Epic Israel: 90 Kilometer bei 40 Grad Epic Israel: 90 Kilometer bei 40 Grad Epic Israel: 90 Kilometer bei 40 Grad

Mitgefahren: Epic Israel 2019

Epic Israel: 90 Kilometer bei 40 Grad

  • Adrian Kaether
  • Igor Schifris
  • Anastasiya Riabochkina
 • Publiziert vor einem Jahr

Vor zwei Jahren standen unsere Bloggerinnen Anastasya und Maria erstmals beim Epic Israel am Start. Damals fast ohne MTB-Erfahrung. Jetzt bot sich bei 40 Grad im Schatten die Chance zur Revanche.

Eigentlich ist Akkon im Norden Israels nur eine Kleinstadt unter vielen an der Ostküste des Mittelmeers. Allerdings eine Kleinstadt mit einer ziemlich langen und nicht immer friedlichen Geschichte. Vor rund 5000 Jahren siedelten hier die ersten Menschen, die Römer nutzten den strategisch bedeutenden Hafen für Truppenbewegungen, im Mittelalter war die Stadt eine Hochburg der Händler und der Kreuzfahrer, ein Knotenpunkt für den leider selten friedlichen Austausch zwischen Orient und Okzident, zwischen Westen und Osten.

Immer vorneweg. Gemeinsam mit den Österreichern Karl Markt und Gregor Raggl führten Georg Egger (links) und Max Brandl (rechts) auf jeder Stage das Feld an und konnten am Ende auch die Gesamtwertung gewinnen.

Die strahlenden Sieger: Max Brandl und Georg Egger (v. links).


Heute ist es ruhiger geworden um Akkon und unsere Pilger haben zum Glück anderes im Sinn, als Krieg zu führen. Aus allen möglichen Ländern sind sie gekommen, Amateure und Profis gleichermaßen, Bikes in Taschen und Koffern, für ein Rennen bei dem man vor allem gegen sich selbst, gegen die unbarmherzige Hitze und den inneren Schweinehund kämpfen muss. Das Epic Israel.

Epic Israel 2019: Über 300 Starter – Egger/Brandl und Pendrel/Smith holen den Sieg


Seit über einem halben Jahrzehnt gibt es das Event nun schon und was als ein kleines Rennen begann, organisiert von ein paar Locals, hat sich zu einem zentralen Treffpunkt der israelischen Bike-Szene gemausert und ist auf dem besten Wege auch international richtig durchzustarten. Über 150 Teams waren dieses Jahr am Start und an der Spitze kämpften auch einige deutsche Fahrer mit – nicht ohne Erfolg. Georg Egger und Max Brandl (Lexware Mountainbike Team) trugen am Ende wie bereites 2018 den Sieg davon, blieben jedoch nicht die einzigen prominenten Starter. Martin Gluth und Fabian Giger machten den beiden Lexware-Fahrern Konkurrenz, ebenso David List und Luca Schwarzbauer. Bei den Damen kämpften Catharine Pendrel, Haley Smith, Chloe Woodruff und Erin Huck sowie Rebecca McConell und Githa Michiels um den Gesamtsieg.

Bei den Damen gewannen Haley Smith (links) und Catharine Pendrel.

40 Grad im Schatten, Etappen bis über 90 Kilometer


Während die Profis sich ständig am Limit bewegten, um auf jedem Meter noch ein paar Hundertstel herauszuholen, blieb den Amateuren dieses Jahr oft nur der Kampf um das blanke Überleben. Gut, wir übertreiben ein bisschen, doch bei Temperaturen von an die 40 Grad im Schatten, der in Israel meistens spärlich gesät ist, wurde schon das Beenden der bis zu 91,5 Kilometer langen Tagesetappen zu einer heftigen Herausforderung. Vom Blick auf die Stoppuhr einmal ganz abgesehen.

Der Nachbau eines römischen Aquädukts bei Akkon ist die Kulisse für den Prolog und den Start der ersten Etappe.

Wie die Bustouristen, nur mit mehr Action und mehr Schwitzerei. Die Mittelmeerpromenade von Akkon mit dem Denkmal für die 1947 aus der Zitadelle von Akkon befreiten Gefangenen.


Auch unsere Bloggerinnen Maria und Anastasiya mussten ziemlich kämpfen, um die Stages überhaupt zu beenden. Die beiden sitzen erst seit wenigen Jahren auf dem Mountainbike und haben nach eigenen Angaben noch einiges zu Lernen, aber ihr Wille und ihr Durchhaltevermögen brachten sie schlussendlich doch ins Ziel. Doch hört selbst:

Blog Maria und Anastasiya


Anastasiya: Das Epic Israel ist für mich viel mehr als einfach nur ein Mountainbike-Rennen. Das ist ein Bikefest, ein Treffen mit Gleichgesinnten, mit alten Bekannten aus aller Welt, die für das Epic Israel immer wieder hierher zurückkommen. Das Epic ist für mich die Essenz meiner Liebe zum Mountainbiken, meine Möglichkeit den Sport in ein paar intensiven Tagen in all seinen Facetten so richtig auszuleben.

