Seite 1: Red Bull Rampage 2015: Bericht

96,5 Punkte zum Sieg: Kurt Sorge gewinnt Rampage

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 5 Jahren

Die Red Bull Rampage 2015 war wieder mal ein Trick- und Drop-Feuerwerk der Superlative. Die Top-Fahrer haben ausgelotet, was auf dem Bike möglich ist. Unser Bericht inkl. der Top-Läufe im Video.

"Das ist wirklich das Gruseligste, was ich je getan habe. Drei Tage habe ich kaum geschlafen, so nervös hat es mich gemacht." Claudio Caluori steht oben am Startbogen der Red Bull Rampage. Der Wind fegt durch sein Haar, ein seltsamer Unterton liegt in seiner Stimme. Bekannt geworden ist der ehemalige Downhill World Cup-Racer und Team-Mangager von Scott Gstaad durch seine Go Pro-Vorschauen der Downhill-Pisten. Furchtlos klebte er hier auf allen Strecken rund um die Welt am Hinterrad der Elite des Gravity-Racings und konnte sogar einige überholen. Riesige Sprünge mit 60 km/h? Große Drops, steile Wurzel- und Steinfelder voll am Limit? Claudio zuckte mit keiner Wimper. Doch hier in Utah hat er wirklich Angst.

Kein Wunder. Die Rampage ist das Extremste, was der gesamte Mountainbike-Sport zu bieten hat. Die Fahrer starten auf einem Grat, hoch über dem späteren Ziel. Der Weg hier ist so schmal, dass man unmöglich nebeneinander laufen, geschweige denn fahren kann. Große Absätze im Gelände, die mit präzisen Drops getroffen werden müssen. machen das Fahren hier nur für echte Profis möglich. Der Wind in der Höhe tut sein übriges. Verschätzt man sich hier um nur wenige Zentimeter oder verliert man für Sekundenbruchteile die Kontrolle, fällt man unweigerlich einige Dutzend Meter in die Tiefe. Nur die Helmkamera lässt Außenstehende erahnen, welche mentale Stärke notwendig ist, um überhaupt an der Rampage teilnehmen zu können.

Darren Berrecloth wechselte kürzlich zu Canyon. Sein Rampage-Ergebnis mit 87 Punkten fuhr er auf einem Canyon Torque DHX ein.

Durch Stürze bereits vor dem Finale raus

Die Rampage ist also kein gewöhnlicher Mountainbike-Contest. Mut und Können zählen hier genauso, wie eine gute Crew, um die perfekte Line zu bauen, und ein Quäntchen Glück, damit man den Geschmack der Jury trifft und der Wind einem keinen Strich durch die Rechnung macht. Zudem darf man es im Training und Qualifying nicht übertreiben, sonst droht ein gefährlicher Sturz und damit das Aus fürs Finale.

So hatten sich leider auch einige wirklich vielversprechende Fahrer schon im Vorfeld aus dem Rennen katapultiert. Nico Vink wählte eine besonders eigene, steile und spektakuläre Linie. So steil, dass Teile nur mit Klettergurten gesichert bearbeitet werden konnten. Doch die Zeit zur Vorbereitung reichte nicht aus und so musste er sich entscheiden: Risiko und eine etwas unfertige Linie fahren oder zurückstecken. Vink ging das Risiko ein, doch er stürzte bei einem großen Drop. Auch Tom van Steenbergen, der sich vergangenes Jahr mit dem Versuch den Canyon Gap zu frontflippen einen Namen gemacht hatte, und Nicholi Rogatkin, der die Kontrolle verlor und ohne Bike einen riesigen Drop hinunterstürzte, konnten wegen ihrer Verletzungen nicht am Finale teilnehmen.

Zwei Racer punkten mit ihren Runs

Eröffnet wurde die Rampage dieses Jahr von Ryan Howards, der mit 66,75 Punkten zwar ein respektables Ergebnis einfuhr, aber keine Chancen auf den Sieg hatte. Ausgerechnet die ersten, die wirklich gute Scores holten, waren Brendan Fairclough und Remy Metailler. Beide sind eigentlich eher dafür bekannt, dass sie besonders schnell sind, aber nicht unbedingt die großen Tricks liefern.

Während Fairclough neben seiner stylischen Art zu fahren auch noch einige ungewöhnliche Tricks wie einen Backflip über einen kleineren Canyon Gap und eine extrem technische Steilabfahrt am Start auspackte, setzte Metailler auf seine Geschwindigkeit. Er raste dem Ziel entgegen, eine lange Staubfahne hinter sich herziehend. 77 und 80 Punkte vergab die Jury für diese Leistungen. Fairclough konnte sich in seinem zweiten Run noch bis auf 85,5 Punkte steigern. Noch vor zwei Jahren hätte ein solches Ergebnis für einen Podiumsplatz ausgereicht.

Brendan Fairclough surfte wie ein Skifahrer den steilen Hang hinunter.

Bizet mit Wahnsinns-Lauf und tragischem Crash

Bereits der nächste Fahrer, Sam Reynolds, konnte die 80 Punkte von Metailler überbieten. 83 Punkte erkannte ihm die Jury für seinen Run zu. Und dann kam Antoine Bizet. Es ist ein Run, über den man noch lange reden wird, auch wenn Bizet ihn leider nicht beenden konnte. Mit einem riesigen, steilen Drop verließ Bizet den Hauptkamm des Rampage-Berges. Steile Linie? Check! Nach einem weiteren großen Drop, wo er einen Suicide-No-Hander hinlegte, ging es weiter zu einigen kleineren Sprüngen. Und vollkommen unerwartet: Ein Frontflip. Schon mit einem Dirt-Bike oder auf dem BMX einer der schwierigsten Tricks überhaupt. Mit dem Big Bike nahezu unmöglich, doch Bizet landete sicher wieder auf zwei Rädern.

Bizet raste nun auf den Canyon Gap zu. 22 Meter müssen hier mindestens übersprungen werden und wie Kelly McGarry im Jahr 2013 flippte Bizet über den tiefen Spalt. Nun fehlte nur noch der letzte Sprung zum perfekten Run: Der Razor-Jump, ein großer Double mit reichlich Möglichkeiten zum Tricksen. Wie ein Kreisel rotierte Bizet durch die Luft bei dem Versuch seinen Run mit einem Double-Backflip die Krone aufzusetzen. Doch er rotierte nicht weit genug. Hart schlug sein Rad in den Landehügel, das Hinterrad brach aus und katapultierte Bizet per Highsider durch die Luft. Unsanft landete er am Fuß des Doubles und stand nicht wieder auf. Ein Arm war gebrochen, der Lauf, der der beste in der Geschichte der Red Bull Rampage hätte werden können, fand ein tragisches Ende.

Hier kann man die komplette Übertragung in der Wiederholung sehen.

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    Red Bull Rampage 2015: Rennbericht
    Perfektion pur von Zink, Semenuk, Genon, Agassiz, Lacondeguy und Sorge

Themen: Andreu LacondeguyDownhillFreerideRampageRed Bull


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