Stiebjahn im Matsch nicht zu schlagen Stiebjahn im Matsch nicht zu schlagen Stiebjahn im Matsch nicht zu schlagen

MTB Bundesliga Titisee-Neustadt 2016: Rennbericht

Stiebjahn im Matsch nicht zu schlagen

  • Romy Stiegler
 • Publiziert vor 5 Jahren

Beim Finale der MTB-Bundesliga 2016 siegt Simon Stiebjahn vor Florian Vogel, bei den Damen holt sich Gunn-Rita Dahle-Flesjaa souverän den Sieg. Die Gesamtsiege gehen an Stiebjahn und Hannah Klein.

An vergangenen Wochenende ging es um alles: An zwei Tagen fanden die Finalläufe zur internationalen KMC MTB Bundesliga in den Disziplinen Sprint und Cross Country statt. Das Spannende am Finallauf: Die gewonnen Punkte werden in der Gesamtwertung doppelt gezählt.  Wer bei der Punktejagd auf sonnige Unterstützung gehofft hatte, wurde aber enttäuscht. Grau und nass präsentierte sich das Final-Wochenende in Titisee-Neustadt , der Heimat von Simon Stiebjahn (Bulls). Rutschige Abfahrten, gefährliche Wurzelpassagen und nicht zuletzt der durch den Regen schlammige Wiesenanstieg unterhalb der berühmten Skisprung-Hochfirstschanze verlangten den Fahrern vollste Konzentration und die letzten Kraftreserven ab – und das alles im strömenden Regen und bei maximal 12 Grad.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Der 19-jährige Max Brandl (Lexware) gewann souverän das U23-Rennen beim Bundesliga-Finale in Titisee-Neustadt.

Souveräner Eliminator-Sieg für Sprint-Weltmeister Federspiel und Stirnemann

Pünktlich zu den Qualifikationsläufen für das Sprintrennen am Samstag fielen die ersten Regentropfen, die sich im Laufe des Nachmittags immer mehr zu einem kräftigen Dauerschauer entwickelten. Einer, dem dieses Herbst-Wetter so gar nichts auszumachen schien, war Daniel Federspiel (Scott-Gooix). Bereits bei der Qualifikation legte er eine absolute Bestzeit hin, die niemand schlagen sollte. Und das, obwohl er auf den letzten Metern der Zielgeraden sichtlich die Beine hängen ließ. Wie bereits im Vorjahr fuhr der Österreicher dann im großen Finale vor Lokalmatador Stiebjahn als Erster über die Ziellinie. Scheinbar völlig mühelos jagte der diesjährige Sprint-Weltmeister zuvor den Anstieg oberhalb des Start-Ziel-Bereichs hinauf und hängte seine direkten Verfolger ab. Der Mann mit den schnellsten Beinen der Welt durfte in Titisee-Neustadt aber nicht nur einmal aufs das Siegerpodest steigen, denn in der Sprint-Gesamtwertung der internationalen Bundesliga landete er auf dem dritten Platz.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Localmatador, Mitorganisator und Abräumer des letzten Bundesliga-Wochenendes: Simon Stiebjahn.

Simon Stiebjahn, der als Mitorganisator des Rennens sogar selbst am Streckenbau Hand angelegt hatte, ist mit seinem zweiten Platz zufrieden: "Heute ging es schon ganz gut. Ich bin zufrieden als Zweiter", resümierte Stiebjahn über seine Position. Seinen ersten Platz in der Sprint-Gesamtwertung musste der Bulls-Fahrer am Samstag jedoch das erste Mal nach vier Jahren an einen anderen Fahrer abgeben. Felix Klausmann (Link Rad Quadrat) verwies den Schwarzwälder nämlich auf den zweiten Rang. Er belegte beim Sprint-Finallauf hinter Federspiel und Stiebjahn den dritten Platz und katapultierte sich mit den gesammelten Punkten an die Spitze der Sprint-Gesamtwertung. Beinahe wäre der 19-Jährige gar nicht so weit gekommen: Er stürzte nämlich während seines Qualifikationslaufs, konnte sich doch schnell wieder aufrappeln und sich zum Glück doch noch in die nächste Runde sprinten. Auf dem vierten Rang des Eliminator-Rennens schaffte es Oliver Laudenberg (Merida-Schulte). Max Holz (CEP Racing) konnte das kleine Finale souverän für sich entscheiden und landete am Samstag somit auf dem 5. Platz sowie auf Rang vier in der Sprint-Gesamtwertung.

