Mountainbike-Weltmeisterschaft 2015: Vorschau

Wer trägt die Regenbogen-Jerseys 2016?

  • Stefan Loibl
  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 5 Jahren

Bei der Weltmeisterschaft in Andorra stehen die wichtigsten Rennen noch bevor. Wer wird 2015 den Titel im Cross Country und im Downhill mit nach Hause nehmen? Alle Favoriten hier in der Vorschau.

Die Mountainbike-Weltmeisterschaften in Andorra sind bereits in vollem Gange. Für die deutschen Athleten lief es bisher gut. Im Cross-Country-Eliminator konnte Simon Gegenheimer gegen stärkste internationale Konkurrenz eine Bronze-Medaille erringen. Maximilian Brandl konnte sich bei den Junioren sogar zum Vize-Weltmeister küren. Doch die beiden wichtigsten Events, der Kampf um die WM-Titel im Downhill und im Cross Country stehen noch an.

Cross Country-WM: Männer

Nino Schurter dominierte in diesem Jahr – zumindest ab der zweiten Hälfte–  den Worldcup. Er siegte in Mont-Saint-Anne, Windham und Val di Sole und wird auch in Vallnord in Andorra ganz vorne mit dabei sein. Schon seit Jahren ist der Schweizer stetig auf Erfolgskurs. Zwar war die letzte Saison nicht ganz so erfolgreich, doch nun hat Nino Schurter wieder zu alter Stärke zurückgefunden und wird hochmotiviert sein, in Andorra mit dem WM-Titel auch die wichtigste Auszeichnung des Jahres einzuholen. Worldcup-Gesamtsieger und Goldmedaillen-Gewinner bei den European Games ist er schließlich schon.

Nino Schurter hat im Sprint und in der Abfahrt die vergangenen drei Worldcups für sich entscheiden können. 

Schurters stärkster Konkurrent in Andorra ist Julien Absalon. Der Franzose und amtierende Weltmeister, der mehr Worldcups gewonnen hat als jeder andere Fahrer hat für die Saison 2015 an seiner Fahrtechnik gefeilt. Mit großem Erfolg: Denn während Absalon Fahrtechnik-Ass Schurter in der vergangenen Saison noch in beinahe jeder Abfahrt ziehen lassen musste, sind die beiden nun deutlich näher zusammengerückt. Auch wenn in Val die Sole Schurter bergab ganz klar schneller war als der Franzose. Darunter hat Absalons enorme Kletterstärke, insbesondere in langen Anstiegen, aber keineswegs gelitten. Ein Talent, das Absalon in Andorra auf jeden Fall zu Gute kommen wird.

Julien Absalon hat für 2015 sichtlich an seiner Technik gearbeitet. Er ist jetzt nicht nur eine Macht bergauf, sondern kann auch bergab mit den Schnellsten mithalten. 

Für den dritten im Bunde, Jaroslav Kulhavy, verlief die Saison nicht ganz so glanzvoll. Zwar konnte er sich in Lenzerheide einen weiteren Worldcup-Sieg sichern, doch in den letzten drei Rennen des Worldcups konnte er die Pace der beiden Titanen Absalon und Schurter nicht mitgehen. Möglich ist aber auch, dass Kulhavy sein Training am Saisonende auf die WM ausgerichtet hat und aus diesem Grund in den letzten Worldcup-Rennen nicht mehr so stark war.

Riesen Freude: Manuel Fumic konnte als erster deutscher Elite-Fahrer überhaupt 2013 auf das WM-Podium fahren. Wir dürcken ihm die Daumen, dass er es wieder schafft.

In Schwarz-Rot-Gold wird Manuel Fumic in Andorra um eine Medaille kämpfen. Für die Weltmeisterschaft wurde sogar ein eigenes Bike in diesen Farben aufgebaut. Allerdings wird Fumic wohl eher Fully fahren, wie er BIKE heute verriet. Der Durchbruch der Saison für Manuel Fumic war sein dritter Platz in Windham. Im Anstieg ließ er sich nicht abschütteln, in der Abfahrt überraschte er sogar Nino Schurter. Seine technischen Fähigkeiten kann er auch in Andorra gut ausspielen, den der etwas veränderte Kurs fordert den Fahrern einiges ab. Eine Medaille bei der WM kann man Fumic nur wünschen. Im Auge behalten sollte man außerdem Florian Vogel und die Brüder Mathias und Lukas Flückiger. Die drei Schweitzer überzeugten in der Saison mit konstant guten Ergebnissen und haben gute Chancen bei der Weltmeisterschaft.

