Mountainbike-WM 2015: Herren

Schurter Weltmeister – Fumic verpasst Bronze

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 5 Jahren

Die großen Zwei haben es unter sich ausgemacht: Nino Schurter schlägt Julien Absalon und ist neuer Weltmeister. Manuel Fumic verpasst um sieben Sekunden die Bronze-Medaille, die an Ondrej Cink geht.

Viel wurde im Vorfeld spekuliert: Wer kann sich im Kampf um die Medaillen einmischen und Nino Schurter und Julien Absalon Paroli bieten? Am Ende machten die beiden Dominatoren des Worldcups 2015 auch den WM-Titel unter sich aus. Wie zuletzt in den letzten drei Worldcup-Rennen war es am Ende der Schweizer Nino Schurter, der sich mit zehn Sekunden Vorsprung das Regenbogen-Jersey bei der WM in Andorra holte.

Nino Schurter krönt sich in Andorra zum vierten Mal zum Cross-Country-Weltmeister.

Schurter von Beginn an vorneweg

Nino Schurter wollte nichts anbrennen lassen und drehte bereits in der ersten Runde mächtig am Gashahn. Ohne zu überziehen war der Schweizer Gesamt-Worldcup-Sieger nach der ersten von sechs Runden alleine vorneweg. Dahinter folgte Ondrej Cink, der bereits 2013 beim letzten Worldcup in Andorra Zweiter wurde und anscheinend die Höhe gut verträgt. Manuel Fumic lag in aussichtsreicher Position in einer Vierer-Gruppe mit Mathias Flückiger, Florian Vogel und Andrea Tiberi. Julien Absalon machte sich in der ersten Runde auf, Schurter einzufangen, doch er lag noch an dritter Position. Erst anfangs der dritten Runde konnte der Weltmeister von 2014 zu Schurter aufschließen.

In der ersten Runde: Vorne oben Cink, dahinter zusammen Flückiger, Fumic und Absalon.

Manuel Fumic, der sich eine Medaille zum Ziel gesetzt hatte, schloss in der dritten Runde mit Mathias Flückiger zu Ondrej Cink auf. Ein inhomogenes Trio: Denn Fumic war in den Abfahrten bärenstark, Cink und Flückiger konnten bergauf ein schnelleres Tempo gehen. Ende der dritten Runde sprengte der Schweizer Stöckli-Pilot dann die Gruppe. Doch dabei handelte sich Flückiger einen Platten am Hinterrad ein. Er musste an der Tech-Zone anhalten und das Laufrad wechseln. Damit waren Cink und Fumic weg, wobei der Tscheche einen kleinen Vorsprung vor Fumic hatte.

Kurzzeitig konnte Cink sogar zu Schurter aufschließen. Aber nicht lange. Von hinten kommt Absalon angeflogen.

Fumic erst dran, dann knapp geschlagen

Die vierte Runde fuhr das Führungsduo Schurter/Absalon gemeinsam, man belauerte sich. Der Franzose machte in den Anstiegen eine stärkere Figur, Schurter spielte dafür in den Abfahrten mit Absalon und konnte sich am Hinterrad sichtlich erholen. Für Fumic wurde in dieser Runde die technische Querung zum Verhängnis. Es zog ihm auf den feuchten, hängenden Querwurzeln das Vorderrad weg und er stürzte. In der nächsten Abfahrt, einem Slalom über einen Wiesenhang, dann der nächste Schreckmoment: Fumic zieht es erneut das Vorderrad weg und er stürzt erneut. Ein Blick auf den Ellbogen, das Bike aus dem Flatterband befreien und weiter geht's. Doch diese beiden Stürze vergrößern die Lücke zu Cink, Mathias Flückiger kann sogar wieder aufschließen.

Diese technischen Passagen machten den Unterschied: Julien Absalon musste Schurter dort ziehen lassen.

In dieser abschüssigen Querung strauchelten alle. Ondrej Cink vorne, Manuel Fumic dahinter. Der Deutsche stürzte hier in der vierten Runde sogar.

In der vorletzten Runde macht Schurter Ernst: Im langen Downhill, der technisch über Wurzelteppiche und durch Steinfelder führt, reißt er eine Lücke zu Absalon. Das entscheidende Manöver, denn der Franzose sollte die bis zum Ziel nicht mehr schließen können – obwohl er Schurter immer wieder vor sich sieht. Anfangs der letzten Runde setzt Absalon alles daran, Schurter im ersten Anstieg zu stellen. Doch ohne Erfolg. Zwei Positionen weiter hinten sieht auch Manuel Fumic den Dritten Cink vor sich. In der langen Abfahrt fährt er sogar ran. Doch im folgenden Uphill klettert ihn der Tscheche wieder davon. „Er hatte eine höhere Frequenz und war bergauf einfach schneller. Das Rennen wurde heute am Berg entschieden, und da gehörte ich eben nicht zu den Top 3 heute“, sagte Fumic enttäuscht im Ziel.

Der erste Anstieg der letzten Runde: Hier versucht Absalon, die Lücke zu Schurter zu schließen, was ihm nicht gelang.

Zehn Sekunden trennten Julien Absalon von Nino Schurter im Ziel. Damit holte Schurter den vierten Weltmeister-Titel in seiner Karriere. Absalon bleibt – wie im Worldcup – trotz einer starken Leistung nur der zweite Platz. Als Dritter kam Ondrej Cink über die Ziellinie und holte damit Bronze. Völlig überraschend, wenn man den Saisonverlauf ansieht. Denn in diesem Jahr hatte der Tscheche mit sehr schwankenden Ergebnissen zu kämpfen. Aber bereits beim Worldcup 2013 in Andorra hatte er gezeigt, dass mit ihm in der Höhe zu rechnen ist. Geknickt und enttäuscht schob Manuel Fumic sein Bike an der Fotografen-Schar im Ziel vorbei. „Knapp vorbei. Aber es hat nicht sollen sein. Aber ich bin riesig enttäuscht“, sagte er anschließend. „Ab der Hälfte des Rennens waren die groben Reifen teilweise ein Nachteil, weil es so abgetrocknet hat“, so Fumic, der nach einer Trainingsrunde kurz vor dem Start von Schwalbe Racing Ralph auf Nobby Nic gewechselt hatte. Bitter – wie im Vorjahr verpasst der Kirchheimer damit eine WM-Medaille nur knapp.

Genau in dieser Linkskurve war Fumic in der vierten Runde gestürzt.

Die Wiederholung des Cross-Country-WM-Rennens der Herren gibt es hier bei Red Bull TV .

Stiebjahn fährt bestes XC-Rennen seiner Karriere

Als zweitbester BDR-Fahrer kam Simon Stiebjahn als 25. ins Ziel. Er war von Startplatz 62 furios gestartet und nach dem ersten Anstieg sogar zwischenzeitlich an 18. Position. „Danach habe ich versucht, meinen Rhythmus zu finden und nicht zu überziehen. Das war genau richtig“, sagte Stiebjahn im Ziel. Der Bulls-Fahrer hatte sich in diesem Jahr auf Marathons und Etappenrennen konzentriert. Deshalb ist das gute Ergebnis umso überraschender. Trotzdem hatte er sich die Top 20 als Ziel gesetzt gehabt. „Obwohl es die vergangenen zwei Tage im Training nicht so gut lief, hat heute alles gepasst. Das war das beste Cross-Country-Rennen von mir überhaupt“, so ein zufriedener Stiebjahn im Ziel.

Völlig verausgabt: Simon Stiebjahn hätte im Ziel gerne ein paar Atemzüge von einer Sauerstoff-Flasche genommen.

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