Rally di Romagna Blog #5

Im Zick-Zack durch die Emilia Romagna

  • Alexander Brempel Ballester
 • Publiziert vor 4 Jahren

Autsch! Heute war einer der richtig schweren Tage bei der Rally di Romagna. Eine 50-Kilometer-Runde mit 15 km feinstem Singletrail, Waldwegen und fein gezogenen Schotterlinien durch Kornfelder.

Auf der vorletzten Etappe der Rally di Romagna ging es noch einmal richtig zur Sache. Auf uns wartete ein wahnsinnig steiles Stück durch eine Apfelplantage, bei der die Bremsscheiben bei jedem Fahrer kurz vorm Schmelzpunkt standen.

Doch vorher ging es bergauf, und zwar richtig brutal. 200 Meter lange 20-Prozent-Rampen, eine nach der anderen. Ich wollte meinen 100. Platz in der Gesamtwertung unbedingt verteidigen und so musste ich Hügel um Hügel mit der Meute mit. Wenn schieben aus Ehrgeiz bei 30-Prozent-Teilstücken nicht drin ist, kann man sich auf einen verspannten Rücken beim Abendbrot freuen. Meine Haltung auf dem Bike und am Esstisch sind glücklicherweise nicht sehr verschieden.

15 Kilometer feinste Singletrails hielt die vierte Etappe der Rally di Romagna für die Fahrer bereit.

Steil bergauf durch die typischen Dörfer in der Emilia Romagna

Gestern nach der längsten Etappe und dem ganzen "il Muro"-Wahnsinn haben sich viele in Sicherheit gewähnt. Die heutige Etappe war auf dem Papier halb so lang, mit 1000 Höhenmetern weniger aber trotzdem genau so schwer. Die Streckendaten auf dem Papier spielen einem manchmal böse Streiche. Mal eben Samstagmorgen 50 Kilometer locker rollen ist genau die Einstellung, die einen stundenlang bergauf fluchend ins Reich der Schmerzen befördert. Die letzten Steilstücke kamen mir wie riesige Wellen aus grünem Gras vor. Haushoch und erbarmungslos. Beim Sprint, au der natürlich steil nach oben gerichteten Ziellinie ist mir fast das Herz aus der Brust gesprungen.

Unterm Zielbogen ein grinsender Vinz mit Cola und Kuchen in der Hand. Eine Dame, Jahrgang 30, wuschelt mir durch die verschwitzen Haare, bringt noch mehr Kuchen und will mich gleichzeitig mit ihrer Urenkelin verkuppeln. Auf einer abgewetzten Bank im pittoresken Stadtzentrum eines italienischen Bergdorfs liegend fällt mir nach 5:20 Stunden wieder ein, warum ich hier bin und wie fein es ist, hier zu biken.

Co-Organisator Davide, ein Zwei-Meter-Hüne, Playboy und Ex-Amateur-Sprinter, setzt sich neben mich und legt seine Pranke auf meine Schulter: "to slowee amici“, sagt er lächelnd, der Shuttlebus nach Riolo sei schon weg. Er erklärt uns aber gern den Weg zurück zum Hotel. Alles bergab! Ich glaube ihm kein Wort, aber beides stimmte am Ende.

Shuttle weg und alle brav bergab Richtung Riolo del Terme. Diese 17 Kilometer, die ohne in die Pedale zu treten liefen, in dem alle Italiener ohne Helm laut krakelnd von links nach rechts über die Straße kurvten, waren die endspanntesten der ganzen Woche. Die Sonne scheint, man schiebt sich gegenseitig an, um während der Fahrt zu pinkeln und sogar ein Bier dreht seine Runde durch das Feld der Erschöpften.

Morgen letzte Etappe, über 1500 Höhenmeter und 40 Kilometer. Obwohl man hier unter Bikern ist, strahlt dieses Rennen eine Art Giro d'Italia-Atmosphäre aus, der man sich nur schwer entziehen kann. Ich hoffe morgen wird's gemütlich, meine Beine fühlen sich an wie morsche Äste.


Bis morgen,
Alexander

Sieger Rodrigo Gomes alleine vorneweg

Gehört zur Artikelstrecke:

Rally di Romagna Blog


  • Rally di Romagna Blog #2
    Bella Volata!

    03.06.2016

  • Rally di Romagna Blog #4
    Il Muro!

    06.06.2016

  • Rally di Romagna Blog #1
    Dolce Vita

    28.05.2016

  • Rally di Romagna Blog #3
    Gran Fondo

    04.06.2016

  • Rally di Romagna Blog #5
    Im Zick-Zack durch die Emilia Romagna

    08.06.2016

  • Rally di Romagna Blog #6
    Arrivati!

    10.06.2016

Themen: BlogEtappenrennenItalienRennenTagebuch


Lesen Sie das BIKE Magazin. Einfach digital in der BIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
  • Titan Desert 2016 Blog #8
    Der letzte Kreuzzug

    05.05.2016

  • Nordisk: Superleichte Biwak-Ausrüstung
    Biwak-Equipment mit weniger als 1,5 Kilogramm

    16.05.2016

  • Die 20 längsten Singletrails in den Alpen: MTB Tourplanung
    Epische Alpen-Trails - Liste der besten Trails

    20.05.2016

  • UCI Worldcup Albstadt 2016: Rennbericht Herren
    Schurter schlägt Absalon im Zielsprint

    22.05.2016

  • Neuheiten 2016: Mavic XA Pro Carbon
    Mavic stellt erstes Carbon-Laufrad für MTB vor

    23.05.2016

  • Neuheiten 2016: Kona Hei Hei DL
    Kona Hei Hei DL: aus 1 mach 2

    27.05.2016

  • Test 27,5+ Hardtails ab 1399 Euro
    BIKE-Test: Was können die neuen Plus-Hardtails?

    05.06.2016

  • Ronda Extrema-Experiment: das Finale
    Finale des Ronda Extrema-Experiments [Video]

    03.06.2016

  • Deutsche Meisterschaften XCE (Sprint) Bodenmais
    Sprint-DM mit Biathletin Miriam Gössner?

    03.06.2016

  • Italien, Österreich: Panorama-Tour Brenner

    24.07.2006

  • Mountainbike-Abenteuer durch Italien: Italy Divide
    Italy Divide 2016: von Rom zum BIKE-Festival

    10.05.2016

  • Maxxis BIKE Transalp 2019 - Highlights im Video
    Video: Die schönsten Transalp-Momente

    22.07.2019

  • Rennreport über das Etappenrennen Trans Savoie 2016
    Mitgefahren: Trans Savoie

    28.02.2017

  • Eurobike 2018: Randnotizen
    Typen & Teile: der tägliche Messe-Wahnsinn

    10.07.2018

  • Deutschland: Trans Germany- und Four Peaks-Strecken, GPS
    Trans Germany 2007 und Four Peaks-Strecke, GPS-Download

    28.07.2016

  • CC-Blog 2017 #10 Markus Schulte-Lünzum
    Frische hat gefehlt

    04.07.2017

  • Milatz und Dahle siegen in Heubach

    30.04.2012

  • Enduro Series: Saisonfinale in Treuchtlingen

    18.10.2012