Mountainbike Worldcup-Finale Val di Sole: Downhill

Emmeline Ragot beendet Downhill-Karriere

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 5 Jahren

US-Boy Aaron Gwin setzt seine Siegesserie fort und Emmeline Ragot verlässt den Profisport. Diese traurige Nachricht verkündete sie beim Finale des Downhill-Worldcups in Val di Sole.

Rachel Atherton und Emmeline Ragot waren ein seltsames Paar. Auf der Rennstrecke kämpften sie bis aufs Blut miteinander und pushten sich damit gegenseitig zu Höchstleistungen. Abseits der Rennstrecke verband die beiden eine enge Freundschaft. Ihre Rivalität war wohl der Grund, warum der Downhill-Sport bei den Frauen ein nie dagewesenes Niveau erreicht hat. Doch das ist Vergangenheit. Denn nach zahrleichen Gerüchten gab Emmeline Ragot im Ziel in Val di Sole ihren Rückzug aus dem Profisport bekannt.

Rachel Atherton und Emmeline Ragot waren seit Ewigkeiten die Spitze des Damen-Worldcups und trotzdem gute Freunde.

Emmeline Ragot zieht sich aus dem Profisport zurück

Im Rollstuhl, den Arm in einer Schlinge, den Fuß in Gips erschien sie an der Worldcup-Strecke im Trentino. Im Interview mit Rob Warner und Claudio Caluori antwortete sie offen und ehrlich auf die Gerüchte, die sich seit ihrer Verletzung in Mont-Saint-Anne verbreitet hatten. Auf die Frage von Rob Warner, was sie 2016 plane, antwortete sie „Ich komme nicht zurück (…). Ich denke man fühlt, wenn es Zeit ist, aufzuhören und für mich ist diese Zeit jetzt. Über 13 Jahre und etwa 60 Podiumsplätze hatte ich im Worldcup (…) Ich denke, ich muss nichts mehr beweisen.“

Zwar warf diese traurige Nachricht einen Schatten auf das Rennen in Val di Sole, doch trotzdem oder vielleicht gerade deswegen gaben die Fahrerinnen alles und ehrten damit die vierfache Weltmeisterin im letzten Rennen der Saison. Val di Sole gehört sicher zu den aufregendsten Worldcup-Strecken. Auf nur 2,2 Kilometern werden über 500 Höhenmeter vernichtet, das durchschnittliche Gefälle liegt damit bei stolzen 21 Prozent.

21 Prozent durchschnittliches Gefälle in Val di Sole

Doch nicht nur auf dem Papier kann einem die Strecke das Blut in den Adern gefrieren lassen. Statt der üblichen Reihung von Rockgarden an Jumpsection an Wurzelstück ist Val di Sole ein einziger Rockgarden-Wurzel-Mix. Wohl der Hauptgrund, warum Val di Sole zu den physisch anspruchsvollsten Strecken des Kalenders gehört, obwohl man fast nicht treten kann. Selbst Downhill-Veteran Claudio Caluori war auf seiner Course Preview mehr Passagier als Pilot und hatte größte Probleme die Hände am Lenker zu behalten. Dass die untere Sektion vor der Zieldurchfahrt "The Hell" heißt, ist kein Zufall.

Die erste Fahrerin, die in Val di Sole richtig schnell war, war Myriam Nicole. Mit einer Zeit von 4:10.875 raste sie durchs Ziel. Es folgte Manon Carpenter, die nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Saison nun endlich wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat. Auch sie fand gute Linien über die heimtückischen Wurzeln und durch die Rockgardens und reihte sich mit einer Zeit von 4:15.080 auf dem zweiten Platz hinter Myriam Nicole ein.

Doch auch ohne ihre ständige Rivalin und mit dem Worldcup-Gesamtsieg in der Tasche ist Rachel Atherton immer noch extrem schnell. Das hat sie in Windham eindrucksvoll bewiesen. Auch in Val di Sole blieb sie nicht hinter den Erwartungen zurück und schlug selbst Myriam Nicoles Zeit noch knapp. 4:08.36 Minuten zeigte die Anzeigetafel im Ziel an. Hinter Rachel Atherton liegt damit eine unglaubliche Saison. Nur beim ersten Stopp des Worldcups in Lourdes wurde sie Zweite, alle anderen Rennen der Worldcup-Saison 2015 hat sie gewonnen.

Rachel Atherton mit ihrer Trophäe. 

Haben die Steine wirklich Angst vor Brook Macdonald?

Wesentlich enger zusammen als die Damen lagen die Männer, im Rennen wie im Gesamtranking. Wieder war es Loris Vergier, der mit einer Zeit von 3:37.308 Minuten den Hot Seat lange für sich beanspruchen konnte. Doch Brook Macdonald passte das offensichtlich nicht. Der Neuseeländer mit dem Chuck Norris-Image attackierte in Val di Sole trotz einer Knieverletzung dermaßen, dass schon Stimmen laut wurden, die Steine würden Macdonald aus dem Weg gehen, denn sie hätten Angst zu brechen, wenn Macdonald fällt.

"Es gibt Gerüchte unter den Fahrern, dass die Steine Brook aus dem Weg gehen. Sie haben Angst vor ihm, denn wenn er fällt, brechen die Steine und nicht er", sagte Kommentator Claudio Caluori bei Red Bull TV.

Offensichtlich stimmte das zumindest zum Teil: Denn Macdonald konnte auch Loris Vergiers Zeit noch um mehr als zwei Sekunden unterbieten. Doch auch Loic Bruni und und Troy Brosnan haben offensichtlich Talente, die auch Steine das Fürchten lehren. Mit 3:33er-Zeiten reihten sie sich noch vor Macdonald ein. Greg Minnaar war, entgegen aller Erwartungen, zu aggressiv und stürzte heftig im ersten Drittel der Strecke. Er sprang zwar, nachdem er seinen Vorbau wieder gerichtet hatte, schnell zurück aufs Bike, doch der Sieg war dahin.

Loic Bruni hat gut lachen. Er wartet zwar immer noch auf seinen ersten Worldcup-Sieg, doch ein zweiter Platz in der Gesamtwertung ist ja auch schon mal nicht schlecht.

So blieb es an Aaron Gwin die Zeit von Bruni noch zu unterbieten und der Amerikaner gab sich keine Blöße. Mit einer Zeit von 3:31.922 Minuten sicherte er sich den letzten Sieg der Worldcup-Saison und damit auch den Gesamtsieg.

Aaron Gwin streicht den verdienten Sieg in der Gesamtwertung ein. 

Rachel Atherton mit einer großen Geste

Downhill ist etwas ganz Besonderes. Es gibt wohl fast keinen Profisport auf dieser Ebene, den man so sehr eine Familie nennen kann, wie den Downhill-Worldcup. Vor allem bei den Damen sucht man vergeblich die Ellenbogen-Gesellschaft. Das zeigte die frischgebackene Worldcup-Siegerin Rachel Atherton, die ihre ewige Rivalin und Freundin Emmeline Ragot in ihren Armen auf das Podium trug, wo Ragot auch offiziell ihren Rücktritt bekanntgab. Ein großer Moment in der Geschichte des Downhills.

Fast 600 Punkte Vorsprung für Rachel Atherton: Was soll man da noch sagen?

Themen: Aaron GwinDownhillEmmeline RagotRachel AthertonWorld Cup


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