MTB Bundesliga Heubach 2016: Rennbericht

Vogel und Dahle-Flesjaa triumphieren erneut in Heubach

  • Romy Stiegler
 • Publiziert vor 5 Jahren

Florian Vogel und Gunn-Rita Dahle-Flesjaa sicherten sich beim zweiten Lauf der KMC Bundesliga in Heubach den Sieg. Bester Deutscher wurde Moritz Milatz als Neunter, Helen Grobert wurde Dritte.

Florian Vogel und Gunn-Rita Dahle-Flesjaa wiederholten beim zweiten MTB Bundesliga-Rennen in Heubach ihr Ergebnis vom Vorjahr. Beim BiketheRock-Event fanden sich am Sonntag wieder zahlreiche Weltklasse-Fahrer und Zuschauer ein, um den zweiten Lauf der KMC Bundesliga auf der anspruchsvollen HC-Strecke zu bestreiten bzw. live mit zu verfolgen. Im Gegensatz zum Vorjahr zeigte sich das Wetter gnädiger und es gab nur einzelne, kurze Sommer-Schauer. Eine klebrige Schlammschlacht war der fordernde Kurs dadurch aber trotzdem.

Florian Vogel liebt schlammige Bedingungen wie sie in Heubach am Sonntag der Fall waren.

Florian Vogel setzt ein klares Statement in Richtung Olympia

Wie bereits im Vorjahr gelang es dem Schweizer Florian Vogel (Focus), das Rennen für sich zu entscheiden. Bis zur letzten der sechs Runden lieferte sich der 34-Jährige ein spannendes Duell mit dem französischen Olympiakandidat Victor Koretzky (BH-Sr Suntour-KMC). Zum Schluss schaffte er es jedoch, sich von seinem 21-jährigen Konkurrenten abzusetzen. „Er hatte einen Gang mehr“, resümierte Koretzky, der knapp 48 Sekunden nach Vogel lachend die Ziellinie überquerte.

Vogel selbst setzte mit seinem starken Sieg ein deutliches Ausrufezeichen in Richtung der Olympia-Nominierung des Schweizer Radsportverbands. Dieser wählte für den Start in Rio in diesem Jahr nämlich Nino Schurter (Scott Odlo), Matthias Flückiger (Stöckli) und Lars Forster (BMC Racing, Rang acht) aus. Nach der glanzvollen Vorstellung des Focus-Piloten stellt sich der ein oder andere nun sicherlich die Frage, ob diese Entscheidung berechtigt sei. Ausschlaggebend für die Nicht-Nominierung Vogels könnte jedoch gewesen sein, dass der Heubach-Gewinner bereits zweimal bei den Olympischen Spielen dabei sein durfte und beide Male leider nicht sein Potenzial abrufen hatte können. Über seinen Sieg beim BiketheRock ist er aber sehr zufrieden: „Ich bin total happy über meinen zweiten Sieg in Folge in Heubach. Das Rad lief super und meine Form scheint gut zu sein. Aber viel wichtiger ist, dass ich mental nun bereit bin.“ Damit spielt Vogel auf seine Teilnahme bei der MTB-Weltmeisterschaft in zwei Wochen (29. Juni - 3. Juli) im tschechischen Biathlon-Stützpunkt Nove Mesto an.

War im langen Anstieg von Beginn an der stärkste Fahrer: Florian Vogel.

Julien Absalon konnte in den Abfahrten anfangs die Lücke zu Vogel wieder schließen, später jedoch nicht mehr.

Vogel wurde für die Schweiz nicht für Olympia in Rio nominiert und fährt mit ordentlich Wut im Bauch.

Das Traditionsrennen in Heubach fand bereits zum 16. Mal statt.

Franzosen bestätigen die Olympia-Nominierung

Als Dritter hinter Vogel und Koretzky kam MTB-Legende Julien Absalon (BMC) mit 1:20 Minuten Rückstand ins Ziel. Während sein Landsmann bis kurz vor Rennschluss an Vogels Hinterrad bleiben konnte, hatte der zweifache Olympiasieger schon mehr mit dem matschigen Untergrund zu kämpfen. Mehrfach musste er sein Schaltwerk und Kettenblatt in der Technikzone mit einer Wasserflasche abspritzen, um den Antrieb vom zähen Schlamm zu befreien. Dass derartige Probleme auf dem Heubacher Kurs auftreten können, wusste der Franzose bereits vorher: „Es ist mittlerweile eine Tradition, hier zu fahren. Der Kurs mit seinem sehr langen Anstieg liegt mir sehr und macht großen Spaß. Richtig kompliziert wird es jedoch, wenn es weder trocken, noch richtig nass ist, denn dann wird der Boden extrem schlammig und rutschig“, so Absalon vor dem Rennen.

Landsmann Koretzky, der wie bereits beim ersten Lauf der KMC Bundesliga in Bad Säckingen nicht in der U23-Klasse, sondern bei den Herren-Elite startete, bewies mit seinem zweiten Platz mehr als erfolgreich, dass seine Nominierung zu den Olympischen Spielen absolut gerechtfertigt war. Für die Red Bull-Kommentatoren Rob Warner und Bart Brentjens (erster MTB-Olympiasieger) „hat der BH-Fahrer das Zeug ein neuer Absalon zu werden“. Der Dritte im französischen Olympiabund, Maxime Marotte (BH-SR Suntour-KMC), hat sich mit dem untypischen Kurs „noch nie anfreunden können“ und belegte den elften Rang. „Das ist seit elf Monaten mein schlechtestes Ergebnis“, so der Franzose. Zusammen mit Koretzky und Absalon bewies er damit allen Zuschauern, dass Frankreich mit seinen Olympia-Nominierungen goldrichtig lag.