Unsere Bloggerinnen Anastasiya (links) und Maria (rechts). Die beiden kommen aus Moskau und sind dieses Jahr zum dritten Mal beim Epic Israel.


Wie vielleicht schon aufgefallen ist, bin ich dieses Jahr nicht das erste Mal zum Biken in Israel. 2017 waren Maria und ich schon einmal da, mein bis dato erstes Etappenrennen überhaupt. Kein Wunder! Schließlich hatte ich mir erst ein halbes Jahr vorher mein erstes Mountainbike gekauft und weil es Höhenzüge in meiner Heimat bei Moskau eigentlich nicht gibt, war es auch mein erster Kontakt mit richtigen Bergen beim Mountainbiken überhaupt. Man, was hab‘ ich geschimpft und gelitten damals, doch die Erlebnisse und Emotionen dieses ersten Rennens werde ich wohl nie mehr vergessen.

Etappenrennen mit einem halben Jahr MTB-Erfahrung: Epic Israel 2017


Vielleicht auch, weil es damals einfach so fürchterlich war. Es war immer unglaublich heiß, ich konnte gar nicht so viel trinken wie ich gleichzeitig wieder ausschwitzte und sobald der Trail ein bisschen technisch wurde, zitterten mir die Knie vor Angst. So etwas war ich aus der Ebene von Moskau einfach nicht gewöhnt.


Dazu kam, dass ich mich auch im Uphill immer wieder am Kopf kratzte: „So viele Steine, wie soll man da nur hochfahren?“ Schon nach den ersten 40 Minuten wollte ich aufgeben, doch ich biss mich durch, schob mein Bike durch Furten, wurde mutiger und sicherer und schimpfte zunehmend lauter auf Russisch oder Englisch, während ich den Berg hinunterrumpelte. Sehr zur Erheiterung meiner Mitfahrer.

Wasser auf den Kopf, Eis in den Mund: Hauptsache Abkühlung.


Das Überwältigendste aber war, als ich erlebte wie schnell aus Konkurrenten auf dem Papier echte Freunde werden können, wenn man mitten in der Wüste die letzten Schlücke Wasser miteinander teilt. Am Ende kämpfen wir doch selbst in einem Rennen alle gemeinsam gegen dieselben Feinde: den Berg und die Hitze, den ständigen Staub und den ewigen Wassermangel.

Verkalkuliert mit dem Wasser? Dann hilft nur viel trinken und Blut in den Kopf. Die Medics wissen, wie es geht.

Anastasiya fängt Feuer


Wie ihr schon gemerkt habt, bin ich trotzdem oder vielleicht gerade wegen der Strapazen dieses Rennens dem Mountainbiken bis heute treu geblieben. Mit meiner Team-Partnerin von damals – Maria Petrowa, die eigentlich immer „Mascha“ genannt wird – war ich seitdem bei Rennen in Russland, auf Zypern, in der Schweiz, in Belgien, Österreich und der Türkei. Doch nur das Epic Israel konnten wir nicht mehr aus dem Kopf kriegen. Und so stehen wir 2019 wieder am Start, wieder im Zweier-Team, genau wie vor zwei Jahren.

Idit Shub (links) ist die Co-Organisatorin des Events. Gemeinsam mit ihrer Assistentin Danny Zindorf und Rennleiter Gal Tsachor trägt sie Sorge dafür, dass während des Rennens alles glatt läuft. Übrigens: Gal und Idit fahren selbst Etappenrennen und konnten 2016 sogar eine Stage des Cape Epic in der Mixed-Wertung gewinnen.


Und für dieses Jahr hatten sich die Veranstalter etwas ganz Besonderes ausgedacht: Akkon in Nordisrael sollte der Ausgangspunkt des Rennens sein und wir sollten alles erleben wie die Bustouris – die Altstadt von Akkon, den Sandstrand, die Mittelmeerpromenade, die schattigen Alleen, die Palmenhaine, die Avocado-Plantagen. Nur eben vom Bike aus statt aus dem klimatisierten Bus, mit Energiedrink in der Flasche und der Kette auf Zug statt mit einer kalten Limo in der Hand im Liegestuhl. Doch seht selbst. Igors Fotos sagen vielleicht mehr dazu, als unsere paar Zeilen das hier je könnten.

