Wadenkrampf Level 3 Wadenkrampf Level 3 Wadenkrampf Level 3

Mitgefahren: 4 Stage La Santa

Wadenkrampf Level 3

  • Alexander Brempel Ballester
 • Publiziert vor 3 Jahren

Die Winterpause nutzte unser Marathon-Blogger Alexander, um sich einen neuen Trainer zu suchen und sich ein neues Bike zuzulegen. Kurzerhand schickte ihn Coach Josep zum Formtest nach Lanzarote.

Nach einer vollgepackten Marathon-Saison, in der ich mit Tunnelblick und dem Kinn auf dem Vorbau in Aero-Position durch von sadistischen Rennveranstaltern abgesteckten Rennkurse geraucht bin, ging es in die Winterpause. Allerdings ohne in den Startlisten-Olymp aufgestiegen zu sein, dafür mit einem Sack voller Nahtoderfahrungen bei meinem letzten Einsatz im September 2017 bei der Crocodile Trophy in Australien.

So eine Winterpause ist gar nicht so einfach durchzustehen, wie ich dachte. Der Körper gewöhnt sich an seine tägliche Dosis Qual. Nach vielleicht drei Tagen, in denen man das Beine-Hochlegen genießt, schlägt die Laune plötzlich um. Ich ertappe mich dabei, wie ich um zwei Uhr nachts auf Stageraces.com nach Etappenrennen suche, um bestenfalls schon an Neujahr wieder einen Grund zu haben, mich in den Sattel zu schwingen und alle zwei Wochen den Duschabfluss mit frisch gemähten Beinhaaren zu verstopfen.

Nachdem man die ersten Wochen der Inaktivitat überstanden hat, macht sich plötzlich eine unabwendbare Müdigkeit breit. Ein Gefühl, als hätte man alle Lebenskilometer bereits abgespult und bräuchte nie wieder wie verrückt in die Pedale treten.

Zwischen Lethargie und Rahmenbruch

Der Dämmerzustand zwischen unzufriedenem Rennfahrer und Couch-Potato wurde von einem Spam-Alarm in meinem E-Mail-Postfach zerrissen wie eine rostige 11fach-Kette. Andalucia Bike Race! Die Vuelta Espana der Mountainbiker! Ich hatte ein Sonderangebot für die letzten Startplätze vor mir. Trails und Sonne bis zum Abwinken.
Sechs Tage Gehetze zwischen Olivenhainen und beeindruckenden Schluchten. Schwitzen, fluchen, leiden. Und abends einen Rioja und Jamon Serrano. Ole!

Der Teufel ist ja bekanntlich ein Eichhörnchen. Das Event ist mit 11000 Höhenmetern, fast 500 Kilometern und UCI-Status kein Spaziergang durch Cordobas Tapas-Bars. Doch erst einmal musste ich mir ein neues Bike besorgen, denn bei meinem alten war der Rahmen gebrochen. Der neue Untersatz ist schnell besorgt, ein Fully sollte es diesmal werden. Nach mehreren Testfahrten ist es ein silbergraues Specialized Epic geworden, das Race-Fully mit selbst blockierendem Brain-Fahrwerk, das den Lenker sauber hält von Kabelsalat und zickigen Remote-Hebeln.

Die Suche nach einem neuen Coach ist da schon einen ganze Ecke schwieriger. Eine Option ist, den alten Hasen unter den Rennfahrern zu lauschen. Nebulöse Tipps wie „nur im schwersten Gang fahren“, 8-Stunden-Touren und die Verteufelung von neuer Technik wie Wattmessern sind keine Lösung, um in immer professioneller werdenden Marathonfeldern eine gute Figur zu machen.

Option zwei: Auf „Cycling Peaks“ oder ähnlichen Webseiten nach einem Coach zu suchen, dem man per E-Mail erst seine Leistungsdaten und seinen Kohle rübersendet, um dann eine Nachricht mit seinem „individuellen“ Trainingsplan zu bekommen. Das ist mir dann doch ein bisschen zu schräg. In Zeiten von Tinder & Co. auch noch den Trainer online in einem Generator zwischen hunderten Bewerben zu finden, das ist mir dann doch etwas zu unterkühlt. Die Optionen sind gigantisch und bei vielen enstehen daraus sicher sehr erfolgreiche „Matches“. Doch wie soll jemand, der mir noch nie großväterlich in die Wade gekniffen hat, wissen, was gut für mich und meine Beine ist?