Doch nicht nur bei den männlichen Fahrern gibt es schnelle Beine. Bei den Damen ging Vize-Sprintweltmeisterin Kathrin Stirnemann (Haibike Ötztal) an den Start und zeigte, dass sie ihren Weltmeister-Titel zu Recht trägt. Scheinbar spielerisch dominierte die Schweizerin die Regennasse und rutschige Sprint-Strecke und ging in jedem Heat sowie im großen Finale als klare Gewinnerin hervor. Platz zwei sicherte sich Juniorin Lia Schrievers (CEP Racing), die auf den letzten Metern noch an Nadine Rieder (AMG-Rotwild) vorbeizog. Wie schon Felix Klausmann bei den Herren hatte auch die talentierte 18-Jährige einmal mit den Wetterbedingungen zu kämpfen: Im Viertelfinale stürzte sie an Position zwei liegend, kam aber ebenfalls schnell wieder auf die Beine und konnte sich ihren Einzug ins Halbfinale noch sichern. Die Sprint-Gesamtwertung konnte am Ende die Dritte des Tages, Rieder, für sich entscheiden. Platz zwei ging an CEP-Fahrerin Schrievers, gefolgt von Stirnemann auf Rang drei.

Cross Country am Sonntag: ein spannendes Rennen bis zur letzten Sekunde und ein souveräner Einzelsieg

Der Sonntag bot den Teilnehmern des Finallaufs des XCO-Rennens der KMC MTB Bundesliga ein ebenso tristes Wetterbild wie der Tag zuvor: Regen, Regen und nochmal Regen. Wenn allerdings Stiebjahn selbst am Start steht, trotzen seine zahlreichen Fans auch den dicksten Tropfen. Viele waren, ausgestattet mit Schirmen und Gummistiefeln, gekommen, um den 26-Jährigen anzufeuern. Doch auch die Kommissäre des BDRs mussten der schlechten Laune des Petrus Tribut zollen und nahmen vor dem Start des Herren Elite Rennens noch kleine Veränderungen an der Strecke vor, nachdem mehrere U23-Fahrer während ihres Wettkampfs am Sonntagmorgen (teilweise auch schwerer) gestürzt waren.

Simon Stiebjahn siegt vor Florian Vogel

Um 15:00 Uhr erfolgte dann der Startschuss für die wohl spannendsten eineinhalb Stunden der diesjährigen MTB Bundesliga-Saison. Bereits in der zweiten Runde konnte sich "local hero" Stiebjahn mit Florian Vogel (Focus) und dem französischen U23-Fahrer Antoine Bouqueret (Scott Creuse Oxygene Gueret) absetzen. Die dreiköpfige Spitzengruppe baute ihren Vorsprung Runde für Runde weiter aus, blieb aber die gesamte Renndauer über zusammen. Die Zuschauer wurden Zeuge eines Dreikampfes, wie er im Buche steht: Mit aller Kraft kämpften die drei Minute für Minute um die Spitzenposition und starteten Attacken, die jedoch letztendlich keinen nennenswerten Abstand zwischen die Konkurrenten brachten. Die Entscheidung beim Finallauf in Titisee-Neustadt fiel tatsächlich erst ein paar Meter vor der Ziellinie, auf der sich Sprint-Ass Stiebjahn und Focus-Pilot Vogel ein Sekunden-Duell lieferten. Am Ende war es das Vorderrad des Bulls-Bikes, das als erstes über die wichtigste Bodenmarkierung des Tages flog. "Ich mag es bei Regen zu fahren und da haben mir die Wetterbedingungen natürlich in die Karten gespielt. Ich wusste, wenn es wieder zu einem Zielsprint kommt, kann ich gewinnen. Darauf habe ich dann auch gehofft und es hat super funktioniert. Ich bin glücklich, dass ich jetzt daheim meinen ersten Bundesligasieg in der Elite-Kategorie feiern kann", freute sich der Sieger im Ziel. Auch seinen Fans ist Stiebjahn total dankbar: "Es waren super viele Leute an der Strecke, die mich angefeuert haben. Das hat mich nochmal zusätzlich motiviert."

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Stiebjahn vor Vogel und Bouqueret: Dem Deutschen kamen die schlammigen Bedingungen entgegen.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Stiebjahns Attacke in der letzten Runde, die ihm den Sieg brachte.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Schwarz vor Schlamm: Die drei schnellsten Herren nach der Zieldurchfahrt.

Der Dritte im Bunde, Franzose Bouqueret, hatte nach einem Sturz den Anschluss nach vorne verloren und kam daher auch auf selbiger Position ins Ziel. Platz vier sicherte sich Fabian Giger, der sich erst kurzfristig für den Start beim Regen-Rennen entschieden hatte. Dahinter schnappte sich Markus Schulte-Lünzum (Focus) den fünften Rang. "Ich blicke langsam in Richtung Saisonende und da war es von der ersten Runde ab eigentlich schon recht hart. Ich habe mich ziemlich gewundert, dass ich dann noch so weit nach vorne gekommen und Fünfter geworden bin. Mit einem guten Ergebnis lässt sich die Saison am besten abschließen", freute sich der diesjährige Deutsche XCO-Meister über seine Platzierung.