Cross Country-WM: Frauen

Bei den Frauen sind Prognosen wesentlich schwieriger. Die Einzige, mit der man in Andorra sicher rechnen kann, ist Jolanda Neff. Die junge Schweizerin gewann sowohl diesen, als auch den Gesamt-Worldcup 2014 und holte 2014 Jahr zudem WM-Titel in der U23-Klasse. Dieses Jahr wird sie sich in der Elite auch gegen Titelverteidigerin Catharine Pendrel durchsetzen wollen. Mit drei von sechs Siegen im Worldcup 2015 ist Jolanda Neff definitiv die heißesten Kandidatin auf Gold, obwohl sie in den letzten Rennen der Saison nicht mehr so überlegen wie am Anfang gewirkt hatte.

Jolanda Neff ist die Top-Favoritin bei den Damen, auch wenn sie in der Staffel am Mittwoch nicht die Schnellste war.

Doch auch MTB-Legende Gunn-Rita Dahle Flesjaa (NOR), die Dänin Annika Langvad sowie Pauline Ferrand-Prévot (FRA) haben dieses Jahr Worldcup-Läufe gewonnen. Besonders im Auge behalten sollte man Pauline Ferrand-Prévot. Die Französin konnte nur an einigen Worldcup-Rennen auf dem Mountainbike teilnehmen, weil sie gleichzeitig auch noch Straßenrennen auf höchstem Niveau fuhr. Obwohl das Mountainbike gar nicht ihr Hauptfokus in dieser Saison war, hängte sie in Windham die komplette Worldcup-Elite – einschließlich Jolanda Neff – ab und fuhr unangefochten zum Sieg. Man kann gespannt sein, was in Andorra bei den Damen passiert.

Pauline Ferrand-Prévot fuhr in Windham ein geniales Rennen. Sie gab sich keine Blöße und sicherte sich mit 1:28 Minuten Vorsprung den Sieg.

Downhill: Gwin und Atherton als Gold-Kandidaten

Aaron Gwin und vor allem Rachel Atherton dominierten im Downhill die Saison. Während Gwin Siege an Greg Minnaar und Josh Bryceland abgeben musste, konnte Rachel Atherton bis auf das erste Rennen in Lourdes alle Worldcups für sich entscheiden. Und ausgerechnet Emmeline Ragot, die in Lourdes siegte, wird in Andorra zu den Weltmeisterschaften nicht mehr antreten. Nach einem schweren Sturz in Mont-Saint-Anne gab Ragot in Val di Sole ihren Rückzug aus dem Profisport bekannt.

Rachel Atherton hat den Worldcup-Titel bereits in der Tasche. Jetzt wird sie alles geben, um auch das Regenbogen-Jersey zu holen. 

Bei den Damen ist also Rachel Atherton die klare Favoritin auf den WM-Titel. Auf einem neuen GT-Downhiller im Union-Jack-Design wird sie in Andorra an den Start gehen. Doch Downhill ist ein harter Sport und das Niveau bei den Damen ist hoch wie nie. Auch Tahnee Seagrave, Tracey Hannah und Titelverteidigerin Manon Carpenter haben gute Chancen, in Andorra Medaillen zu holen. In den letzten Rennen war es vor allem Myriam Nicole, die Rachel Atherton Paroli bieten konnte. In Val di Sole trennten sie nur etwa zwei Sekunden von Rachel Atherton, aber fast fünf Sekunden von der Drittplatzierten Manon Carpenter.

Wie auch Rachel Atherton wird der Top-Favorit bei den Männern auf einem Bike in den Farben seines Landes antreten. Specialized hat tief in die Custom-Kiste gegriffen und für Aaron Gwin ein Bike auf die Beine gestellt, das in Zukunft selbst Uncle Sams Stars-and-Stripes-Hut Konkurrenz machen könnte. Auch Teamkollege und Mitfavorit Troy Brosnan hat für die WM ein neues Bike zur Verfügung gestellt bekommen.

Ob mit Kette oder ohne: Aaron Gwin war diese Saison fast nicht zu schlagen.  

Doch der wichtigste Konkurrent für Aaron Gwin wird in Andorra wohl Greg Minnaar sein. Die lange Strecke, die mit flachen Tretstücken und extem steilen Rockgardens außergewöhnliche Kondition und Fahrtechnik verlangt, liegt den beiden Kontrahenten wohl gleichermaßen. Daneben sollte man aber auch Santa Cruz-Fahrer Josh „Ratboy“ Bryceland und Loic Bruni im Auge behalten. Bruni blieb trotz konstant sensationeller Leistungen stets ein im Worldcup-Erfolg verwehrt. Vielleicht wird er nun der wohl erste Downhiller, der Weltmeister wird – ohne je einen Worldcup gewonnen zu haben.

Gehört zur Artikelstrecke:

Mountainbike-Weltmeisterschaft 2015 in Andorra


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