In einem Trainer sucht man ja nicht nur jemanden, der einem aufschreibt, ob man am Mittwoch zwei Stunden lang 210 oder 220 Watt im Schnitt fahren soll, sondern vielmehr eine spirituelle Anlaufstelle, wenn die Dinge aus dem Ruder laufen. Jemand, der nach ein paar Monaten der Zusammenarbeit deine Trikots allein aufgrund des Schweißgeruchs von denen anderer unterscheiden kann. So etwas wie Meister Splinter für die „Ninja Turtles“.

Im Gespräch mit einem Kumpel aus der Triathlonecke, der Coaches wechselt wie manche Leute Hinterradreifen, bin ich schließlich auf Josep gestoßen.

Josep macht keine halben Sachen

Ultratrail-Läufern, die bis zu 130 Kilometer nonstop laufen, sind genau die richtigen Leute, die einem dabei helfen, dass die Schwäche den Körper durch die Schweißporen verlässt. Joseps Methoden sind zwar etwas brachial (das Wort Brecheisen fällt in jedem dritten Satz), aber sein Wissen um Wattwerte und seine Passion beim Entwerfen von Plänen haben mich überzeugt.

Mit einem festen Druck seiner kantigen Hand sind wir ins Geschäft gekommen. Als erstes hat er mich nach Lanzarote zum 4-tägigen Rennen 4 Stage La Santa geschickt, um dem Schweinehund so richtig deutlich zu sagen, dass der Winter vorbei ist.

Der erste Test

Beim 4 Stage La Santa ist es so brutal wie jedes Jahr. Alle sind frisch und scharen schon am ersten Tag mit den Hufen in der Startbox, um die angesammelte Energie endlich effizient in Vortrieb umzuwandeln. Mit System zu trainieren ist eine Sache, sich im Rennen daran zu halten eine andere.

Veranstalter Massenstart: Wie immer bin ich zu schnell gestartet.

Veranstalter Vom Winde verweht: Alexander (vorne rechts) und Naima Diesner (Dritte bei den Frauen) stemmen sich gegen die stürmischen Böen.

Veranstalter Wie im Vorjahr nutzte BIKE-Blogger Alexander das Inselrennen auf Lanzarote zum Saisonstart.

Ich fahre all-out

In der ersten Stunde mit den Profi-Frauen. Ab der zweiten mit den Leuten, die optisch meinem Gewicht und im Tempo meinem Leistungslevel entsprechen und ab der dritten mit den unrasierten Jungs vom Schlag: motivierter Anfänger.

Nach einem Sturz ins Lavagestein und einem Kettenriss mit anschließendem Versagen des Kettennieters sitze ich nach dem zweiten Tag in der Lobby, das Rauschen der 70-km/h-Gegenwind-Böen noch in den Ohren. Dabei hole ich mir neue Instruktionen von Coach Josep. Ich solle mein Ego im Hotelzimmer lassen und brav in Fromme-Manier auf meinen Bike-Computer schauen und gefälligst in den von ihm errechneten Power-Zonen bleiben!

Veranstalter Christian Pfäffle wurde trotz Pannenpech 13. der Gesamtwertung, Ben Zwiehoff wurde Vierter.

Veranstalter Sören Nissen fuhr mit einer Zweifach-Kurbel mit 38er-Blatt, Bar-Ends und Lauf-Gabel.

Veranstalter Gesamtsieger Sergio Mantecon vom Team Trek Factory Racing. Er gewann das 4 Stage La Santa bereits im zweiten Jahr in Folge.

Veranstalter Der Österreicher Karl Markt gewann die ersten beiden Etappen, wurde am Ende in der Gesamtwertung Dritter.

Trotz wirklich harter Bedingungen beim diesjährigen 4 Stage La Santa lande ich irgendwo im Mittelfeld der Gesamtwertung, mit Bock auf mehr.

Die Saison 2018 kann kommen! Nächste Woche geht es mit einen Einzelzeitfahren in Lineares auf die erste Etappe der Andalucia Bike Race.


Mucho Gas!
Alexander

Themen: BlogEtappenrennenLanzaroteMarathonSpanien


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