Und auch Markus Bauer (Kreidler) schaffte nach seiner langen Verletzungspause einen souveränen Saison-Abschluss: Der überquerte vor Maxime Marotte (BH-Sr Suntour-KMC) auf Platz sechs die Ziellinie. Mit der Zieleinfahrt des letzten Teilnehmers stand gleichzeitig das Podium der XCO-Gesamtwertung fest: Platz Eins ging an Tagessieger Stiebjahn, gefolgt von Vogel. Den dritten Rang sicherte sich CEP-Rider Max Holz, der sich trotz zweier Stürze ins Ziel kämpfte, um seinen Platz in der Gesamtwertung zu verteidigen. "Ich freue mich wahnsinnig über diesen dritten Platz. Ich musste heute zwar nach zwei Stürzen meine allerletzten Körner mobilisieren, aber es hat sich zum Glück gelohnt", so Holz bei der Siegerehrung.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Die Gesamtwertung der MTB-Bundesliga 2016 sicherte sich Simon Stiebjahn (Mitte) vor Florian Vogel (links) und Max Holz.

Gunn-Rita Dahle-Flesjaa fährt dem Regen und ihren Konkurrentinnen davon

Bei den Damen triumphierte Gunn-Rita Dahle-Flesjaa (Multivan-Merida), nachdem sie sich bereits in der ersten Runde von ihren Verfolgerinnen absetzen konnte. "Ich bin total happy mit meiner Leistung. Es war sehr nass und rutschig, aber ich habe jeden Meter des Rennens genossen", beschrieb die Tagessiegerin ihre Glücksgefühle. Platz zwei erfuhr sich total souverän U23-Fahrerin Anne Tauber (Habitat MTB Team), an deren Fersen sich lange Zeit Linda Indergand (Focus) geheftet hatte. Am Ende hatte die Focus-Fahrerin jedoch zu wenig Kraft, um das Loch endgültig zuzumachen.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Auf und davon fuhr Dahle Flesjaa im Damenrennen von Titisee-Neustadt.

Die wohl glücklichste des Tages dürfte vermutlich Hannah Klein (Superior) gewesen sein. Sie kämpfte beim Finallauf nämlich mit Elisabeth Brandau (Radon-EBE Racing) um den Gesamtsieg. Das Wetter spielte der Wahl-Freiburgerin in die Karten und so konnte sie ihre Konkurrentin in der zweiten Runde überholen, rollte als Fünfte des Tages und als Siegerin der Gesamtwertung ins Ziel. " Ich habe mich ehrlich gesagt total über das Wetter gefreut. Wenn es rutschig wird, ist das genau mein Ding. Ich hab zwar nach dem Weltcup in Andorra ein wenig gekränkelt, aber heute ging es mir richtig gut. Ich bin so glücklich über meinen ersten Gesamtwertungssieg", berichtete Klein strahlend. Und auch Brandau zeigt sich nach dem Rennen glücklich und gratulierte Klein zum fünften Platz. "Bei dem Regenwetter bin ich glücklich, dass ich sauber durchgekommen bin. Ich bin jetzt durch die vergangene Cross-Saison ein Jahr lang durchgefahren, bei mir ist jetzt einfach die Luft raus. Hannah war heute nicht nur stark in den Abfahrten, sondern auch bergauf. Ich habe es heute einfach noch einmal genossen, biken zu gehen", so die junge Mutter über ihr Rennen. Stressen musste sich Brandau sowieso nicht: Der zweite Platz in der Gesamtwertung war ihr auch mit dem 15. Tagesrang sicher.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Vielleicht der letzte Sieg im Multivan-Merida-Dress? Gunn-Rita Dahle Flesjaas Team wird es 2017 nicht mehr geben.

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Die drei schnellsten Damen beim Bundesliga-Finale 2016: Anne Tauber, Gunn-Rita Dahle-Flesjaa und Linda Indergand (von links).

Armin M. Küstenbrück,EGO-Promotion Hannah Klein (Mitte) sicherte sich die Gesamtwertung der MTB Bundesliga 2016 vor Elisabeth Brandau (links) und Tagessiegerin Dahle-Flesjaa.

Platz drei der Gesamtwertung ging an Dahle-Flesjaa, gefolgt von Nadine Rieder, die mit ihrer Leistung sehr zufrieden ist. "Ich war ehrlich gesagt schon vor dem Sprint gestern müde und habe mich dann sehr gefreut, dass ich dort die Gesamtwertung gewinnen konnte. Heute war die Motivation dann nicht mehr ganz so groß, aber von Runde zu Runde hat es dann doch Spaß gemacht. Jetzt freue ich mich sehr, dass ich es auch hier noch aufs Podium geschafft habe."
Für das i-Tüpfelchen des Tages sorgte übrigens Gastgeber Stiebjahn selbst: Anlässlich seines Doppelsiegs spendierte er den Anwesenden 150 Liter Freibier. Eine Geste, für die er nach einem langen, kalt-nassen Tag umso mehr gefeiert wurde. Einen besseren Abschluss hätte es für die internationale KMC MTB Bundesliga vermutlich gar nicht geben können.

Themen: BundesligaCross CountryRennberichtRennenSchwarzwald


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