Moritz Milatz mit Rang neun bester Deutscher

Der deutsche Rio-Kandidat Moritz Milatz (Kreidler) schaffte es als bester Deutscher auf Platz neun. Zwar zeigte der Kreidler-Fahrer mit diesem starken Ergebnis, dass seine Nominierung gerechtfertigt ist, doch ein wenig enttäuscht war der 33-Jährige trotzdem. Schließlich belegte er beim BiketheRock seit 2008 stets einen Platz in den Top 5. Angesichts der extrem starken (teils olympischen) Konkurrenz und einem eher durchwachsenen Frühjahr ist er mit seinem Ergebnis aber zufrieden. „Ich bin von Platz 27 gestartet und war nach zwei Runden auf Platz acht. Ich hatte jedoch auf die falschen Reifen gesetzt. Mit dem neunten Platz bin ich trotzdem zufrieden“, lautet das Urteil des Freiburgers. Besonders hervorzuheben ist auch Christian Pfäffle (Stevens). Der Youngster, der sich in seinem ersten Elite-Jahr befindet, startet nach gesundheitlichen Problemen im letzten Jahr diese Saison voll durch. Bereits bei den beiden Worldcups in Albstadt und La Bresse zeigte er sein großes Potenzial (beide Mal Rang 48 mit den meisten Überholvorgängen) und bestätigte in Heubach mit seinem 13. Platz, dass er bereit für die WM ist.

Das Podium der Herren beim Bundesligalauf in Heubach 2016.

Die Deutsche Meisterin Helen Grobert baut ihre Form gerade für Olympia auf, dort findet das Damenrennen am 20. August statt.

Viele Olympia-Kandidaten fehlten

Trotz starker Besetzung und zahlreicher bekannter Namen gingen nicht alle Olympia-Kandidaten beim zweiten Bundesligalauf an den Start. Aus der Schweiz fehlten mit Nino Schurter und Matthias Flückiger zwei der drei Nominierten. Auch der Name des tschechischen MTB-Helden Jaroslav Kulhavy (Specialzed) sowie die  beiden Französinnen Pauline Ferrand-Prevot (LIV) und Perrine Clauzel (BH-Sr Suntour-KMC) fehlten auf der Startliste. Von den Italienern Marco Aurelio Fontana (Cannondale), Andrea Tiberi (FRM) und Luca Braidot (Forestale) war ebenfalls nichts zu sehen. Bei den Deutschen verzichteten Manuel Fumic (Cannondale) und die Grande Dame des MTB-Sports, Sabine Spitz, auf eine Teilnahme und wählten scheinbar ein anderes Programm, um sich auf die WM und Rio vorzubereiten. Das mag womöglich daran liegen, dass sich der Heubacher Oldschool-Kurs sehr von der Strecke in Nove Mesto und Rio unterscheidet.

Adelheid Morath (2. von links) landete trotz einem Trainingssturz und einer Erkältung auf Rang acht.

Siegte am Ende mit deutlichem Vorsprung: Gunn-Rita Dahle-Flesjaa.

Die vier schnellsten Damen in Heubach: Michiels, Grobert, Dahle-Flesjaa und Campuzano.

Dahle-Flesjaa siegt vor Campuzano und Grobert

Bei den Damen zeigte Gunn-Rita Dahle-Flesjaa (Multivan Merida), dass sie schon jetzt – zwei Monate vor den Olympischen Spielen – in Top-Form ist und gewann mit großem Vorsprung (3:26 Minuten). Die Strecke und ihre Beschaffenheit spielten der Norwegerin dabei in die Karten: Bereits zum fünften Mal holte sich die 43-Jährige beim BiketheRock in Heubach den Sieg. „Das ist ein tolles Bike-Festival. Vor 13 Jahren habe ich hier das erste Mal gewonnen. Ich bin zwar alt, aber immer noch stark“, resümierte die strahlende Gewinnerin.

Beste Deutsche wurde Helen Grobert (Ghost) auf Rang drei. In der letzten der fünf Runden hatte sich die Schwarzwälderin auf Platz zwei vorgekämpft, verlor jedoch  vor einem Singletrail den Zweikampf mit Daniela Campuzano , die vor ihr in die Abfahrt huschte und mit knapp 13 Sekunden Vorsprung vor Grobert über die Ziellinie fuhr. Zu ihren ”Favoriten“ gehört der Kurs in Heubach eigentlich nicht, gab die Ghost-Fahrerin am Vortag des Rennens noch an: „Ich freue mich hier dabei zu sein und zu starten. Das ist eine tolle Veranstaltung wie jedes Jahr. Gerade passt dieser Wettkampf perfekt in meinen Trainingsplan. Ich bin in der Vorbereitung für Olympia, alles ist darauf ausgerichtet. Ich darf deshalb morgen nicht zu viel erwarten, ich möchte einfach ein schönes Trainingsrennen fahren.“ Erst vor einer Woche hatte die Wahl-Freiburgerin die Zusage für ihre Olympia-Teilnahme bekommen. Ein Gefühl, das Grobert bei ihrem “Trainingsrennen“ offensichtlich beflügelte. Eines hat ihr Podiumsplatz auf jeden Fall deutlich gemacht: Die 24-Jährige ist mehr als bereit für Rio. „Ich bin super happy und freue mich auf dieses Highlight“, so Grobert.

Adelheid Morath, die ihren Olympia-Startplatz enttäuscht an Grobert abgeben musste, landete trotz Erkältung und einem Trainingssturz am Vortag auf Rang acht.

Der nächste und dritte Lauf der KMC Bundesliga findet am Wochenende des 29.-31. Juli am Nürburgring statt.

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