Marathon-WM 2017 Singen: Rennbericht

Lakata & Langvad Marathon-Weltmeister 2017

  • Stefan Loibl
  • Erhard Goller
 • Publiziert vor 3 Jahren

Alban Lakata hat sich das schönste Geburtstagsgeschenk selbst gemacht: Der Österreicher holte in Singen seinen dritten WM-Titel. Bei den Damen schlug Annika Langvad Sabine Spitz im Sprint.

Alban Lakata (38) hat sich bei der Marathon-Weltmeisterschaft in Singen den dritten Titel seiner Karriere geholt. Zweiter wurde der portugiesische Weltmeister von 2016, Tiago Ferreira. Bronze ging ebenfalls an Österreich, an Daniel Geismayr vom Team Centurion Vaude. Den Sprint um Platz vier gewann der Niederländer Mathieu van der Poel vor Jaroslav Kulhavy (CZE). Bester Deutscher wurde Markus Kaufmann auf Rang 11, Manuel Fumic landete mit einer starken zweiten Runde auf Platz 14.

Ein 176 Mann starkes Fahrerfeld machte sich gestern um 10:20 Uhr auf die 98 Kilometer rund um Singen. Lange hielt sich eine große Spitzengruppe an der Spitze, die nach und nach immer kleiner wurde. Erst nach etwa 70 Kilometern konnte Tiago Ferreira an einem kurzen Anstieg eine Attacke setzen und die auf neun Mann geschrumpfte Spitzengruppe sprengen. Außer Lakata und Geismayr konnte nur der 22-jährige Cyclocross-Spezialist Mathieu van der Poel mitgehen. Der niederländische Mitfavorit musste die drei aber bei der nächsten Verschärfung ziehen lassen. „Als wir dann zu dritt waren, wussten wir: Jeder hat eine Medaille, dann haben wir zusammen gearbeitet", sagte Lakata im Ziel.

Das Trio eröffnete erst einen Kilometer vor dem Ziel den Kampf um die Medaillen. Lakata ging an die Spitzenposition und zog einen langen Sprint mit seinem Stehvermögen durch. Damit holte der Osttiroler seinen dritten Weltmeister-Titel – und das an seinem 38. Geburtstag. „Es ist unglaublich, dreimal Weltmeister, das ist ein Traum. Ich wusste, wenn ich fokussiert bin, dann kann ich hier gewinnen.“

Tiago Ferreira, der die Titelverteidigung nach 3:17:25 Stunden nur um eine Sekunde verpasste, zeigte sich als fairer Zweiter. „Alban war im Sprint zu stark, aber ich bin sehr glücklich über meine Silber-Medaille. Mein Plan ist aufgegangen, weil ich die Gruppe sprengen konnte“, sagte der Portugiese. Für den zeitgleichen Daniel Geismayr war Bronze die erste WM-Medaille. Dass er Gold so knapp verpasste, ärgerte ihn nicht: „Klar ist es schade, wenn man so nah dran ist. Aber ich bin einfach kein Sprinter. Ich bin sehr glücklich über Bronze, eine WM-Medaille war immer mein Traum“, meinte Geismayr.

Lakata triumphiert nach einem langen Zielsprint.

Rot-Weiß-Rot: Extra für die WM bekam Lakata sein Canyon Exceed in den Nationalfarben Österreichs.

Dem Niederländer Mathieu van der Poel blieb am Ende nur der undankbare vierte Platz.

Jubelt über seinen dritten WM-Titel: Alban Lakata.

Das Herren-Podest: Tiago Ferreira, Alban Lakata und Daniel Geismayr (von links).

Die Top 20 Herren: Das Ergebnis der Marathon-WM 2017 von Singen.

Spitz und Dahle-Flesjaa holen achte WM-Medaille

Bei den Damen wurde das Rennen elf Kilometer vor dem Ziel durch eine umstrittene Situation entschieden. Die Schweizerin Jolanda Neff wollte als Erste in den Singletrail am Heilsberg einbiegen, doch Annika Langvad drückte sich noch vorbei. Die Dänin stürzte allerdings 20 Meter später und lag neben dem Trail.

Neff und Sabine Spitz fuhren vorbei. Als jedoch Gunn-Rita Dahle-Flesjaa (NOR) die Dänin passieren wollte, blockierte Langvad beim Aufsteigen die Fahrspur. Das empfand Gunn-Rita Dahle-Flesjaa später im Gespräch als „nicht fair“. Trotz des Sturzes und eines kleinen Rückstands konnte Langvad bis zum letzten Anstieg am Plören, sechs Kilometer vor dem Ziel, die Lücke zu Spitz und Neff wieder schließen.

Am Berg forcierte die Specialized-Pilotin und amtierende Cross Country-Weltmeisterin das Tempo und nur Spitz konnte folgen, zu Neff ging eine Lücke auf. Langvad und Spitz kamen gemeinsam auf den letzten Kilometer. Nachdem sich Langvad etwas zurückhielt, übernahm Spitz die führende Position. 500 Meter vor dem Ziel griff Langvad dann an. „Ich bin am Hinterrad geblieben“, berichtet Sabine Spitz, „aber ich hatte nicht die Geschwindigkeit, um noch mal vorbei zu gehen.“ So blieb der 45-Jährigen die Silbermedaille, ihre achte WM-Medaille auf der Langdistanz. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. In der ersten Runde habe ich zwar Tempo gemacht, aber ich denke nicht, dass das zu viel war. Ich wüsste nicht, was ich hätte anders machen sollen“, erklärte sie mit einem Lächeln. „Vor zwei Jahren habe ich hier bei der EM im Sprint gewonnen, jetzt habe ich verloren. So ist halt der Rennsport.“

Der Zielsprint im Damen-Rennen: Annika Langvad jubelt wenige Meter vor Sabine Spitz.

Nach dem Cross-Country-WM-Titel holte Annika Langvad nun auch das Regenbogen-Jersey auf der Langstrecke.

Die drei Medaillengewinnerinnen der WM in Singen: Sabine Spitz, Annika Langvad und Gunn-Rita Dahle-Flesjaa (von links).

Annika Langvad, die erst kürzlich ihr Zahnmedizin-Studium abgeschlossen hat, zeigte sich fast erstaunt. „Ich wusste, es wird ein taktisches Rennen. Nach meinem Sturz musste ich wirklich kämpfen, um noch mal zurückzukommen. Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg. Es ist ein riesiger Bonus, nachdem ich mein Studium abgeschlossen habe. Ich genieße das wirklich so sehr, es ist unglaublich.“

Gunn-Rita Dahle-Flesjaa schaffte es auf den letzten 500 Metern, noch an Jolanda Neff heranzufahren und ihr die Medaille zu entreißen. „Sie sah schon etwas steif aus und ich wusste, dass ich sie noch einholen kann. Es ist schade, mit der Situation im Singletrail, aber ich kann froh sein, dass ich noch Bronze gewonnen habe. Eine WM-Medaille ist eine WM-Medaille“, sagte die Norwegerin, für die es ebenfalls die achte WM-Medaille war.

Top 20 der Damen: Das Ergebnis der Marathon-WM 2017 von Singen.

Themen: Alban LakataBIKE 8/2017MarathonRennberichtsingenUCI Mountainbike WMWeltmeisterschaften


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