Epic Israel 2019: MTB-Etappenrennen in Israel

30 Bilder

Eindrücke und People vom Epic Israel 2019.

Das Training zahlt sich aus


Jedenfalls haben sich die zwei Jahre Training doch ziemlich ausgezahlt. Maria und ich waren dieses Mal ganz anders unterwegs als bei unserer Epic-Israel-Premiere. Wir konnten den anderen schnellen Damen zwar noch nicht Paroli bieten, doch mehr Speed und mehr Flow hatten wir trotzdem. Und nicht jeder Busch und jeder Felsen in der Abfahrt konnte uns dieses Jahr einen echten Schrecken einjagen. Ich fing bald sogar an, die Downhills richtig zu genießen, dabei war es dieses Jahr wirklich nicht leicht. Wir hatten schnelle Schotterpisten, aber auch richtig enge Trails mit fiesen Steinen und Spitzkehren. Dazu die weiterhin unbarmherzige Hitze mit Temperaturen zwischen 37 und 39 Grad Celsius, die einen selbst an kleineren Hügeln an sich selbst zweifeln lassen.

Eine halbe Flasche für 200 Höhenmeter


Ich erinnere mich an eine Verpflegungsstation, die zweite Etappe muss das gewesen sein. Wir füllten die Flaschen voll auf und gingen dann, kurze Zeit später, in einen Anstieg von etwa 400 Höhenmetern. Schon auf der Hälfte waren die Flaschen wieder halb leer, dabei konnten wir die Verpflegungsstation immer noch sehen! Dazu die technischen Schwierigkeiten, die auch scheinbar harmlose Höhenprofile zur Hölle werden lassen können. In Österreich oder mehr noch in Russland hätten wir morgens gedacht: „Kein Problem, das klappt locker heute." Aber hier in Israel muss zum Teil jeder Höhenmeter hart erkämpft werden. Vorderrad hoch auf den Stein, aufstehen, Hinterrad nachziehen, hinsetzen. Drei Meter später dann dasselbe wieder von vorne.

Anastasiya genehmigt sich nach der zweiten Etappe noch ein paar tiefe Züge. Dieses Mal waren die beiden aber immerhin besser vorbereitet. Die Erfahrung, dass man beim Epic Israel aber unbedingt zwei Flaschen braucht, machte unser Redakteur Stefan Loibl vor einigen Jahren auch schon.

Staub: Rot, weiß, grau, schwarz


Immer muss man konzentriert bleiben, selbst wenn einem der Schweiß in Bächen den Rücken herunterläuft. Denn einmal aus dem Rhythmus gekommen, sind gleich drei stärkere Fahrer an dir vorbei und mehr Kraft kostet es dann trotzdem noch. Das Epic Israel ist kein Temporennen, sondern ein ständiger Kraftakt. Körperlich und mental. Selbst die Flachstücke von bis zu 25 Kilometern Länge sind extrem anstrengend und der Windschatten der Jungs, die teilweise mit fast 50 über die Schotterpisten drücken, bringt einem immer nur kurz ein bisschen Entspannung. Und dann ist da noch der ganze Staub, der einem überall reinkriecht. Wir hatten roten Staub, weißen, grauen und sogar schwarzen Staub. Maria war dieses Jahr auf dem Hardtail unterwegs. Ich hab sie noch nie so fluchen hören wie auf diesen rumpeligen Schotterpisten und ich glaube, das macht sie nicht noch einmal. Ihr Rücken wird es ihr wahrscheinlich danken.

Der Staub kriecht beim Epic Israel in jede Pore und bedeckt nach über 90 Kilometern das ganze Gesicht. Da hilft nur eine ausgiebige Dusche.


Fazit? Es war hart, aber es war auch einfach wieder der Hammer! Die Organisation ist wahnsinnig großzügig mit Startergeschenken, den Dinners und der Verpflegung und das Event steckt voller Erlebnisse, auf und auch neben dem Bike. Trotz der großen Starterzahl hat das Epic Israel noch immer eine warmherzige und familiäre Atmosphäre. Und da ist es ganz egal, ob man Jude oder Araber, Russe, Deutscher, Kanadier, Amerikaner, Italiener oder sonst was ist. Eigentlich eine starke und ziemlich politische Message für so ein unpolitisches Event wie ein Mountainbike-Rennen. Uns hat es jedenfalls wieder ziemlich viel Spaß gemacht und wir kommen wieder. Wer weiß, vielleicht nächstes Mal beide im Mixed-Team.

Alle Infos zum Epic Israel gibt's auf der Website des Veranstalters.

Gal Tsachor ist der Organisator des Epic Israel. Ohne ihn läuft hier nichts.

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