MTB-Weltmeisterschaft 2018 Lenzerheide: U23

WM U23: Keller holt Titel – Schwarzbauer Zehnter

  • BIKE Magazin
 • Publiziert vor 2 Jahren

Bei den U23-Rennen gab es keine Medaille für Deutschland: Ronja Eibl verpasste als Vierte knapp das Podest, Luca Schwarzbauer fuhr in einem starken Rennen auf Platz zehn. Gold für Keller und Hatherly.

Am dritten Wettkampftag der UCI MTB-Weltmeisterschaft 2018 ließ die U23-Kategorie nichts vermissen. Die Schweizer konnten sich über zwei weitere Medaillen freuen als Alessandra Keller und Sina Frei Edelmetall für die Eidgenossen sicherten. Das U23-Rennen der Männer stand dem Cross-Country-Krimi der Junioren am Vortag in nichts nach. Am Ende eines hart umkämpften Rennens, das erst in der letzten Runde entschieden wurde, setzte sich Alan Hatherly aus Südafrika gegen Christopher Blevins aus den USA durch.

Schweizer-Festspiele gehen in die nächste Runde

Nachdem die Gastgeber sich bereits über zwei Erfolge zum Start der WM freuen konnten, hofften die heimischen Fans darauf, dass sich der Medaillenregen am Freitag fortführen würde. Die Chancen waren gut: Mit Sina Frei und Alessandra Keller standen zwei Schweizerinnen hoch im Kurs für das Regenbogentrikot der U23-Damen. Am Start war es jedoch zunächst die Britin Evie Richards, die das Feld vor Keller und Frei anführte und sich in den ersten langen Downhill Abschnitt Heidi’s Hell stürzte. Doch die beiden Schweizerinnen ließen sich nicht lange beirren und überholten Richards. Nachdem ein Fehler von Malene Degn (DEN) in einem engen Abschnitt das Feld der Verfolger aufhielt, setzten sich Keller und Frei mit 14 Sekunden ab und lieferten sich fortan ein eigenes Duell um Gold. Während die führenden Schweizerinnen eine immer größere Lücke zum Rest des Feldes aufrissen, deutete sich dann auch im Kampf um die Bronze-Medaille ein Duell an. Marika Tovo (ITA) hatte sich nach vorne gearbeitet und die junge Deutsche Ronja Eibl war die einzige, die das Tempo der Italienerin mitgehen konnte. Beide lieferten sich fortan ein ebenfalls spannendes Rennen um den dritten Platz. In Runde Drei beging Sina Frei im tückischen Waldabschnitt einen kleinen Fehler, der ihr den Anschluss zu Alessandra Keller kostete. Nach eigener Aussage verlor sie zu diesem Zeitpunkt ihren Rhythmus, sodass Keller in den nachfolgenden Runden nach und nach ihre Führung ausbauen konnte. Am Ende der fünften Runde sah sich Ronja Eibl im Kampf um Bronze mit einem 15-Sekunden-Rückstand konfrontiert. Bei ihrem zweiten starken Auftritt, nach ihrer Silbermedaille mit der Deutschen Mannschaft im Team-Relay, sollte es trotz einer beeindruckenden Leistung dieses Mal nicht zu einer Medaille reichen.

Keller, die im UCI-Worldcup bereits bei der Elite startet und in dieser Saison im Endtableau Vierte wurde, bog nach sechs Runden unter tosendem Applaus und mit ausgestreckten Armen auf die Zielgerade ein. Die junge Schweizerin entschied das Rennen mit einem Vorsprung 1:22min für sich, doch auch Sina Frei konnte nach einem bravourösen Rennen das Bad in der Menge mit dem Gewinn der Silbermedaille, ihrer zweiten Medaille vor heimischem Publikum in dieser Woche, genießen. Die Medaillenränge wurden durch Marika Tovo vervollständigt, die Ronja Eibl in der letzten Runde noch auf 52 Sekunden distanzieren konnte. Die Top 5 wurden durch die Dänin Caroline Bohe ergänzt.

„Es ist einfach unbeschreiblich. Letztes Jahr hatte ich bei der Weltmeisterschaft viel Pech als ich Bronze holte. Ich musste auch heute richtig kämpfen, denn Sina war sehr stark. Für beide von uns war es nicht einfach, es lastete schon viel Druck auf uns. Alle haben ein Duell zwischen mir und Sina erwartet. Eine Taktik hatte ich nicht wirklich. Auf dieser Strecke ist man immer am Limit. Wir haben einfach von Beginn an Vollgas gegeben. Ich glaube es hätte heute kaum ein besseres Ergebnis für das Publikum geben können. Ein Schweizer Doppelsieg ist wirklich was besonderes. Es ist mein letztes Jahr in der U23 und heute ist ein Traum wahr geworden.“ (Allesandra Keller)

Erste XC-Goldmedaille für Südafrika seit 2009

Angetrieben von der jubelnden Menge, setzte sich im Rennen der U23-Herren Lokalmatador Filippo Colombo gleich an die Spitze des Feldes und legte ein hohes Tempo vor. In den folgenden Runden war es eine Gruppe von 11 Athleten, die sich im Positionskampf nichts schenkten. Alan Hatherly (RSA) setzte sich in Runde drei an die Spitze und in der vierten Runde konnte der Südafrikaner eine weitere Attacke starten. Lediglich Christopher Blevins (USA) konnte das hohe Tempo mitgehen und beide erarbeiteten sich einen Vorsprung von 21 Sekunden auf David Nordemann (NED). Der Niederländer hatte sich in der Verfolgergruppe zunächst behaupten können.

Blevins und Hatherly fuhren vorne weg, doch keiner der beiden sah sich im Stande sich vom anderen loszulösen. Erst in der letzten Runde als das Duo bereits 40 Sekunden Vorsprung auf den Drittplatzierten Nordemann hatte, kam Bewegung in die Entscheidung um Gold. Der Amerikaner starte am ersten Anstieg einen Angriff, versuchte Hatherly loszuwerden, doch der Vize-Weltmeister aus 2017 lies sich nicht so einfach abschütteln. Der Südafrikaner setzte dann kurz darauf den entscheidenden Nadelstich und Blevins hatte das Nachsehen. Hatherly sicherte sich somit die erste Cross-Country-Goldmedaille für sein Heimatland bei einer Weltmeisterschaft seit 2009.

Dahinter schwanden in der Zwischenzeit die Kräfte bei Nordemann und der Niederländer spürte bereits den heißen Atem zweier Skandinavier. Sowohl Petter Fagerhaug (NOR), der in der dritten Runde seine Kette verloren hatte, als auch Jonas Lindberg (SWE) witterten ihre Chance und näherten sich unaufhaltsam. Doch Nordemanns vorher erarbeiteter Vorsprung stellte sich als zu groß heraus und der Niederländer rollte erschöpft und glücklich über die Ziellinie. Luca Schwarzbauer landete mit 2:36 Minuten Rückstand als bester Deutscher auf Rang zehn, Niklas Schehl wurde 26. und Simon Schneller holte Platz 33. Maximilian Brandl konnte das Rennen nicht beenden.

Alan Hatherly kürte sich zum U23-Weltmeister in Lenzerheide.

Alle Ergebnisse zu den WM-Rennen 2018 von Lenzerheide gibt's hier.

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