Rampage von Jahr zu Jahr verrückter. Und dabei ist sie schon von Anfang an völlig jenseits von Gut und Böse gewesen. Seit mehreren Jahren nun sparen die Veranstalter schon aus Sicherheitsbedenken die großen, vorgefertigten Features à la Oakley Icon Sender oder Red Bull Canyon Gap ein, aber das hält bei der Rampage 2018 wirklich niemanden mehr auf. 

Ethan Nell fuhr auch bei seiner zweiten Rampage überhaupt auf Rang drei. Der junge Local lässt sich von der Weltspitze des Freeridens nicht mehr vertreiben.


Jordie Lunn zieht eine selbst nach „Rampage-Standards“ völlig unfahrbare, vertikale Linie in den Berg, Brendan Fairclough macht aus dem mittlerweile millionenschweren Contest einen Freeride-Wettbewerb alter Schule und fährt auf einer fast vollständig naturbelassenen Line spektakulär den Berg hinunter, dropt sogar von einem deutlich über haushohen Felsklotz, gegen den auch der „Stevie-Smith Drop“ in Monte-Sainte-Anne wie Kindergarten aussieht und Tyler McCaul „hopst“ gleich noch von einem Riesen-Drop, der sicher 15 Tiefenmeter auf einen Schlag vernichtet – selbst für die Rampage ein Rekord, zwei Sekunden freier Fall oder etwas in der Richtung und das Verrückteste dabei: Keiner der genannten trug am Ende den Sieg davon.

Schmal ist der Grat zwischen sehr schnell und zu schnell. Andreu Lacondeguy ist was das angeht allerdings ein echter Spezialist und kombiniert Speed mit heftigen Tricks. Gut genug für Rang Zwei bei dieser Rampage.


Slopestyle vs. Freeride: Eine schwere Aufgabe für die Judges


Denn die Talentdichte bei der 2018er Rampage war so hoch, wie wohl noch nie, mit einer ziemlich perfekten Auswahl an Fahrern aus ganz unterschiedlichen Disziplinen. Trick- und Slopestyle-Götter wie Brandon Semenuk, Brett Rheeder und Thomas Genon, Racer wie Brendan Fairclough und Remy Metailler, Fest-Series Fahrer wie Andreu Lacondeguy oder Graham Agassiz, reine Rampage-Spezialisten wie Carson Storch, Cam Zink oder Kyle Strait und Wildcards – Nachwuchssportler wenn man denn so will – wie Dj Brandt oder Ethan Nell. Letzterer fuhr schon bei der letzten Rampage auf Rang drei und sollte auch dieses Jahr wieder überzeugen können.

Rheeder glänzte mit einigen großen Drops und technischer Perfektion. Er wurde mit dem Sieg dafür belohnt.


Und so unterschiedlich die Fahrer waren, so unterschiedlich waren auch die Lines. Doch alle irgendwie gleichermaßen verrückt und dabei ohnehin völlig jenseits dessen, was normalen Menschen als irgendwie möglich erscheint. Flat-Drop Backflip über einen 10-Meter-Drop, unfahrbare, quasi senkrecht in die Tiefe fallende, technische Linien oder echte Monster wie der Sprung von Silva oder der Drop von Tyler McCaul. Kontrollierte Geschwindigkeit gepaart mit technischer Perfektion wie bei Brett Rheeder oder schnell und spektakulär wie bei Metailler und Lacondeguy. Was ist am Ende mehr wert? Eine Frage, die man kaum wirklich beantworten kann. Kein Wunder also, dass auch dieses Jahr die Judges wieder schwer in der Kritik standen.

Brendan Faircloughs krasse Line. Inklusive riesiger Rock-Drop und einige blinde und technische Stellen. Den McGazza-Spirit Award gab es dafür zwar, aber nur 67,66 Punkte und Rang 10. Bei allem Verständnis für die Schwierigkeiten des Judgings - das hätte schon etwas mehr sein können.


Brett Rheeder siegt vor Lacondeguy und Nell – Fairclough enttäuscht


Nichtsdestotrotz holte gleich in der ersten Runde Brendan Fairclough mit einem nahezu perfekten Run für eine Weile die Führung auf dem Leaderbord. Freeride, Style und Technik pur, aber trotzdem nur 67,66 Punkte. Hier ist sicherlich die Kritik am Judging angebracht, wie der GoPro-Run von Fairclough (unten) Euch gut vor Augen führt. Größtes Risiko, höchste technische Ansprüche und ein Backflip, um die Sache abzurunden, dafür hätte es schon noch etwas mehr geben können. Andreu Lacondeguy griff dann schon beim ersten Run tief in die Trickkiste und schlug Fairclough deutlich, Tom van Steebergen landete ebenfalls einen starken Run. Mit knapp über 84 Punkten nur etwas hinter Lacondeguy. Brett Rheeder war wie immer fehlerlos und schrammte nur knapp an 90 Punkten vorbei, der 21 Jahre alte Local Ethan Nell sortierte sich auch bei seiner zweiten Rampage auf Platz drei hinter Rheeder und Lacondeguy ein.

Red Bull Rampage 2018

Brett Rheeder holte bei seiner sechsten Rampage-Teilnahme den ersten Sieg. Durchaus verdient, wie wir finden. Kollege Brandon Semenuk wurde übrigens auch als Kandidat gehandelt, konnte aber seine zwei Runs wegen Fahrfehlern nicht beenden.


Klappe die Zweite: Veränderungen nur im Mittelfeld


Die zweiten Läufe brachten im Podium keine Veränderungen mehr, im Mittelfeld allerdings bewegte sich noch einiges. Tyler McCaul konnte einen Run zu Ende bringen und holte mit 82 Punkten Rang sechs, Thomas Genon konnte sich ebenfalls verbessern und landete mit seinem neuen Lauf auf Rang fünf hinter Tom van Steenbergen auf Rang vier, der mit seinem riesigen Flat-Drop-Backflip trotz der leichten Überrotation den Best Trick Award einsammelte. Szymon Godziek brachte im zweiten Durchgang ebenfalls noch einen Run zu Ende und holte knapp über 75 Punkte. Brendan Fairclough wurde für seine brutale Freeride-Line und seine gute Laune und Hilfsbereitschaft immerhin mit dem McGazza Spirit Award belohnt, Adolf Silva holte den Peoples Choice Award.

Fotostrecke: Rampage 2018


Das komplette Wiederholung des Events findet ihr auf Redbull.tv. Gleiches auf dem YouTube-Kanal Red Bull Bike, wo ihr auch die oben gezeigten Top-Runs noch einmal anschauen könnt.

Adrian Kaether am 30.10.2018